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Der Familienmensch

Je mehr ein Wort inflationär verwendet wird, umso mehr sinkt sein Wert. So erging es dem Wort „Familienmensch“. Bis etwa 1985 war es so gut wie nie in Gebrauch, doch heute führen es viele Menschen im Munde.

Säuseln durch die Blume - der Familienmensch

Wer von sich behauptet, ein „Familienmensch“ zu sein, will herausstellen, dass er sich in einem kleinen sozialen Gefüge wohlfühlt. Der Single auf Partnersuche säuselt damit durch die Blume, dass er gerne eine Familie gründen würde.

Wir sind alle zunächst Menschen ... und erst dann Familie

Reden wir mal Tacheles. Wir sind Menschen, und ein ziemlich großer Teil von uns lebt in festen Beziehungen. Eine Untergruppe dieser festen Beziehungen wurde zur Familie erweitert. Das qualifiziert uns aber nicht, uns als Familienmenschen zu bezeichnen. Falls wir wirklich „Familienmenschen“ sein wollen, müssen wir eine Voraussetzung erfüllen. Die Bereitschaft, die ursprüngliche Familie zu verlassen, um eine neue Familie zu gründen. Mit anderen Worten: Wir belieben nicht ewig „Sohn“ oder „Tochter“, auch wenn wir uns gelegentlich daran erinnern, es zu sein.

Jargon der Nesthocker

Merkwürdigerweise benutzen die „Nesthocker“ das Wort „Familienmensch“ über Gebühr. Also Menschen, die sich in der Familie als „Kinder“ von 25, 30 oder noch mehr Jahren „eingenistet“ haben. Sie wissen, wie bequem so etwas sein kann. Ich las sogar, dass wir „Aus tiefstem Herzen“ von „Grund auf und unverrückbar“ Familienmenschen sein können.

Alles Romantik-Kitsch?

Ist das alles glaubwürdig? Oder könnten es in Wahrheit romantisierte Wunschvorstellungen sein? Ist der selbst ernannte „Familienmensch“ wirklich eine Person, die sich die emotionalen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Heirat und Familie vorstellen kann?

Wenn wir weiterhin solche windigen Ausdrücke wie „Familienmensch“ benutzen, dann ignorieren wir, dass wir Eigenschaften haben, die zusammen mit den Eigenschaften des anderen ein Ganzes bilden sollten.

Mein Fazit? Das Etikett "Familienmensch" ist lächerlich

Zu behaupten, ein „Familienmensch“ zu sein ist eine – zugegeben gut klingende - Form der Verdummung. Menschen sind Wesen mit einer großen Palette von Eigenschaften. Wer sich mit lächerlichen Etiketten wie „Familienmensch“ an den Partnermarkt begibt, riskiert, für plakativ gehalten zu werden.

Gender: Welche Fakten sind eigentlich "Fakten"?

Da ist ein neues Buch - es mag nicht perfekt sein, aber es ist ein Versuch, dem Gender-Populismus etwas entgegenzusetzen.

Als ehemaliger Vorreiter der Selbsthilfe-Bewegung weiß ich sehr genau: Man muss die Betroffenen hören. Und dennoch ist das, was sie sagen, nicht „die Wahrheit“. Die Wahrheit ergibt sich erst, wenn Ideologien, Widersprüche und fließende Befindlichkeiten ausgefiltert werden und ein Gesamtbild entstehen kann. Insofern mag der Philosoph Christoph Türcke nicht genau genug recherchiert haben, als er sein Buch „Natur und Gender“ schrieb.

Ansonsten hat Türcke, das muss selbst der Kritiker des „Deutschlandfunks“ zugeben, „alles richtig gemacht“.

Dabei wäre noch die Frage zu stellen, ob das Thema „Gender“ überhaupt philosophisch betrachtet werden kann. Es liegt im Grenzbereich zwischen einer populären Richtung der Soziologie, die allerdings kaum Fakten zu bieten hat und den Naturwissenschaften, die nichts als Fakten anbieten. Hinzu kommt das Jonglieren zwischen Fakten und Beobachtungen, die aus Befindlichkeiten geschaffen wurden. Auch sie werden manchmal als „Fakten“ bezeichnet.

Kann man daraus eine verbindliche „Wirklichkeit“ ziehen? Ich bezweifele es.

Ausgelaust - mal ein anderer Appell

Am Sonntag noch waren Nikolaus und Nicola Themen, aber der Dezember sollte nicht den „Santas“ und „Sataninen“ gewidmet sein. Die Kläuse mögen noch mal auftauchen, als Weihnachtsmänner. Aber Weihnachtsmänner haben wir eigentlich genug, die vorne heraus Äpfel, Nüss‘ und Mandelkern versprechen und hinten heraus die Rute hervorholen.

Der Kinderglaube mag für Kinder gut sein - das war's dann aber schon

Wo leben wir denn? Ich meine, wir Erwachsenen? Wollen wir uns ewig mit bayrischen Christkindern und nordischen Weihnachtsmännern beschäftigen?

Klar ist es romantisch, mal wieder echte Kerzen anzuzünden. Klar ist der Tannenbaum der Inbegriff des ewigen Grüns, das bald wiederkehren wird. Und wirklich - die „Heiligen Drei Könige“ in Basel sammeln auf der Straße definitiv fleißig für den guten Zweck. Ich verkenne keinesfalls, dass Traditionen zu Weihnachten einen Sinn haben.

Aber nun mal Tacheles: Wir brauche mehr Licht. Nicht im Außenbereich - da flackern die Lichterketten mittlerweile auf jedem Balkon. Sondern in uns. Wir müssen jeden Tag unseren Alltag meistern. Wir brauchen dazu Zuversicht, und wir müssen sie in uns suchen.

Keine Opfer fordern - Zuversicht ausstrahlen

Ich sag mal, wie’s ist: Wenn man sich vor eine Fernsehkamera stellt und Opfer fordert, dann ist das schnell abgehakt - billige Sprüche sind im Dutzend billiger. Und - auch das sei gesagt: Das Evangelium zu verkünden, ist auch billig. Eine „Frohe Botschaft“? Wessen Flamme soll sie entzünden?

Kreativ sein kann helfen

Nein - das wahre Licht muss aus uns selbst herauskommen. Die Kreativen unter uns wissen schon lange: Sobald ihr Licht sich verdunkelt, wird auch das Licht der anderen schwächer. Also lasst uns kreativ sein. Bloggt wieder etwas, komponiert ein neues Lied, malt ein neues Bild. Und nutzt die „Stille, Heilige Nacht“, um einen Schritt in die Zukunft zu tun - und nicht, um über die Gegenwart zu seufzen.

Die positive Pandemie und anderer Unsinn

Macht euch nicht zum Affen - genießt es, den Lebensweg selbst festzulegen
Was kann an einer Pandemie „positiv“ sein? Die Konservativen sagen es noch hinter vorgehaltener Hand, aber dennoch ziemlich deutlich. Denn ihnen stinkt alles, was heute abgeht: Viel zu liberal, viel zu freizügig.

Das Kennenlernen für die Liebe ist gefährlich - und das soll positiv sein?

Der Konservative freut sich beispielsweise wie ein Schneekönig, wenn es gefährlich ist, einander kennenzulernen. Oha! Der Umgang mit Fremden war noch nie risikolos, der intime Umgang mit ihnen sogar sehr risikoreich. Man denke nur an die „sexuell übertragbaren Krankheiten“, auch an die vor HIV.

Kurz: Die alten Zeiten müssen wieder her - wie war das noch?

„Wir tanzen wieder Polka, wie früher Tante Olga?“

Ein hopsasa! Da war die Welt noch in Ordnung! Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als Frauen noch keusch und züchtig waren? Ja? Dann müsste ihr schon ziemlich alt sein, aber Alter ist ja keine Schande. Und fandet ihr das gut, Affentänzchen aufzuführen? Oder ab und an mit „der Tochter“ ausgehen zu dürfen, vorausgesetzt, ihr brachtet sie von 10 Uhr unbeschadet an Geist, Seele und Körper wieder zurück? Und dann der Moment, in der ihr um „ihre Hand angehalten“ habt?

Die neue Moralin-Keuschheit

Gut, ich übertreibe gerade. Aber es gibt eine große Anzahl von Menschen und Institutionen, die nun den Zeigefinger heben und sagen: „Seht, diese ziellosen Treffen, die müssen aufhören. Ihr müsst vorher überprüfen, ob euch ein Partner zusagt, und das bitte recht gründlich. Wenn nicht ... oh, oh, dann müsst ihre eines Tages zum Paartherapeuten. Erst Sex, dann richtig kennenlernen? Das ist aber höchst gefährlich für die zukünftige Ehe.“

Ob diese konservativen Typen nun darin „recht haben“ oder nicht - es ist Sache eines jeden, seinen Lebensweg so zu gestalten, wie es ihm gefällt.

Und gleich mal mehr konservative Forderungen stellen?

Ja, und es ist auch eine gute Gelegenheit, erneut über Prostitution zu diskutieren, und darüber, ob die Ehe nicht doch besser gegengeschlechtlichen Paaren vorbehalten sein sollte. Und überhaupt müssten wir eine „neue Wertediskussion“ beginnen.

Wer? Für wen? Warum? Weil wir von einer Pandemie überrascht wurden? Haben wir nicht genügend Probleme damit, sie zu überwinden? Muss sich nicht in jeder einschränken? Und reicht das immer noch nicht? Müssen die Moralhansel uns noch etwas vorplärren?

Den Lebensweg frei machen für das eigene Glück

Nein - auf keinen Fall solltet ihr euch auf Moralprediger einlassen. Ich schlage vor, den Lebensweg voller Freude und Zuversicht, wenngleich mit Vorsicht einzuschlagen. In Freiheit und Selbstbestimmung Erfolg zu haben und auch einmal zu versagen: Das ist Leben. Das andere ist die Diktatur der Pseudo-Eliten, der Besserwisser, der Nicht-Gönner.

Und was können wir wirklich tun?

Gönnt den Menschen einfach die Freiheiten, die ihnen verblieben sind - sie verdienen es. Und macht den Lebensweg. eines jeden frei, statt Hürden aufzustellen, die ihn zögern lassen.

Bild oben: Vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gedruckte Postkarte. Der Künstler konnte leider nicht ermittelt werden.

Ein immerwährender Satz zu Liebe, Glück und Erfolg

Ein Satz, der mein gesamtes Bloggerleben, also mindestens die letzten 15 Jahre, begleitete, ist ein Grundsatz, den mir vor vielen Jahren einmal ein Arzt verriet.

Eine Änderung des Zustands kann durch eine Maßnahme, trotz einer Maßnahme oder unabhängig von einer Maßnahme erfolgen.

In der Schule lernen wir es anders, und die einfältigen Menschen glauben ihr ganzes Leben daran: Unsere Maßnahmen werden durchgeführt, um positive Wirkungen zu erzielen. Haben sei diese Wirkung, so rühmen wir uns, sie erzielt zu haben. Haben sie keine Wirkung, sind nicht unsere Maßnahmen dafür verantwortlich.

Nachprüfbar oder nicht?

Nun gibt es ohne jeden Zweifel wirksame medizinisch, emotionale, soziale und technische Maßnahmen, die etwas zum „Positiven“ hin verändern – jeder wird dies schon einmal erfahren haben. Das beruht darauf, dass es viele ähnliche Fälle gibt, in denen sich diese Verfahren bewährt haben. Und eben auch darauf, dass dies nachprüfbar ist.

Zumeist nicht nachprüfbar: Glück und Erfolg

Gerade im esoterischen, psychischen und emotionalen Bereich sind „Erfolge“ oft reine Spekulation. Eine zufällige Begegnung kann ausreichen, um einem Menschen das höchste Glück zu verschaffen oder ihn in tiefes Leid zu stürzen. Oder gar nichts zu bewirken, wie dutzende anderer Begegnungen zuvor.

Fragwürdige und falsche Gründe für Erfolg und Misserfolg

Wer Erfolg hatte, sie es privat oder beruflich, wird oftmals Gründe nennen, warum es so war. Der Erfolglose hingegen glaubt, keinen Anteil daran zu haben. Gerade las ich die Behauptung, Talente würde immer durch andere hervorgebracht – ein völliger Unsinn. Seit ich über die Liebe und die Partnerschaft schreibe, höre ich, dass der Misserfolg immer auf andere zurückzuführen ist – ein gefährlicher Umkehrschluss der Behauptung. Oh nein – der Erfolg erwächst aus uns selbst, auch wenn wir nicht genau wissen, wie wir „die Sache gedeichselt“ haben. Und der Misserfolg kommt ebenfalls aus uns selbst. Er ist nicht ehrenrührig, denn auch erfolgreiche Menschen haben schon einmal versagt. Neben unserem Talent und unserem Willen benötigen wir günstige Zufälle und etwas Glück, das man kaum beeinflussen kann.

Man sagt, das Glück lache am Ende nur dem Tüchtigen. Das ist nicht ganz richtig, aber der Miesepeter bemerkt nicht einmal, wenn der kleine Finger des Glücks in berührt.

Insoweit wünsche ich euch Freude im Mai und ein lustvolles Wochenende, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.