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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

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Einige meiner Artikel sind sehr kontrovers. Das liegt überwiegend daran, dass ich über Themen schreibe, die im Grunde von bestimmten Wissenschaften oder Denkrichtungen belegt sind. In der Psychologie haben längst populärwissenschaftliche Autoren die Oberhand. In der Musik sind jene am lautesten, die der klassischen Musik zugeneigt sind und in der Hi-Fi-Branche die Menschen, die von „Klängen“ schwärmen.

Kommunikation, mein eigentliches Fachgebiet, wird fast nur noch im Zusammenhang mit Erfolgsversprechungen gelehrt und dabei stark ideologisiert. Dabei gehen die sachlichen Grundlagen überwiegend verloren.

Meine Bitte: Widersprecht mir qualifiziert, wenn ich Fehler mache oder ihr einfach anderer Meinung seid. Und gebt bitte weiter, wenn ihr einen Artikel gut findet oder mehr darüber wissen wollt.

Gebhard Roese aka sehpferd
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Die einfache Erklärung – von Tönen, Klängen und Geräuschen

Die Einheit von Mensch, Instrument und Umgebung erzeugt den Klang
In der Natur gibt es so gut wie keine „reinen“ Töne, und auch Musiker können sich nicht rühmen, solche Töne zu erzeugen. Auch Naturtöne sind keine „reinen Töne“ sondern physikalisch Mischungen verschiedener Frequenzen.

Der "Ton" ist für Menschen das, was zu ihnen durchdringt

Wenn wir von Musikinstrumenten oder der menschlichen Stimmen sprechen, dann nennen wir einen „Ton“ immer das, was bei uns im Gehirn ankommt. Der Tone muss also zunächst mal durch die Luft zum Ohr vordringen, um dann vom Gehirn „wahrgenommen“ zu werden.

Sobald der Ton dort ankommt, wird er vom Gehirn interpretiert: Etwa so: Das ist ein hoher Ton, und er klingt wie ein Pfeifen – das könnte eine Flöte sein. Geübten Musikhörern fällt es nicht sonderlich schwer, die Instrumente zu unterscheiden. Sie wissen also beispielsweise, wie ein Sopransaxofon oder ein Fagott „klingen“ kann.

Der unterschiedliche Klang entsteht aus vielen Tönen und Geräuschen

Der unterschiedliche Klang der Instrumente ergibt sich aus den Schwingungen, die in der Physik ist ein Ton oder der „Klang“ eines Instruments nie ein „einzelner“ Schwingungsvorgang. Ganz schulmäßig gesprochen, besteht der Klang eines Tons zunächst aus dem Grundton und einigen sogenannten Obertönen oder Partialtönen. Ganz korrekt ist dies nicht, weil Töne, die mit der menschlichen Stimme oder bestimmten Blasinstrumenten erzeugt werden, noch viele weitere „Beimischungen“ enthalten. Wer sich näher damit beschäftigen will: Es ist eine komplizierte Materie, und sie lässt sich nicht mit einigen Sätzen beschreiben.

Ich habe versucht, das Thea unabhängig von der Begriffsverwirrung auf einen Nenner zu bringen:

Was am Ende „herauskommt“, liegt am Spielenden, Singenden oder sonst wie Töne erzeugenden Menschen. Was davon wieder in den Hörer oder die Hörerin „eindringt“, liegt an der persönlichen Einstellung zur Musik.

Bestimmte Instrumente klingen immer wieder deutlich unterschiedlich

Wenn du Beispiele von Instrumenten suchst, die sehr unterschiedlich klingen können, kannst du bei Klarinetten, Saxofonen oder Trompeten beobachten.

So also entsteht der Klang, den man auch „Timbre“ nennt. Er gibt jeder Stimme und jedem Instrument die entsprechende Eigenart. Das gilt auch für alle Musiker, die ein charakteristische Spielweise entwickelt haben, an der man sie erkennen kann, wie etwa John Coltrane auf dem Sopransaxofon, den ich stellvertretend für viele andere Musiker nenne.

Soweit Sänger(innen) betroffen sind, spielen neben den Vokalen auch sprachtypische Besonderheiten eine Rolle. Ein bekanntes Beispiel ist das Lied „Qongqothwane“, das Mariam Makeba in ihrer Muttersprache Xhosa sang und wegen der seltsamen Laute auch „Klicksong“ genannt wird.

Hinweis zu den Begriffen Ton, Klang und Geräusch

Akustiker, Musiker und Musikhörer verstehen unter einem „Ton“ oft nicht das Gleiche. Genau genommen ist ein „Ton“ ein reiner Sinuston, den man künstlich erzeugen kann und der in der Natur so gut wie gar nicht vorkommt. Er kann aber als „Note“ geschrieben werden, die im Allgemeinen sowohl die Tonhöhe des Grundtons wie auch die Dauer des Tons beinhaltet. Das reicht aber nicht aus, um den „Ton“ vollständig zu beschreiben, denn sobald er tatsächlich gespielt wird, wird er unweigerlich zum Klang. Für einen „Klang“ gelten ähnliche unterschiedliche Sichtweisen – bei diesem Begriff gibt es insbesondere Unterschiede in der Akustik und im Hi-Fi-Bereich. Von den überwiegend an der klassischen Musik orientierten Musikwissenschaftlern werden „Geräusche“ nicht dem Klang zugerechnet. Im Zweifel sollten Autorinnen und Autoren also beschreiben, was sie uns wirklich sagen wollen und nicht an den Begriffen festhalten, die als „Schulwissen“ gelten.

Die benutzten Quellen (oft nicht in Übereinstimmung mit der hier vertretenen Sichtweise):

Im Musiklexikon
Thieme Zu menschlichen Stimmen.

Sehr ausführlich und aus unterschiedlicher Sichtweise sind die Begriffe um "Töne" in Wikipedia beschrieben.
Bild: Der Klarinettist Giora Feidman solo (sehpferd Juni 2008, Budapest)

Akustische Musik, kleine Ensembles und Lautsprecher

Als akustische Musik gilt jener Teil der Töne, die auf einem Musikinstrument ohne künstliche Verzerrung erzeugt wurden. Je weniger Instrumente oder Stimmen wir zugleich hören, umso filigraner wird der Klang.

Was können wir daraus schließen?

Nun?

Bei meinen Voraussetzungen habe ich „klassische Musik“ keinesfalls ausgenommen – sondern nur versucht, euch die Wiedergabe eines Symphonieorchesters über Lautsprecher auszureden. Anders formuliert: Wenn ihre „auch mal eine Symphonie“ hört, dann reicht wirklich eine der „neuen“ Regalboxen. Sie sind übrigens nicht ganz so neu: Es gibt sie schon seit 50 Jahren, und sie wurden in den letzten Jahren technisch noch erheblich verbessert.

Kein großes Orchester passt in euer Wohnzimmer - egal, wie groß, die Boxen sind

Ich erkläre das mal mit den Symphonieorchestern mal ganz laienhaft: Ein „großes Orchester“ passt akustisch nicht in euer Wohnzimmer. Die moderne Technik kann das ein bisschen ausgleichen, aber das bedeutet nun mal eben, dass ihr in jedem Fall Abstriche beim Hörgenuss einkalkulieren müsst.

Kleine Ensembles wirken so, als ob sie im gleichen Raum spielen

Kleine Ensembles, sowie Sängerinnen und Sänger, treten hingegen bei entsprechender Aufnahmetechnik transparent und klar in den Raum. Aus vielen technischen und hörpsychologischen Gründen nehmen wir sie als „anwesend“ wahr. Oder mit anderen Worten: Sie tönen in einer Art, als seien sie physikalisch anwesend.

Fragt euch mal, welche Musik ihr hört – nicht ob Klassik oder Jazz, sondern nur, wie viele Personen gemeinsam auf der Bühne stehen und dabei Töne produzieren. Wenn es fünf oder weniger sind und alle rein „akustische“ Instrumente verwenden, dann fühlt ihr euch beim Zuhören „wie zu Hause“.

Und das verspreche ich euch auch, wenn ihr für eure Lautsprecher nur ein „kleines Budget“ zur Verfügung hattet.

Probleme mit diesem Artikel? Dann bitte zurückschreiben. Ansonsten: Mich zitieren - was sonst?

Warum „Dating“ keine Kultur ist

Als ich gestern über die Kultur geschrieben habe, fiel mir ein, dass die Öffentlichkeit etwas als „Kultur“ bezeichnet, das den Namen nicht verdient: Dating.

Das Kennenlernen an sich ist zwar eine Kulturleistung – doch sie beruht auf dem natürlichen Bedürfnis, sich zu paaren. In Deutschland mag es viele „Rituale“ geben, die damit zusammenhängen, aber es gibt hier keine Dating-Kultur.

Was davon in Deutschland übrig blieb, war ein Abklatsch eines US-Teenagerkults. Er passte bestens ins Konzept der ursprünglichen Online-Dating-Anbieter und wurde deshalb auch von ihnen propagiert.

Genau genommen ist die US-amerikanische Datingkultur schon vorüber gewesen, als sich Online-Dating durchsetzte. Auf dem Höhepunkt der Hype um Online-Dating wurde bereits geschrieben, dass „moderne Partnersuche“ den altmodischen „Dating-Regeln“ widersprach.

Im Grunde war es Teil eines Generationenkampfes – die modernen Autorinnen und Autoren wollten das jugendliche Publikum und seine Verhaltensweisen dort „abholen“, wo es war.

Überraschenderweise wurde eine der ersten Publikationen darüber 2012 von einem Online-Dating-Unternehmen gefördert, das heute kaum noch bekannt ist. Die Thesen von damals sind allerdings bis heute gültig.

Quelle und Referenz „Modern Dating – A Field Guide“. Ontario 2013

Zu den Diskussionen um eine „deutsche“ Kultur

Die UNESCO definiert Kultur als „die Gesamtheit der geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe, die unverwechselbar und einzigartig sind“. (1)

Die Aussage soll nicht bezweifelt werden – und doch bedeutet dies, Kultur als die Summe einiger Eigenschaften zusammenzufassen, die in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt haben.

Zurück in die ferne Vergangenheit?

Manche Menschen in unserer Bevölkerung sind nur allzu willig, die „modernen“ Zeiten zurückzudrehen – sie behaupten, Kultur sei das, was ihre Väter und Vorväter einst geschaffen haben. Zugleich sagen sie, dass unsere heutige, sichtbare und erkennbare Kultur unter „fremden“ Einflüssen steht. Und sie meinen damit die gesamte „Moderne“ - was letztlich bedeutet: Unter Einschluss der vergangenen 100 Jahre.

Deutsche Kultur - für die damalige Jugend nicht als Vergangenheit

Am Ende des Zweiten Weltkriegs beargwöhnte man eine Jugend, die an alles andere dachte als daran, an die „Deutsche Kultur“ anzuknüpfen. Das hatte viele Gründe – unter andrem auch den, dass Kultur im Schulunterricht ähnlich behandelt wurde wie Religion. Sie hing irgendwo ganz oben, und man musste atemlos lauschen und staunend sehen, was „wir“ unter Abzug der letzten rund 35 Jahre vollbracht hatten. Es waren lauter Meisterwerke der Baukunst, der Musik, der Malerei, der Dichtung … ach, das waren sie? Irgendwie war alles, was da geplant, vertont, gemalt und gedichtet wurde, schon ziemlich alt – das Neue ließ noch lange auf sich warten.

Was ich "mein Eigen" nennen, das ist für mich Kultur

Wenn ich später jemals gefragt wurde, welchen „Zugang“ ich zur Kultur hätte, so war ich versucht zu sagen: „Was ich mein Eigen nennen, das ist Kultur.“ Ich bestreite nicht, dass irgend etwas anderes auch Kultur sein könnte. Aber nur, weil sie "ein Deutscher" geschaffen hat, wird sie für mich nicht zu meiner Kultur.

Ich denke, dies mag denjenigen helfen, die ebenfalls nach „ihrer“ Kultur suchen. Zudem ist es eine Methode, Kultur im Hier und Jetzt zu erfassen und jede kulturelle Entwicklung wohlwollend zu begutachten. Nur die Vergangenheit – die lassen wir besser Vergangenheit sein.

(1) Zitat aus Unesco.de.