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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Das Triell - kaum Substanz

Ich habe mir tatsächlich das sogenannte „Triell“ angetan. Der Herr Laschet war ja angetreten, um nun mal richtig Kante zu zeigen und „in den Angriffsmodus überzugehen“. Doch womit? Die Themen, die vom CDU-Mann aufgetischt wurden, grenzten nicht nur an die Polemik des potenziellen Verlierers - sie interessierten auch kaum jemanden. Denn der Wähler will glaubwürdige Konzepte sehen - möglichst Zukunftskonzepte, die jetzt und hier ihren Anfang nehmen.

Zwar konnte sein Haupt-Kontrahent sie auch nicht bieten - doch der Herr Scholz gab sich souverän wie immer - ein Konzept, das offenbar aufging.

Bei den Steuern, einem Lieblingsthema der CDU und sicher auch einem Thema, das uns Wähler ständig interessiert, erfuhren wir, dass es sehr vernünftig ist, von niemandem mehr Steuern zu fordern, sondern Besserverdienende zu entlasten. Das kann man glauben oder auch nicht - in jedem Fall verpasste die CDU damit die Chance, den sozial Schwachen dieses Landes die Hand hinzureichen. Stattdessen war viel von den Sozialkassen die Rede. Krankenversicherungen, Rentenversicherungen - alles ganz nett. Aber was nützen die Reformen, wenn das Zahlenwerk dahinter noch nicht einmal im Ansatz durchdacht wurde?

Frau Bearbock, die Dritte im Bunde, wirkte übrigens überraschend kompetent, was ihr offenbar im Ergebnis gewisse Sympathien der Zuschauer einbrachte. Ob das ihrer Partei jetzt noch nützt? Wir werden sehen.

Insgesamt: viel zu lang, zu wenig Substanz, viel zu ermüdend. Und nach der Sendung? Zeit für Wiederkäuer(innen). Die Sendung „Anne Will“ im Anschluss konnte man sich wirklich schenken.

Die alte Tante SPD – jüngst aufgehübscht

Das Wahlross nimmt zu der Situation der Parteien Stellung - heute zur SPD

Kaum jemand hätte geglaubt, dass die SPD noch einmal aufblühen würde. Die ehemalige „Arbeiterpartei“ hatte in der Ära Brandt/Schmidt nicht nur die Jugend, sondern auch große Teil des Bürgertums und der Intellektuellen begeistert. In der vergangenen Legislaturperiode schlug sie sich wacker und brachte manches Gesetz durch, das Bestand haben wird.

Negativ zu bewerten ist die „gewählte Führung“ (Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans), die eindeutig den schlechten Zustand der Partei repräsentiert. Der Kanzlerkandidat ist gegenwärtig ein Lichtblick, auch wenn mache Vorbehalte gegen ihn haben.

Mein Fazit: Im Grunde könnte die SPD Menschen begeistern – nur auf Dauer nicht mit einem einzigen Strahlemann. Wenn sie die besten politischen Kräfte in den Vordergrund stellen würde, wäre sie weitaus besser dran.

Hinweis: Über den aktuellen Stand der Wahl-Umfragen bitte in der ZEIT nachsehen.


Der eindeutige Sieger heißt Reiner Haseloff

Der Morgen hat mich überrascht: ja, ich kannte das Wahlergebnis aus Sachen-Anhalt schon. Man kann dem eigentlichen Gewinner nur gratulieren. Er heißt nicht „CDU“ sondern Reiner Haseloff.

Doch nun die Überraschung: die CDU holte 40 der 41 Wahlkreise per Direktmandat. So jedenfalls hieß es heute nach Auszählung fast aller Stimmbezirke.

Ein Riesenerfolg für Haseloff und „seine“ CDU. Die anderen sahen nicht gut aus: Nur in einem einzigen Wahlkreis kam ein AfD-Kandidat durch.

Die Bundes-CDU - nicht die Zeit für Triumphe

Herr Laschet sollte gegenwärtig eher in sich gehen: Das war nicht sein Erfolg. Und auch die FDP darf nicht triumphieren, denn in der gegenwärtigen Situation wählt mancher FDP, weil der darin ein pandemiebezogenes Freiheitsversprechen sieht. Und die Grünen? Sie haben keinesfalls „schon verloren“, wie manche behaupten.

Absurde Ideen helfen dem Bürger nicht

Der Rest der Parteien? Die SPD hat sich lahmgelaufen: Was die dortige Parteispitze auch immer erzählt - es lockt den Wähler nicht mehr hinter dem Ofen hervor. Das passiert, wenn man im Bund schwachen Leuten eine ohnehin geschwächte Partei überlässt. Und die Linke? Sie hat in den meisten Bundesländern das gleiche Problem wie die AfD - nur gegen „das System“ zu sein, hat auf Dauer kaum Erfolg. Vernunft in Ökonomie und Ökologie sind sinnvollere Ansätze.

CDU ohne Kompass? Oder SPD mit Realitätsverlust?

Die Überschrift über eine Meldung des ZDF verblüfft: „SPD-Chefin Esken will ohne CDU regieren.“ Was da ein bisschen stört, ist das Wort „regieren“. Denn die SPD wird demnächst weder im Bund noch in Sachsen-Anhalt „regieren“ - es sei denn als Juniorpartner in einer irgendwie gearteten Koalition.

Was denn nun ? Ein Gedankenfehler der Reaktion? Oder ein neuer, wirrer Gedanke der maroden SPD?

Nein, nein, auch die ZEIT titelte: „Saskia Esken strebt Regierung ohne CDU an“. Also will sie die Regierung übernehmen? Und weil das im Bund mangels Mehrheit wohl kaum möglich ist, in Sachsen-Anhalt?

Da ist es auch nicht möglich, egal, ob man „neuen“ oder „neuesten“ Wahlprognosen glaubt.

Ach, am Ende des Tages denke ich bei aller Zurückhaltung: arme SPD. Weniger Realitätsverlust wäre wirklich ein Zugewinn.

Künstliche Erregung über Frau Schwan

Die SPD hat offenkundig keine anderen Probleme mehr, als sich mit „Queer-Fragen“ auseinanderzusetzen. So jedenfalls der Eindruck, den Feuilleton-Leser dieser Tage bekamen. Das wird ein Thema in einem kaum bekannten Fernsehkanal „Vorwärts 1876“ ein Thema behandelt, das zunächst wenige interessierte. Dann wird es (durch wen auch immer) in die Schlagzeilen gebracht, und schließlich wird die Empörungsmaschinerie angeworfen. Auch mithilfe der Presse.

Dabei ist Gesine Schwan ins Schussfeld geraten. Auch SPD, Akademikerin, klug und dialogbereit.

Ging es wirklich um Queer?

Doch Liberalismus, Dialogbereitschaft und die Sicht aufs „Ganze“ war noch nie die Königsdisziplin der SPD. Da mag aus der Geschichte der Arbeiterbewegung verständlich sein, bringt der Partie aber heute nichts ein. Nicht im Mainstream. Nicht bei der „fleißig arbeitenden Mitte“, die so oft im Mund geführt wird. Nein, es ging um „Queer“. Oder ging es gar nicht wirklich um „Queer“? Sondern mal wieder um weiße, männliche „CIS“-Leute, kurz: Die neuen Buhmänner?

Was war überhaupt geschehen? Gegenwärtig tun Frau Esken und Herr Kühnert so, als hätten Mitglieder der SPD eine Kampagne gegen Minderheiten losgetreten. (1)

Das ist nicht der Fall. Letztendlich ging es um den Wert einer von Schauspielern und Schauspielerinnen inszenierten Kampagne. Solche Kampagnen anzustoßen, ist ihr gutes Recht – aber nur, wenn sie auch Kritik daran aushalten.

Schauspieler(innen) und Homosexualität

Wobei im Grunde richtig ist: Homosexualität gehört zur Gesellschaft, und was zur Gesellschaft gehört, das darf auch gezeigt werden. Und richtig ist auch der Hinweis des Tagesspiegels, in amerikanischen oder britischen Serien würde man ganz selbstverständlich weibliche Homosexuelle in Serien-Hauptfiguren finden, ist sicher richtig. Nichts spricht dagegen, darauf hinzuweisen.

Was man Frau Schwan vorwirft

Was wirft man Gesine Schwan eigentlich vor?

Dazu las ich folgenden Text (2):

Schwan und ihre Mit-Moderatoren schafften es in der Folge kaum, die Verletztheiten der Schauspieler:innen zumindest anzuerkennen, auf die gegensätzlichen Positionen einzugehen oder die Wogen zu glätten, als die Debatte in Geschrei überging – wie sie insgesamt unvorbereitet schienen, obwohl sie dem Vernehmen nach im Vorfeld intern explizit auf die heikle Gemeingelage hingewiesen wurden.

Welch Worte! „Im Vorfeld intern explizit auf die heikle Gemeingelage hinzuweisen“ (3).

Wenn Betroffenheit in Ideologie versinkt

Bekannt ist, dass nicht alle Menschen, die homosexuell sind, eng mit der LGBT-Szene oder der „Queer-Bewegung“ verbunden sind, und nur wenige werden „Kampagnenreiter“. Auch von diesen werden nur einige in der Öffentlichkeit aggressiv.

Wer sich die Mühe macht, die Diskussion tatsächlich nachzuverfolgen, kann leicht feststellen, an welchem Punkt verständliche „Betroffenheit“ in aggressive, von Ideologien getriebene Selbstgefälligkeit umschlägt. Und es ist nicht Frau Schwans (4) Fehler gewesen.

(1) Tagesspiegel berichtet über Kampagne.
(2) Der Tagesspiegel - ohne Distanz.
(3) Der Satz ist selbst dann unsinnig, wenn die "Gemengelage" gemeint sein sollte.
(4) Ich würde gerne auf den Artikel von Frau Schwan verlinken, aber die "Süddeutsche Zeitung" versteckt ihn hinter ihrer "Zahlwand". Nicht sehr hilfreich für den freuen Austausch von Meinungen.