Das Berkley-Horse und seine Nachbauten - ein Überblick

Die angeblich „offizielle“ Zeichnung des „Berkley-Horse“ soll von Pisanus Fraxis stammen, also von George Spencer Ashbee. Alle anderen Berichte über bestehende „Zeichnungen“ haben sich als Schall und Rauch erwiesen – egal, wann etwas darüber behauptet wurde und wer es behauptet hat.
Warum Herr Ashbee kein guter Zeitzeuge für das "Berkley Horse" ist
Herr Ashbee war weder Konstrukteur, noch war er Schreiner oder gar Designer für Bordellmöbel. Und ob das, was er zeichnete, einem Gebrauchsmöbel entsprechen würde, war ihm sichtlich egal.
Dennoch wurden nach der vorliegenden Zeichnung allerlei Nachbauten angefertigt – solche, von denen wir wissen und auch solche, die nie veröffentlicht wurden. In manchen Fällen wurden sie aus der „Werbung“ für einer „Domina“ bekannt, in einem Fall stand ein solches Gerät zum Verkauf.Standfest und stabil - und dabei noch ausgesprochen flexibel?
Die Konstrukteure mussten ihr Design zunächst an die Proportionen existierender Personen anpassen, dann aber auch dafür sorgen, dass die Ergebnisse standfest genug waren. Sie gingen in keinem Fall davon aus, dass die von Fraxi in seinen Texten angeben Flexibilität auf diese Weise erreicht werden konnte. Allerdings sollten sie ähnlich aussehen und möglichst etwas flexibler in der Handhabung sein.
Ob dies erreicht wurde, könnten im Prinzip nur die entsprechenden Auftraggeberinnen beurteilen.
Für eine Gegenüberstellung einiger dieser „Horses“ haben wir versucht, eine maßstabgerechte Zeichnung des Vorderteils ohne Neigung darzustellen, und eine Person dazu abzubilden. Naturgemäß war dies sehr schwierig, vor allem angesichts der einzigen Vorlage, die es für das angebliche „Original“ („A“) gab.

Wir haben dazu das angebliche „Original“ sowie vier bekanntgewordene Kopien in einer Darstellung unterzubringen. Dabei wurde deutlich, dass die Versionen „B“ und „E“ wahrscheinlich die besten Voraussetzungen für den Einsatz bieten. In der Version „E“ ist es auch möglich, die Hände über dem Kopf zu fixieren - es hat andere Proportionen als die übrigen Modelle und wirkt auf Fotos deutlich stabiler und standfester als in der vorliegenden Zeichnung.
Im letzten Jahr ist ein neuer Nachbau in traditioneller Bauweise aufgetaucht, die der dargestellten Version „B“ sehr ähnlich ist. Die Konstrukteure, Erbauer oder Eigentümer(innen) sind mir nicht bekannt, und die Darstellungen müssen nicht zwangsläufig in allen Details den Originalen entsprechen.
Interessant daran ist auch, dass Fraxis „Berkley-Horse“ immer wieder als Leiter dargestellt wurde. Aus dem Jahr 2023 stammt diese Bemerkung:
Wie wäre es, wenn ich statt eines brandneuen „Berkley Horse“ diese antike Bockleiter mit ihrem wunderbaren, aufwendig konstruierten Klappmechanismus aus Eisen kaufen und sie zu einem „Berkley Horse“ umbauen würde?
Mehr über das "Berkley Horse" in Vergangenheit und Zukunft
Wohin nun? In die Zukunft? Oder noch einmal zurück in die Zeit, als das „Berkley Horse“ ganz selbstverständlich als Leiter dargestellt wurde? Wenn ich es mal so ausdrücken darf: In der Zukunft (Deutschland ab ca. 1900) wird wissenschaftlich moralisiert, in der Vergangenheit (überwiegend England zwischen 1890 und 1910) werden Frivolitäten dargestellt.
Epilog
Die wundersame Erfindung der Theresa Berkley könnte aus technischer Sicht wirklich existiert haben. Aber dann würde der Prügelbock anders aussehen als in der Skizze von Pisanus Fraxi. Gegen 1899 wurde das "Berkley Horse" erstmalig von Dr. Eugen Dühren (Iwan Bloch) erwähnt - und damit hatte es den Rösselsprung vom erotischen Bücherklub zur "Darstellung des Geschlechtslebens in England" (1903) geschafft. Dieser Beitrag ist der letzte zum Thea "Berkley Horse". Über die "Wiederbelebung" der Legende könnt ihr im nächsten Abschnitt nachlesen.
Bildnachweis:
Für das angebliche Original: Pisanus Fraxi.
Alle Zeichnung erstellt, maßstäblich angepasst und gegenübergestellt: © 2026 by liebesverlag.de
Epilog
Nun habe ich doch tatsächlich drei Beiträge über das geheimnisvolle "Berkley Horse" geschrieben. Der erste handelte von verschiedenen "Böcken" (Horse oder Pony genannt) zur Züchtigung in Gefängnissen und "Besserungsanstalten". Der zweite von der angeblichen Erfindung durch "Frau Berkley", der zu skurrilen Zeichnungen und Fotos führte. Dieser Artikel beschäftigt sich ausschließlich mit den Nachbauten. Wie die Legende in deutsche Lexika kam, habe ich bereits im Eingangskapitel erwähnt - und dazu gibt es noch einen kleinen Beitrag über zwei honorige Mediziner, die den Herrn Ashbee für einen kompetenten Zeitzeugen hielten. "Das Berkley-Horse und seine Nachbauten - ein Überblick" vollständig lesen












Obgleich der Autor Henry Spencer Ashbee (Pisanus Fraxi) seit 1877 darauf hoffte, dass die „Memoiren“ der Theresa Berkley veröffentlicht würden, musst er schließlich aufgeben. Tatsächlich gab es ein verirrendes Geflecht von falschen Fährten, die immer wieder gelegt wurden, um der Geschichte rund um Frau Berkley etwas mehr Glaubwürdigkeit zu verliehen. Typisch dafür ist eine Verbindung mit ihrer angeblichen Vorgängerin, die als „Mary Wilson“ durch die frühe viktorianische Geschichte geistert. 

Wenn wir zurück in die Jahre 1877 – 1900 gehen, finden wir weder einen Beweis für die Existenz einer Autobiografie von Frau Theresa Berkley noch eine vergleichbare Biografie. Henry Spencer Ashbee bedauerte dies selbst zutiefst, hoffte aber bis zum letzten Moment, dass sie doch noch ein Verleger aus dem Hut zaubern würde. Doch all seine Hoffnungen wurden zerstört. Stattdessen kam das fast vergessene "Berkley Horse" wieder zu Ehren - eingebettet in die Geschichten, die inzwischen im Magazin "The PearL" veröffentlicht wurden. Davon berichte ich in einem weiteren Beitrag. 
Die Daten aus dem 19. Jahrhundert mögen schwer zu ermitteln sein – in einem Punkt sind sie allerdings sehr genau: Bei den Preisen, Einkünften und Kosten. Aufgrund dieser Zahlenbasis ist es möglich, Umsatz und Gewinn für ein Bordell der damaligen Zeit zu ermitteln.
Vermuten wir einfach mal, dass dieser „kleine Angestellte“ kein Bordell im Londoner Westend besuchte – und vor allem kein Flagellationsbordell, dessen „Tarifstruktur“ sich völlig anders darstellte.
Es ist nicht schwer, die Zahlen von damals zu überprüfen. Man benötigt dazu einen intimen Londoner Stadtführer aus jener Zeit, in dem einzelne „Tarife“ für Lusterlebnisse verzeichnet sind. (3) Fünf Pfund sind dabei im Jahr 1850 ein durchaus übliches Honorar für eine einzelne, lustvolle Beregnung mit einer der „besonders talentierten“ Londoner Prostituierten. 