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Ja zum 365-Euro Ticket

Normalerweise bin ich ja kein Freund der Sozialdemokratie. Aber nun spitze ich doch die Ohren: Da soll die 365-Euro-Fahrkarte kommen. Ob sie nun 365 Euro oder 450 Euro kostet, ist unerheblich – sie ist einfach nötig, um mehr Menschen an den Nahverkehr (ÖPNV) zu gewöhnen.

Motzer und Bangemacher

Die Gegner üben sich noch im Motzen, vor allem die Verkehrsbetriebe, die behaupten, bald keine Mittel mehr für nötige Investitionen zu haben und das Geschrei, die Straßenbahnen und S-Bahnen führen den ganzen Tag „am Limit“ ist ohnehin ein blödes Geschwätz. Auf manchen Strecken, in manchen Städten, zu manchen Zeiten. Aber nicht ständig.

Dabei ist klar: Einzelfahrten im Nahverkehr, aber auch Tagestickets, Monats- oder Jahreskarten sind inzwischen viel zu teuer. Und die Arroganz, mit der die Politiker, aber auch die Verkehrsbetriebe, diese enormen Geldbeträge rechtfertigen, spottet jeder Beschreibung.

Die 365-Euro-Karte für alle? Oh, oh, da geht den Damen und Herren die Muffe. Mal droht der Zusammenbruch des Nahverkehrs, dann wieder werden überfüllte Busse und S-Bahnen ins Spiel gebracht. Und die Investitionen …

Baden-Württemberg: Die Arroganz siegt vorläufig

Ja, wenn, dann nur für Schüler und Senioren und auch nur zu bestimmten Zeiten … und vielleicht doch besser nicht einmal für Schüler? Die Schwarz-Grüne (!) Regierung ließ gerade verkünden, man räume dem landesweiten 365-Euro-Ticket für Schüler „in dieser Legislaturperiode keine Chancen mehr ein.“ Das ist die Arroganz der Macht pur, und ein Armutszeugnis für die dortige Regierung.

Nur keine Änderungen – da müssten wir ja nachdenken

Auch andre halten sich „bedeckt“ statt mal zu gucken, wo das dann (angeblich) fehlende Geld herkommen soll. 365 Euro pro Jahr macht ungefähr 30 Euro pro Monat – wenn jeder Erwachsene Wohnbürger von – sage wir mal – Leipzig diese Karte hätte, dann würde die Monatskarte nicht die unglaublichen 78.90 Euro (für Erwachsene) kosten müssen. Übrigens bieten schon jetzt manche Verkehrsbetriebe Jahreskarten oder Abo-Monatskarten deutlich billiger an als gewöhnliche Monatskarten – es gibt also Einsparmöglichkeiten zulasten von niemandem.

Wenn alle einzahlen müssten, gäbe es einen Fortschritt

Für den wohlhabenden Bürger, der dennoch jeden Morgen seinen dicken Diesel vom Eigenheim zum Büro bewegt, sollte es eigentlich nichts ausmachen, einen anderen Bürger damit zu subventionieren. Übrigens kann auch er dann mal abends zum Konzert gehen oder zum Gourmet-Tempel fahren und ein paar Spätburgunder picheln. Und ob das Verkehrsaufkommen tatsächlich so immens steigen würde? Das ist vorerst nichts als Spekulation.

Widerstand von liberal bis Ultralinks?

Nun werden die Extrem-Liberalen wieder schimpfen, das sei ja eine versteckte Steuer. Man könne doch jemandem nicht aufzwingen, was er nicht nutzt. Gut – es gibt auch Leute, die ihre Krankenversicherung nicht nutzen, und sie haben trotzdem eine. Ach ja – und früher oder später würden die Linkspartei-Spinner dann sagen: Das sei ja sozial soooo ungerecht, weil die Reichen nicht mehr bezahlen müssten als die Armen.

Nehmt mal die Hände aus den Taschen, Politiker!

Hey, Politiker: Zahlen, Fakten und Finanzierungsmodell auf den Tisch! Hände aus den Taschen nehmen und Ideen entwickeln! Und nicht einschüchtern lassen von den Bedenkenträgern – denn die haben noch nie Ideen entwickelt: Die motzen nur.

FDP - immer noch zu arrogant für die Menschen in Deutschland

Alles, was ich von der FDP hörte, ist: Herr Lindner übte verhalten Selbstkritik. Ansonsten aber sagte die FDP das Gleiche wie CDU und SPD: „Irgendwie haben wir möglicherweise irgendetwas falsch gemacht.“ Braucht ihr nicht. Ihr ward zu selbstgefällig, habt zu wenig an die Bevölkerung (nicht nur an die Jugend) gedacht und ihr habt die falsche Galionsfigur.

Im Übrigen: Wer „die Dinge falsch einschätzt“ ist nicht gut beraten, weiterhin in Politik zu machen.


Ach nee, Herr Reitz … wer trägt denn die Konsequenzen?

Gewerkschaftler denken nach wie vor einseitig und streiken oft nicht gegen ihre Arbeitgeber, sondern sowohl gegen das Volk wie gegen die Wirtschaft dieses Landes, von der sie letztendlich auch leben. Und nein – ich rede gar nicht von den Konflikten zwischen „Kapital und Arbeit“, sondern von den Konflikten, in denen das ganze Volk von Gewerkschaftlern bestreikt wird. So, wie es die Bahngewerkschaften gerne tun.

Da kann man sich natürlich patzig geben und im Morgenmagazin die große Lippe riskieren:

Der Bahnvorstand hat sich für den Abbruch entschieden und das sind die Konsequenzen.


Ach nee, Herr Reitz … die Konsequenzen für wen? Für die Masse der Bevölkerung? Für die Menschen, die per Bahn zur Arbeit unterwegs sind? Für alle, die vom Auto auf die Bahn umgestiegen sind?

Die Arroganz mancher Gewerkschaften ist – nach wie vor – unerträglich.

Was bedeutet eigentlich „Schreiben“?

Schreiben für andere bedeutet: Den Versuch zu unternehmen, zunächst mit sich selbst, dann aber auch mit anderen vermittels des geschriebenen Wortes zu kommunizieren.

In der Vergangenheit glaubten Schriftsteller ernstlich, sie könnten etwas schreiben, das von jedem Menschen, der es liest, in gleicher Weise verstanden wird. Das ist ein schwerwiegender Irrtum, der bis heute nicht auszurotten ist.

Im Grunde kennen wie heute die Prozesse, die beim Schreiben (aber auch beim Lesen) stattfinden – ich habe dies andernorts so formuliert (gekürzt):

Unsere Gedanken bestehen aus einem Gemisch aus analoger Sprache und digitaler Sprache. Ein gewaltiger Teil steht dabei in unvollkommenen, bildhaften Vorstellungen im Gehirn, während nur ein kleiner Teil bereits „in Worte vorgefasst“ ist. Wenn wir schreiben, müssen wir aber oft auch den „bildhaften Teil“ in Zeichen setzen, sehr schwer fällt uns dies vor allem, wenn wir über Gefühle schreiben wollen.


Der Irrtum der meisten eher konservativen Autoren besteht darin, dass der Leser später alle seine Gedanken, die ja stets nur unvollkommen „digitalisiert“ (in Sprache umgesetzt) werden konnten, wirklich so versteht, wie er sie geschrieben hat. Tatsächlich aber fängt er mit den reinen Worten gar nichts an – er muss einen großen Anteil erst einmal wieder „analogisieren“, also beispielsweise in Gefühle umsetzen. Diese Prozesse sind jedem Menschen, der etwas von Nachrichtenübermittlung, Kybernetik oder Kommunikation versteht, bekannt.

Erzähl es nicht - verdeutliche es

Die Abhilfe besteht zu einem Teil in einer Schreibtechnik, die man im Englischen „Show, don’t Tell“ nennt. Auf Deutsch etwa: „Zeig es bildhaft, statt es zu erzählen.“ Sozusagen als „Gegenpol“ wird das „narrative Schreiben“ empfohlen, das sich recht schlicht so beschreiben lässt: „Ich der Autor, erzähle dir eine Geschichte, und du verstehst sie bitte so, wie ich sie geschrieben habe.“ Natürlich habe ich diesen Satz überspitzt, aber die darin enthaltene arrogante Botschaft „Versteht mich doch endlich, ihr Idioten“ ist in vielen Stellungnahmen zum Thema enthalten. Man kann diese Ideen als „Old School“ oder geisteswissenschaftliche Überheblichkeit abtun – oder sie einfach nicht zur Kenntnis nehmen.

Der vorweggenommene Dialog

Zurück zum Schreiben: Im Gegensatz zum persönlichen Gespräch, in dem man Fragen, Meinungen äußern oder anderweitig Rückkoppelungen geben kann, ist dies weder dem Autor noch dem Leser möglich. Der Autor hat allerdings den enormen Vorteil, das, was er zu sagen hat, einfacher, klarer und verständlicher zu sagen. Zusätzlich kann er durch eine bildhafte Sprache und den Einsatz von Dialogen verdeutlichen, worauf seine Figuren hinaus wollen.

Ein ausgezeichnetes Mittel ist die „Rückkoppelung mit sich selbst“: Du schreibst, liest es, schreibst es um und liest es noch einmal. Technisch ist dies eine Übersetzung: Analog in digital, digital zurück nach analog, dann verändert in neue Worte, also digital.

Ich versuche nun, den vorausgegangenen Satz zu verständlicher zu schreiben:

Du haust einen Text raus, und denkst: Das sind meine Gedanken. Dann liest du ihn wieder und sagst dir: Der Text sagt meinem Leser nun wirklich nicht, worauf ich hinaus will – ich muss ihn wohl noch bearbeiten, damit meine Leser auch verstehen, was ich damit sagen will.

Und auch das Fazit will ich so einfach wie möglich auszudrücken: Schreiben ist ein Dialog mit dem Leser, den du schon ein bisschen vorweggenommen hast.

Begriffserklärung: „Digitalisieren“ heißt „in Zeichen setzen“, „analogisieren“ heißt es in den natürlichen Fluss zurückzuversetzen, aus dem es entstanden ist.

Schreiben ohne Plot - geht das?

Kann man überhaupt ohne „Plot“ schreiben? Also ohne „Gerüst“, wie wir es in der Schule gelernt haben, oder „ohne Skelett“?

Ich sage es euch deutlich
Ich denke, die Grundidee der ansteigenden und abfallenden Spannung kannst du ohne Weiteres ohne Plot bewältigen. In diesem Punkt sind sich übrigens viele Autoren einig – wenn wir einmal von Deutschlehrern und Schreibschulen absehen, die dergleichen lehren. Machen wir es kurz: „To Plot or not to Plot“ ist nicht die Kernfrage des Schreibens, sondern eine Nebensache. Sie ist abhängig von der Arbeitsweise der Autorin – und beide Wege können zu sehr positiven oder völlig negativen Ergebnissen führen.

Fragen wir uns warum, so stoßen wir auf das Kernproblem: Plots werden überbewertet.

Plots - Krücke für das Schreiben "am Fließband"?

Beim Schreiben nach einem Plot folgt die Figur der Handlung, beim kreativen Schreiben folgt die Handlung der Figur.
Mit Plot können deine Geschichten schnell ins „Triviale“ abgleiten. Man hat bewiesen, dass es nur einige wenige „Plots“ pro Genre gibt. Und das heißt – immer wieder werden ähnliche Handlungsstränge geschaffen, die in einer bereits bekannten Weise aufgelöst werden. Das spricht allerdings sowohl für den Plot (viele Handlungen folgen dem Prinzip: Eckpunkte stehen fest, die Lücken müssen „irgendwie“ gefüllt werden) als auch dagegen. Der Nachteil ist deutlich zu erkennen: Da es nur eine begrenzte Anzahl von Plots gibt, wirken viele der nach Plot-Vorgaben geschriebenen Bücher wie „schon einmal gelesen“. Der Vorteil: Bücher können "am Fließband" geschrieben werden - und das klapp mit Autoren, die ohnehin nicht viel denken dürfen, weil sie für wenig Geld viel schreiben müssen.

Wie funktioniert überhaupt „Schreiben ohne Plot“?

Die Grundregel: Beim Schreiben nach einem ausführlichen Plot auch „Outline“ genannt, folgt die Figur der Handlung, beim kreativen Schreiben folgt die Handlung der Figur. Das bedeutet: Du setzt deine Figur in die Welt und lässt sie Erfahrungen machen, die über „ganz gewöhnliche Alltagssituationen“ hinausgehen, und entscheidest dann bei jedem Kapitel, wohin deine Figur sich nun wenden wird.

Selbstverständlich kannst du jederzeit ein paar Leitlinien festlegen – auch noch nach den ersten Kapiteln. Deine Geschichte kann dennoch „schlüssig“ werden – oder auch unschlüssig bleiben, wie es bei Menschen eben so geht.

Das Internet ist – gerade bei Schreibtrainern – voll von Vorschlägen, die man als „wohlmeinend“ bezeichnen könnte, aber die in sich nicht schlüssig sind. Da wäre zum Beispiel die „Schneeflockenmethode“, die sich für mich (ich war einmal IT-Organisator) so liest wie eine Anweisung, um IT-Projekte durchzuführen.

Gute Geschichten passieren nicht einfach – sie werden entworfen. Die Gestaltung bedeutet harte Arbeit, und aus diesem Grund ist es wichtig, frühzeitig ein Leitbild zu finden.


Dieser Vorschlag ist so richtig oder falsch wie Hunderte von anderen Vorschlägen der „How-To-Literatur“. Verwende ihn oder verwende ihn nicht - das Ergebnis wird davon kaum beeinflusst. Dein Werkstoff ist die Sprache, und mit ihr wirst du siegen oder scheitern.

Eigentlich wichtig: die bildhafte Darstellung deiner Figur

Gehen wir einmal nüchtern an die Schreiberei: Die Figur, die du erschaffst, muss im Hirn deiner Leser(innen) eine möglichst dreidimensionale, lebendige und bildhafte Gestalt werden. Wenn du das schaffst, dann kannst du alles andere zunächst vergessen.

Es gibt nicht nur Novellen und Romane

Nur in sehr wenigen Beiträgen von Schreiblehrern und Schreibschulen wird behandelt, dass es durchaus andere Formen der Literatur gibt, als Novellen oder Romane mit einer durchgängigen Handlung. Da wären einmal die Kurzgeschichten, dann die Briefromane und schließlich solche Romane, die aus in sich abgeschlossenen Episoden bestehen. Solch ein Roman heißt auch „Episodenroman“ und wir allgemein abgewertet – schließlich wird überall Wikipedias etwas müde Definition benutzt (sie wird so häufig abgeschrieben, wie es Gänseblümchen gibt):

Als Episodenroman (frz. roman à tiroir) wird ein Roman bezeichnet, der für die Haupthandlung verzichtbare und leicht aus dem Zusammenhang lösbare Intrigen oder Episoden enthält. Der Begriff wird teilweise, aber nicht grundsätzlich abwertend benutzt.


Das Beispiel mag zeigen, wie die Literatur-Clique verhindern will, dass sich innovative und kreative Ideen durchsetzen. Denn der Episodenroman ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, ohne Plots zu arbeiten und sich dennoch auf einen in sich geschlossenen Themenbereich zu konzentrieren. Schon die Idee, so etwas abwerten zu können, zeigt von Arroganz des Kulturbetriebs.

Hinweis:

Falls ihr euch fragt, (könnte ja vorkommen, oder?) warum ich mich über Literatur auslasse, ohne ein Buch geschrieben zu haben: Ich sammele Meinungen und vergleiche sie mit der Wahrscheinlichkeit, sie umsetzen zu können. Das halte ich für sinnvoller, als bei einem einzigen Schreibtrainer lechzend auf den Treppen zu sitzen und seinen (oder ihren) Worten zu lauschen.