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Ein bisschen Fakt, ein bisschen Fake

Manche Nachrichten zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht grundsätzlich falsch sind, sondern dass ihre Inhalte auf bestimmte Klientel „angepasst“ werden.

Alsdann: Höret, ihr Frauen, der Weg ist gefunden ..., denn nun behauptet eine Frauenzeitschrift, sie könne mithilfe einer Studie …

… endlich Lichts ins Dunkle der Dating-Welt bringen und uns wissen lassen, ab wann deutlich wird, in welche Richtung es mit unserem männlichen Objekt der Begierde verläuft.


Leider sagt die Studie dies aber gar nicht aus. Und auch nicht, dass es bis zum zwanzigsten Date deutlich wird, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt.

Denn die „Kurve der Begierde“ fällt nach dieser Studie bereits ab dem zehnten Date ab, wenn man voraussichtlich nicht zusammenbleiben wird. Und natürlich hat das ganze mit „männlichen Objekten der Begierde“ nur insoweit zu tun, als Frauen und Männer von der Studie erfasst wurden. Und was noch fehlt: Die Entscheidung, eine bereits laufende Beziehung dennoch zu beenden, fällt schleichend – und nicht knallhart.

Knallhart ist nur die Konsequenz, sich wieder zu trennen – und weiterzusuchen.

Wen es interessiert: die Studie kann eingesehen werden. Und was sich daraus ergibt, weiß die Liebeszeitung.

Die Krone beschimpft die Jugend – und wirft ein Unwort in den Ring

„Wie es scheint“, ist die einzige Anmerkung, dass es sich um eine Möglichkeit handeln könnte. Ansonsten ist die Art, wie eine Journalistin der Wiener Boulevardzeitung "Krone" in einem namentlich gezeichneten Beitrag die Jugend diffamiert, kaum erträglich.

Da wird „das Verhalten der nicht-beziehungsfähigen Generation immer schlimmer“. Das ist an sich schon eine böswillige Unterstellung über Menschen, die einmal unsere Zukunft sichern sollen. Und in Österreich ja wohl auch die Zukunft der Österreicher.

Und so geht es gerade weiter: Die Generation „Y oder Z von 2019“ (1) sei „zu feige zu sein, um jemandem die Meinung zu sagen?“ Die Autorin geht noch weiter und rotzt die Jugendlichen noch einmal an:

In der Blüte des Lebens stehend, haben sie ja offenbar nichts zu verlieren und Anstand findet man in Sachen Ehrlichkeit und Zwischenmenschlichkeit beim Dating selten.


Ich habe keine Ahnung, wie alt die Autorin Vanessa Licht ist und woher sie ihre „wertvollen Informationen“ bezieht. Sie selbst meint, so etwas höre sie „in der U-Bahn“.

Worum geht es? Heiße Luft, der für Wirbel sorgen soll

Es geht übrigens um fast gar nichts. Der Begriff, den Frau Licht „erläutert“, heißt „Soft Ghosting“ und er ist kein Trend, sondern einer der vielen Wortbegriffe, die heute erfunden werden, um in der Presse zu landen – mal von Bloggern, mal von anderen Journalisten.

In diesem Fall kommen (nach Pressemeinungen) möglicherweise ein Dating-App-Betreiber, Instagram (Overheard LA, Humormagazin, 23. Juli 2019) und für die weltweite Verbreitung die „Huffington Post“ infrage, die einen Artikel über das Thema etwa zeitgleich mit „Fox News“ veröffentlichte. Dem schloss sich alsbald das Frauenmagazin „Glamour“ an, sowohl die deutsche wie die englische Ausgabe. Die meisten Zeitungen veröffentlichen den vermeintlichen „Trend“ zwischen dem 13. und 20. September 2019, unter anderem auch bekannte österreichische Medien. Die älteste Quelle, die ich finden konnte, ist in der Tat „Instagram“.

Nach einer der Hauptquellen, die für die Verbreitung sorgten, wird allerdings behauptet:

Nach Aussagen von Louise Troen von Bumble, sei 'soft ghosting' die letzte Entwicklung in einer langen Reihe von Dating-Begriffen.


Hat die Dating-App Bumble nun den „Trend erfunden“ wie wie wir in der britische Boulevard-Zeitung „Metro“ lesen können? „Metro“, glaubt dies, wie es scheint, sagt aber zugleich, „Bumble“ sei nicht „verantwortlich für dieses schreckliche Handeln.“ Immerhin kam der Name „Bumble“ dadurch mal wieder in die Presse.

Dating-Trends - Behauptungen, um die Auflage zu steigern

„Das schreckliche Handeln“ indessen hat sehr viel Ähnlichkeit mit anderen sogenannten "Informationen" über „Dating-Trends“, die am Schreibtisch erfunden werden, um sich dann ausführlich darüber auslassen zu können und die Auflagen zu steigern – und wie man sieht, funktioniert es auch. Nur die Beschimpfung der Jugend ist neu.

Weitere Quellen, Recherche und Fakten-Check:

(1) Generation Y – geboren 1981 bis 1996
Generation Z – geboren 1997 bis 2012

Beide Angaben lassen sich nicht ganz genau abgrenzen. Es betrifft also die Menschen, die heute zwischen sieben und 38 Jahre alt sind, und falls wirklich nur „ab Teenageralter“, dann die 13 – 38jährigen. Da wundert man sich schon, wenn eine Journalistin so etwas zusammenschreibt.


Artikel über Soft-Ghosting in Österreich:

Wienerin und Miss.at

Deutschland: Glamour.

Lexikon (global, englische Sprache): Urban Dictionary

Dating: warum du nichts absolut richtig machen kannst

Unser gesamtes Leben besteht darin, aus bekannten und unbekannten Ereignissen die für uns zutreffenden Schlüsse zu ziehen. Man nennt das Prinzip, das dahintersteht, auch Rückkoppelung. Du gehst einen schlecht gepflasterten Weg – die Spitze deines Schuhs verfängt sich an einem Pflasterstein. Das Gehirn erkennt die Schwierigkeit: Du wirst fallen, und es setzt zunächst alle Möglichkeiten ein, dich wieder in die Ausgangslage zu versetzen. Gelingt die nicht, werden in Millisekunden Schutzmaßnahmen aktiviert: Du versuchst, dich mit den Händen irgendwo festzuhalten oder abzustützen. Wie du das bewerkstelligst, hängt von der Situation ab: Schaden abwenden, unausweichliche Schäden begrenzen.

Was wäre „ganz richtig“? Zu Hause zu bleiben? Ständig auf das Pflaster zu schauen? Immer langsam und bedächtig zu gehen? In Zukunft „nicht mehr fallen zu wollen“?

Nein – sicher nicht. Und obgleich du dies wahrscheinlich akzeptierst, wirst du den nächsten Satz vielleicht kritisch ansehen:

- Du kannst im Umgang mit anderen nichts „ganz richtig“ machen, weil du ständig auch auf das eingehen musst, was andere dir anbieten.

Die Theorie - alles richtig machen zu wollen führt uns an den Abgrund

Die Theorie ist da noch wesentlich konsequenter. Sie sagt uns, dass der Wunsch „alles richtig“ machen zu wollen, uns in die Nähe des Abgrunds führt. Und zwar deshalb, weil wir nicht mehr „dynamisch“ handeln können, wenn wir überzeugt sind, alles richtig zu machen. „Dynamisch“ handeln würde heißen, Umwege zu gehen, wenn wir durch konsequentes Voranschreiten nicht weiterkommen.

Es gibt noch mehr Gründe, warum „Perfektion“ und „absolute Konsequenz“ nicht funktionieren. Der erste Grund ist sehr einfach: Je umfassender ein Problem ist, und je perfekter die Lösung sein soll, umso mehr ist das Problem unlösbar. Das hat der berühmte Paul Watzlawick mit seinen Kollegen ausführlich beschrieben.

Aus der Sichtweise der Logik ist es ohnehin völlig unmöglich, alles „ganz richtig“ zu machen, und zwar deshalb: Wenn ich etwas „nunmehr perfekt machen will“, dann verändere ich in Wahrheit nur etwas. Ich habe dann die Chance, dass sich etwas verbessert. Aber ebenso existiert die Möglichkeit, dass alles schlechter wird oder gar nichts dergleichen passiert. Das ist eine alte Weisheit: Etwas kann sich durch die Maßnahme, trotz der Maßnahme oder unabhängig von der Maßnahme ändern oder nicht ändern. Dabei sind lauter Annahmen im Spiel. Der Beweis kann nur dann angetreten werden, wenn wir unendlich viele Versuche durchführen, die alle zum gleichen Ergebnis führen.

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Die nackte Wahrheit über die Partnersuche

Die Wahrheit - die Haut, die Liebe, die Suche nach dem Partner
Zu diesem Artikel gibt es ein Update: Das Konzept wurde bereits teilweise umgesetzt, aber anders als geplant. Verwendet wurde ein Solo-Blog, das sich nur mit Liebe, Beziehungen und Partnersuche beschäftigt.


Ich habe einen besonderen Anlass gewählt, um die nackte Wahrheit über die Partnersuche zu verbreiten – und sie ergab sich jetzt. Sie steht unter dem Motto:

Vermute nichts, glaube niemandem, und überprüfe ständig deine Gefühle.


Während meiner nahezu 20-jährigen Internet-Recherchen habe ich gelernt, dass sich nahezu alle, also Suchende, Experten, Paarberater, Forscher und Dienstleister (Singlebörsen) die Partnersuche so auslegen, dass die Wahrheit jeweils „passend gemacht“ wird. Das heißt: Jeder ist im Besitz irgendeiner Wahrheit, aber sie ist nicht DIE Wahrheit. Es ist eine mehr oder weniger einseitige „Sicht der Dinge“.

Meine Beobachtungen überstreichen keinesfalls nur die 20 Jahre, die ich im Internet recherchiert habe, sondern reichen weit zurück in die Welt der Zeitungsanzeigen aus der Rubrik "Bekanntschaften".

Dieser Tage lege ich nun „mein Manifest“ vor. Es wird sich wie ein Puzzle aus Bausteinen zusammensetzten, aber in sich doch ein Ganzes ergeben. Ich nenne es die „nackte Wahrheit“, weil es sich nicht mit dem Lametta beschäftigt, das sich die Experten und Betreiber umhängen, sondern mit den ehrlichen Bedürfnissen und den verlogenen Ansprüchen der Suchenden.

Ihr dürft gespannt sein. Und ja, ich werde dem einen oder anderen von euch auf die Füße treten müssen. Wer mir nicht in den Finger beißen will, sondern dem Weg folgen, den er euch zeigt – der sollte einen der vielen Artikel in meinen und fremden Medien lesen, die diesen Monat zum Thema erscheinen.

Hier der erste Link zur Liebe Pur.

Dating-Konfusion – was ist Erfolg? Und wer hat ihn?

Nachdem ich eine Interpretation der Bitkom-Studie zum Online-Dating gelesen habe, dachte ich, das Original würde mehr hergeben und ich erfuhr unter dem Datum vom 11.02.2019 (Zitat):

Gut die Hälfte (52 Prozent) hat über Online-Dating-Dienste schon einmal einen festen Partner kennengelernt.


Das war nun schon mal geringfügig anders als die Aussage, die ich zuvor las:

Schließlich findet über die Hälfte (52 Prozent) der Nutzer von Online-Dating-Portalen einen festen Partner über eine Online-Dating-App.


Zuerst waren es also alle Online-Dating-Dienste, dann waren es Apps. Und während es zuerst um Benutzer ging, die „schon einmal“ einen festen Partner per Online-Dating kennengelernt hatten, „findet“ nun mehr als die Hälfte einen festen Partner per App. Beides Aussagen wirken auf den ersten Blick gleich - auf den zweiten Blick sind sie aber sehr unterschiedlich. Vor einiger Zeit wurden diese Aussage leichtfertig falsch interpretiert - sehpferd bemerkte den Fehler.

Das alles hat mich maßlos neugierig gemacht, und ich habe mir zu der Pressemitteilung von 2019 noch einmal die von 2018 und 2017 angesehen. Auffällig ist, dass manche Zahlen nahezu konstant blieben oder sogar abfielen. Demnach scheint sich die Anzahl der Singles, die „online“ auf Partnersuche gehen, bei etwa 30 Prozent zu stabilisieren, während die „langfristigen Erfolge“ in Form von mehr oder weniger „festen Partnerschaften“ in den letzten drei Jahren sogar leicht abfielen.

Die Zahlen halbieren sich, wenn man "feste Partnerschaften" neu interpretiert

In Wahrheit können Singles von den „52 Prozent“ nur träumen. Etwas weniger als die Hälfte wäre korrekt: zwischen 24 und 26 Prozent. Das Megawort „große Liebe“, auf das 2017 noch 50 Prozent hofften, fiel bereits 2018 auf 42 Prozent und taucht 2019 gar nicht mehr auf, was auch daran liegen mag, dass der Ausdruck einer glaubwürdigen statistischen Bewertung entzieht.

Die Branche - nach dem Abwärtstrend in der Warteschleife

Das Fazit all dieser Daten und Statistiken: Die Veränderungen zwischen 2017 und 2019 waren nicht sonderlich groß. Überhaupt tendiert der Markt des Online-Dating seit 2012 für einige Segmente eher nach unten, während andere nach einer Phase der Stagnation 2018 wieder hofften – allerdings in erster Linie auf mehr Umsatz, nicht auf mehr Interessenten.

Überhaupt Umsatz: Wäre er das einzige Kriterium, dann hätten Online-Partnervermittlungen sich während der Krise des Dating-Markts zwischen 2012 und 2015 noch „so gerade“ über Wasser halten können. Während die sogenannten „Anzeigenseiten“ (das wäre dann das klassische Online-Dating) dramatisch an Umsatz verloren.

Aber das Kriterium für Erfolg und Zufriedenheit ist nicht Umsatz. Es ist der Erfolg der Partnersuche und die Zufriedenheit mit den Diensten, die sie anbieten.

Und auf diesem Gebiet gibt es nichts schönzureden. Er liegt nun einmal bei den Online-Partnervermittlern am höchsten – und er ist bei vielen „sozialen“ Apps verschwindend gering.

Mein Fazit

Kritisch lesen hilft. Nicht alle Zahlen, die im Umlauf sind, stammen aus Original-Quellen, und manche Sätze werden nachträglich „bearbeitet“, um besser zu klingen, obgleich sie auf denselben Zahlen beruhen.

Trends nach aktuellen Unterlagen des Singlebörsen-Vergleichs.

Hinweis: Außer der Bitkom-Studie 2019 wurden die Studien von 2018 und 2017 zu Vergleichen herangezogen.