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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Eigentlich

Über das „Eigentliche“ wurde eigentlich schon viel zu viel geschrieben. Adorno, den manche Deutsche für unendlich wichtig halten und der für andere längst vergessen ist, schrieb den „Jargon der Eigentlichkeit“. Wer will ihn noch lesen? Ich sicher nicht.

Warum sagen wir „eigentlich“? Wir sagen es, wenn wir auf den Grund zurückkommen wollen. Viele Wissenschaften, Forscher als Personen und selbst gewöhnliche Zeitgenossen bauen ein Gebüsch um die Wirklichkeit herum auf. Das Zweitrangige steht dann im Mittelpunkt, der Kern bleibt unberührt. In der überaus geschwätzigen Zeit, in der wir leben, ist das üblich geworden.

Wir reden über die Deko - nicht über die Grundlagen

Ein Beispiel aus dem Bereich der Paarbildung mag dies verdeutlichen: Paare kommen zusammen, um eine gemeinsame Basis für die Zukunft zu schaffen. Oder einfach, um miteinander zu vögeln. Das ist das „Eigentliche“. Alle andere ist Dekoration – sozial, psychisch, physisch. Der Unfug, der über diese „Deko“ geredet wird, füllt viele Zeilen – und ist dennoch völlig sinnlos.

Eigentlich müssten die Paare nur prüfen, was sie von der Gegenwart oder der Zukunft wollen – mehr nicht. Ich will hier gar nichts davon schreiben, worüber sie stattdessen reden.

Das Eigentliche ist das, worum es geht, wenn wir das Beiwerk wegnehmen. Wenn wir der Sache auf den Grund gehen oder Tacheles reden. Oder wenn wir unsere verletzliche Psyche offenlegen.

Und ja – eigentlich tun wir das nicht. Ihr merkt schon – es ist nicht nur ein philosophisches Thema, dieses „Eigentliche“. Und wir? Wir sollten wissen, was die Grundlage für uns ist – nicht, was sie „eigentlich“ sein sollte.

Irrtümer über die Identität

Heute ist es mal wieder geschehen: Da fragt eine Person (vorgeblich ernsthaft, versteht sich), wie es denn alte Menschen schaffen können, sich selbst zu verändern, ohne ihre Identität aufzugeben.

Da ist es, dieses Wort: „Identität“. Mein altes Psychologielexikon, das ich immer noch aufbewahre, kennt das Stichwort nicht. Ganz anders als das deutsche Wikipedia. Der fleißige Student, der es möglicherweise verfasste, nutzte rund 5.200 Wörter, um es zu erklären, hat eine nahezu unendliche Liste von Literatur aufgeführt und nennt 18 Quellen für sein Elaborat.

Wie so oft, mag sich dies alles für einen Psychologiestudenten eignen, doch der Informationsgehalt bleibt dennoch dürftig. Denn die Menschen der Jetztzeit wollen ja wissen, wie ein Begriff heute definiert werden kann. Da bleibt er (oder sie) nach dem Genuss von Wikipedia hilflos zurück.

Immer noch hilflos, was Identität für euch bedeutet?

Es ist etwas schwierig, den aktuellen Begriff zu definieren. Etwas Hilfe zeichnet sich ab, wenn wir den Dorsch (2) zu Hilfe nehmen. Wen die etwas geschraubten Definitionen nicht stören, wird dies lesen:

Um eine bestimmte Identität für sich beanspruchen zu können, muss der Mensch sie in sozialen Interaktionen aushandeln. (…) Dies bedeutet auch, dass Identität unter wechselnden Lebensbedingungen immer wieder neu angepasst werden muss und Identitätskonstitution eine lebenslange Aufgabe ist.

Was letztlich heißt: Identität ist veränderbar. Und wenn man es genau nimmt, so verändert sie sich ein Leben lang durch Kommunikation.

Jeder kann sich verändern, ohne seine Identität zu verlieren

Und mit dieser einfachen Erkenntnis kann ich euch für heute verlassen, nicht ohne die Frage auch hier noch einmal zu beantworten: Jeder kann es schaffen, die Sicht auf sich selbst zu verändern und Veränderungen an sich selbst vorzunehmen. Die Mehrzahl der Veränderungen erfolgt durch die notwendige Anpassung so gut wie automatisch. Im Alter kann dies eine geringere Rolle spielen als in den mittleren Jahren – aber selbstverständlich verliert auch ein alter Mensch seien Identität nicht durch Veränderungen.

Quellen:
(1) Wikipedia deutsch
(2) Dorsch.

Jede Menge Müll in der Nacht zum Beginn des Jahres 2023

Der Platz und die Überbleibsel der Nacht
Es mag gehen, ein Feuerwerk zu veranstalten - vor allem auf diese freien Platz. Aber aufräumen? .

Diese Scherben bringen kein Glück
Vandalen waren auch wieder unterwegs ... und es ging dabei offensichtlich etwas zu Bruch in der Silvesternacht.

Nein, keine Konfettiparade - Reste der Neujahrsfeier für die Ankunft von 2023
Und auf dem Markt - da wurden ein paar Papiertonnen umgeworfen ...

Der Krach dauerte übrigens bis gegen drei Uhr. Und da dachte ich: Ach, die armen Menschen, die den Staat um Hilfe anbetteln, aber genug Geld haben, um damit Gestank und Lärm zu erzeugen - zum Schaden aller.

Bildungsbürger , Suchmaschinen, Lexika und Authentizität

Dieser Tage musste ich wieder grinsen: Für die Unterbelichteten, ich schrieb es bereits, ist der erste Eintrag in der Lieblingssuchmaschine die „Wahrheit“. Aber es gibt eben auch die Bildungsbürger, die mit Schlagworten herumwerfen. Für sie liegt die Wahrheit in der deutschsprachigen Version des Lexikons Wikipedia.

Nichts gegen das Lexikon an sich. Es ist, wie es ist. Doch dieser Tage stellte mir jemand die Frage nach „Absoluter Authentizität“.

Bildungssprachlich - das Herumferkeln mit Begriffen

Wie immer, wenn jemand beim Menschsein nach „absolut“ fragt, biegen sich bei mir die Zehennägel, und mit dem Begriff „Authentizität“ kann jeder herumferkeln, wie er will – was im Übrigen typisch für „bildungssprachliche“ Begriffe ist. Man sucht die „größtmögliche Authentizität“, auch wenn man kaum weiß, ob eine Person wirklich „authentisch sein kann“. Bei einem Text ist es einfacher: Da kann man prüfen, ob er „authentisch“ ist, also in höchstem Maße glaubwürdig. Wobei denn „glaubwürdig“ einer der besseren Übersetzungen des Fremdworts ist.

Die Psychologie bleibt skeptisch bei "Authentizität"

Die Psychologie, die das Wort ebenfalls zu definieren wagt, sagt, dass es sich um die „unverzerrte Verarbeitung selbstbezogener Informationen“ (1) handelt. Doch auch die Psychologie zweifelt daran, ob „unverfälscht“ zu sein beim Menschen überhaupt funktioniert. Die Evolution jedenfalls hat uns nicht mitgeben „sei unverfälscht“. Ein anders Lexikon sagt, etwas esoterisch behaucht, der „authentische Mensch“ sei vom „mit sich Einssein“ (2) behaucht, was ebenso fragwürdig ist. Despoten aller Art wären dann auch authentisch, was im Übrigen der Haken bei dem Begriff ist: „Authentisch sein“ kann zum Guten wie zum Bösen hinneigen.

Der Aufstieg eines Wortes durch Küchenpsychologie, Esoterik und Internet

Aufschlussreich ist in solchen Fällen immer mal ein Blick ins „DWDS“ (3), in dem man die Dinge sprachlich angeht. Und siehe da: Je mehr sich das „Bildungsbürgertum“ für Psychologie (und später für Esoterik) interessierte, und je mehr selbst ernannte Gurus mit dem Wort ins Internet gingen, desto häufiger wurde das Wort gebraucht. Oder eben missbraucht.

Das "wahre Gesicht" zu zeigen, war einstmals gefährlich

Ein Dichter der Vergangenheit hätte wahrscheinlich geschrieben, dass jemand „sein wahres Gesicht zeigte“ (natürlich „auch ihr wahres Gesicht“). Das galt in Zeiten, als Gefühle noch nicht in aller Munde waren und es sich um eine besondere Situation handelte, indem jemand seine Maske ablegte und zu seinen Bedürfnissen stand. Es war übrigens zu manchen Zeiten nicht ungefährlich, dies zu tun.

(1) Dorsch
(2) Spektrum
(3) dwds

Unweihnachtliches, soziale Netzwerke, Kabarett und auch etwas Weihnachtliches

Seit einigen Monaten schaue ich (wieder einmal) in sogenannte „soziale“ Netzwerke. Ich sehe wenig Tröstliches, gelegentlich etwas Informatives, aber vor allem viel Hass - auf die CDU und die FDP sowieso, das kennen wir ja. Doch die nächsten Hasstiraden werden auf die Regierung und leider sogar auf den Bundespräsidenten abgefeuert.

Muss „Links sein“ heißen, Hass zu säen?

Falls ihr denkt, das würden nur verirrte Kabarettisten tun, die bekanntlich immer Gegner brauchen, um ihre Lacher zu erzeugen, liegt ihr falsch. Dort, wo ich oft lese, ist es auch nicht die AfD. Es sind extreme, versprengte Linke, die ihren Hass herausschreien. Und ich frage ich, für welche Art von Staat sie dabei werben. Die liberale Demokratie ist es sicher nicht.

Ein Kabarettist auf schmalem Pfad

Wo ich gerade bei Kabarettisten bin - so nach und nach könnte sich der Herr Nuhr mal neue Gegner suchen. Seine Themen sind manchmal durchaus meine Themen, aber die personalisierten Angriff auf Grüne, Umweltschützer und gedankliche Abweichler vom „Nuhrismus“ nervt nun doch. Billige Lacher auf Kosten einzelner Politiker, deren Job nicht gerade ein Zuckerlecken ist? Das klingt nach Stammtisch.

Es gibt genügend kontroverse Themen - auch zum Lachen

Ja, ich kann über Kabarettisten lachen, kann nachvollziehen, warum sie sich gegen die vorwitzigen Genderforscher, Schuldzuweiser und Besserwisser wenden. Zum Beispiel, weil diese Gruppen ständig Luftballons loslassen und dann glauben, dass sich daran ihre Wichtigkeiten messen ließe. Sie zu entlarven, ist nicht nur wichtig, sondern auch durchaus amüsant.

Aber es fällt mir schwer, jemanden anzuerkennen, der immer dieselben Menschen angreift - da ist bei mir die Schmerzgrenze erreicht.

Die Rede des Bundespräsidenten geht uns alle an

Die Rede des Bundespräsidenten zu Weihnachten 2022 ist interessanter als mancher Wortbeitrag in sozialen Netzwerken - und sie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit bedeutender, weil sie sich an alle Menschen in diesem Land wendet.

Und um Tacheles zu reden: Dabei geht es um wesentlich mehr, als seinen „Followern“ oder Fans nach dem Mund zu reden.