Skip to content

Der Irrtum, zu wissen, worum es eigentlich geht

Eines der interessantesten Phänomene an öffentlichen Diskussionen besteht darin, dass viele Menschen glauben, sie wüssten worum es „eigentlich“ geht.

Sie sehen nicht, dass alles, was sie selbst wissen oder empfinden, auch an die Zeit und die Umstände gebunden ist, als sie es erfahren haben. Und wenn ihr älter seid, dann waren es andere Zeiten und andere Umstände, die euch geprägt haben.

Drei Sichtweisen - und wie du sie überwinden kannst

Aus diesem Grund will ich euch drei Sichtweisen präsentieren, die immer abhängig von eurer persönlichen Erfahrung ist:

Etwas geschieht und du erinnerst dich ...

- An die Zeit, in der du etwas Ähnliches erlebt hast, also wie du es dort und dann erlebt und beurteilt hast.

- An die Art, wie es geschah, als du zum ersten Mal davon hörtest oder damit konfrontiert wurdest.

- An die kulturelle oder weltanschauliche Umgebung, die du damit in Zusammenhang bringst.

Warum dir deine Sichtweisen von "Dort und Dann" kaum nützen

Das ist verständlich, aber es reicht nicht, um ein Urteil zu fällen. Wie viele Jahre sind vergangen, seit es geschah? Zehn Jahre? 25 Jahre? 50 Jahre? Meist du nicht, dass sich seither etwas verändert hat? Und musst du im „Dort und Dann“ leben? Wie wäre es mit dem Hier und Jetzt?

Die Art, in der etwas geschah, muss nicht die gleichen Ängste, Ablehnungen oder Empörungen auslösen, die es „bei dir damals“ auslöste. Menschen haben sehr unterschiedliche Gefühlswelten, und des einen Eule kann des anderen Nachtigall sein.

Die Kulturumgebung, die du kennst, weicht von der des Nachbarn ab - oft sogar in derselben Stadt. Und die Sichtweise eines Niedersachsen weicht oftmals von der eines Bayern ab, obgleich beide Deutsche sind. Was du irgendwann einmal als „richtig“ oder „ethisch korrekt“ kennengelernt hast, war eine Auffassung - es war keine ewige Wahrheit.

Wenn du zugleich offen für Neues bist und dennoch nach deinen Grundsätzen lebst, so weit sie dich persönlich betreffen, ist alles in Ordnung. Wenn du aber anderen deine Grundsätze aufzwingen willst, weil du glaubst, du hättest ein Recht dazu - dann pack ein. Oder - besser noch - ändere deine Sichtweise.

Problemlösungen werden in Schulen nicht gelehrt

Problemlösungen werden in Schulen nicht gelehrt - warum nicht? Fragt doch bitte mal eure zuständigen Minister. Ich kann euch nur sagen, wie es funktioniert. Und ja, ich habe es einige Jahre gelehrt. Aber es ist - ich gebe es zu - lange her.

Vor einigen Tagen wurde ich gefragt, was wir in der Schule nicht lernen. Ich glaube, mich an niemanden erinnern zu können, der gesagt hätte: „Oh, wir haben gelernt, Probleme zu lösen.“ Manchmal sagen Menschen, sie hätten durchaus gelernt, Konflikte zu lösen oder bei Konfliktlösungen zu moderieren. Aber das ist nicht exakt das Gleiche.

Die Technik der Problemlösung wird oft in die Nähe von Hokuspokus, Besserwisserei oder Scheinwissenschaften gestellt. Das mag so sein, weil Problemlösungstechniken nicht auf Psychologie basieren.

Das angebliche Geheimnis der Problemlöser

Ihr „Geheimnis“ ist schnell enthüllt:

- Erstens muss es sich wirklich um ein Problem handeln.
- Das eigentliche Geheimnis liegt darin, richtig zu fragen.
- Durch manche Fragen entstehen bereits Rückkoppelungen.
- Die Rückkoppelungen können bereits zur Lösung führen.
- Wenn nicht, müssen die Ergebnisse bewertet werden.

Der Rest liegt dann in einem Schema zur Entscheidung, manchmal auch einfach in der Entscheidung selbst, wenn sich aus der vorausgegangenen Analyse mehrere Lösungen ergeben. Oftmals ergeben sich unmittelbare, nahcdem die Fragen gestellt wurden, bereits Lösungsansätze. Hier eine Art „Kochbuch“ in aller Kürze:

Das Kochbuch der Problemlösungen - stark vereinfacht

Ein Problem besteht in einer Abweichung von einem erwünschten Zustand. Das heißt, ich benötige den Zustand, wie er IST und den Zustand, wie er sein SOLL.

Der Zustand, der IST, soll mit allen Mitteln befragt werden. Also „wann, wie, wo, in (mit) welcher“ und ähnlichen Fragen. Das „Geheimnis“ liegt darin, möglichst viele solcher Fragen zu formulieren. Sodann stellt man den Zustand fest, der sein SOLL. Schließlich ermittelt man die Differenz.

Spontanlösungen

Ich will hier kein Buch schreiben, aber enthüllen, dass ein großer Teil der Probleme, die richtig erkannt werden, sich bereits während des Frageverfahrens lösen. „Oh, daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht“, ist einer der typischen Sätze, die ich hörte, als ich noch Problemlösungsverfahren unterrichtete. Die Lösung ergibt sich in diesen Fällen aus der Rückkoppelung: Fragen, die noch nie gestellt wurden, erzwungen manchmal Antworten, sobald sie im Raum stehen.

Vermutung "technokratisch" vorzugehen

Ich muss gestehen, dass diese Technik ursprünglich auf Verfahren oder Prozesse im technischen Bereich angewendet wurde. Dennoch können es auch Personen verwenden – denn es handelt sich um ein sogenanntes „allgemeines Problemlösungsverfahren“. Das heißt auch: Fachkenntnisse nicht gefordert. Das mag manche verblüffen – und vielleicht sorgt dieser einzige Satz im Konzept der Problemlöser auch dafür, dass „Fachleute“ darüber die Nase rümpfen.

Maske, Hund, Hormone und KI

Ich habe mich ein paar Tage aus dem Trubel herausgehalten. Immerhin war ich inzwischen mit einer Maske bei einer Hundefriseurin. Nein, man muss kein Hund sein, um dort aufzutauchen. Es reicht, einen zu besitzen. In letzter Zeit muss man ja überall diese scheußlichen Masken tragen, egal, ob jemand da ist, den man infizieren kann oder auch nicht. Aber es könnte ja jemand kommen, den man eventuell infizieren könnte. Und weil ich brav bin, trage ich eine. Der Hund nicht, und die Hundefriseurin trägt sowieso immer eine Maske.

Derweil habe ich mit Fleiß und Umsicht mein zweites Blog geführt und dabei auch, wie so oft, heikle Themen angesprochen.

Das gute, positive, liebevolle Hormon - geht's noch`?

Wie viele von euch wissen, interessiere ich mich für menschliche Gehirne und deren hakelige Nachbauten, künstliche Intelligenz genannt. Und dabei bin ich gerade auf ein Phänomen gestoßen: Die Natur schafft nichts moralisch „Positives“, sondern sie orientiert sich am Notwendigen. Und wenn sie beispielsweise Oxytocin erschaffen hat, dann hatte das einen Sinn. Das Hormon erinnert uns daran, dass unser Gehirn ein Teil des Körpers ist und nicht einfach eine Denkmaschine.

Und nun kommt der Clou: Als die Forscher die Wirkungen entdeckten, wurde dieses Hormon sofort als „positiv“ bewertet. Warum? Weil es so schön weiblich ist? weil es zum Kuscheln verleitet? Das gesamte Internet ist voll von solchen Lobhudeleien - und die werden wir vermutlich nie wieder los.

Die Rückkehr zum Verstand

Es dauerte viele Jahre, bis man endlich wieder zu Verstand kam. Oxytocin ist ein Hormon wie jedes andere. Der Körper benötigt es, um das Leben zu meistern. Das ist alles. Und das ganze Gerede vom „Positiven“? Das ist völlig unwissenschaftlich – aber wir hören es eben so gerne, da einen Stoff zu besitzen, der uns zum Kuscheln bringt.

Na, immerhin fordert der Hund seine Kuscheleinheiten aggressiv ein, wenn Herrchen zu lange vor dem Computer sitzt. Womit ich den Bogen vom Hund über das Hirn zum Kuscheln geschlagen hätte.

Schöne Wochenende an auch alle.

Probleme – was ist das eigentlich?

Haben wir Probleme? Dann haben wir keine Lösungen mehr ...
Wann tauchen Probleme eigentlich auf?

Die Antwort ist so verblüffend, dass sie oft nicht einmal ernst genommen wird:

Problem tauchen auf, wenn wir keine Lösungen mehr haben.

Denn im Grund lösen Körper, Geist, emotionales Gefüge und soziale Strukturen Probleme, ohne dass wir irgendetwas bemerken. Vielleicht ein Tag, an dem wir uns nicht wohlfühlen, oder an dem wir uns stärker konzentrieren müssen als üblich. Aber immer wieder versuchen „Systeme“, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wenn sie einmal ins Trudel gekommen sind. Man kann dies mit einer Kugel vergleichen, die in einer halbrunden Schüssel liegt. In Wahrheit liegt sie dort beim „Lebendigen“ nie, sondern bewegt sich in stets ein wenig. Nähert sie sich jedoch dem Rand, dann werden alle Kräfte aktiviert, um die Kugel am „abspringen“ zu hindern. Dies kann schon bei geringen Abweichungen der Fall sein oder auch erst bei erheblichen Schwankungen. In der Natur wie auch in der Steuerungstechnik oder der Kybernetik wird dies durch „Rückkoppelung“ erreicht.

Was geschieht nun, wenn wir selbst oder die Gesellschaftsordnung (wahlweise die Politik, die Wirtschaft) vor solchen Problemen steht?

Warum entstehen Probleme?

Nun, der Grund kann darin liegen, dass unser Problem neu ist – dann haben wir keine Erfahrungen damit. Er kann aber auch darin liegen, dass wir keinerlei Rückkoppelung verwenden oder die Rückkoppelung gestört ist. Schließlich kann der Misserfolg daran liegen, dass wir zwar „gegensteuern“, aber mit den falschen Mitteln. In diesem Fall gilt mein oft strapazierter Satz:

Ein Problem kann wegen unserer Maßnahme, trotz der Maßnahme oder unabhängig von der Maßnahme gelöst werden.

Trifft „trotz “oder „unabhängigg“ zu, dann haben andere Kräfte die Lösung bewirkt. Das ist keinesfalls ungewöhnlich.Zum Beispiel könnten diese Kräfte "Schwung gewonnen" haben, während wir noch an der Problemlösung gearbeitet haben, oder sie waren bereits aktiv, aber noch nicht erkennbar, als wir unsere Maßnahmen einsetzten.

Sind wir sicher über unsere Maßnahmen?

Falls das Probleme „wegen“ unserer Maßnahme gelöst wurde, können wir froh und stolz, aber nicht sicher sein – denn unsere Analyse des Problems kann fehlerhaft sein, und auch Probleme, in die wir vermeintlich „erfolgreich“ eingegriffen haben, können möglicherweise durch andere Kräfte behoben worden sein.

Jeder, der in Politik oder Wirtschaft, der eine unbekannte Situation vorfindet, kann in die Situation kommen, sinnlose, falsche oder gar kontraproduktive Lösungen für ein Problem auszuführen. Problemanalysen helfen zwar, aber auch sie können fehlerhaft sein.

Es wäre wirklich schön, wenn man dies bedenken würde – nicht nur derzeit.

Falsche Problemlöser - schlechte Berater

Ratgeber, Berater, Gurus und Welterklärer haben gerade Konjunktur. Sie alle haben eines Gemeinsam: sie stellen ihr eigenes Denk- und Wertsystem über alle anderen. Damit „lösen“ sie jedes Problem.

Ich verrate euch etwas: die meisten dieser Leute wissen nicht einmal, was ein Problem ist, geschweige denn, wie ihr es lösen könnt.

Die Prinzipien falscher Berater

Das Grundprinzip dieser Menschen ist immer gleich:

Sie geben Antworten, bevor sie das Problem wirklich erfasst haben.

Fall sie „ausgewiesene Fachleute“ sind, taucht oft ein anderes Phänomen auf:

Sie bieten eine bewährte Lösung für den Teil des Problems, den sie kennen – das wird das gesamte Probleme aber nicht lösen.

Die falsche Lösung anzubieten, die eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen, der zu beratenden nicht einzubeziehen, ihn als unfähig zu erklären, das Problem (mit unserer Hilfe) selbst zu lösen – das ist die monströse Arroganz, mit der falsche Berater vorgehen.

Wenn du Berater bist oder sein willst

Du kannst das ändern, wenn du Berater bist.

Die erste Frage, über die du dir klar werden könntest, ist:

Habe ich das Problem wirklich begriffen?

Die zweite Frage:

Wie kann man das Problem so beschreiben, das es wirklich zutreffend (und damit lösbar) ist?

Und die Dritte:

Also hat da jemand ein Problem - aber wo will er hin?

Das Geheimnis guter Berater? Ich persönlich kenne es, und ich sehe mich immer wieder bestätigt. Es heißt: konsequent neugierig zu sein. Denn mit deiner Neugier (hier zitiere ich Michael Bungay Stanier):

Versetzt du die Menschen in die Lage … ihre eigenen Antworten zu finden, und du hilfst ihnen, ihren eigenen Weg einzuschlagen.


Kurz und knapp gesagt: Menschen mit Problemen benötigen nicht deinen Rat, sondern sie benötigen Hilfe, um ihren eigenen Rat zu finden. Sie benötigen auch keine Wegweisung, sondern die nötigen Methoden, um ihren eigenen Weg zu finden.

Professionelle Problemlöser wissen: Wenn sich die Ratsuchenden die richtigen Fragen stellen (lassen), dann verschwinden einige Probleme allein dadurch, dass sie bereits durch die Fragen die Lösung finden. Warum wir diese Regeln nicht häufiger anwenden? Weil es viel bequemer (und oft sehr lukrativ) ist, Lösungen zu vermarkten.