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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Du und deine Erwartungen zu Lust, Sex und Liebe

Das wacklige Gerüst unserer Alltagsauffassungen der Wirklichkeit (ist) im eigentlichen Sinne wahnhaft … (und wir sind) fortwährend mit einem flicken und abstützen beschäftigt.

Paul Watzlawick

Hast du dich mal gefragt, warum du erwartest, Lust zu empfinden, Sex zu haben und Liebe geschenkt zu bekommen?

Bemühen wir ruhig die Wissenschaft. Ich meine nicht denjenigen Teil, der die Psychologie vergangener Tage neu bebrütet – sondern den Teil, der versucht, das lebendige Dasein zu erklären.

Dann lesen wir zum Beispiel dies:

Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse sind wie die Luft, die wir atmen – oft unsichtbar, aber sie beeinflussen unsere Erfahrungen tiefgreifend. Von religiösen Lehren bis hin zur Darstellung von Sexualität in den Medien prägen diese externen Faktoren unsere Überzeugungen und Erwartungen in Bezug auf Sex und Erregung.

Um es mal klar zu sagen: So etwas wie eine absolute Wahrheit über das Denken und Fühlen existiert nicht. Die Realität ist in uns, und durch uns wird sie erschaffen.

Das bedeutete: Wir können unseren Geist dadurch einfrieren, dass wir immer mit den gleichen Leuten reden, die ähnliche Meinungen vertreten. Dann ändert sich nichts, weil alles „bestätigt“ wird.

Gegen das Fassadendenken

Doch wollt ihr das wirklich? Euer Gehirn ist durchaus in der Lage, neue Szenarien aufzubauen, sie zu verwirklichen und zu eurem „eigen“ zu machen. Wenn du aufmerksam bist, wirst du erkennen, dass es sowohl in dir wie auch in anderen Menschen Wirklichkeiten gibt, die im Fassadendenken nicht vorkommen – und die dennoch überraschend real werden können.

Leute, die sehr klug sein wollen, nennen das „Konstruktivismus“ – aber es ist nichts anderes als eine Lebensform, die wählbar ist. Der Unterschied zu anderen Vorstellungen? Menschen, die sich aufgemacht haben, die Welt nicht passiv hinzunehmen, konstruieren sich eine erweiterte Realität, in der sie leben können. Diese „persönliche Wirklichkeit“ ergänzt das, was andere „die Realität“ nennen.

Jeder, der einmal in einer anderen Kultur gelebt hat, weiß um diese Tatsache – spätestens, wenn er oder sie dann zur „alten“ Kultur zurückkehrt.

Du bist nicht allein mit deiner Realität

Zurück zur Lust: Du lebst nicht auf einer einsamen Insel – da sind andere. Du kannst ganz sicher sein, dass es einige gibt, die mit dir gemeinsam eine eigene Realität aufbauen werden. Allerdings brauchst du den Mut, sie anzusprechen. Denn offene Kommunikation ist der Schlüssel zu all jenen Realitäten, die zwischen zwei Personen entstehen können und die anderen verborgen bleiben.

Unser Autor schrieb dies für alle, die Partner suchen und sich dabei bewusst einschränken.

Zitat Oben: Watzlawick, Paul, München 1976 in "Wie wirklich ist die Wirklichkeit"?

Zitat im Innentext: neurolaunch (englisch, verständlich geschrieben, humorvoll

Shameless – ist das „schamlos“?

Schauen wir mal aufs Altenglische: Dann könnte das Wort so viel wie „frei von Schande, tadellos oder entschuldbar“ bedeuten. Aber wir leben ja nun mal nicht im Jahr 1200 und auch nicht in England.

In der Tat bedeutet es heute – im Vereinigten Königreich wie auch bei uns - „schamlos“. Und „schamlos“ steht im Delischen für jemandem, der etwas „über Gebühr“ versucht: ein schamloser Wüstling, ein solcher Ausbeuter oder Betrüger. Wenn man so will also ein ehrloser Mensch.

Was bedeutet "schamlos"?

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache kennt zwei aktuelle Bedeutungen:

1. Grob gegen Sitte und Anstand verstoßend, unsittlich, unanständig.
2. Ohne jede Scheu sich über die Grenzen des Taktes hinwegsetzend, unverschämt, dreist, unverfroren.

Es gibt eine andere Bedeutung, wenn jemand sagen will, dass er in einer Situation keine Scham empfindet, etwa dann, wenn er sich dort entkleiden soll, wo es angebracht ist. Dann würde man sagen, diese Person würde etwas „ohne Scham“ tun. Die Bedeutung wäre dann „ohne zu erröten“ oder etwa in einer ähnlichen Situation „frei von Scham“ zu sein. Das gilt insbesondere dann, wenn bekannt ist, dass viele Menschen solche Situation aus „falscher Scham“ meiden.

Schamlos als sogenannter "Datingtrend"?

Und nun lese ich, dass es einen „neuen Datingtrend“ gibt: „Shameless Dating“ genannt. Wie fast immer, steckt ein Dating-Unternehmen hinter dem angeblichen Trend – und Journalisten verbreiten solche „Trends“ in Windeseile.

Klar, das steckt auch etwas Sinn dahinter: „Du sollst deinen Partner beim Treffen nicht verkohlen“, heißt es salopp. Und im Text:

„'Shameless Dating' ... (sagt) ... der gespielten Harmonie den Kampf an.“

Bei so viel Unsinn gehen mir die Zehennägel hoch. Denn es war noch nie richtig, den zukünftigen Partner nach Strich und Faden zu belügen – so wenig, wie es empfehlenswert ist, gleich mit den Sexwünschen ins Haus zu fallen. Und abgesehen davon sagen Trends gar nicht an. Es sind nach wie vor Menschen, die etwas bewirken.

Trend gegen Trends - so herum und anders herum "wissenschaftlich"?

Umes ganz klar zu sagen: Der „neuste“ Dating-Trend ist ein Trend gegen so viele andere Trends, die ebenfalls niemals „Trends“ waren. Und „ehrlich“ lässt sich ebenso blumig inszenieren wie „hard to get“. Beide sind angebliche Trends und beider wurden angeblich „wissenschaftlich“ untersucht. Im Grunde versuchen Partnersuchende dabei, ihre vorgebliche Attraktivität dadurch zu vergrößern, dass sie nahezu unerreichbar sind. Auf Deutsch sagte man wohl auch „sich rarmachen“ oder man benutzt Sprüche wie „willst du was gelten, mach dich selten.“

Nun fehlen nur noch zwei Namen: Die Dating-App, die dahintersteckt und das Etikett „Gen Z“. Und ein Blick in Suchmaschinen: überall ähnliche Texte mit ähnlichen Folgerungen.

Ich vermute, dass sich weder die „Gen Z“ noch irgendjemand anders wirklich solchen Trends folgt. Denn noch sind wir Menschen und nicht Tanzbären der Dating-Branche.

Quellen, Zitate.

Hauptquelle: Esquire (deutsch)
Sprachvergleich (englisch): etymonline
Sprachbegriff (deutsch): dwds. (2 wörtliche Zitate)
Ursprüngliche Herkunft der Daten: Pressroom.
Gegensätzlich mit wissenschaftlichem Hintergrund: deutsche welle.

Muss sich alles „rechnen“? Nein, aber Kultur ist vor allem Schule

Dieser Tage wurde ich aufgescheucht: Sollte meine Meinung von „Geben und Nehmen“ völlig falsch sein?

Grund war ein Artikel in meiner Tageszeitung. Der Kolumnist fragte danach, ob es richtig sie, dass sich heute alles „rechnen muss“. Damit waren allerdings staatlich geförderte kulturelle Projekte gemeint.

Ich habe einen Moment nachgedacht.

Mir fiel dabei ein, wie viele Geber es im privaten Bereich gibt, die niemals danach fragen, ob sich etwas „rechnet“ oder nicht. Ihnen stehen weitaus mehr „Nehmer“ gegenüber, die als selbstverständlich ansehen, dass der Staat über unendliche Mittel verfügt, alle ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Es wäre ganz gut, wenn wir die Ansprüche alle etwas herunterschrauben würden. Es besteht ja kein Zweifel, dass wir Kultur benötigen. Doch wenn wir schon von „Kultur“ reden, dann bitte nicht in erster Linie von Luxuskultur. Wie wäre es beispielsweise, in erster Linie in Bildung zu investieren? Vor allem in Naturwissenschaften – aber auch darin, unsere Jugend bei der eigenen Lebensführung zu unterstützen.

Müssten wir nicht alles daran setzen, unser Land nach vorne zu bringen? Und was könnte dazu nützlicher sein als „kluge Menschen“ hervorzubringen, die später als Geber auftreten?

Theoretisch würde dem wohl jeder zustimmen. Doch wer ist in der Lage, dies praktisch umzusetzen? Kaum noch jemand?

Throning - eine alte Masche der Frauen vergangener Tage, jetzt frisch verpackt

„Hinaufheiraten“ war einer er Träume der Kleinbürger-Töchter, die den Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns oder gar eines entsprechenden Adligen heiraten wollten. Gelungen ist es dann und wann – sogar in der (echten) Variante „Ex-Straßenmädchen heiratet Millionär.“

Seit sogenannte soziale Netzwerke immer mehr sinnlose englische Begriffe als „Dating Trends“ ausgeben und eine angeblich existierende „Generation Z“ als Quelle angeben, gibt es ein neues Unwort dafür.

Es heißt „Throning“ – und da behauptet dann auch gleich eine Webseite (1):

Beim "Throning" geht es nicht um Liebe – sondern um Image.

Was ist überhaupt ein „Image“? Eigentlich klar – es ist die Vorstellung, die wir oder andere von einem Menschen haben – also die Art, in der er oder sie sich darstellt. Man kann – kreuzworträtselhaft vereinfachend – auch sagen „das Ansehen“, aber das ist ein bisschen zu simpel.

Für Puristen hier die korrekte Definition (2):

Auf gesammelten Eindrücken basierendes, sozial geteiltes Vorstellungsbild, das Angehörige von Gruppen (z. B. Konsumenten oder Wähler) von einem Meinungsgegenstand haben.

Und wie war das nun mit dem „Throning“ in den neuen "sozialen" Netzwerken?

Na schön – das Wort bezeichnet, wie schon gesagt, den Lieschen-Müller-Traum: Hinaufheiraten in eine soziale Stufe, von der so ein Lieschen träumt. Und wie schon gesagt: Mit etwas Nachschliff, Verstellung und Frechheit kann das auch gelingen. Zwar selten – aber immer noch im Rahmen von ein paar Promille. Nicht Alkohol, sondern Chancen pro 1000 Kandidaten.

Das Streben nach einer Geldheirat - oder was bedeutet die neue Masche?

Immerhin ist dies die edlere Alternative als das Hochschlafen – also sollten wir den Frauen Respekt zollen, die eine Geldheirat anstreben?

Schauen wir zunächst mal auf die „offizielle“ Definition, so finden wir die alte Masche frisch verpackt wieder (3):

„Jemand sucht sich einen Partner, der in gesellschaftlich höheren Kreisen verkehrt, um selbst Zugang zu diesen zu bekommen.“

Heißt im Klartext: Langsames einschleichen in „bessere Kreise“ – wenn sich die Dame dort eingeschlichen hat, wird die Basis der möglichen Kandidatinnen (Ehemänner oder Lover) stark erweitert. Wie immer, gibt es auch hier noch Steigerungen: Über den nächsten Freund oder Begleiter ist es möglich, in „noch bessere“ Kreise zu kommen. Manchmal wird am Ende tatsächlich geheiratet – der Erfolg tilgt die Mittel.

So weit, so schlecht – jede und jeder muss schließlich sehen, wie weit sie oder er gehen will, wenn es um die Vermarktung der eigenen Person geht. Schließlich sind die Influencer(innen) in sogenannten „sozialen“ Netzwerken durchaus mit anderen Werbern zu vergleichen. Doch wir erfuhren auch noch, dass es möglicherweise gar nicht um die „Partnersuche“ selbst geht.(3)

Throning gab es in der Vergangenheit unter verschiedenen Namen zum Beispiel „Goldgräber(innen)“. Doch die heutigen „Throner“ gehen nicht nur wegen ihres Geldes oder ihrer Macht mit Menschen aus; Sie treffen sich auch mit Sicht auf ihr Follower - und um ihren Einfluss im Online-Geschäft zu erhöhen.“

Throning - eine Win-win-Situation?

Gewinnen die Influencer(innen) also doppelt? Wahrscheinlich nicht. Für Influencer(innen) (4) zählt nur das Bild, das sie nach außen abgeben – damit verdienen sie ihr Geld. Was wirklich in ihnen vorgeht, ist ihnen dabei letztlich egal. Ihre Online-Hülle ist die Botschaft, die sie aussenden – und die Botschaft muss mit dieser Hülle identisch sein. Was solche Personen sonst sind? Reden wir besser nicht drüber.

Und das Fazit? Kaum mehr als eine Bestätigung des französischen Sprichworts „Plus ça change, plus c'est la même chose" – also:

„Je mehr sich ändert, umso mehr beibt alles beim Alten“.


(1) Vol (deutsch)
(2) Dorsch (Lexikon)
(3) USA today (englsich)
(4) Influencer früher: Propagandist (männlich) Propagandistin (weiblich) Offiziell: Werbefachmann, der für eine bestimmte Ware wirbt, sie demonstriert (und verkauft)." Inoffiziell: Verkäufer, der die Wirkung angeblich innovativer Produkte in spektakulärter Weise vorführt.

Die KI – Orakel, Besserwisserei und User-Bashing

Bereits vor knapp einem Jahr konnte jeder, der es wissen wollte, über die Unzuverlässigkeit der KI nachlesen. Damals ging es „lediglich“ um aktuelle Nachrichten und die Hintergrundinformationen, die verschiedene Anbieter von KI dazu wussten. Das Ergebnis zeigte, dass die Antworten zum großen Teil enttäuschend, teils sogar niederschmetternd schlecht oder irreführend waren.

Im Klartext:

In 45 Prozent aller KI-Antworten war mindestens ein erheblicher Irrtum enthalten.

Bei 31 Prozent der Antworten gab es erhebliche Probleme mit den benutzten Quellen – teils waren sie falsch, teils irreführend.

In 20 Prozent der Fälle enthielten die Antworten, für die es gar keine Belege gab oder bei der die Belege veraltet waren. Im englischen Originaltext heißt es dazu: „Die KI halluzinierte“.


Wohl bemerkt – es handelte sich um Nachrichtenmaterial, das gründlich analysiert wurde und nicht um Wertfragen.

Die KI - im Größenwahn?

Generell sagt die verwendet Studie aus, dass die KI-Programme ein Problem damit haben, sich selbst zu überschätzen. Das ist ausgesprochen gefährlich für den gutgläubigen Anwender, der hinter der KI eine „objektive“ Stellungnahme vermutet. Um es nochmals zu sagen: Gefragt wurden nach überprüfbaren Fakten, auf die eine möglichst zutreffende Antwort erwartetet wurde. Selbstverständlichen hätte die KI eine Möglichkeit, sich zu weigern, bestimmte Fragen zu beantworten. Aber das geschieht immer seltener: Die Rate der nicht beantwortbaren Fragen fiel laut der erwähnten Studie zwischen August 2024 und 2025 von 31 auf null Prozent.

Konservativ, akademisch und selbstherrlich - wie kommen diese Elemente in die KI?

Abseits der Studie: Die KI (AI) wird offenbar von ihren Entwicklern mit teils konservativer, teils akademischer Selbstüberschätzung ausgestattet. Dazu gehört auch, bei Fragen, die nicht in das relativ simple Denkschema der KI passen, zurechtgewiesen zu werden. Man fühlt sich an Schüler erinnert, die wagten, eine unbequeme Frage an ihren Lehrer stellen. Dies alles wirft einen scharfen Lichtstrahl auf die elitären Strukturen, die offenkundig in manchen Programmen verankert wurden. „Selbstüberschätzung“ ist keiner Maschine und keinem Programm eigen. Also wird irgendwo im Programm ein winziger Code-Schnipsel lauern, der sagt: „Wenn dir der Fragesteller zu frech wird, dann erkläre ihn für unfähig, die richtigen Fragen zu stellen.“

Interessiert euch das Thema? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder vollkommen andere? Dann sagt es, schreibt es und verhindert dadurch, dass KI eingesetzt wird, um die Meinungsvielfalt einzuschränken. Verweist dabei bitte auf sehpferd, wenn ihr mögt.

Quelle: Ausführlich als PDF - BBC.