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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Einer der Wünsche für 2022 - es folgen noch ein paar

Hört endlich auf mit dem elitären Geschwätz!

Es ist nicht mein größter Wunsch, dass sich Soziologen/Soziologinnen endlich wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, statt Ideologien zu verbreiten.

Hört auf mit eurer schrecklichen Gender-Sprache! Ein Autor, der sich gängeln lässt, ist kein Autor, sonder eine Sklave elitärer Minderheiten. Und da gilt auch für Autorinnen. Ja, es gilt für alle, die sich der Freiheit verschrieben haben.

Also: Ihr schafft euch damit keine wirklichen Freude, aber zahllose Feinde - und einige davon stehen nun einmal auf der extrem konservativen Seite. Ich kann daran nichts ändern - ich bin liberal. Und liberal zu sein und sich nach Definitionsmacht gierenden Soziologinnen unterzuordnen - das passt einfach nicht. Selbst dann, wenn es "Soziologen" sein sollten, die in die gleiche Tröte pusten.

Hört auf, andere zu bevormunden! Tut, was ihr wollt, aber zwingt anderen nicht euren Willen auf!

P.S.: Beifall von der falschen Seite wird nicht akzeptiert.

Das Selbstwertgefühl

Es gibt viele Ansätze, das Selbstwertgefühl zu erklären, aber nahezu niemals einen kurzen, prägnanten Satz dazu, was es ist. Das liegt teilweise daran, dass selbst die Wissenschaft keine eindeutige Definition besitzt.

Wenn wir das „Selbst“ als Summe unseres Wesens wahrnehmen und es mit unserer Persönlichkeit gleichsetzen, nähern wir uns dem Thema ein wenig. Offenbar kann dieses „Selbst“ von uns bewertet werden. Dann ist es also der Wert, den wir unserer Persönlichkeit beimessen.

Das alles könnte man so stehen lassen, wenn wir es nicht „Gefühl“ nennen würden. Denn es ist kein Gefühl, sondern die Sichtweise, die wir auf uns selbst haben.

Selbstwertgefühl als Schlagwort

Doch warum ist das Wort in aller Munde, wenn es doch eigentlich nur ein schwammiger Begriff aus der Psychologie ist?

Das Lexikon für Psychologie und Pädagogik hilft uns, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, nämlich (Stangl, 2021):

Das Selbstwertgefühl war ... lange ein in der Psychologie und auch anderen Humanwissenschaften wenig beachtetes Phänomen, wobei man sich heute nicht nur in der psychologischen Forschung dafür interessiert, sondern es hat auch die boomende Selbsthilfeliteratur das Selbstwertgefühl als einen Schlüssel für Erfolg und Glück entdeckt.


Selbstwertgefühl - der Schlüssel zu Erfolg und Glück?

Das bedeutet kaum weniger, als dass einige Menschen glauben, sie könnten durch ein „gesteigertes“ oder „besseres“ Selbstwertgefühl zu Glück und Erfolg kommen. Und wo Selbsthilfeliteratur angeboten wird, treten normalerweise auch Seminarveranstalter auf. Bei geschickter Vermarktung spült dies Geld in die Kassen der Autoren, Verleger und Veranstalter.

Wenn der Selbstwert wirklich schwach ist

Nun gibt einige Menschen, die unter „Low Self Estem“ (geringem Selbstwertgefühl) leiden und die auch tatsächlich in der Lage wären, sich in neuem Licht zu sehen. Das wäre die Grundvoraussetzung, um „sich“ oder „etwas“ zu verändern. Denn der „Wert“, der im Wort enthalten ist, ist der eigentliche „Knackpunkt“. Wenn sich jemand fragt „was bin ich mir Wert?“, so wird er - alleine oder mit etwas Hilfe - eine Antwort finden. Fragt er sich hingegen: „Was bin ich wert?“, dann begibt er sich aufs Glatteis der Beliebigkeit.

Modifikationen am Selbst, am Wert, am Gefühl?

Wer sich fragt, wie er sein Selbstwertgefühl verändern kann, hat oft Karriere- oder Erfolgsgedanken im Sinn, die mit dem Selbstwert an sich nicht viel zu tun haben. Nehmen wir einmal an, er wolle es verbessern oder „modifizieren“. Will er/sie dann wirklich nur wissen, was er „sich selbst wert ist“? Dann müsste er/sie doch gar nichts verändern.

Fall diese Person nun doch etwas „modifizieren“ will, strebt sie doch eine Außenwirkung an, oder etwa nicht? Karriere, Erfolg, Anerkennung - das zielt doch auch auf Veränderungen beim sozialen Status, oder etwa nicht?

Nehmen wir wieder an, das wäre so - und es gelänge sogar. Was wäre dann?

Rückkoppelung zwischen Umgebung und Selbst nach Veränderungen

Unser „Selbstwertgefühl“ mit Außenwirkung bleibt unserer Umgebung ja nicht verborgen - soll es ja auch nicht. Doch wenn wir es „verändern“ greifen wir automatisch per Rückkoppelung auch in dieses Gefüge ein. Das heißt, das soziale Umfeld wird in irgendeiner Weise auf diese Veränderungen reagieren.

Und nun wird es spannend: Können wir selbst überhaupt dazu „stehen“, was sich verändert hat? Wird sich die Veränderungen positiv auswirken? Oder wird diese Veränderung eher kritisch gesehen? So weit es die Karriere betrifft: Sehen uns bisherige Kollegen nunmehr als Konkurrenten? Müssen wir uns nun mit Menschen verbünden, die wir eigentlich meiden wollten? Oder müssen wir uns gar von Freunden trennen?

Das Selbstwertgefühl als Schlagwort für den Verkauf von Seminaren oder Büchern? Ich rate dringend dazu, das Selbst und seinen Wert vor allem im inneren zu suchen und Friede mit ihm zu schließen.

Gibt es überhaupt ein "Selbst"?

Heute hatte ich eine Anfrage darüber, wie man sein „inneres Selbst“ verbessern könne.

Nun ist dieses „Selbst“ ein Begriff, der vor langer Zeit (ab den 1970er-Jahren) häufig in der Psychologie benutzt wurde und der auch in früheren Zeiten schon in die Esoterik einging.

Um es zunächst klar und unmissverständlich zu sagen: Das „Selbst“ ist immer „innen“. Namen, Definitionen und Betrachtungsweisen wechseln allerdings im Lauf der Geschichte - insbesondere seit Beginn dem 20. Jahrhundert.

Die vielen, vielen Zustände, die wir als Selbst bezeichnen

- Zuerst war nur das ICH, auch als EGO bekannt. Es ist weiterhin gültig, nämlich als die Instanz, die uns ermöglicht, uns selbst wahrzunehmen.
- Seit Sigmund Freud spricht man von auch von einem dreigeteilten ICH, also dem ICH, dem ES und dem ÜBER-ICH.
- Der überwiegende Teil der Psychologen versucht heute, das „ich“ (oder alle ICHs) weitgehend durch das „Selbst“ zu ersetzen.
- Der für andere sichtbare Teil des Selbst wird oft als „Persönlichkeit“ bezeichnet, die sich in „Merkmalen“ zeigt.
- Als das „Innere Selbst“ werden in der Esoterik (auch in esoterischen Zusammenhängen mit der Psychologie) oft „verborgene Eigenschaften“ unterstellt, die durch „Maßnahmen“ erweckt werden können.
- Kybernetisch orientierte Menschen sprechen von einem „inneren Modell“ der Wirklichkeit, das uns hilft, im Alltag sinnvoll und folgerichtig zu handeln. Je mehr sich dieses Modell an der Realität orientiert, umso zuverlässiger ist es einsetzbar.
- Neuerdings wird angenommen, dass alle „Instanzen“ des Selbst durch Lernen entstehen und in einer Weise im Gehirn abgespeichert werden, die auch das „Ich“ (oder das Selbst) beinhaltet.
- Noch weiter gehen mache Ansichten, die auf der Gehirnforschung basieren: Demnach existiert das ICH nicht einmal als feste Instanz - es muss vielmehr ständig vom Gehirn neu gebildet werden. Demnach wäre das ICH eine Konstruktion, die sich ständig verändert.

Was sagt uns all dies?

Je mehr die Wissenschaft in die wahren Funktionen des Gehirns eindringt, umso mehr verschwinden die „liebgewohnten“ Begriffe, die jeder Gymnasiast einmal erlernt hat - und bis heute noch vermittelt bekommt. Doch dabei kommen auch die alten Sehnsüchte wieder auf, dass es „etwas“ geben müsse, was „über den rationalen Denkweisen“ stünde. Genau an diesem Punkt setzt die Esoterik an, die uns sagen will: „Schau, es gibt da etwas, dass du nun kannst, um auf ein „höheres“ Niveau des Selbst oder des Bewusstseins zu kommen.“

Dies mag eine schöne, positive Konstruktion einer Vorstellung sein - aber es hat wenig mit unserer Existenz zu tun.

Das Unterbewusstsein

Das sogenannte „Unterbewusstsein“ ist nicht nur dem Psychologiestudenten, sondern auch jedem Bildungsbürger bekannt. Schließlich will jeder beweisen, dass er (sie) zu den „gebildeten Kreisen“ gehört.

Doch der glänzende Lack des Wortes ist längst verblichen. Man kann also einen Menschen, der das Wort ständig benutzt, um Gefühle, Regungen und Handlungen zu erklären, nicht mehr unbedingt als „gebildet“ bezeichnen.

Um es klar zu sagen: Das „Unterbewusstsein“ ist ein Modell, aber keine Tatsache. Und zudem ist ausgesprochen zweifelhaft, ob ein Bewusstsein, das ständig in „Habacht-Stellung“ ist, biologisch überhaupt sinnvoll wäre.

Wen diese Aussage wundert, und wer wenig Zeit hat, darüber ausführlich nachzudenken, sollte einen Blick in dieses Lexikon werfen.

Gefühle im Bildungsbürger-Deutsch: die Empathie

Heute bin ich - nicht zum ersten Mal - über die „Verwissenschaftlichung“ der Sprache gestolpert. Sie begann, als sich betuchte Bürger aus den (damals sehr teuren) Konversationslexika informierten und dieses Wissen oder Halbwissen dann bei Begegnungen lebhaft verwendeten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts steuern Psychologie und Soziologie zahllose Begriffe bei, deren Bedeutung eher „nebulös“ ist.

Unwort "Empathie"

Nun - mein Wort für heute war „Empathie“. Das Wort steht für eine Fülle von Gefühlen, die mit dem „Verständnis für andere“ zusammenhängen. Wahrscheinlich könnte man Buch über diese Vorgänge schreiben. Es würde von der Entstehung über die Möglichkeiten und Auswirkungen reichen bis zu den Prozessen, die nötig sind, um solche Gefühle zu haben, zu erfühlen oder zu übermitteln.

Das macht aber kaum jemand. Stattdessen wir plakativ behauptet, dies oder jenes sei „Empathie“.

Ei, ei - da ist Widerspruch angebracht - denn das Wort existierte bis weit nach 1900 nicht einmal im Bildungsbürgerdeutsch. Die Tatsache ist leicht, zu beweisen, weil es in den gängigen Konversationslexika fehlt. Bis etwa 1990 (!) kam es auch in der Presse kaum vor - und heute ist es zu einem Modewort geworden.

Ist das Etikett weg, steht der Begriff nackt da

Wenn man das Wort entzaubert und die „Verwissenschaftlichung“ wegnimmt, also das Etikett abzieht, entdeckt man dahinter einen großen Strauß von Gefühlen. Alle basieren mehr oder weniger auf dem Versuch, andere Menschen in ihrem Sein und Fühlen besser zu verstehen.Oder, wie jemand schrieb, die „schwierige und berechnende Aufgabe wahrzunehmen, sich in andere hineinzuversetzen. Das ist eine brauchbare Formulierung, die den üblichen „Gefühlskitsch“ vermeidet.

Erläutern statt Psycho-Geplapper

Der verlinkte Artikel zeigt, dass wir alle verlieren, wenn wir das übliche „Psychogeplapper“ verwenden. Was wirklich nötig ist? Wir müssen uns (auch wenn das sehr rational klingt) über die Prozesse klar werden, die wir benutzen, wenn wir Gefühle verstehen wollen oder von anderen in unseren Gefühlen verstanden werden wollen. Und nur nebenbei: „Verstehen“ ist erlernbar, und ebenfalls erlernbar ist, jemandem das Gefühl zu geben, verstanden zu werden.

Und was sagt uns das?

Je mehr wir Begriffe nachplappern, die wir nicht verstanden haben, umso mehr Schaden richten wir an. Wollen wir hingegen Nutzen stiften, so tun wir gut daran, die Hintergründe menschlicher Gefühlsregungen zu begreifen und unser Verständnis zu vermitteln.

Quellen und zum Weiterlesen:

Ausführliche Beschreibung der Empathie - Gedankenwelt.
Inflation des Begriffs: dwds
Häufigkeit und Verwendung heute: Uni Leipzig
Für Menschen, die sich mit Fremdwörtern schmücken wollen: Bildungssprache
Referenz Konversationslexika: Meyers, Leipzig 1994.