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Meine positivste Eigenschaft

Manchmal werde ich gefragt, was meine wichtigste positive Eigenschaft ist. Zumeist wollen die Menschen dann ein Persönlichkeitsmerkmal wissen, das sie vielleicht für sich nutzen könnten.

Doch meine wichtigste Eigenschaft ist, zwei Punkte durch eine Linie zu verbinden, wenn andere nicht einmal die Punkte sehen können.

Manche haben diesen Satz abgelacht: „Ey, du Dämelack, woher willst du denn überhaupt wissen, dass da Punkte sind? Die Linien kann doch jeder ziehen, wie er will.

Seht einmal, das ist der Unterschied zwischen Leuten, die andere nicht ernst nehmen wollen, weil sie in kleinen, dunklen Kästchen denken – das ist höflich ausgedrückt und den anderen, die zunächst einmal darüber nachdenken, was jemand sagt.

Denn das kreative Denken funktioniert so:

Du siehst Punkte, die andere nicht sehen. Du schaust danach, wo diese Punkte noch vorkommen und sammelst sie. Dann verbindest du sie auf neue Weise. Schließlich teilst du die Verbindungen anderen mit.

Ich habe mich im letzten Ansatz von der Sängerin und Autorin Armanda Palmer inspirieren lassen.

Die Kernaussage bleibt: Kreativität entsteht dadurch, dass wir Verbindungen erkennen, die anderen verborgen blieben.

Gender-Studien – geht es um Frauen, und wenn ja, um welche?

Wer sich mit irgendeiner Wissenschaft beschäftigt, insbesondere aber mit den „unscharfen“ unter ihnen, wird bald merken: Was sie beschreiben, betrifft immer „andere“. Man kann auch sagen: Es betrifft die ferne Realität, die den Bewohnerinnen/Bewohnern der Elfenbeintürme nicht recht geläufig ist.

In der „NZZ“ war jüngst in ähnlichem Zusammenhang zu lesen (1,2,3,4):

Der evidente universitäre Unwille, sich mit den mitunter unbequemsten Sujets der Gegenwart zu befassen, ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Zustands, in dem die «anderen» zunehmend ihrem Anderssein überlassen werden.


Tatsächlich ist die Chose so:

Gender-Studien haben einen praktischen Teil, der überwiegend das Arbeitsleben betrifft. Und einen ideologischen Bereich, in dem sich akademisch gebildete Frauen mit der Geisteshaltung und Lebenswahrnehmung der Nicht-Akademikerinnen beschäftigen. Gelesen dun diskutiert werden sie allerdings nicht von den Betroffenen, sondern wieder nur von Akademikerinnen und Akademikern.

Geht es dabei überhaupt um „Frauen“? Und wenn ja, um welche Frauen? Eigentlich nicht. Doch es scheint so, als ob eine vermeintliche Elite geisteswissenschaftlicher gebildeter Frauen unbedingt die Deutungshoheit an sich reißen will, was eine Frau zu sein hat.

Die Diskrepanz könnte kaum größer sein: Frauen urteilen über Frauen, die sie gar nicht kennen – und vermutlich nie kennenlernen werden. Aber sie glauben, sich in ihrer vermeintlichen Allmacht zu Definitionen über sie aufschwingen zu können.

Ich zitiere noch einmal aus der NZZ (1):

Nun sind vermeintliche Frauenfragen, wofür die Gender Studies oftmals irrigerweise gehalten werden, keineswegs bloße Frauenthemen, sondern Gradmesser des sozialen Fortschritts.


Gibt es eine Lösung?

Wahrscheinlich nicht. Der Blick in die Tagespresse, besonders aber in Frauenzeitschriften und andere Träger von „weiblichen“ Themen beweist, dass jede Form von Gender-Sozialchinesisch an den alltäglichen Frauen (und sogar an Naturwissenschaftlerinnen) vorbeirauscht.

(1) Zitate aus der NZZ.
(2) Sujets – Gebiete, Gegenstände (hier: Ereignisse, Forschungsbereiche)
(3) Evident – offenkundig, hier auch als deutlich sichtbar zu lesen.
(4) Der Autor des Original-Artikels in der NZZ ist Vojin Saša Vukadinović

Oder – der Betrug mit Alternativfragen

Bist Du schon einmal auf eine Alternativfrage hereingefallen? Das sind Fragen, die dich dazu zwingen, die eine oder die andere Antwort zu wählen.

Ich hoffe nicht. Denn dann wurdest du gezwungen, dem Fragesteller auf der Schleimspur zu folgen, die er für dich ausgelegt hat.

Früher fragte man oft in religiösen Kreisen: „Willst du ein gottgefälliges Leben führen oder auf Ewigkeit verdammt sein?“ Dieser Tage wurde ich gefragt, was besser ist, „ein Feigling zu sein oder Mut zu beweisen?

Der Fragesteller/die Fragestellerin kleidete die Frage in diesen Satz:

Ist es im Leben besser, ein Feigling zu sein und alle Herausforderungen und Gefahren des Lebens zu meiden, oder ist es Ihrer Meinung nach besser, mutig zu sein und vielleicht den Preis für unsere Kühnheit zu zahlen?

Der Satz enthält mehrere Elemente der Manipulation. Das Erste ist der Begriff „Feigling“ – wer wollte schon als „Feigling“ bezeichnet werden? Die zweite Manipulation besteht darin, Mut mit Kühnheit gleichzusetzen und den „Preis“ dafür zu erwähnen. Zudem enthält die Frage die verborgene Behauptung, es sei möglich „alle Herausforderungen und Gefahren des Lebens zu meiden“, was ebenso absurd wie einfältig ist.

Die größte Manipulation aber liegt im „ODER“. Mit diesem Wort wird gesagt: Entweder du stimmst dem ersten Satzteil zu oder dem Zweiten.

Es gibt eine klassische Antwort auf solche Fragen:

- Ich bevorzuge weder das einen noch das andere.

Oder (im Beispiel)

- Bedeutet dies, dass du mit mir über Mut sprechen willst, oder ist eher Angst dein Thema?

In dieser Frage ist das „Oder“ berechtigt, weil die Absicht des Fragestellers „im richtigen Leben“ hinterfragt werden kann. Du hättest natürlich auch sagen können. „Ich erkenne an deiner Frage, das dich das Thema sehr interessiert. Möchtest du mit mir über Chancen und Gefahren des Lebens sprechen?“

Mein Rat: Geht Manipulatoren nicht auf den Leim! Sie sind im Internet und im wahren Leben jeden Tag unterwegs, um euch zu beeinflussen und zu verführen.

Über introvertierte Menschen und Begegnungen

Schon mal einen introvertierten Menschen kennengelernt? Dann lies auf jeden Fall weiter. Dieser Artikel ist zugleich eine Ergänzung zu meinem Beitrag „Triff einen introvertierten Mann“ in der „Liebeszeitung“.

Ich beginne mit zwei Zitaten. Das erste werden ihr nicht kennen – es stammt von einer englischsprachigen Lyrikerin mit deutsch-österreichischen Wurzeln, Sylvia Plath. Das Zweite ist ebenso bekannt, wie es verkannt wird. Sein Autor war mit Sicherheit introvertiert, dazu ein brillantener Mathematiker und Kinderbuchautor. Sein Künstlername war Lewis Carroll.

Sehr viele Menschen sind in sich verschlossen wie Schachteln, doch wenn man sie öffnete, könnten sie sich wundervoll entfalten – du müsstest dich nur für sie interessieren.

Oh, du Feuerlilie“, sagte Alice …, „wenn du doch nur reden könntest.“ „Wir können schon“, sagte die Feuerlilie, „solange jemand da ist, mit dem es sich lohnt.


Beide Sätze können sowohl auf introvertierte Partnersuchende (Frauen wie Männer) angewandt werden als auch auf auf alle anderen Menschen, die sich gegenüber den „Mainstream“ der hektischen und geschwätzigen Gesellschaft verschließen.

Reden - nur, wenn es sich lohnt

Der oder die Introvertierte reagiert zumeist genau wie die „Feuerlilie“, das heißt, er oder sie muss das Gefühl haben, dass es sich lohnt, mit dem anderen zu sprechen. Wer introvertiert ist, achten auf Fakten und auf glaubwürdige Gefühle … das heißt, er lehnt jede Form von „Geschwätz“ ab, das zu nichts führt, als die Zeit totzuschlagen. Das übliche Gerede in seiner Umwelt nimmt er zunächst als Worte, dann als Geräusche und schließlich als Lärm wahr.

Wahres Interesse

Wenn jemand mit einem/einer Introvertierten spricht, muss er sich ehrlich und wahrhaftig interessieren. Wer introvertiert ist, wird sich dann ein Wort oder einen Satz hängen und nachfragen: „Wie geht es dir dabei?“ Oder „was meinst du damit?“ Daran merkt der Introvertierte, ob das Gesagte nur eine nachgeplapperte Phrase ist oder ob die Person sich etwas dabei gedacht hat.

Das bedeutet aber auch: Gespräche mit Introvertierten gehen bei ihnen selbst – und gegebenenfalls auch bei dir – ans „Eingemachte“. Wenn du deinen Geist und deine Psyche nicht bis in die Tiefen öffnen willst, sondern stattdessen an der Oberfläche herumfischt, wird ein introvertierter Mensch schnell die Freude am Gespräch verlieren.

Doch wenn du es ernst meinst und dein Gegenüber achtetest, werdet ihr beide dabei erheblich gewinnen, so wie es Sylvia Plath prophezeite.

Ada

Ada wie sie ein Maler sah
Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, inzwischen bekannt als Ada Lovelace, einfach Ada oder Lady Lovelace, war die einzige legitime Tochter von Lord Byron und Anne Isabella Noel-Byron, ist ein Fall von geschichtlicher Verdrängung.

Denn während Musikerinnen und Malerinnen, die angeblich immer „im Schatten ihrer berühmten Männer“ standen, inzwischen als Ikonen des Feminismus gelten, trifft diese Behauptung auf Ada nicht zu. Sie stand und steht immer noch für die autonome Frau, die ihr Genie den Eltern, insbesondere aber der Mutter zu verdanken hatte.

Ada lebte ihr kurzes und kreatives Leben zwischen 1815 und 1852 – sie starb also jung. Doch in dieser Zeit eignete sie sich – unterstützt durch ihre Mutter so viel mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen an, wie kaum eine andere Frau jener Zeit.

Die erste Abwertung - sie "gilt als" erste Programmiererin

Es hießt, sie „galt“ als erste Programmiererin – die Autoren scheuen den Satz „war die erste Programmiererin“ oder den noch besseren Satz: „Ada schuf die Grundlagen der Programmierung schlechthin.“ Denn genau das tat sie. Aus ihren Aufzeichnungen weiß man, dass sie theoretisch wie praktisch in der Lage gewesen wäre, Programme zu schreiben, die auch auf modernen Computern noch „gelaufen“ wären. Allerdings war die „Hardware“, die aus nichts als Räderwerken bestand, damals noch nicht dafür bereit.

Die zweite Abwertung - eigentlich war Ada gar keine Programmiererin

Erst 1980 wurde Ada sozusagen „wiederentdeckt“ – und zugleich diffamiert. Historiker berühmten sich, nachzuweisen, dass nicht Ada, sondern d er Konstrukteur einer neuen Rechenmaschine, Charles Babbage die ersten Programme geschrieben habe. Und angeblich „kundige“ Computerhistoriker behaupteten, Zitat (nach Wikipedia)

Ihr „Programm“ habe keine Aspekte späterer Programmiersprachen wie Unterprogramme oder Verzweigungen vorweggenommen.


Typische Besserwisserei. Ein Programm ist nicht als ein Skript, das einmal durchläuft, dann in einer Schleife zum Anfang zurückgeführt wird und dann eventuell mit einer neuen Variablen noch einmal gestartet wird. Klar arbeiten „modernere“ Programmiersprachen anders. Aber die Kritiker dürfen sich gerne mal in die Zeit zurückversetzen, in der Ada Lovelace lebte und sich dabei einmal die Maschine anschauen, auf der diese Programme laufen sollten.

Bekannter als Adas Beitrag zur Computerprogrammierung ist allerdings „Lady Lovelaces Einwand“( Lady Lovelace’s Objection). Sie schrieb:

The Analytical Engine has no pretensions whatever to originate anything. It can do whatever we know how to order it to perform. It can follow analysis; but it has no power of anticipating any analytical relations or truths.


Hat Bestand: Lady Lovelace’s Objection

Damals war diese Ansicht eine der typischen Diskussionen der Zeit: „Können wir Maschinen dazu bringen, schöpferisch zu sein?“ war nur eine davon - und im Haus Byron gab es eine Menge anderer Gedanken über menschliche Möglichkeiten. Man darf sich erinnern, dass in dieser Zeit sogar über die Schaffung künstlicher Menschen nachgedacht wurde – woraus beispielsweise Shelleys „Frankenstein“ entstand.

Fragwürdige Umdeutung heute - Ada und der Computer als Monster

Heute wird Ada wieder als Motiv verwendet – für die Diskussion um den Segen oder den Fluch der künstlichen Intelligenz, der auf „Lady Lovelace’s Objection“ beruht. Kürzlich hat das Theater zu Leipzig sie wiederentdeckt: Als „Frau Ada denkt Unerhörtes“. Es ist freilich nur Theater – denn Autoren, Regisseure und Kritiker neigend dazu, ihre heutigen Fragen und Meinungen auf historische Figuren zu projizieren. Das ist ihr gutes Recht als Künstler(innen), würdigt Ada Lovelcas Bedeutung aber keinesfalls.

Würdigungen

Das taten längst andere – es gibt den Ada Lovelace Day, den Ada Lovelace Award und die fast vergessen Programmiersprache „Ada“, die eigentlich ihren Ruhm in die Neuzeit tragen sollte, aber nicht den Erfolg anderer moderner Programmiersprachen hatte. Der nächste Ada Lovelace Day ist übrigens am 8. Oktober 2019.

Hinweis: Die Zitate wurde nach Wikipedia wiedergegeben. Es gibt weitere Quellen im Internet und in der Literatur.