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Artig sein

Wer artig ist, lebt nach den Gewohnheiten seiner Art, also bezichtigt man den „Unartigen“, „böse, schlecht, lasterhaft, nichtswürdig und dergleichen“ zu sein. „Anders sein“ ist also verpönt.

Macher unterscheidet noch zwischen „artig sein“ und „wohlerzogen sein“, wie denn das Gegenteil „unartig sein“ und „ungezogen sein“ wäre. Demnach wäre artig, wer sich „zu betragen weiß“, und „unartig“ wer ein „schlechtes Betragen“ an den Tag legt. Wohlerzogen hingegen ist einer (oder eine, versteht sich) bei der die Zucht gewirkt hat, während „ungezogen“ jemand ist, der einen „Mangel an der gehörigen Zucht“ aufweist – weshalb er eben auch „ungehörig“ handelt.

Erobern sich die „Artigen“ auf leichte Art ihren Platz im Leben? Haben „wohlerzogene“ Knaben und Mägdelein die besseren Aussichten im Beruf? Sind die guten, würdigen und tugendhaften Menschen angesehener?

Vermutlich nicht.

Quelle der Zitate: Grimms Deutsches Wörterbuch.

Was ist ein Kink?

Habt ihr schon mal von einem „Kink“ gelesen? Nein, nicht von King George oder einen anderen, der auf „g“ endet. Dieser Kink endet auf „k“, und wenn ihr oberflächlich guckt, dann bezeichnet er einen „Knick“.

Um das Wort wirklich zu begreifen, brauchen wir eines dieser Lexika, die nicht im Internet vermodern. Denn damit ein Gegenstand oder eine Persönlichkeitseigenschaft einen „Knick“ bekommt, muss beides zunächst gerade sein. Und „gerade“ ist, was die Masse tut. Wer nun also einen „Kink“ hat, der weicht von dem ab, was Menschen „üblicherweise“ tun.

Zumeist wird das Wort heute in Zusammenhang mit den sexuellen Freuden und Praktiken genutzt. Wir lesen: Jemand der einen „Kink“ hat, also „kinky“ ist, geht „merkwürdige Wege …, um sexuell erregt zu werden.“

Die merkwürdigen Wege lassen sich noch verdeutlichen, zum Beispiel so:

Wenn ein erotischer oder sexueller Genuss nicht der allgemeinen Vorstellung entspricht, dann ist es ein „Kink“. Ob er akzeptiert, verachtet oder ignoriert wird, hängt von Zeit, Ort und anderen Umständen ab.

Falls ihr nun fragt: „Wer braucht denn so was?“, dann sage ich: Übersetzer, zum Beispiel. Es kling nicht sehr freundlich, „kinky“ so zu übersetzen: „Sie lebte in zwei Extremen – am Tage war sie extrem religiös, aber im Bett war sie extrem versaut.“

Nein – „kinky“ ist nicht „versaut“. Übersetzt es hübscher, wann immer ihr könnt.

Das Sehpferd ist nicht abgetaucht

Manche werden sich freuen, wenn das Sehpferd plötzlich abtaucht – ein Störer der Mainstream-Meinungen weniger. Andere werden sich wundern, wo das Sehpferd bleibt … es ist einfach ein bisschen faul, ein bisschen langsam und noch ein bisschen nachdenklicher als sonst. Manche nenne so etwas Urlaub.
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Pfötchen geben

Gestern war ich erstmalig nach Beginn der der „Krise“ bei einem kleinen gesellschaftlichen Anlass. Ich musste tatsächlich gelegentlich betonen, dass ich gegenwärtig nicht „Pfötchen gebe“, wenn mir die Grußhand entgegengestreckt wurde.

Mit liegt ohnehin fern, den Händedruck „echter Männer“ mit Riesenpranken zu genießen, und das säuselnde Wangenberühren der zarten Damen befremdet mich inzwischen auch.

25 Jahre Online-Dating

Noch recht rustikal - eine der Pioniere
Ich kann es selber kaum glauben: Seit etwa 25 Jahren gibt es Online-Dating - also ein Vierteljahrhundert. Kaum jemand dachte gegen 1995 daran, dass die Sache einmal ein Erfolg werden könnte: Über den Bildschirm einen Lebespartner zu suchen. Und selbst manche Gründer (und Geldgeber) hatten damals ihre Zweifel. War diese hakelige Flimmerkiste mit Absturzgefahr nicht so ein „typisches Männerding“? Gab es überhaupt Frauen, die einen Internet-Anschluss besaßen? Und was, um Himmels willen, wollten die (und auch wir Männer) eigentlich mit diesem neuen Medium?

Meine Forschungen am neuen Medium - online seit 2006
Webseite im Oktober 2000 von Match.com

Einige Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, das neue Medium zu erforschen und über seine Möglichkeiten und Grenzen zu schreiben. Erst gegen 2016 verlor ich nach und nach die Lust, mich mit dem Medium beschäftigen.

Zuvor hatte es eine kleine Revolution gegeben, die kaum jemand wahrgenommen hatte: die ultimative Kommerzialisierung der Branche. Sie ist einer der Gründe für die heutige Machtkonzentration auf zwei Riesen und einige verbliebene Zwerge.

Die ultimative Kommerzialisierung

Der Grund für die „ultimative Kommerzialisierung“ wurde 2010 erkennbar. Damals geriet die die Schlacht um die Fernsehwerbung in ihre heiße Phase. Damals gaben die Spitzenreiter der Branche sage und schreibe 107 Millionen Euro brutto an Werbung aus (Laut Nielsen Institut). Und als einige Unternehmen damit begannen, konnten andere nicht zurückstecken. Am Ende wurde der Konkurrenzkampf so groß, dass viele Unternehmen fusionierten oder an kapitalkräftige ausländische Investoren verkauft wurden. Inzwischen buhlen nur noch wenige „große Spieler“ um den Markt: Ein US-Unternehmen, das in Deutschland unter anderen Namen bekannt ist und und ein deutscher Medienkonzern.

Bilder (oben): conrcu.com Unten: Sammlung von archiv.org.