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Die Presse: Unterschied zwischen Gegenwart und Zukunft unbekannt?

Dieser Tage lese ich viel über FACEBOOK und das angebliche neue „Dating-Feature.“ Da ich nicht mehr bei FACEBOOK bin und sowieso kein Dating betreibe, könnte es mir wuscht sein. Ist es aber nicht, denn die Presse, macht immer wieder deutlich, dass sie nicht zwischen „es ist“ und „es ist angekündigt“ unterscheiden kann.

Beispiel ELLE. Dort wird behauptet, man wisse „alles zum neuen Dating-Feature von Facebook“. Dazu kommt ein riesiges Bild (2041 Pixel breit) von einer Frau, die auf ein Handy guckt.

Im Text wird klar, dass man so gut wie gar nichts weiß, nämlich genau das Wenige, was FACEBOOK behauptet hat. Und das ist so dürftig, dass nicht einmal Fachleute darauf einen Reim machen können. Irgendeine geheimnisvolle App soll irgendwie in FACEBOOK integriert werden, aber eben doch nicht völlig. Und sie soll „langfristige Beziehungen“ bieten statt schneller ONS.

Und obgleich keiner etwas Genaues weiß, sagt die Kolumnistin von ELLE zur noch nicht gesehenen App: „Ganz klar, Daumen nach oben!“ Wo nach oben? Da, wo der Verstand ist oder in Wolkenkuckucksheim?

FACEBOOK kündigt an – und eine Branche zittert

Seit den ersten Erfolgen von „Sozialen Netzwerken“, deren Namen heute kaum noch bekannt sind, wurde heftig gemunkelt, bald schon würden diese Netzwerke die Online-Dating-Branche in ihre Grundfesten erschüttern. Und tatsächlich versuchten alle, „irgendwie in Dating“ zu machen – zuletzt sogar Rentner-Netzwerke.

Inzwischen sind buchstäblich 15 Jahre vergangen, und nicht „Soziale Netzwerke“, sondern sogenannte Apps haben die Nase vorne. Die Branche macht nach außen in „rosig“, aber natürlich befürchten alle, dass der Markt eines Tages zusammenbricht – zu einem Teil ist dies – still und heimlich – auch schon geschehen.

Seit FACEBOOK ein paar vage Andeutungen darüber gemacht hat, wie das hauseigene Online-Dating-Konzept aussieht, steht die Branche Kopf. Man denke: Ein paar vage Andeutungen haben gereicht, um große Konzerne wie auch kleiner Anbieter zittern zu lassen.

Ich kenne die Branche seit etwa 20 Jahren – von den ersten Anfängen bis heute. Sie hat sich von hoffnungsfrohen Gründern mit frischen Ideen zu riesigen Konzernen mit Betonkopf-Mentalität gewandelt, und außer den sogenannten „Dating-Apps“ die viel mit Apps und wenig mit Partnersuche zu tun haben, gibt es schon seit einem Jahrzehnt keine kreativen Ideen mehr. Es sind Unternehmen wie alle anderen, die ursprünglich erfolgreiche Ideen so lange reiten, bis diese Ideen ausgelaugt sind und zusammenbrechen.

Mal sehen, wie Herr Zuckerberg dabei aussieht – in ein paar Jahren werden wir es wissen. Und bis dahin wird die Presse allerlei zu schnattern haben - Konkretes allerdings suchte man bisher vergeblich.

Der Graumarkt beim Dating scheffelt Millionen

Entwicklung des seriösen Dating-Markts und Graubereich-Dating-Markts © 2018 by Singlebörsen-Vergleich (1)
Der Graumarkt im Online-Dating-Gechäft besteht darin, kaum oder gar keine weiblichen Mitglieder zu haben, sonder mit Fake-Profilen zu arbeiten, die aus einem echten Foto, einem Fantasie-Profil und einem Märchenonkel als Autor ausgestattet sind. Der Mann im Hintergrund (seltener eine echte Frau) führt dabei den Mann vor dem Bildschirm an der Nase herum, indem er vortäuscht, eine partnersuchende Frau zu sein. Meist handelt es sich dabei um Profile, die ausgesprochen „sexy“ sind. Dabei werden nach Angaben des Singlebörsen-Vergleichs etwa 100 Millionen Euro sinnlos verpulvert. Denn so viel geben Männer für den Zugang zu den Profilen aus.

Die Sache lässt sich allerdings auch „automatisieren“ du kommt wenigstens zu Anfang ganz ohne den Puppenspieler aka Märchenonkel aus: Roboter übernehmen seien Rolle. Dabei wird das alte und bekannte System der ELIZA, das auf einem – aus heutiger Sicht – primitiven Algorithmus beruhte, immer weiter verbessert, sodass manche Benutzer am Ende tatsächlich den Eindruck bekommen, mit einem lebendigen Menschen zu sprechen. Probieren Sie mal das einfache System Sina aus … und nun stellen Sie sich vor, dass sich der Programmierer sehr viel Mühe gegeben hat, das Ganze vielfältiger, sinnlicher und direkter auszugestalten – dann haben Sie ungefähr das, was heute möglich ist. Entsprechende Roboter sind zum Beispiel Karim und Tess, die für psychologische Beratung eingesetzt werden.

Zurück zu den Graumarkt-Anbietern. Über sie schreibt der Singlebörsen-Vergleich unter anderem:

Diese Graumarkt-Anbieter operieren mit einem Netzwerk aus über 1.000 Portalen von zart … bis hart. Der Trick ist seit Jahrzehnten derselbe: Angeblich interessierte Damen kann Mann erst nach dem Gang an die Kasse kennenlernen. Heute sind diese Fake-Damen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und automatisierten Chat-Dialogen allerdings kaum mehr von echten zu unterscheiden.


Man könnte dies alles abhaken unter dem Etikett: „Selber schuld, ihr geilen Böcke“ – aber das würde die Sache bestenfalls für Feministinnen egalisieren. Im Grunde genommen ist es ausgesprochen bedauerlich, dass mit der sexuellen Begierde (dann sie ist es, die Männer in diese Grauportale treibt) so viel Geld verdient wird.

Daten, Grafik und Fakten wurden teilweise vom Singlebörsen-Vergleich zur Verfügung gestellt. Die obige Grafik (1) wurde wegen der besseren Lebarkeit auf die letzten Jahre beschränkt.

Feed antwortet nicht – ach, man ist umgezogen

Wenn ein abonnierter Feed nicht mehr antwortet, ist entweder eine Katastrophe passiert oder die Webseite ist umgezogen. Da ist mir dieser Tage bei PARSHIPS Blog „Beziehungsweise“ passiert. Kein Abschied. Letzter Eintrag vom 20.10.2016 – „Intimität? Reicht mir nicht!

Kein Kuss zum Abschied? Nein. Man macht weiter, nur anderwärts. Stark mittelständisch geprägt, überwiegend brav und bürgerlich, und ziemlich auf feminine Befindlichkeiten (oder eher typische Frauenzeitschriftenthemen) fixiert.

Aha – ich mag nicht sagen „weiter so“. Denn eigentlich sind die meisten Frauen (und etliche Männer), die sich für die Partnersuche interessieren, „schon“ im 21. Jahrhundert angekommen. Und das neue Jahrhundert brachte nicht nur Online-Dating, sondern auch den offenen Umgang miteinander. Lesenswert ist das Blog in jedem Fall - zumal, wenn man sich für das dort vertretene Menschenbild interessiert.

Warum Singles bei der Partnersuche verzweifeln

Es gibt viele Antworten auf die Frage, warum Singles bei der Partnersuche verzweifeln. Aber im Grunde gibt es eine Regel, die sehr einfach ist,:

Solange wir nach dem suchen, was möglich oder wahrscheinlich ist und was uns dabei recht gut tut, haben wir gute Chancen, es auch zu finden.


Es ist selbstverständlich möglich, die Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten auszuweiten, aber es ist ausgesprochen fragwürdig, die Grenzen der Wirklichkeit überschreiten zu wollen.

Der Single, der sich einen Partner wünscht, tut gut daran, sich zu fragen: Fühle ich mich mit dem Menschen wohl, den ich kennenlerne? Es gibt nichts Besseres, als sich mit jemandem wohlzufühlen. Oder an ihn zu wachsen, wenn dies das Ziel ist.

Aber wer nach dem „Einen“ (der „Einen“), also nach dem Absoluten sucht, der wird voraussichtlich scheitern. Oder, wie Léon Wurmser schreibt:

Wer nach dem Absoluten sucht, kann die Schranken der Wirklichkeit nicht achten, er muss sie zerbrechen.


Das Land, das er dann betritt, dürfte dem Land ähneln, dass Alice betritt, wenn sie durch den Spiegel geht: Spiegelland. Nur sind nicht alle Frauen und Männer so klug wie Alice, die auch am Absurden lernt. Der Strudel, in den wir schon in der Wirklichkeit geraten können, wird in der Welt des Irrealen, das Absoluten, noch gefährlicher. Bleiben wir im Land des Absoluten, müssen wir immer schneller laufen, nur um am selben Ort zu bleiben.

Wollen Sie das wirklich?