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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Überflüssiger Rat zur Partnersuche und zum "Verlieben"

Dieser Tage fiel mir ein Bericht in die Hände, der uns sagen soll, dass es „tatsächlich nur sieben Merkmale“ gibt, die darüber entscheiden, ob wir uns in eine Person verlieben.

Der Satz an sich müsste bereits kritisiert werden, denn die Frage, ob „wir uns verlieben“ hat nichts mit den ständig neu ins Rampenlicht gebrachten „Kriterien“ zu tun. Wenn du wissen willst, wie es kommt, dass du dich „verliebst“, dann frage einen Mediziner oder Biologen.

Der Rest entstammt tatsächlich einem Forschungsprojekt. Er hat damit zu tun, welche Kriterien Menschen anlegen, wenn sie Langzeitbeziehungen (z. B. Ehen) suchen.

Die sieben Regeln zum angeblichen „Verlieben“

Dabei wird nach recht einfachen Regeln vorgegangen (Kurzfassung):

1. Attraktiv?
2. Fit und gesund? (Ernährung, Fitness).
3. Status (Einkommen, Ansehen, Macht).
4. Persönlichkeitsmerkmale (Charakter, Eigenschaften)
5. Bindung und Freiheit. (Raum für eigene Interessen).
6. Exklusivität (sexuelle Treue).
7. Religion / Weltanschauung.

Wie man ohne psychologische Kenntnisse erkennen kann, ist Punkt (1.) die biologische Anziehung, die jeder Mensch individuell empfindet. Punkt (2.) und (3.) beziehen sich darauf, ob die Beziehung dauerhaft sein wird und ob es möglich ist, eine Familie zu gründen. Die „Persönlichkeitsmerkmale“ (4.), die jemand sucht, sind sehr variabel, die Ausschlüsse hingegen bekannt. Dazu zählen zum Beispiel „beziehungsfeindliche“ Eigenschaften, wie krankhafte Eifersucht. Während Punkt (5.) heute selbstverständlich geklärt werden muss (das war vor 100 Jahren noch anders) ist Punkt (6.) neu – er betrifft die Swingerszene, Triolen und Polyamorie.

Punkt sieben ist kulturabhängig. In meiner Jugend war noch wichtig, dass der Partner auf keinen Fall der „anderen“ christlichen Kirche angehört (in meiner Gegend waren das die Katholiken). Mittlerweile ist dies Thema erledigt – aber bei Menschen, die unterschiedlichen Weltreligionen, stark abweichenden Ethnien oder weltanschaulichen Sektierern angehören, ist dies nach wie vor ein Thema.

Hier soll nicht bestritten werden, dass einige dieser „sieben Regeln“ wichtig sind. Aber sie sind eine Mischung aus trivialen Betrachtungen, persönlichen Vorlieben, Naturphänomenen und den üblichen „Schnörkeln“, damit alles als „psychologisch“ durchgeht.

Die sieben Regeln: Riesenluftballon mit heißer Luft

Und das Fazit von alledem? Groß ist der Luftballon, aber am Ende ist nur Luft drin. Wer nach Inhalten oder Lösungen sucht, sollte sich selbst fragen, was er (sie) wünscht und selber in eine Beziehung einbringen kann. Und da hilft dir kaum jemand – schon gar keine Thesen, die in die Presse geblasen werden.

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Kritik an der Forschung an sich, sondern an den voreiligen und fragwürdigen Interpretation durch die Presse. Wer an weiteren Informationen interessiert ist, kann die "Liebeszeitung" lesen. Dort wurden auch die Quellen benannt.

Die Pseudo-Narzisstin

Die meisten Menschen, die als „Narzissten“ bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit keine. Gewöhnliche Mitmenschen verpassen ihnen das „Etikett“, und klebt es einmal auf einer Person, so ist sie bereits abstempelt.

Reden wir also von Pseudo-Narzisstinnen und Pseudo-Narzissten. Die meisten Autorinnen und Autoren setzen beim Geschlecht den Hebel an: Frauen sind dabei grundsätzliche „andere Narzissten“ als Männer. Beispielsweise so:

Sie denken, dass sie nur gemocht werden, wenn sie etwas Besonderes sind. Die äußere Fassade sei ihnen extrem wichtig. Schönheit, Schlankheit, Jugendlichkeit – alles müsse perfekt sein.

Vielfach wird gesagt, Frauen seien eher „innere Narzisstinnen“. Sie fühlen sich glücklich, wenn sie bewundert und anerkannt werden, und dazu gehöre nun eben auch „das Aussehen“ und „oberflächliche Werte“, die andere an ihnen bewundern. Diese Aussage ist allerdings so allgemein, dass sie für Pseudo-Narzisstinnen und auch für Frauen gilt, die von Psychiatern so eingestuft werden.

Narzissten - anderes Geschlecht, andere Eigenschaften?

Die Trennung nach Geschlechtern könnte darauf zurückzuführen sein, dass zu einem „richtigen“ Narzissten ein machtvoller Job gehört. Die gottähnliche Großartigkeit, die viele männlich Manager an den Tag legen, ihr neurotisches Potenzial und ihre innere Unsicherheit sind oft beschrieben worden. Diejenigen, die solche Tendenzen haben, erkennt man schnell: Sie fordern Bewunderung ein, manipulieren, kanzeln andere ab und holen sich ihre private Selbstbestätigung durch Kindereien.

Frauen als Managerinnen - Größenwahn inklusive?

Handeln Frauen, die solche Positionen annehmen, wirklich anders? Vergessen wir nicht, dass „Narzissmus“ häufig bei „großen Mackern“ festgestellt wurde – von diesen stammen auch letztlich die Kriterien. Dabei ergibt sich die Frage, ob solche Positionen überhaupt angestrebt werden, wenn die Person nicht von vornherein einen Größenwahn verspürt. Überhaupt war und ist die Frage, wie viel Selbstherrlichkeit eine Person haben soll, darf oder kann, die auf einer hohen Hierarchiestufe steht.

Ja mehr Frauen in Führungspositionen kommen, umso mehr wird sich erweisen, wie eiskalt, unberechenbar und unbelehrbar sie sind. Oder, im positiven Sinne gesprochen, wie visionär, fordernd oder gar messianisch ihre Ausstrahlung ist. Sie werden aller Voraussicht nach nicht von „weiblichen Motiven“ geprägt sein und nicht wegen ihrer schönen Beine oder ihres schönen Hinterns bewundert werden wollen.

"Weiblicher" Narzissmus?

Was jetzt über „weiblichen Narzissmus“ geredet wird, spricht eher für das Mode-Püppchen, das Körper und Klamotten spazieren führt. Oder für die Edelschlampe, die stolz daraus ist, dass jeder Mann sich die Finger nach ihr leckt. Oder eben auch für die „klassische“ Zicke oder „Drama Queen“ die sich daran freut, wenn andere ihre Allüren aushalten müssen.

Das „Innere“? Die Psychologie spricht von „fehlendem Selbstwertgefühl“ und meint damit, dass sich die Person ihres eigenen Wertes nicht bewusst ist. Diese Personen beziehen ihre Wertigkeit aus der Bewunderung durch andere. Ob man sie bewundert, hasst oder belächelt – sie wertend dies als Bestätigung ihrer Sucht, auf der Rampe zu stehen und ihre Show abzuziehen - im Bösen wie im Guten.

Erfolg - das missbrauchte Wort

Eines der am meisten missbrauchten Wörter ist „Erfolg“. Dieser Tage wurde ich wahrhaftig gefragt, wie die „moderne Psychologie“ den Erfolg erklärt.

Na, wir hübsch. Da wirft jemand einen Begriff auf, der keine gesicherte Bedeutung hat, aber viele Illusionen weckt: Erfolg.

Klare Ansage - das Wort sagt: Auf eine Handlung folgt etwas, das die Handlung rechtfertigte. Oder, stark modernisiert: wenn wir ein gesetztes Ziel erreichen.

Die modernen Schwafler nutzen das Wort, um etwas ungeheuer Grandioses zu unterstreichen: An die Spitze einer Hierarchie zu gelangen, beispielsweise. Und dann ballern sie mit allerlei dummdreisten Behauptungen auf die armen „Loser“ ein. Doch halt: Das Dasein des gewöhnlicher „Losers“ lässt sich natürlich verändern. Man muss nur … irgendetwas kaufen. Bücher, Seminare, am besten gleich eine ganze Ideologie. Oder selber denken, was in Internet-Zeiten leider etwas aus der Mode gekommen ist.

Halt. Stopp. Bis hierher und nicht weiter.

Erfolg, liebe Mitmenschen, besteht darin, ein Ziel zu erreichen. Möglichst eines, dass du auch erreichen kannst.

Wer, sagen wir einmal, durch eine Prostataoperation an Inkontinenz leidet, empfindet als Erfolg, wenn er wieder „normal“ pinkeln kann. Solche Beispiele aus dem Gesundheits- und Sozialwesen gibt es zuhauf. Wer niemals einen vernünftigen Job fand, findet die Festanstellung als Segen. Und wer jahrzehntelang ohne Partner(in) war, der sieht es als großes Geschenk, wenn er einen liebevollen Mitmenschen findet.

Vielleicht sehen wir die Sache mal so?

Warum du in Wahrheit auf dich selbst angewiesen bist

Können in unsere Welt zwei Auflassungen zugleich richtig sein? Nein, sagen die Dogmatiker, die Kleriker und manche Wissenschaftler, wenn es ans „Eingemachte“ geht. Der Kern jeder Ideologie, auch wenn sie als „Religion“ oder „Wissenschaft“ markiert wird, scheint in Beton gegossen zu sein.

Die „ewigen“ Werte funktionieren nicht

Wir wissen, dass dies nicht uneingeschränkt funktioniert. Wir erleben es jeden Tag, gleich, ob wir uns Humanisten, Christen oder Sozialisten sind. Verharren wir im „Glauben“ an die ewigen Dogmen, dann ist es wahrscheinlich, zu scheitern. Also haben wir während unserer Entwicklung ein kleines oder auch größeres Netzwerk von Schlupflöchern entwickelt. Und ein Teil entstammt wahrhaftig der Natur, in deren System wir weiterhin eingebunden sind, solange es Menschen gibt.

Nur keine Natur – das Dilemma der „Geistesmenschen“

An dieser Stelle beginnen Dogmatiker, Ideologen und Kulturpäpste zu frösteln: „Die Natur? Die haben wir als Geistesmenschen doch längst überwunden?“ Nein, das haben wir nicht, denn wir können die Natur nicht überwinden, weil sie nach wie vor ein Teil von uns ist. Aber genau das wird von vielen sogenannten „Geisteswissenschaftlern“ bezweifelt. Nach ihrer Auffassung dürfen wir uns als fast alles deklarieren – außer, dass wir das Wesen der Natur in uns tragen. Das hat einen verborgenen Grund: Die Natur lehrt uns, dass wir uns situativ unterschiedlich verhalten müssen, um zu überleben.

Die „Psyche“ ist eine Verpackung mit Etikett

Die vielen Interpretationen der menschlichen Psyche, die uns ständig in neuen Verpackungen aufgetischt werden, sind in Wahrheit Konstruktionen, die aus Beobachtungen zusammengestellt wurden. Sie können selbstverständlich „richtig“ sein, solange wir die gleiche Sichtweise wie die Autoren haben. Nehmen wir mal Sigmund Freud. Nach ihm werden Erwachsene neurotisch, weil sie als Kind etwas erlebt haben, womit sie psychisch überfordert waren. Was Freud nicht sagt: Wie kann es sein, dass Erwachsen nicht neurotisch werden, die als Kind Ähnliches erlebt haben? Allein dieser Satz gilt unter Freudianern als Blasphemie.

Es ist nur ein Beispiel – wirklich. Alle psychologischen „Erkenntnisse“ haben einen gewissen Wahrheitsgehalt und zugleich einen Graubereich. Das Problem ist das Gleiche wie in der Religion: Die Dogmen gelten nicht für alle Zeiten, und sie können nicht das gesamte menschliche Handeln erklären.

Und was bedeutet das für DICH?

Letztlich heißt dies für dich:

1. Nimm nicht an, dass etwas richtig ist. Alles kann richtig oder falsch sie und ist abhängig von der Situation, in der du lebst und vom Ziel, dass du erreichen willst.
2. Setze deine Erfahrung und dein Selbstvertrauen ein, wann immer es dir möglich ist. Die meisten Menschen lernen anhand von Erfahrungen, was gut oder schlecht für sie ist.
3. Überprüfe jeden Rat und jede Theorie, die man dir übermittelt, auch wenn sie von einem „Fachmann“ (einer „Fachfrau“) kommt. Sollte der Rat falsch sein, zieht sich der Ratgeber schnell aus der Affäre. Du aber musst mit dem Ergebnis leben.

Da draußen wartet die Realität auf dich, und du weißt nie, was als Nächstes passiert. Also brauchst du Erfahrungen, wie du mit der jeweils nächsten Situation umgehen kannst.

Erinnerst du dich an die Eingangsfrage?

Sie lautete: „Können in unserer Welt zwei Auffassungen zugleich richtig sein?“

Ja, das können sie. Aber welchen Weg du gehen willst – das kannst nur du entscheiden.

Irrtum der Psychologie: "die Persönlichkeit" vollständig beschreiben

Eine der an den weitesten verbreiteten Irrtümern besteht darin, dass die Psychologie die menschliche Psyche vollständig erhellen kann. Dazu gehört in erweitertem Sinne auch, die Persönlichkeit eindeutig beschreiben zu können.

Das Modell, mit dem heute am häufigste versucht wird, die Persönlichkeit zu erfassen, wurde als „Big Five“ bekannt. Das ursprüngliche Modell wurde ansatzweise 1961 entwickelt, konnte sich aber nicht durchsetzen. Erst 1990 wurde es als „Fünf-Faktoren-Modell“ bekanntgemacht und genießt unter Psychologen große Anerkennung. Hauptkriterium ist - wie bei allen anderen Modellen zuvor und danach – die Extraversion/Introversion, gefolgt von vier weiteren Kriterien.

Die durch und durch psychologisch geprägte Literatur zum Thema bemüht sich nach Kräften, solche Aussagen zu verbreiten: (1)

Die Testgütekriterien sind für die Langversion (NEO-PI-R) und die Kurzversion (NEO-FFI) in zahlreichen Studien erforscht worden, sodass die Verfahren als objektiv, zuverlässig und gültig angesehen werden.

Wenn die Sichtweise begrenzt ist, "stimmen" auch Aussagen über die Persönlichkeit

Das stimmt, wenn man die relativ bescheidenen Kriterien zugrunde legt und zusätzlich unterstellt, dass „die Persönlichkeit“ durchgängig stabil ist. Tatsächlich handeln Menschen aber nicht in allen Situationen und allen Lebensrollen gleich. Zudem besteht „die Persönlichkeit“ nicht ausschließlich aus den Segmenten, die abgefragt werden. Man kann auch sagen: Alles, was beim Fünffaktorenmodell (Big Five) herauskommt, ist gültig, solange keine zusätzlichen Kriterien einfließen. Wer jetzt noch immer an das Modell glaubt: Das ist im Alltag so gut wie nie der Fall.

Beispiel Online-Lexikon: Kritik wird nicht ausreichend berücksichtigt

Die Macht, mit der das Modell in den Vordergrund gedrängt wird, wird insbesondere im Deutschen Wikipedia sichtbar. Die Kritik wird in einem lapidaren Satz abgetan (1):

Kritiker des Modells bezweifeln, dass es in der Lage ist, individuelle Persönlichkeiten adäquat zu beschreiben.

Wie so oft, empfiehlt sich, die englische Version (2) von Wikipedia zurate zu ziehen, die ohnehin viel ausführlicher beschreibt, wozu das Modell genutzt werden kann.

Das Positive: keine Etikettierung oder Entwertung durch die "Big Five"

Auf der anderen Seite ist das Modell für einige Bereich durchaus geeignet, zum Beispiel bei der Auswahl von Personal – und zwar immer dann, wenn ein besonderes Verhalten gefordert wird. Dazu könnte man noch erwähnen, dass die Big Five ohnehin nicht „die Persönlichkeit“ messen, sondern ausschließlich das Verhalten, welches die Person an den Tag legt.

Immerhin hat das Modell einen Vorteil: Es ordnet den Menschen nicht in ein „Vierbuchstabenschema“ ein, wie es ein anderes Verfahren versucht. Und insofern besteht bei denen „Big Five“ immerhin eine gewisse Hoffnung, nicht abgestempelt und entwertet zu werden.

Das Fazit - überbewertet, aber nicht nutzlos

Die „Big Five“ werden mit großer Wahrscheinlichkeit überbewertet. In Wahrheit entsprechen sie einem stark vereinfachten, möglicherweise sogar sehr eingeschränktem Menschenbild. Das kann ein Vorteil bei einfachen Aufgaben sein, doch ist es zweifelhaft, ob sich die Person (also der Kern der Persönlichkeit) damit ausreichend oder zuverlässig beschreiben lässt.

(1) Wikipedia (deutsch)
(2) Wikipedia (englisch)