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FDP – kaum noch wählbar?

Wer soll eigentlich noch FDP wählen? Jüngst hat sich Herrn Lindner gegen den Kompromiss für Bootsflüchtlinge ausgesprochen. Egal, wie man dazu steht: Dieser Kompromiss war dringend fällig, um Italien und Malta zu entlasten. Der Rest ist Ideologie und damit kein typisches FDP-Thema.

Oder ist die FDP nun die neue Rechtspartei nach Vorbild der österreichischen „Freiheitlichen“? Will Herr Lindner sich als deutsch-national profilieren?

Ich denke, der FDP fehlt derzeit eine Ausrichtung, die sie für wirklich liberale Wähler attraktiv macht.

Für mich jedenfalls steht fest: wann immer diese Partei meine Stimme bekam (und das war gelegentlich der Fall) – nun nicht mehr. Sie muss erst einmal wieder den Geist der Freiheit und Toleranz atmen, bevor ich überhaupt nur erwägen könnte, sie zu wählen. Und sie muss generationsübergreifende und sozial verträgliche Themen ansprechen, die alle interessieren.

Es gibt (und gab immer) Kräfte in der FDP, die die Partei nach „links“ drängen wollen und solche, die nach „rechts“ abdriften wollten. Die Kernthemen sollten jedoch sein, die Freiheit des Einzelnen und sein Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zu verteidigen.

Wofür kämpfen Sie eigentlich, Herr Lindner? Was will Ihre Partei wirklich für die Bürger erreichen? Was hat der Einzelne davon? Wie kann die FDP beispielsweise die Kultur, besonders die Bildung, aber auch die ärztliche Versorgung in Kleinstädten verbessern helfen?

Über die Probleme der FDP berichtete jüngst die Morgenpost.

Grün: warum Bremen kein Testfall ist

Man ist sich eigentlich ganz grün – die Bürger, die SPD und die Grünen. Wäre ganz hübsch gewesen, wenn es für eine neue Koalition gereicht hätte.

Hat es aber nicht, und so kommt voraussichtlich die „Partei die Linke“ zu Ruhm und Ehren, in der Hansestadt mitregieren zu dürfen – was eigentlich auch nicht weiter stören dürfte.

Mir erscheint sicher, dass die Bürger, die Grün wählten, keine Linkssozialisten in der Regierung wollten. Und mir erscheint fragwürdig, ob noch einmal "vier Jahre SPD" für Bremen sinnvoll ist. Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so.

Die Grünen sind nicht "schuld", wenn es nun eine sogenannte "Linkskoalition" geben sollte

Ich erkläre unverhohlen, dass mein Favorit Schwarz-Grün gewesen wäre – aber da hätte man noch die FDP anhängen müssen. Und nach dem Debakel der letzten Bundestagswahl wollte offenbar niemand mehr mit der FDP verhandeln – auch das mag ein Grund gewesen sein, ins andere Boot zu steigen.

Nein, es sind nicht „Die Grünen“, die den Wähler betrogen haben. Es sind einerseits die Bremer, die „ihre“ SPD zwar deutlich genug abgewählt haben, aber nicht dafür sorgten, dass „Grün“ genügend Stimmen bekam.

Und die beiden düpierten Parteien – der Wahlsieger CDU und die ziemlich angeschrammte FDP – sollten sich mal überlegen, wie sie die beinahe gemeinsam gewonnene Bundestagswahl vergeigt haben. Das bleibt beim Wähler länger hängen als ein neuer Mann, den die CDU aus dem Hut gezaubert hat.

Grün - der Weg in die Parlamente und der Stolperstein

Was soll ich dieser Tage zu Grün sagen? Sie ist die einzige Partei, die halbwegs verstanden hat, was die Jugend bewegt und sie ist auch bereit, dies umzusetzen. Was ihr noch fehlt, ist die Regierungsverantwortung. Dazu würde sie aber (selbst bei möglicherweise gestärkter CDU) wahrscheinlich noch eine Partei brauchen. Und die FDP ist sicherlich eine der Parteien, auf der zwar „liberal“ steht, deren Liberalität aber bisher nicht soweit reichte, mit den Grünen Frieden zu finden.

Was die CDU nun tun sollte? Auf die Grünen zugehen, mit ihr Pläne für eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Europa-Ebene schmieden – und dann vielleicht auch einmal in Deutschland.

FDP - immer noch zu arrogant für die Menschen in Deutschland

Alles, was ich von der FDP hörte, ist: Herr Lindner übte verhalten Selbstkritik. Ansonsten aber sagte die FDP das Gleiche wie CDU und SPD: „Irgendwie haben wir möglicherweise irgendetwas falsch gemacht.“ Braucht ihr nicht. Ihr ward zu selbstgefällig, habt zu wenig an die Bevölkerung (nicht nur an die Jugend) gedacht und ihr habt die falsche Galionsfigur.

Im Übrigen: Wer „die Dinge falsch einschätzt“ ist nicht gut beraten, weiterhin in Politik zu machen.


Unlesbarkeit, FDP und Schein-Eliten

Das FDP-Programm zur Europawahl ist am schlechtesten lesbar. Da werden einige sagen: „Na klar, da haben ja auch lauter Eierköpfe dran gearbeitet.“ Mag sein, denn es gibt für Lesbarkeit 0 bis 20 Punkte und die FDP erreichte gerade 6,2. Und da hören wir mal, wie die Wissenschaft abschneidet:

Eine durchschnittliche politikwissenschaftliche Dissertation erreicht auf diesem Index einen Wert von etwa 0 bis 5 Punkten.


Schade, dass es nicht „-1“ gibt. Manche Soziologen und Genderforscher könnten in diese Kategorie fallen. Wie ich diese Kategorie benennen würde? Och, ich sag einfach mal: "Bewusste Irreführung durch Sprachverwirrung, um zu verbergen, das man nichts zu sagen hatte."

Übrigens las ich, dass die AfD „dicht aufgeschlossen“ ebenfalls professoralen Regeln folgt: Sie erreichen 6,6 auf der Skala der Verständlichkeit.

Man kann es nicht anders sagen - vor allem, wenn man sich nicht bemüht

Die Argumente der Damen und Herrn „Edel-Akademiker“ habe ich mir dutzendfach angehört – bereits in der Schule. Diese Sprache, so hieß es, sei unbedingt nötig, um komplizierte Sachverhalte darzustellen. Komisch, dass es vielen englischsprachigen Wissenschaftlern gelingt, alles etwas einfacher auszudrücken. Selbst meine eher durchschnittlichen Englischkenntnisse reichen aus, um viele dieser diese Texte im Original zu lesen. Irgendwann musste ich mal die Bachelor-Arbeit eines angehenden Informatikers lesen, bevor er sie einreichte. Die Sprache war absolut grausam – und die Antwort verblüffend: „Unser Dozent verlangt von uns, dass wir uns so ausdrücken.“

Ei, ei. Ich hege seit einiger Zeit einen Verdacht: In manchen Bereichen wird eine Sprache erfunden, die verschleiern soll, dass man von sehr wenig fast gar nichts weiß, aber dennoch als klug und wichtig gelten will.

Und das wirklich Schlimme ist: Fast niemand sagt, dass es eine verdammte Scheiße ist, die da produziert wird. Die Ehrfurcht vor dem Altar der Sozialwissenschaften scheint inzwischen größer zu sein als die Ehrfurcht vor der Religion.

Zitat: Klartext.