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Das Darüber-Hinwegkommen – ein Baustein des Seins

Die Welt, in die wir hineingeboren werden, folgt nicht unseren Wünschen, was zum größten Teil daran liegt, dass andere auch Wünsche an die Welt haben, die sich mit unseren Vorstellungen kreuzen. Das heißt: Indem wir unsere Wünsche verwirklichen, nehmen wir anderen möglicherweise einen Teil ihrer Lebensfreude, und sie wehren sich dann dagegen. Selbstverständlich kann es auch sein, dass wir uns mit ihnen zusammentun, sie lieben, an einem Strang ziehen und miteinander erfolgreich sind. Dennoch müssen wir damit rechnen, von anderen eben auch abgewiesen oder abgewehrt zu werden.

Ich las gerade, dass die Aufforderung „Drüber hinweg zu kommen“ eine „Floskel neoliberaler Verwertungslogiken“ ist. Demnach wäre jede Aufforderung, in sich zu gehen, zu sich selbst zurückzukehren oder auch nur, sich selbst zu verändern, aussichtslos.

Wenn es aber aussichtslos wäre, dann könnten diejenigen, die diese Hürden nicht mehr überspringen können oder mögen, auch nicht mehr glücklich werden.

In Wahrheit ist das Drüber-Hinweg-Kommen ein Baustein des Seins, ein Teil der Kybernetik des Lebendigen, also eine Selbstregulierungskraft, die normalerweise vorhanden ist, individuell aber gelegentlich versagt. Fall sie nicht funktioniert, ist die an sich kein Schaden: Uns wird dadurch bewusst, wie es uns gerade ergeht. Unser Gehirn sagt uns: „Pass auf, du musst Maßnahmen ergreifen, sonst geht etwas schief.“ Das ist gut so, denn dann beginnen wir zu begreifen, dass wir etwas ändern müssen. Was es ist? Da sagt uns unser Gehirn nicht. Also fragen wir andere und bitten sie um Hilfe. Das ist ganz normal. Von der Freundin über die Selbsthilfegruppe bis zum Therapeuten gibt es solche Hilfen, und manchmal reicht ein einziges Gespräch, um wieder „zu Sinnen“ zu kommen.

Es ist gut, zu sich selbst zurückzufinden, gleich ob man es aus Selbstliebe oder aus Vernunft versucht.

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 4. Teil (und Ende)

Mächtige Thesen - nichts dahinter. Wissenschaftler, die kein Wissen schaffen, verdummen das Volk mit unhaltbaren Thesen über die Partnerwahl. Langsam näheren wir uns der Wahrheit, und die heißt: Wenn wenig vorhanden ist, stört der Mangel, und wenn viel vorhanden ist, stört der Überfluss. Eigentlich sollte dies jedes Kind wissen. Man nennt es "Marktgeschehen". Das Problem dabei: der moderne Partnermarkt ist schwer zu überblicken.

Das haben Wissenschaftler vergessen: Der Markt hat Priorität

Was nicht am Markt ist, kann nicht erwoben werden. Das gilt auch für den Heiratsmarkt. Diese einfache These wird nirgendwo in der sogenannten „Wissenschaft“ (1) berücksichtigt, aber sie ist die plausibelste These überhaupt, zumal sie logisch nicht zu widerlegen ist. Dennoch ergeben sich auch aus dieser Theorie Fragen, die allerdings erst in jüngster Zeit relevant wurden.

1. Der regionale Markt – klein und überschaubar, aber wenn er erschöpft ist, gibt es niemanden mehr.
2. Der Restemarkt (bis ins 20. Jahrhundert hinein): Die „Übrig gebliebenen“ oder Verwitweten mussten sich einen neuen Markt suchen und dabei Vermittler einschalten oder annoncieren. Der Markt war zwar vorhanden, aber sehr begrenzt.
3. Der globale Markt (ab 21. Jahrhundert). Der globale (oder wenigstens überregionale) Markt steht jedem offen. Er ist überreich bestückt.

Das Problem dabei: Jedes Bauermädchen und jede Bürgertochter kannte sich mit dem regionalen Markt aus, während der Restemarkt Gesetzen folgte, die von den meisten nicht beherrscht wurden. Das hat sich inzwischen verschärft: Der globale Markt erfordert Kenntnisse – sowohl im Käuferverhalten wie auch im Verkäuferverhalten. Es zeigt sich immer mehr, das mindestens die Hälfte der Partnersuchenden davon überfordert ist.

Fazit: Die Marktthese trifft zwar vollständig zu, aber der Markt wird umso unübersichtlicher, je größer und unspezifischer er ist. Heute sind bereits erhebliche Verwerfungen erkennbar. Und dennoch: Am Markt wird genommen, was unter ökonomischen Bedingungen (pekuniäre, soziale und emotionale Einkommen) vertretbar ist.

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 2. Teil

Die Psychologie maßt sich allenthalben an, etwas über die Partnersuche und die Partnerwahl aussagen zu können, ja, sie glaubt, sie sei die „kompetente“ Wissenschaft dafür. Dabei ist ihr ganzes Gebäude auf Sand gebaut – und der Sand heißt: unbeweisbare Annahmen.

Allgemeine Psychologie: Mehr als heiße Luft?

Die Psychologie geht dort, wo sie Partnersuche zu erklären versucht, auf Eigenschaften der Persönlichkeit ein. Sie katalogisiert diese Eigenschaften in vier oder mehr Kategorien (Big Four und andere) und behauptet dann überwiegend, dass „gleiche“ oder eben „ähnliche“ Eigenschaften zum Erfolg führen würden. Eine Minderheit, die allerdings über gute Argumente verfügt, sagt, dass gerade diese Gleichheit in den Persönlichkeitseigenschaften nicht zu erfolgreichen Beziehungen führen wird. Fragte man nach, so hört man, dass es nicht auf die Gleichheit als solche, sondern auf die Gleichheit und Verschiedenheit in bestimmten Segmenten ankäme. Eine dritte Gruppe bezeichnet sogenannte „innerpsychische“ Faktoren als weitgehend irrelevant.

Genau Aussagen sind von der Psychologie nicht zu erwarten – dazu sind ihre Begrifflichkeiten viel zu schwammig. Man kann bestenfalls sagen, dass sich gewisse Gleichheiten positiv, andere aber wieder negativ auswirken könnten – und das Gleiche ließe sich für Unterschiede sagen.

Fazit: Die Psychologie verfügt so gut wie nur über schwammige Begriffe, die sie als Fakten zu verteidigen versucht. Gewissen Thesen kann man aufgrund der Lebenserfahrung zustimmen, anderen wieder nicht. Auch die Psychologie blendet einen großen Teil der Entwicklungsgeschichte moderner Menschen aus, ganz ähnlich wie zuvor die Evolutionstheoretiker.

Lesen Sie morgen: "Soziale Thesen: Bedingt glaubwürdig".

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 1. Teil

Wir hätten uns auch so entwickeln können ...
Sogenannte "Wissenschaftler" versuchen sich seit Jahren an den Themen "Partnersuche" und "Partnerwahl" - weil sie damit Punkte sammeln können, denn die Partnerwahl des Menschen interessiert viele - sogar Politiker. Doch Wissenschaftler haben zum Teil völlig absurde Ansätze, die zudem unglaublich kompliziert sind. Denn in Wahrheit ist die erste Frage nie: "Wer passt zu mir?", sondern "wer ist tatsächlich verfügbar?" Also: Wie funktioniert die Partnersuche eigentlich? Und wie kommt es dann zur Partnerwahl?

Die „Wissenschaft“ (1) kennt verschieden Theorien, die allesamt sowohl wahr wir auch unwahr sein können, weil sich keine beweisen lässt. Im Grunde handelt es sich um drei Gruppen von Theorien, die sich so einordnen lassen:

- Evolutionsbedingte Theorien.
- Psychisch begründete Theorien.
- Sozial begründete Theorien.

Welche Vor- und Nachteile haben die Theorien?

Evolutionspsychologie: logisch fehlerhaft

Die Theorien, die aus der Evolution abgeleitet werden, gehen davon aus, dass wir Menschen uns entwickelten wie die gewöhnlichen Säugetiere – und dies im übertragenen Sinne bis heute tun. Das heißt: Die stärksten und körperlich attraktivsten Exemplare setzen sich durch.

Das kling plausibel – ist es aber nicht. Wäre es so, hätten wir uns, wie die meisten Säugetiere auch, nach einer gewissen Zeit einseitig entwickelt. Das heißt, die Überlebensfähigkeiten, die wir bis dahin gewonnen hatten, hätten sich im Lauf der Jahrmillionen verstärkt, aber wir hätten kaum neue Eigenschaften entwickelt.

Wäre es so, dass allein der beste, stärkste und mutigste Steinzeit-Jäger sich durchgesetzt hätte, dann hätte er keinen Handwerker gehabt, der besonders effektive Pfeilspitzen herstellen konnte.

Zudem berücksichtigt die Theorie nicht, dass es über viele Jahrhunderte gar keine „freie Partnerwahl“ gab. Ob man nun in das „Alte Testament“ oder in die Verhältnisse im 19. Jahrhundert schaut: Es gab keine „freie“ Partnerwahl.

Fazit: Man spricht von Evolution und ignoriert die Kultur. Ein bedeutender Teil der menschlichen Entwicklung wird einfach „ausgeblendet“.

Morgen: Ist die Psychologie der Partnerwahl mehr als "heiße Luft"?

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.
Bild: Striktes ©2017 by Gebhard Roese

Homogamie - wie Wissenschaftler uns für dumm verkaufen

sehpferd kämpft gegen massenverblödung
Homogamie (Gleichheitsprinzip in der Partnersuche) ist eine Theorie der Partnerwahl. Wie alle Theorien hat sie den Nachteil, dass sie nicht die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit überstreicht, ja, nicht einmal die Geschichte des modernen Menschen.

Theoretisch spielen die Wissenschaften ohnehin kaum eine Rolle, denn die Partnerwahl ist in erster Linie von den Möglichkeiten abhängig, die Menschen haben, und erst dann von den Präferenzen (die Wissenschaftler untersuchen). Das heißt letztendlich: In Zeiten, als das Reisen beschwerlich war oder sogar völlig unüblich war, paarte man sich in der Nähe mit dem nächstbesten Partner, der überhaupt infrage kam. Das wird von sogenannten „Wissenschaftlern“ oft gar nicht gesehen, weil sie weder die jeweiligen Zeitumstände noch die Ökonomie einbeziehen. Praktisch hingegen machen sich insbesondere Soziologen und Psychologen auf diesem Gebiet breit, die über die willfährige Presse versuchen, die Definitionshoheit über die Partnerwahl des Menschen zu gewinnen.

Umgebungssuche: Der erstbeste Partner, der "ja" sagt, ist möglicherweise richtig

Tatsache ist lediglich: Die Möglichkeiten des Umfelds sind das erste (und lange Zeit einzige) Kriterium dafür, wie Partner gesucht werden. Erweitert man den Umkreis, dann hat man mehr Möglichkeiten – schränkt man ihn ein, so sinken die Chancen deutlich. Das mag einem Mitteleuropäer, der an dichte Besiedelung gewöhnt ist, möglicherweise gar nicht einleuchten – und die meisten Wissenschaftler denken wie Städter. Werfen wir jedoch einen Blick auf Skandinavien oder gar Kanada, so wird klar, dass lediglich die Erweiterung des Umkreises zu Erfolgen führt, und dies auch heute noch.

Homogamie - verwischt, verwaschen und ungenügend definiert

Fragt sich natürlich ebenso, wie man „Homogamie“ überhaupt definieren soll, und schon da scheiden sich die Geister:

- Sind es die Lebensumstände, die wir annehmen sollten?
- Haben sich neue „Klassen“ entwickelt, etwa „Reiche“ oder „Gebildete“?
- Könnten die Reste eines „Standes“ einen Einfluss haben?
- Sind es äußerliche Merkmale, die „gleich“ sein sollten?
- Sind es sogenannte „psychische“ Eigenschaften, die auch als „Charakter“ oder „Persönlichkeitsmerkmale“ bezeichnet werden können?

Die Ehe unter "Gleichen" im 19. Jahrhundert

Um es zu verdeutlichen: Eine bürgerliche Tochter gegen Mitte es 19. Jahrhunderts wurde deutlich dazu gedrängt, die Ehe unter Gleichen einzugehen, nämlich die Konvenienzehe.

Was heißt:

Nur der Stand des Ehemannes spielte eine Rolle – und sonst gar nichts. Zumeist wurde eine große Summe ausgelebt, falls jemand die Tochter heiraten wollte. Der Grund lag darin, dass die eignen Mittel im Bürgertsand für das Geschäft benötigt wurden – die Mitgift war für den lebenslangen Unterhalt der Frau bestimmt.

Freie Partnerwahl - ein Luxus der Neuzeit

Diese Tatsachen werden heute völlig ignoriert. Ein großer Teil der Wissenschaft verhält sich so, als habe es einen ununterbrochenen Prozess der „freien Partnerwahl“ von der Steinzeit bis in die Gegenwart gegeben – wobei wir uns gerne einmal fragen dürfen, wie einseitig Wissenschaftler eigentlich sein dürfen. Hinzu käme heute die Frage, wie ethisch eine Wissenschaft ist, die Halbwahrheiten als „Forschungsergebnisse“ ausgeben darf.

Anerkannt werden muss aber, dass Psychotherapeuten und Paarberater, die eher „hautnah“ bei ihren Klienten sitzen, kaum den wissenschaftlichen Blödsinn verzapfen, der in den Elfenbeintürmen behandelt wird, sondern das benennen, was ihnen im Alltag begegnet.

Wie auch immer – Homogamie ist ein schwammiges Wort, das jeder so interpretiert, wie er mag. Und darin liegt das Problem: Man redet von Gleichheit, meint Ähnlichkeit und weiß nicht einmal, worin sie bestehen sollte. Ich könnte dazu viele Quellen zitieren, aber dies fand ich besonders plastisch:

Zuerst sucht man sich ein Stück selbst in dem Anderen - unsere Gegenwart, aber auch unsere Vergangenheit, oder wie wir sein möchten - wenn daraus aber eine längerfristige Partnerschaft wird, geht es eher um Komplementarität. (1)


Heißt im Klartext: Wir suchen im anderen ähnliche Eigenschaften – aber für die gemeinsame Entwicklung sind Unterschiede wichtiger.


Ich fasse mal alles zusammen, was es darüber zu sagen gibt:

- Gleichheit gibt es unter Menschen nicht.
- Statt Gleichheit meint man eigentlich Ähnlichkeit.
- Ähnlichkeit bedeutet gar nichts, solange man nicht deutlich sagt, welche Ähnlichkeiten gemeint sind.
- Die Liste der „Ähnlichkeiten“ ist lang, und eine Ähnlichkeit bedeutet nicht schon als solche, dass sie auch von Bedeutung ist.
- Ähnlichkeiten sind leicht zu entdecken, und man findet dadurch schnell Gesprächspartner. Um sich zu entwickeln, reicht das aber nicht aus – dazu braucht man Unterschiede.


Und was die Evolution betrifft: Hätten wir immer nur die gleichen, passenden Gene vererbt, währen wir mit großer Wahrscheinlichkeit längst ausgestorben oder müssten weiterhin durch die Steppe wandern.

1 - Zitiert nach dem ORF. Ursprung: Patrizia Giampieri-Deutsch.

"Sehpferd kämpft gegen Dummheit." erscheint unregelmäßig. Es ist mein Beitrag, um Gedankenlosigkeit im Alltag zu bekämpfen.