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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Wenn Männer wie kleine Jungs ermahnt werden

Ich lese: "Vielleicht brauchen die Parteien eine Frauenquote, um sich zu verändern."

Wer so etwas schreibt, der glaubt offenbar, dass Frauen automatisch die Welt verbessern, sobald sie an der Macht sind. Und dies würde bedingen, dass Frauen die besseren Menschen sind.

Ich bin es leid, solche Artikel zu lesen, aber ich habe es bis zum Schluss geschafft. Und das finde ich die Lösung, wörtlich zitiert liest sich das so:

Wenn man all diese Dinge zusammenfasst, bleibt der Schluss, Frauen wollen Veränderung schon sehr lange. Männer nicht. Und das ist ein Problem. Man kann es aber ändern. Männer können ihre Einstellung ändern.

„Frauen wollen Veränderungen schon sehr lange?“ Sie haben sie nicht nur, sie fordern sie für sich und ihre Töchter Tag für Tag erneut ein. Und sie haben damit durchaus Erfolg. Erfolg ist schön,denn er bringt Anerkennung und manchmal auch Macht und Ruhm.

Ich sage wahrscheinlich nichts Neues, wenn ich euch verrate: Schon das Leben im mittleren Management ist hart, und je weiter „nach oben“ man (oder frau) will, umso härter wird es. Ich kenne wahrhaftig genug Männer, die dem nicht gewachsen waren und aufgeben mussten.

Männer, liebe Frauen, sind nicht „das Problem“. Und ändern kann jeder alles, der gute Willens ist und dabei etwas zum gemeinsamen Fortschritt beiträgt. Aber das bedeutet nicht, dass Männer „ihre Einstellung ändern“ müssen. Sie können es - und sie tun es situativ in vielerlei Hinsicht.

Nur würden die Männer gerne sehen, wenn sie nicht ständig wie kleine Jungs dazu aufgefordert würden. Auf Dauer nervt das kolossal.

Zitate In der "Berliner Zeitung" nachzulesen

Warum wir unser Denken ändern müssen

Im Gegensatz zu vielen andere Menschen mit „Grundeinstellungen“ wünscht sich der liberale Denker eine Meinungs- und Ideenvielfalt. Nicht alle Liberalen sind dabei vom „Laissez-faire“ Prinzip überzeugt, und auch ich wünsche mir „Weichenstellungen“, die uns möglichst in eine bessere Zukunft führen. Im Prinzip deckt auch die liberale Haltung den Wunsch nach Korrekturen ab.

Ich verstehe die Konservativen, die nicht immer alles „neu aushandeln wollen“, und vor allem jenen, die sich bevormundet oder gestört fühlen. Doch wenn alle so bliebe, wie es ist, würde man Innovationen verhindern und die Vielfalt unterdrücken. Also muss es ein Gegengewicht geben, die Progressiven, die möglichst rasch möglichst viele Änderungen wollen.

Wenn wir Glück haben oder entsprechen dafür sorgen, pendeln sich die kontroversen Meinungen schnell auf das ein, was nötig, sinnvoll und logisch erscheint. Aber dann und wann müssen wir dem Neuen eben auch etwas Nachdruck verleihen.

Mehr desselben ist der falsche Weg

Was selten diskutiert wird: Mit dem Grundsatz „wir müssen mehr desselben fordern“ rennen inzwischen alle gegen die Wand. Mehr Verkrustung? Mehr Verhinderungen? Mehr Gleichberechtigung? Mehr Akademiker? Mehr soziale Leistungen? Mehr Freiheitsrechte?

Eigentlich müssten „wir“ uns die Frage beantworten können: „Was müssen wir tun, um (setze ein Ziel ein) zu erreichen?“ Mit den „alten Rezepturen?“ Mit neuen Ansätzen? Müssten wir vielleicht Kernbereiche wie die Bildung oder die Forschung ganz neu überdenken? Müssten wir nicht wesentlich konsequenter sein, um moderne Technologien schnell und unbürokratisch umzusetzen? Hochgeschwindigkeitszüge auf ganz neuen Trassen, zum Beispiel? Damit würde die Debatte um den Sinn von Inlandsflügen weitgehend überflüssig.

Keine geistigen Ruinen stehen lassen

Wenn ich durch die Straßen in der Stadt gehe, in der ich seit Jahre leben, sehe ich neben neuen, ausgesprochen gut geplanten Wohnungen und renovierten Altbauten auch zahllose Häuser, die demnächst zu Ruinen verkommen.

Wenn ich dies auf die Einstellungen der Menschen projiziere, sehe ich einige neue, sinnvolle und zukunftsweisende Gedanken. Und ja, ich kann damit leben, dass es „Bestandsdenken“ gibt, solange der Putz nicht restlos abbröckelt. Aber ich kann kaum damit leben, dass so viele Gedanken stehen bleiben, die nicht mehr „bewohnbar“ sind - und die niemandem nützen.

Und noch ein Gedanke kommt mir dabei: Ich lese immer wieder von Menschen, die sozusagen „flehentlich“ darum bitten, doch die alten Gebäude nicht abzureißen, weil sie doch eigentlich so hübsch sind.

Ja, und die Ruinen überkommener Gedanken, Meinungen und Ideologien? Lassen wir die auch noch stehen, weil sie so hübsch sind?

Wir werden uns davon trennen müssen. Möglichst bald.

Luca und ich

Ausriss aus der "Berger Zeitung" - Titelseite
Die Kassiererin im Tierpark war die Einzige, die genau wusste, wie die Sache in mit Luca in der Lüneburger Heide (Landkreis Celle) funktioniert. Inzwischen sind die Inzidenzen oder irgendwelche anderen Werte möglicherweise gestiegen. Dann reicht selbst Luca nicht mehr - denn davon soll hier die Rede sein.

Und wie funktioniert Luca? Das wusste eben jene Kassiererin, nämlich: „Wir benötigen einen WLAN-Zugang für unsere Kunden, sonst geht das gar nicht.“

Luca fordern, aber kein freies WLAN zur Verfügung stellen

Das wissen nicht alle. Denn wer sein WLAN nicht fest im Smartphone aktiviert hat, und wo es auch kein freies WLAN gibt, da guckt der Gast durch die Röhre - oder eben auf sein Handy, auf dem nach einer Weile auftaucht, dass die Anmeldung leider nicht funktionierte.

Das ging in der Bäckerei los. „Ich darf Ihnen nichts verkaufen, bevor sie eingeloggt sind.“ „Auch nicht im Außenbereich?“ „Nein, das hat der Chef verboten, weil sich die Vorschriften ständig ändern“. CovPass alleine reichte auch nicht. „Bitte loggen Sie sich ein.“ Also scanne ich und bekomme mangels Internet keine Bestätigung. Indessen reichten meine Bemühung offenbar, um die Bäckereifachverkäuferin zufriedenzustellen.

Zurück im Hotel und mit WLAN sagt mir Luca: „Sie wurden soeben erfolgreich eingeloggt.“

Ei ei, Wunder der Technik. Also habe ich mich auch wieder ausloggen können. Hätte der nämliche Bäcker ein freies WLAN gehabt, wäre es leichter gewesen und hätte in Echtzeit funktioniert.

Nächste Station: so eine Art Alternativcafé mit gutem Kuchen und deutlich besserem Cappuccino als zuvor. Diesmal hatte ich das mobile WLAN dabei. Auch hier fehlte der Hinweis auf ein freies WLAN. Also erst einmal Scannen, dann noch einmal scannen. Und weil auf den Tischen (diesmal innen) auch noch die Speisekarte gescannt werden konnte, bellte ich erst einmal unter dem falschen Baum. Schließlich funktionierte der dritte Versuch.

So weit also Luca und ich. Zugegeben, ich war im Urlaubsmodus und nicht so konzentriert wie sonst. Und Luca kann nichts dafür. Schuld sind die Händler und Gastronomen, die kein freies WLAN zur Verfügung stellen.

Bild: Auszug aus der örtlichen Zeitung.

Kanzlerkandidaten im Trudeln – doch einer bleibt ruhig

Der Herr Laschet macht Fehler. Zu viele Fehler, zu oft und aus Leichtsinn oder um die konservative Klientel zu bedienen. Aber ist er nicht gegenwärtig Ministerpräsident? Hat man ihn nicht deswegen erwählt, weil er angeblich über „Regierungserfahrung“ verfügt?

CDU: NRW ist nicht die Bundesrepublik

Nun kann man sagen: Ja, in NRW. Das gehört zwar zu Deutschland, hat aber doch diesen volkstümelnden Pappnaseneffekt. Warum sollte man da alles so genau nehmen?

Weil man Kanzler werden will. Staatsmann - das erfordert mehr Profil. Laschets Konkurrent in der CSU hat übrigen das gleiche Problem, und viele andere hätten es wohl auch: zu viel Brauchtum, zu wenig Weitsicht.

Grüne: der beste Mann könnte ein Mann sein

Über Frau Baerbock muss dringend geredet werden. Klar kann der „beste Mann“ in einer Partei eine Frau sein. Nun ist aber Frau Bearbock weder die beste Frau noch der beste Mann der „Grünen“. Dieser Mann heißt Robert Habeck - und er hätte die Chance gehabt, 2021 Kanzler zu werden. Dagegen hätten nicht einmal die Giftspritzen aus der rechtskonservativen Presse etwas tun können, die jetzt überall herumfeixen.

Warum es so kam? Vermutlich, weil sich bei den Grünen die Ideologen gegen die Pragmatiker durchgesetzt haben - und mit Ideologien ist gegenwärtig überhaupt kein Blumentopf zu gewinnen.

SPD: der Herr Scholz kann es abwarten

Oh ja, das ist noch der Herr Scholz. Der ist in erster Linie Hanseat, dann SPD. Und er ist so schlau, sich nicht von Journalisten „blöd anmachen“ zu lassen, egal aus welcher Richtung. Zudem kennt er „den Laden“ Bundesregierung. Und wie immer man dies sieht: Das ist eine hervorragende Qualifikation, auch wenn man die SPD nicht mag.

Eine deutsche Untugend - Schuldige statt Ursachen suchen

Wenn etwas schief gegangen ist, versucht man in Deutschland bereits dann „Schuldige“ zu finden, wenn noch gar nicht klar ist, wie die genaue Faktenlage ist.

Mag sein, dass einige Journalisten sich schon ein genaues Bild machen konnten - ich bezweifle es. Mag sein, dass „man“ die Situation weitaus früher einschätzen konnte - nur wer konnte es? „Man“ ist hinterher immer wesentlich klüger. Die Journalistin Marietta Slomka verlor im ZDF sogar die übliche und erstrebenswerte journalistische Distanz, als sie versuchte, den Bundesaußenminister „fertigzumachen“. Das mag sie mit sich selbst ausmachen und ihr Publikum mag es vielleicht sogar goutieren. Aber der Sache diente es nicht.

Die Vorgänge in Afghanistan sind schrecklich. Das ist keine Frage. Und es gibt wirklich Fragen, die man sich stellen kann, muss und soll. Das hat allein Robert Habeck erkannt, der eine lückenlose Aufklärung der möglichen Fehler verlangte. Der Rheinischen Post soll er gesagt haben:

Die Aussagen der Bundesregierung, niemand habe vor der Situation gewarnt, wecken ernsthafte Zweifel.“
So redete ein Mann, der kritische Distanz wahrt.

Die anderen üben sich leider häufig in einer deutschen Untugend: Man sucht „Schuldige“, nicht Verursacher. Und diese werden sofort gesucht - unmittelbar und ohne nachzudenken. und wie so oft, trat vor allem Wolfgang Kubicki (FDP) in den Vordergrund. Große Sprüche, Rücktrittsforderungen - alles ist dabei. Und es ist Wahlkampf - zwar ein lahmer Wahlkampf, aber vielleicht bringen Rücktrittsforderungen zur Unzeit ja noch einen Prozentpunkt mehr. Klar - die Krise kommt auch anderen entgegen - und auch sie versuchen, noch einen Satz abzulassen, der in die Presse soll.

Als „schuldig“ werden inzwischen alle genannte, die in Deutschland in den letzten Jahren Verantwortung getragen haben. Neben der Kanzlerin am häufigsten der jetzige Außenminister und die Verteidigungsministerin.

Es ist so einfach, Schuldige zu suchen. Und es ist so schwer, Krisen zu meistern.

Doch eines wissen wir nun: Nachdem alle deutschen Bundestrainer waren und später zu Virologen wurden, sind sie nun alle zu Fachleuten für das Afghanistan-Desaster geworden.

Quellen: Deutschlandfunk, Fokus, BR24 und weitere.