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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Muss sich alles „rechnen“? Nein, aber Kultur ist vor allem Schule

Dieser Tage wurde ich aufgescheucht: Sollte meine Meinung von „Geben und Nehmen“ völlig falsch sein?

Grund war ein Artikel in meiner Tageszeitung. Der Kolumnist fragte danach, ob es richtig sie, dass sich heute alles „rechnen muss“. Damit waren allerdings staatlich geförderte kulturelle Projekte gemeint.

Ich habe einen Moment nachgedacht.

Mir fiel dabei ein, wie viele Geber es im privaten Bereich gibt, die niemals danach fragen, ob sich etwas „rechnet“ oder nicht. Ihnen stehen weitaus mehr „Nehmer“ gegenüber, die als selbstverständlich ansehen, dass der Staat über unendliche Mittel verfügt, alle ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Es wäre ganz gut, wenn wir die Ansprüche alle etwas herunterschrauben würden. Es besteht ja kein Zweifel, dass wir Kultur benötigen. Doch wenn wir schon von „Kultur“ reden, dann bitte nicht in erster Linie von Luxuskultur. Wie wäre es beispielsweise, in erster Linie in Bildung zu investieren? Vor allem in Naturwissenschaften – aber auch darin, unsere Jugend bei der eigenen Lebensführung zu unterstützen.

Müssten wir nicht alles daran setzen, unser Land nach vorne zu bringen? Und was könnte dazu nützlicher sein als „kluge Menschen“ hervorzubringen, die später als Geber auftreten?

Theoretisch würde dem wohl jeder zustimmen. Doch wer ist in der Lage, dies praktisch umzusetzen? Kaum noch jemand?

Die KI – Orakel, Besserwisserei und User-Bashing

Bereits vor knapp einem Jahr konnte jeder, der es wissen wollte, über die Unzuverlässigkeit der KI nachlesen. Damals ging es „lediglich“ um aktuelle Nachrichten und die Hintergrundinformationen, die verschiedene Anbieter von KI dazu wussten. Das Ergebnis zeigte, dass die Antworten zum großen Teil enttäuschend, teils sogar niederschmetternd schlecht oder irreführend waren.

Im Klartext:

In 45 Prozent aller KI-Antworten war mindestens ein erheblicher Irrtum enthalten.

Bei 31 Prozent der Antworten gab es erhebliche Probleme mit den benutzten Quellen – teils waren sie falsch, teils irreführend.

In 20 Prozent der Fälle enthielten die Antworten, für die es gar keine Belege gab oder bei der die Belege veraltet waren. Im englischen Originaltext heißt es dazu: „Die KI halluzinierte“.


Wohl bemerkt – es handelte sich um Nachrichtenmaterial, das gründlich analysiert wurde und nicht um Wertfragen.

Die KI - im Größenwahn?

Generell sagt die verwendet Studie aus, dass die KI-Programme ein Problem damit haben, sich selbst zu überschätzen. Das ist ausgesprochen gefährlich für den gutgläubigen Anwender, der hinter der KI eine „objektive“ Stellungnahme vermutet. Um es nochmals zu sagen: Gefragt wurden nach überprüfbaren Fakten, auf die eine möglichst zutreffende Antwort erwartetet wurde. Selbstverständlichen hätte die KI eine Möglichkeit, sich zu weigern, bestimmte Fragen zu beantworten. Aber das geschieht immer seltener: Die Rate der nicht beantwortbaren Fragen fiel laut der erwähnten Studie zwischen August 2024 und 2025 von 31 auf null Prozent.

Konservativ, akademisch und selbstherrlich - wie kommen diese Elemente in die KI?

Abseits der Studie: Die KI (AI) wird offenbar von ihren Entwicklern mit teils konservativer, teils akademischer Selbstüberschätzung ausgestattet. Dazu gehört auch, bei Fragen, die nicht in das relativ simple Denkschema der KI passen, zurechtgewiesen zu werden. Man fühlt sich an Schüler erinnert, die wagten, eine unbequeme Frage an ihren Lehrer stellen. Dies alles wirft einen scharfen Lichtstrahl auf die elitären Strukturen, die offenkundig in manchen Programmen verankert wurden. „Selbstüberschätzung“ ist keiner Maschine und keinem Programm eigen. Also wird irgendwo im Programm ein winziger Code-Schnipsel lauern, der sagt: „Wenn dir der Fragesteller zu frech wird, dann erkläre ihn für unfähig, die richtigen Fragen zu stellen.“

Interessiert euch das Thema? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder vollkommen andere? Dann sagt es, schreibt es und verhindert dadurch, dass KI eingesetzt wird, um die Meinungsvielfalt einzuschränken. Verweist dabei bitte auf sehpferd, wenn ihr mögt.

Quelle: Ausführlich als PDF - BBC.

Dieter Nuhr – nur noch Witzchen für Konservative?

Da steht er wieder auf der Bühne, mit dem strahlenden Grinsen des selbstbewussten Lehrers, der schnell mal alle abstrafen will, die er nicht leiden kann. Grüne sowieso – das hat er nun ja einige Jahre im Fernsehen geübt. Kurz: Dieter Nuhr kam mit der Mentalität des Schulmeisters, der, das Wissen der Welt auf sich vereinigt. Und das heißt: Im Grunde geht es nur um Nuhr und um seine Fangemeinde im Publikum, das nach wie vor hören will, wie Grüne und Linke abgekanzelt werden.

Selbst dem konservativen FOCUS scheint der Nuhr-Ismus nicht mehr zu gefallen, denn Kolumnisten Beate Strobel schrieb:

Mundgerecht in Häppchen serviert, klingt das alles noch ganz lustig. Als geballte 60-Minuten-Abrechnung mit dem vergehenden Jahr schmerzen die Scherze allerdings irgendwann.

War es ein Jahresrückblick? War es Satire? Ist der Herr Nuhr überhaupt ein „Comedian“ oder nur der Sprecher der grauen konservativen Mehrheit, der alles besser weiß? Hat er überhaupt einen Standpunkt, oder predigt er inzwischen gegen alle, die nicht rechtskonservativ sind?

Vielleicht muss ein „Comedian“ keinen Standpunkt haben, sondern nur ein überaktives Sendungsbewusstsein. Doch dann wären wir eher beim Stammtisch als beim politischen Kabarett.

Halt – da wäre noch etwas zu sagen, und das folgte dem Artikel von Frau Strobel auf dem Fuß: Die Rechtfertigung der Fangemeinde des Herrn Nuhr, ausführlich und detailliert. Zwar sind offenbar 43 Prozent derjenigen, die sich überhaupt zu Nuhr geäußert haben, eher nicht „vollständig begeistert“, und so legte man nach:

Mit 57 Prozent bildet die Zustimmung zu Dieter Nuhrs Gesellschaftskritik das weitaus größte Meinungsbild unter den Lesern. (1) Viele loben seinen Mut, unbequeme Wahrheiten offen anzusprechen und sehen ihn als wichtige Stimme für ein kritisches Kabarett, das Missstände klar benennt.

Nun gilt der FOCUS als „konservativ orientiert“, sodass mich nicht wundert, dass es zu dem geschilderten Meinungsbild gekommen ist. - und die Fans von Herrn Nuhr sind ohnehin der Meinung, dass er eine der letzten Betonpfeiler der freien Meinungsäußerung ist. Wer das nicht glaubt, dem wir per Leserkommentar gesagt:

Jeder, der sich jetzt echauffiert, ist genau das Zielobjekt dieses politischen Kabarettisten.

Oh, übrigens. Ich echauffiere mich nicht, nehme aber für mich heraus, selbst zu denken, statt andere für mich denken zu lassen.

Zitat und Auaeinandersetzung: FOCUS

Bessere Zukunft mit "Generation Alpha"?

Es gab nie eine Generation „Z“ – auch wenn der Zeitgeist, die sozialen Medien und sogar die Presse den Begriff „salonfähig“ gemacht haben.

Aber was kommt nun? Eine Generation Alpha?

Tatsache ist: Diese neue „Generation“ wird es schwer haben. Sie muss damit rechnen, die Realität irgendwann wiederzuentdecken. Aber wird sie überhaupt dazu befähigt?

Der Jugendforscher Simon Schnetzer will wissen:

Die wichtigsten Future Skills, Fähigkeiten für ihre Zukunft, darunter Wissen zu Finanzen, Psyche, Medien, Demokratie, müssen sie sich selbst aneignen.

Wir haben vergessen, was Menschen der Zukunft brauchen

Kurz: „Wir“ haben sie ihnen nicht vermitteln können – und werden dies voraussichtlich auch nicht mehr schaffen. Für die Mehrheit der Deutschen ist weder klar, wie die Wirtschaft funktioniert, noch wissen sie etwas wirklich Relevantes über „die Psyche“ - allein der Begriff klingt antiquiert, und er ist es auch: so etwas wie „die Psyche“ existiert nicht - gemeint sind die Persönlichkeitsmerkmale.

KI als Denkersatz?

Und ihnen fehlt nicht nur Medienwissen und tiefes Demokratieverständnis, sondern sie werden voraussichtlich nicht einmal mehr erkennen, wie Wissen entsteht – als Folge der KI, die es ihnen angeblich „abnimmt“. Abgehen davon: Von einem liberalen Standpunkt kann bei der neuen Generation keine Rede mehr sein. Entweder Links oder Rechts oder Müffel-Mainstream.

Was bleibt, ist ein Auftrag: dieses Land als freies, friedliches zukunftsträchtiges Land zu gestalten. Das wird ihnen die KI auf keinen Fall abnehmen.

Das Ende der Redefreiheit – vorläufig abgewendet

Das Ende der Redefreiheit war noch nie so nah – in den USA. Jimmy Kimmel und seine Late-Night-Show wurde abgesetzt – aus Gründen, die für einen liberalen Europäer kaum nachvollziehbar sind. War dies schon das Ende der Redefreiheit in den USA? Offenbar noch nicht, denn nun soll Jimmy Kimmel wieder auf Sendung gehen – und alle sind gespannt, was er sagen wird.

Dennoch wird weiterhin Eigen-Zensur ausgeübt: Die beiden Netzwerke Sinclair und Nexstar Media haben laut BBC beschlossen, die Late-Night-Show momentan nicht zu senden.

Nachtrag: Inzwischen ist Jimmy Kimmel zurück - und wie erwartet, war der gegenwärtige US-amerikanische Präsident darüber nicht glücklich. Die Frage, was aus der Meinungsfreiheit in den USA und dem "Rest der Welt" wird, bleibt deswegen spannend.