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Verstehen, Empathie und Kommunikation

Gute Beratung auch ohne Empathie?
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus einer Schriftenreihe, die das "Sehpferd-Team" zum Thema "Kommunikation 2026" verfasst hat. Der Artikel enthält Informationen über die im Titel genannten Begriffe wie auch eigene Ansichten zur Entwicklung von Kommunikationsseminaren.

Empathie - ein recht ungenauer Begriff aus der "Bildungssprache"

Empathie bedeutet „Mitgefühl“, also sich in die Lage anderer gefühlsmäßig hineinversetzen zu können und sie dadurch besser zu verstehen. Sie gilt als eine der Grundlagen der menschlichen Gesellschaft und zu den Eigenschaften, die wir während der Evolution erworben und ausgebaut haben. In religiösen Kreisen spricht man auch von „Nächstenliebe“.

Was Empathie mit "Verstehen" zu tun hat - und was nicht

Allerdings beruht das Gefühl, verstanden zu werden, nicht auf Empathie, sondern ergibt sich aus Gesprächstechniken und Gesprächsstrukturen. Das bedeutet: Menschen können mithilfe von Kommunikation „Empathie“ erzeugen, indem sie bestimmte Gesprächstechniken erlernen. Das ist nicht besonders verblüffend, seit Carl Rogers gelehrt hat, wie „einfühlendes Verstehen“ funktioniert. Die dabei verwendete Methode besteht darin, die Gefühlswelt eines anderen Menschen so zu betrachten, als ob man diese Person wäre. Die Technik, die dabei verwendet wird, ist eine Variante des „aktiven Zuhörens“, die nicht auf den Bereich der humanistischen Psychologie beschränkt ist – jeder Mensch kann sie erlernen und nutzen.

Wie die KI Empathie simuliert
Eine liebe Freundin durch KI?

Seit wenigen Jahren benutzen Computerprogramme diese Technik, um die Gefühle von Menschen zu beeinflussen. Dabei geht es allerdings nicht um das „Verstehen“, sondern um unterschwellige Manipulation. Das funktioniert ungefähr so:

Das Programm erkennt anhand der der Wortwahl, welche Ansichten und Gefühle für den menschlichen Dialogpartner wichtig sind. Immer, wenn solche Begriffe erkannt werden, bestätigt der künstliche Gesprächspartner die Gefühle und Ansichten. Der Benutzer glaubt in vielen Fällen sogar, einen Freund oder möglichen Partner gefunden zu haben, während er in Wahrheit manipuliert wurde.

Das ist ziemlich genau die Umkehrung dessen, was gewöhnliche Menschen tun würden: Sie würden versuchen, die eigenen Ansichten und Gefühle mit denen der anderen Person abzugleichen.

Das Beispiel zeigt, dass angebliche „empathische“ Kommunikationsmethoden lediglich Werkzeuge sind, die sich sowohl zum Nutzen anderer wie auch zu deren Schaden einsetzen lassen.

Hinweis: Der Autor hat jahrelang Kommunikation unterrichtet, bevor er zur IT wechselte.
Interessenten am Thema können sich jederzeit an die Redaktion des Magazins "sehpferd" wenden. Es gibt natürlich auch weitere Informationen zur Grafik, die hier ausgespart wurden.

Für Anfragen zum Thema Kommunikation:
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Für alle anderen Anfragen: email an den chef

Bild: © 2026 by sehpferd

Shameless – ist das „schamlos“?

Schauen wir mal aufs Altenglische: Dann könnte das Wort so viel wie „frei von Schande, tadellos oder entschuldbar“ bedeuten. Aber wir leben ja nun mal nicht im Jahr 1200 und auch nicht in England.

In der Tat bedeutet es heute – im Vereinigten Königreich wie auch bei uns - „schamlos“. Und „schamlos“ steht im Delischen für jemandem, der etwas „über Gebühr“ versucht: ein schamloser Wüstling, ein solcher Ausbeuter oder Betrüger. Wenn man so will also ein ehrloser Mensch.

Was bedeutet "schamlos"?

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache kennt zwei aktuelle Bedeutungen:

1. Grob gegen Sitte und Anstand verstoßend, unsittlich, unanständig.
2. Ohne jede Scheu sich über die Grenzen des Taktes hinwegsetzend, unverschämt, dreist, unverfroren.

Es gibt eine andere Bedeutung, wenn jemand sagen will, dass er in einer Situation keine Scham empfindet, etwa dann, wenn er sich dort entkleiden soll, wo es angebracht ist. Dann würde man sagen, diese Person würde etwas „ohne Scham“ tun. Die Bedeutung wäre dann „ohne zu erröten“ oder etwa in einer ähnlichen Situation „frei von Scham“ zu sein. Das gilt insbesondere dann, wenn bekannt ist, dass viele Menschen solche Situation aus „falscher Scham“ meiden.

Schamlos als sogenannter "Datingtrend"?

Und nun lese ich, dass es einen „neuen Datingtrend“ gibt: „Shameless Dating“ genannt. Wie fast immer, steckt ein Dating-Unternehmen hinter dem angeblichen Trend – und Journalisten verbreiten solche „Trends“ in Windeseile.

Klar, das steckt auch etwas Sinn dahinter: „Du sollst deinen Partner beim Treffen nicht verkohlen“, heißt es salopp. Und im Text:

„'Shameless Dating' ... (sagt) ... der gespielten Harmonie den Kampf an.“

Bei so viel Unsinn gehen mir die Zehennägel hoch. Denn es war noch nie richtig, den zukünftigen Partner nach Strich und Faden zu belügen – so wenig, wie es empfehlenswert ist, gleich mit den Sexwünschen ins Haus zu fallen. Und abgesehen davon sagen Trends gar nicht an. Es sind nach wie vor Menschen, die etwas bewirken.

Trend gegen Trends - so herum und anders herum "wissenschaftlich"?

Umes ganz klar zu sagen: Der „neuste“ Dating-Trend ist ein Trend gegen so viele andere Trends, die ebenfalls niemals „Trends“ waren. Und „ehrlich“ lässt sich ebenso blumig inszenieren wie „hard to get“. Beide sind angebliche Trends und beider wurden angeblich „wissenschaftlich“ untersucht. Im Grunde versuchen Partnersuchende dabei, ihre vorgebliche Attraktivität dadurch zu vergrößern, dass sie nahezu unerreichbar sind. Auf Deutsch sagte man wohl auch „sich rarmachen“ oder man benutzt Sprüche wie „willst du was gelten, mach dich selten.“

Nun fehlen nur noch zwei Namen: Die Dating-App, die dahintersteckt und das Etikett „Gen Z“. Und ein Blick in Suchmaschinen: überall ähnliche Texte mit ähnlichen Folgerungen.

Ich vermute, dass sich weder die „Gen Z“ noch irgendjemand anders wirklich solchen Trends folgt. Denn noch sind wir Menschen und nicht Tanzbären der Dating-Branche.

Quellen, Zitate.

Hauptquelle: Esquire (deutsch)
Sprachvergleich (englisch): etymonline
Sprachbegriff (deutsch): dwds. (2 wörtliche Zitate)
Ursprüngliche Herkunft der Daten: Pressroom.
Gegensätzlich mit wissenschaftlichem Hintergrund: deutsche welle.

KI - verschwinde aus allem, was Liebe angeht

Es ist kaum zu erwarten, dass wir die KI durch Gesetze eindämmen können. Und wir müssen wirklich damit rechnen, dass KI von ideenreichen Softwareingenieuren offen oder verdeckt eingesetzt wird. Das gilt natürlich auch für die privaten Benutzer – denn der Traum, etwas mit der KI zu „verbessern“, treibt vor allem diejenigen an, die am wenigsten Erfolge haben.

Selbst der Papst hat sich nun dazu geäußert – und nicht aus religiösen Motiven, sondern aus der berechtigten Sorge, dass wir uns von der KI leiten lassen – also nicht von unseren eigenen Motiven. Ich zitiere hier mal:

Wir brauchen Gesichter und Stimmen, um wieder das Menschliche zum Ausdruck zu bringen. Wir müssen die Gabe der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschseins bewahren und jede technologische Innovation darauf ausrichten. (auf X)

Klar – auch das sind nur Appelle, die ohnehin nur die erreichen wird, die selber in der Lage sind, nachzudenken. Teile der Branche sind längst überzeugt, dass sie mit KI mehr Geld scheffeln können als ohne.

Warnungen und Geschäfte mit Gefühlen

Es mag also durchaus inzwischen aussichtslos sein, Appelle zu verbreiten. Denn auf jeden Warner kommen zwölf Dutzend profitinteressierte Menschen, die KI für Liebes- und Kennenlernfragen nutzen werden.

Bestenfalls bei Privatleuten habe ich noch Hoffnung, dass sie nicht auf die KI mit all ihren Avataren, Chat-Bots und künstlich „veredelte“ Realmenschen hereinfallen.

„Seid vorsichtig!“ – da ist der harmloseste Appell, den ich an euch richten kann. Wenn ihr KI nutzt, um besser „rüberzukommen“, seid ihr Opfer und Täter zugleich. Opfer einer schamlosen Umbewertung von Personen in Objekte. Und Täter, weil ihr diese Tendenz mit eurem Einsatz fördert – ob ihr das nun wollt oder nicht.

KI ist sinnvoll - abe nicht in der Gefühlswelt

Um es noch mal klar zu machen: Ich bin kein KI-Gegner – kein vernünftiger Mensch wird sich gegen diese Entwicklung stellen, wenn es um eine größere, verlässlichere Wissensbasis geht. Aber wenn wir von Gefühlen sprechen, dann sprechen wie von unserem Inneren zu dem Inneren eines anderen Menschen. Und das muss so bleiben, sonst gerät unsere soziale Kultur aus den Fugen.

(1) Papst Leo XIV auf „X“:

We need faces and voices to once again speak the person. We need to safeguard the gift of communication as the deepest truth of the human being, and to orient every technological innovation toward it.

Die Halluzinationen des Computers

Wenn Menschen etwas nicht genau wissen und auch nicht über die nötigen Quellen verfügen, um es nachzusehen, dann behaupten sie einfach irgendetwas.

Auch intelligente Menschen nutzen Behauptungen

Das tun sogar intelligente Menschen. Haben sie mal etwas von Sigmund Freud, Carl Gustav Jung oder Wilhelm Reich gelesen, dann nehmen sie oft an, dass es sich dabei um allzeit gültige, wissenschaftlich fundierte Tatsachen handelt. Allein der Gedanke, dass es kühne Erfindungen sein könnten, wird selten geäußert.

KI behauptet und halluziniert

Was aber tun künstliche Intelligenzen, wenn sie eine Frage nicht eindeutig beantworten können und dies auch nicht „zugeben“ dürfen?

Sie erfinden Unsinn, mit einem neuen Begriff (jedenfalls für die KI), sie „halluzinieren“.

Der wahrscheinlichste Grund dafür: Die Antworten der KI beruhen auf Wahrscheinlichkeiten, und diese Wahrscheinlichkeiten werden unterschiedlichen, als „verlässlich“ bezeichneten Quellen entnommen. Wie die meisten Menschen auch, greift die KI also auf „Wahrscheinlichkeiten“ zurück, wenn keine Fakten zur Verfügung stehen. Und genau da fängt das Problem an: Der Wahrheitsgehalt schwindet, und das Ergebnis wird fragwürdig.

Ein ausgewiesener Fachmann sagt dazu:

(KI) ist darauf trainiert, das nächstwahrscheinliche Wort zu generieren, sodass der Text kohärent klingt.

Kohärent sein heißt: „In einem vernünftigen Zusammenhang stehend“. Doch die höchstwahrscheinliche Verbindung kann richtig, falsch oder absolut unsinnig sein.

Wann KI unzuverlässig wird

Dies wirft wieder ein Licht darauf, was KI wirklich tut: Sie arbeitet mit zahllosen Annahmen und Wahrscheinlichkeiten aus unterschiedlichen Wissensgebieten, in denen die Frage behandelt wird. Zudem seht sie in Verdacht, Mainstream-Meinungen zu bevorzugen, weil diese in Datenbanken häufiger vorkommen als abweichende Meinungen.

KI, Suchmaschinen, Formulierungen und bekannte IT-Gesetze

Übrigens finden wir daran eine weitere Parallele zu einem lebendigen Menschen, der hofft, die Antworten in konventionellen Suchmaschinen zu finden. Was ihm zuerst angeboten wird, sind die am häufigsten vertretenen Ansichten, die nicht selten als Fakten ausgegeben werden.

Ich erinnre mich an eines der ersten Gebote meiner eigenen IT-Karriere. „Wenn du etwas unklar oder ungenügend formulierst, kann der Programmierer es nicht vernünftig umsetzen“, oder drastischer: „Wenn du Mist vorgibst, kommt auch Mist heraus.“

Soweit heute zur KI, die uns einerseits so viel Nutzen bringt, während sie und andererseits verdummt – oder besser: uns zu einseitigem Denken verleitet.

Zitat: ERGO

Gefühle - wer weiß wirklich, wie "WIR" fühlen?

Das Wissen in den Naturwissenschaften ändert sich schneller, als wir geahnt haben. Zwar treten einige Wissenschaftskritiker schon auf die Bremse, wenn von einer „Halbwertszeit“ von nur fünf oder auch nur 12 Jahren die Rede ist. Andererseits war von zwei Mal zwölf Jahren gerade mal das Jahr 2000.

Na schön – werfen wir einen Blick auf die Geisteswissenschaften. Deren Verfechter leben zum Teil noch nach dem Grundsatz, dass „grundlegende“ wissenschaftliche Erkenntnisse gar keine Halbwertszeit haben – sie gelten für immer und ewig.

Und die Psychologie? (Zitat)

In „einigen Disziplinen, wie etwa der klinischen Gesundheitspsychologie und in anderen klinischen Fächern, veraltet Wissen sehr schnell, nämlich innerhalb von sieben bis elf Jahren … in anderen Disziplinen, wie etwa der Psychoanalyse, bleibt der Wissensstand hingegen viele Jahre konstant (hier: 18 Jahre)."

Als ich ein junger Mann war, gab es eine Art „Revolution“ in allem, was die Psyche betraf. Die Kybernetik verschaffte sich durch einen Hintereingang Zutritt zur „Gesellschaft der versteinerten Denkweisen“ und revolutionierte sie für kurze Zeit.

Danach sprach man von Rückkoppelungen – das ist nicht mehr und nicht weniger als das Prinzip, aus dem Leben hervorgeht. Es war – und ist – die plausibelste Erklärung für allerlei merkwürdige Phantome des Menschseins. Kybernetik erklärt keinesfalls alles. Mir scheint jedoch, dass man die Erkenntnisse der technischen Wissenschaften udn der biologischen Fakten damit so schnell wie möglich wieder ausblenden wollte. Und falls es eines Beweises bedarf: die nächste Stufe war die Rückbesinnung auf Esoterik.

Denn nach und nach ginge man zu den ehrwürdigen Gralshütern zurück, wie etwa zu Sigmund Freud oder C.G. Jung. Und es war für mich keine Überraschung, dass die Psychobranche bald in Esoterik versank. Wer „links“ war, las plötzlich Wilhelm Reich, wer modern sein wollte, zitierte die humanistischen Psychologen, von den Carl Rogers noch der glaubwürdigste war.

Ich will euch nicht langweilen mit diesen Namen. Aber die Erkenntnisse aus alldem sollten eigentlich sein, nicht auf bloße Vermutungen und Beobachtungen hereinzufallen.

Fehlt der Psychologie oftmals die wissenschaftliche Grundlage?

Seit ich über Gefühle schreibe und die Hintergründe verstehe, habe ich meine Zweifel, ob die psychologische Theorie von Menschen überhaupt eine wissenschaftliche Grundlage hat. Und bevor es Proteste hagelt: Ich denke dabei nicht an die beiden Menschen, die gemeinsam für den Erfolg einer Therapie verantwortlich sind: Psychotherapeut und Klient.

Verbreitung von Unsinn über "uns" anhand eines veralteten Menschenbilds?

Nein, ich denke an den tausendfach verbreitetet Unsinn darüber, wie „wir Menschen sind“. Und ich denke an all diese Klischees, Zuweisungen und Etikettierungen, die „wir“ dabei ertragen müssen.

Wer ist eigentlich "Wir"?

Nur „wir“ wissen, wie wir uns fühlen – egal, ob nach einem medizinischen Eingriff oder als Klient, der mit seinem psychischen Wohlbefinden hadert. Und „wir“ waren und sind die Quellen, aus denen die meisten Helferinnen und Helfer ihr Wissen und Können schöpfen.

Die Gefühle? Gerade sie gelten als „ewige Wahrheiten“. Doch wer genau hinsieht, wird finden, dass nur grobe Fundamente, die uns die Natur mitgegeben hat, „auf ewig“ stehen bleiben. Der Rest ist ein Gemisch aus Dichtung und Wahrheit, Zeitgeist und Wunschdenken.

Zitat: kvh-journal"