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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Reh in der Dämmerung

Hat es mich bemerkt?
Nicht viel Licht vorhanden, und dazu noch Spiegelungen sowie eine etwa verschmutzte Doppelglasscheibe.

Spontanbuchung zum Spitzenpreis in der Lüneburger Heide

Viele Hotels gehören heute großen Konzernen. Da ist es eigentlich ganz hübsch, mal in einem Familienbetrieb zu übernachten. Gerade noch so „in letzter Minute“ ergaben sich ein Hotel für die Hinreise. Ländlicher Betrieb, eher eine Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeiten. Und so war es auch. Ein kleines, eher ungemütliches Zimmer in einem Bau, der architektonisch einer Bauernkate ähnelte und der ähnlich spartanisch ausgestattet war.

Immerhin hatte ich überhaupt noch eine Zwischen-Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Und dies einen Tag vor der mehrfach verschobenen Abreise. Der Preis? Gegen 120 Euro ohne Frühstück. Komfort-Zimmer im Vier-Sterne-Hotel laut Buchungsbestätigung. Offenbar dichterische Freiheit. Jedenfalls las ich ich, dass die Hotels in der Lüneburger Heide eine Spitzensaison hatten wie schon lange nicht mehr.

Wenn das Schwein ein Fisch ist

In einem sehr guten Hotel noch angemessen preiswert übernachten? Oh ja, das ging noch. Bei Vorausbuchung. Es handelte sich übrigens um ein wirklich gut geführtes Haus.

Nachdem ich dies gesagt habe kommt nun der Wermutstropfen: Ja, man besitzt auch ein gutes Speiselokal. Leider gab es nur drei Gerichte zur Auswahl, von denen wir zwei ausschlossen. Da blieb dann nur noch eins.

Aufgespielte Höflichkeit

Eins ist wenig. Nachdem wir den Kellner fragten, ob es wirklich nur diese drei Gerichte gäbe, reagierte er etwas befremdet, um dann zu sagen: „Dann lass ich ihnen noch einige Zeit zum Wählen“. Nun, aus einem Gericht von einem brauchte ich nicht lange zu wählen. Aber da war dann erst einmal kein Keller mehr da. Offensichtlich war etwa mit der Kellnerkasse, was so nicht sein sollte - da bleibt der Gast eben mal ohne Bedienung. Nachdem der Hunger die Seele hochkroch und ich bereits am Rande meiner Geduld war, taucht der Mann endlich wieder auf, mit der betonten, aufgespielten Höflichkeit dieses Hauses.

Das Essen kam dann auch recht schnell, doch wurde es am Nebentisch serviert, wo man noch mit der Vorspeise beschäftigt war. Die Personen dort sahen auf das Essen, bemerkten, dass es sich wohl um Fisch handele und nicht um Schwein (das nur Halbpensionsgästen vorbehalten war). Doch der Kellner beeilte sich, zu versichern (wieder mit der aufgespielten Höflichkeit), das sei so alles in Ordnung.

Schließlich hatte das Paar am Nebentisch die Vorspeise vertilgt und beäugte den Schweinebraten, der wir Fisch aussah, und rief den Kellner. Der behauptete nun nicht mehr, dass der Fisch ein Schwein sei und wechselte die Teller.

Man kann alles verzeihen. Aber die gespielte Höflichkeit wird zur Arroganz, wenn man falsch serviert und noch darauf beharrt, alles richtig gemacht zu haben. Denn an sich war dieser Kellner ein ganz netter Mensch.