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Zuhören ist eine Kunst

Die Kunst des Zuhörens ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Ich bin mir nicht sicher, ob sie in der Schule gelehrt wird – dort ist „menschliche Kommunikation“ ohnehin eher ein untergeordneter Unterrichtsgegenstand.

Sagt man den Menschen, dass sich „zuhören“ erlernen lässt, sind sie oftmals verwirrt. „Zuhören“, so wird mir dann entgegnet, „könne doch jeder, aber nicht jeder sei auch in der Lage, Sätze zu formulieren.“

Das mag stimmen oder nicht, aber es hat mit der Kunst des Zuhörens gar nicht zu tun. Denn „zuhören“ bedeutet, etwas aufzunehmen, um es zu verstehen. Es kann auch bedeuten, dem Gegenüber die Möglichkeit zu schenken, eine Sache, einen anderen Menschen oder sich selbst besser zu verstehen.

Falls ihr das bisher nicht so gesehen habt – versucht es einfach mal. Es hilft euch und den Menschen, mit denen ihr zusammentrefft.

Wen interessiert eigentlich Psychologie?

Nachdem ich mich oft und sehr ernst mit den populären Aussagen der Psychologie auseinandersetzte, frage ich mich vor allem: Wen interessiert das eigentlich?

Um Psychologie überhaupt „auf den Schirm“ zu bekommen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

Man muss klug genug sein, um ein bisschen abstrakt denken zu können, und dumm genug, um die Aussagen nicht zu hinterfragen.


Meine Eltern waren nicht so gebildet, um abstrakt denken zu können - und das war auch nicht nötig. Also haben sie sich, wie die meisten Menschen ihres Jahrgangs, kaum für Psychologie interessiert. Ganz im Gegensatz zu meiner Generation, die ihre Kenntnisse entweder aus Frauenzeitschriften, populärwissenschaftlichen Betrachtungen oder eben auch aus ernsthaften Beiträgen zum Thema gewann. Wer psychologische „Erkenntnisse“ über Jahre verfolgt, bemerkt sofort, wie brüchig ihre Grundlagen sind und wie schnell sie veralten. Um beides zu verschleiern, wird (in der Öffentlichkeit) ein Gewebe aus Mysterien, Ideologien, aber auch Beobachtungen und durchaus auch Tatsachen um sie herumgewoben, sodass man nicht mehr genau erkennen kann, was wahr ist und was drangehäkelt wurde. Das ist die Psychologie, wie ich sie kennengelernt habe. Und um eines vorwegzunehmen: Ich behaupte nicht, dass ein einzelner Psychologe oder Psychotherapeut keine Kompetenzen hat. Meine Kritik setzt erst ein, wenn globale Aussagen über „die Menschen“ in den blauen Äther hinausposaunt werden – manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Populismus.

Die Jugend - gibt es einen neuen Psycho-Boom?

Wenn ich nun an die Jugend denke, also alles, was jenseits von „X“ in die Zukunft hineingeboren wurde, so kann ich nicht feststellen, dass sie ihr Leben psychologischen Gedanken unterordnen oder versuchen, ihr Denken und Fühlen psychologisch einzuordnen. Das widerspricht möglicherweise dem Wunsch vieler junger Leute, mehr über sich selbst zu erfahren und deshalb Psychologie zu studieren. Nicht einmal das ist ein Beleg für die Bedeutung der Psychologie, denn am Ende geht es im Studium, darum, oft minimale Abweichungen festzustellen und zu bewerten. Mathematik ist wichtig, um komplizierte statistische Formeln zu nutzen, oder Zahlenwerke (neu) zu bewerten.

Psychologie - eine Frauenwissenschaft?

Es heißt, dass Psychologie zu einer „Frauenwissenschaft“ geworden ist, und viele mögen denken „das war sie doch schon immer, nicht wahr?“ Doch heute ist sie es in einem anderen Sinne. Früher umschwärmten die Frauen ihre männlichen Idole wie Motten das Licht, heute haben sie bereits einen Anteil von mehr als 80 Prozent der Branche, wenn man nur die Studienabgänger berücksichtigt.

Psychologie interessiert also auch junge Menschen, aber die Frage bleibt, was interessiert sie daran und warum? Wollen sie sich selbst verstehen? Wollen sie andere verstehen? Suchen sie Hilfe bei der Lebensführung? Wollen sie wirklich Erbsenzähler werden, um die Signifikanz einer Aussage zu bewerten?

Manchmal frage ich mich, warum die Wissenschaft der Informationsübermittlung- und Verarbeitung, sei sie nun als „Nachrichtentechnik“, „Kybernetik“ oder „menschliche Kommunikation“ bekannt, so wenig in die Psychologie einfließt. Aber vielleicht bin ich einer der wenigen, die sich so etwas (noch) fragen. Oder die es noch interessiert.

Meine positivste Eigenschaft

Manchmal werde ich gefragt, was meine wichtigste positive Eigenschaft ist. Zumeist wollen die Menschen dann ein Persönlichkeitsmerkmal wissen, das sie vielleicht für sich nutzen könnten.

Doch meine wichtigste Eigenschaft ist, zwei Punkte durch eine Linie zu verbinden, wenn andere nicht einmal die Punkte sehen können.

Manche haben diesen Satz abgelacht: „Ey, du Dämelack, woher willst du denn überhaupt wissen, dass da Punkte sind? Die Linien kann doch jeder ziehen, wie er will.

Seht einmal, das ist der Unterschied zwischen Leuten, die andere nicht ernst nehmen wollen, weil sie in kleinen, dunklen Kästchen denken – das ist höflich ausgedrückt und den anderen, die zunächst einmal darüber nachdenken, was jemand sagt.

Denn das kreative Denken funktioniert so:

Du siehst Punkte, die andere nicht sehen. Du schaust danach, wo diese Punkte noch vorkommen und sammelst sie. Dann verbindest du sie auf neue Weise. Schließlich teilst du die Verbindungen anderen mit.

Ich habe mich im letzten Ansatz von der Sängerin und Autorin Armanda Palmer inspirieren lassen.

Die Kernaussage bleibt: Kreativität entsteht dadurch, dass wir Verbindungen erkennen, die anderen verborgen blieben.

Gender-Studien – geht es um Frauen, und wenn ja, um welche?

Wer sich mit irgendeiner Wissenschaft beschäftigt, insbesondere aber mit den „unscharfen“ unter ihnen, wird bald merken: Was sie beschreiben, betrifft immer „andere“. Man kann auch sagen: Es betrifft die ferne Realität, die den Bewohnerinnen/Bewohnern der Elfenbeintürme nicht recht geläufig ist.

In der „NZZ“ war jüngst in ähnlichem Zusammenhang zu lesen (1,2,3,4):

Der evidente universitäre Unwille, sich mit den mitunter unbequemsten Sujets der Gegenwart zu befassen, ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Zustands, in dem die «anderen» zunehmend ihrem Anderssein überlassen werden.


Tatsächlich ist die Chose so:

Gender-Studien haben einen praktischen Teil, der überwiegend das Arbeitsleben betrifft. Und einen ideologischen Bereich, in dem sich akademisch gebildete Frauen mit der Geisteshaltung und Lebenswahrnehmung der Nicht-Akademikerinnen beschäftigen. Gelesen dun diskutiert werden sie allerdings nicht von den Betroffenen, sondern wieder nur von Akademikerinnen und Akademikern.

Geht es dabei überhaupt um „Frauen“? Und wenn ja, um welche Frauen? Eigentlich nicht. Doch es scheint so, als ob eine vermeintliche Elite geisteswissenschaftlicher gebildeter Frauen unbedingt die Deutungshoheit an sich reißen will, was eine Frau zu sein hat.

Die Diskrepanz könnte kaum größer sein: Frauen urteilen über Frauen, die sie gar nicht kennen – und vermutlich nie kennenlernen werden. Aber sie glauben, sich in ihrer vermeintlichen Allmacht zu Definitionen über sie aufschwingen zu können.

Ich zitiere noch einmal aus der NZZ (1):

Nun sind vermeintliche Frauenfragen, wofür die Gender Studies oftmals irrigerweise gehalten werden, keineswegs bloße Frauenthemen, sondern Gradmesser des sozialen Fortschritts.


Gibt es eine Lösung?

Wahrscheinlich nicht. Der Blick in die Tagespresse, besonders aber in Frauenzeitschriften und andere Träger von „weiblichen“ Themen beweist, dass jede Form von Gender-Sozialchinesisch an den alltäglichen Frauen (und sogar an Naturwissenschaftlerinnen) vorbeirauscht.

(1) Zitate aus der NZZ.
(2) Sujets – Gebiete, Gegenstände (hier: Ereignisse, Forschungsbereiche)
(3) Evident – offenkundig, hier auch als deutlich sichtbar zu lesen.
(4) Der Autor des Original-Artikels in der NZZ ist Vojin Saša Vukadinović

Oder – der Betrug mit Alternativfragen

Bist Du schon einmal auf eine Alternativfrage hereingefallen? Das sind Fragen, die dich dazu zwingen, die eine oder die andere Antwort zu wählen.

Ich hoffe nicht. Denn dann wurdest du gezwungen, dem Fragesteller auf der Schleimspur zu folgen, die er für dich ausgelegt hat.

Früher fragte man oft in religiösen Kreisen: „Willst du ein gottgefälliges Leben führen oder auf Ewigkeit verdammt sein?“ Dieser Tage wurde ich gefragt, was besser ist, „ein Feigling zu sein oder Mut zu beweisen?

Der Fragesteller/die Fragestellerin kleidete die Frage in diesen Satz:

Ist es im Leben besser, ein Feigling zu sein und alle Herausforderungen und Gefahren des Lebens zu meiden, oder ist es Ihrer Meinung nach besser, mutig zu sein und vielleicht den Preis für unsere Kühnheit zu zahlen?

Der Satz enthält mehrere Elemente der Manipulation. Das Erste ist der Begriff „Feigling“ – wer wollte schon als „Feigling“ bezeichnet werden? Die zweite Manipulation besteht darin, Mut mit Kühnheit gleichzusetzen und den „Preis“ dafür zu erwähnen. Zudem enthält die Frage die verborgene Behauptung, es sei möglich „alle Herausforderungen und Gefahren des Lebens zu meiden“, was ebenso absurd wie einfältig ist.

Die größte Manipulation aber liegt im „ODER“. Mit diesem Wort wird gesagt: Entweder du stimmst dem ersten Satzteil zu oder dem Zweiten.

Es gibt eine klassische Antwort auf solche Fragen:

- Ich bevorzuge weder das einen noch das andere.

Oder (im Beispiel)

- Bedeutet dies, dass du mit mir über Mut sprechen willst, oder ist eher Angst dein Thema?

In dieser Frage ist das „Oder“ berechtigt, weil die Absicht des Fragestellers „im richtigen Leben“ hinterfragt werden kann. Du hättest natürlich auch sagen können. „Ich erkenne an deiner Frage, das dich das Thema sehr interessiert. Möchtest du mit mir über Chancen und Gefahren des Lebens sprechen?“

Mein Rat: Geht Manipulatoren nicht auf den Leim! Sie sind im Internet und im wahren Leben jeden Tag unterwegs, um euch zu beeinflussen und zu verführen.