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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Toxische Beziehungen – ein willkürlicher Begriff ohne Sinn?

Ich gebe „toxische Beziehungen“ in eine Suchmaschine ein. Da wäre zuerst ein Beitrag des SWR - die Informationen stammen von einem Paartherapeuten, der darüber ein Buch geschrieben hat. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch an anderer Stelle für eine Beschreibung genutzt wurde. Autoren von Büchern werden von vielen Medien gerne zitiert: Bereits vorhandene Popularität macht Eindruck und gibt den Journalisten Rückhalt.

Die Wissenschaft erklärt Begriffe zurückhaltend

Brauchbar ist ein Beitrag der AOK, sehr differenziert und letztlich eben auch informativ. Auch das Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ bietet differenzierte Informationen über das Thema, das derzeit offenbar viel Menschen interessiert. Wer wirklich wissenschaftlich an dem Thema interessiert ist, findet im „Stangl“, was er oder sie sucht.

Doch warum interessieren sich plötzlich alle für „vergiftete“ Beziehungen? Sind sie etwa so häufig geworden, dass eine psychische Pandemie vor der Tür steht?

„Wohl nicht“, sagt der Psychologe Christian Hemschemeier, der auf die Frage nach der „Häufigkeit“ so antwortete:

Nein, das glaube ich nicht. Der öffentliche Fokus liegt nur öfter auf solchen Beziehungen und die Gesellschaft ermöglicht (uns) heute viel mehr Freiräume. Dadurch stellen sich bestimmte Fragen überhaupt erst. Zudem Daten wir heute auch viel mehr verschiedene Menschen als früher.

Man kann dies so lesen: Es gab dieses Phänomen schon immer, doch früher kamen sie selten an die Öffentlichkeit.

Toxisch - ein sinnloser Begriff?

Forschen wir nach dem Begriff, so finden wie zweierlei: Erstens eine „Unschärfe“, die ihn eigentlich von vorn herein unbrauchbar macht. Zwar ist die Herkunft des Begriffs wissenschaftlich belegt - das heißt, aber nicht, dass der Begriff auch entsprechende Sinninhalte hat. Ursprünglich wurde er gebraucht, um eine Beziehung zu beschreiben, die ausschließlich dazu diente, die Einsamkeit zu überwinden. Dann wurde er häufig im Zusammenhang mit „physischer Gewalt“ gebraucht, und später dann auch für psychische Gewalt oder emotionale Verunsicherung.

Toxisch - der eigenartige Aufstieg eines Begriffs

Ein klein wenig Aufschluss über die enorme Popularität des Begriffs in einiger Zeit bietet uns das „Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache“ (DWDS).

Demnach hat der Begriff seit 2006 deutliche an Fahrt gewonnen, während er zuvor eher wenig gebraucht wurde. Und dabei kommen mir sofort die „sozialen Medien“ in den Sinn. Und siehe: Plötzlich wird ein Wort eingemischt, das vorher sehr selten mit dem Begriff „toxisch“ belegt wurde: die „Männlichkeit“ oder Maskulinität. Auch die Uni Leipzig hat etwas Ähnliches festgestellt: Der Begriff „toxisch“ wird nunmehr sehr häufig mit dem Begriff „Beziehung“ oder „Beziehungen“ verwendet. Es ist zwar nicht beweisbar (jedenfalls nicht für mich), dass die Flut von Begriffen mit „toxisch“, „Beziehungen“ und „Männlichkeit“ von den sozialen Netzwerken ausgeht, aber es ist andererseits sehr wahrscheinlich.

Toxisch - männlich und / oder weiblich?

Eine Suchmaschine brachte auf Anhieb etwa eine halbe Million Ergebnisse für die Begriffe Toxisch + Männlichkeit + Beziehung“, wobei die Topp-Ergebnisse klar zeigen, dass es hauptsächlich um Zuschreibungen geht:

Toxische Männlichkeit bezeichnet die Überzeugung, dass Männer dominant, gefühllos und stark sein müssen, um wirklich als Männer zu gelten.

Ob Weiblichkeit auch „toxisch“ ist oder sein kann, wird ebenfalls diskutiert, doch wird dabei oft mit ähnlichen Klischees gearbeitet wie bei den Männern. Das heißt, man greift einige „typische“ Eigenschaften heraus und fragt sich hinterher, ob sie „toxisch“ sein könnten. Bei Frauen wäre dies beispielsweise die „Gefallsucht“. Versäumt wird hingegen, das Gemeinsame bei der Vorgehensweise zu finden, also die Technik der Manipulation. Sie kann von Frauen wie auch von Männern ausgehen.

Was kannst du aus diesem Artikel mitnehmen?

Zuerst mal all die Quellen, die gewöhnlich zuverlässig sind. Ob dies auf Frauenzeitschriften, andere Publikumszeitschriften und sogar Verlautbarungen von Rundfunk und Fernsehen zutrifft, kann nicht immer garantiert werden. Und soziale Medien? Ich rate zu enormer Vorsicht.

Fazit zu „toxisch“ und Medien

1. Kritisch sein gegenüber allem, was in „sozialen Medien“ behauptet wird.
2. Überprüfe jedes Mal, welche Interessen der Autor hat (insbesondere kommerzielle Interessen).
3. Vertritt die Autorin (der Autor) ideologisierte Standpunkte, wie sie beispielsweise in einige Bereiche der Soziologie und Psychologie eingegangen sind? Weist er/sie sich als Maskulinist(in) oder Feminist(in) aus?
4. Gehört der Autor/die Autorin zu einer Gruppe, die entsprechende Pseudoinformationen verbreitet?
5. Wurde einfach etwas „nachgeplappert“? Ein Schlagwort ist keine exakte Beschreibung von etwas. Ist der verwendete Begriff (hier: „toxisch“) wirklich genau beschrieben worden?

Quellen:

Der SWR stellt 10 Merkmale vor für vermeintlich "toxische" Beziehungen.
Spektrum äußert sich differenziert über das "Gift für die Seele"
Der Stangl sagt etwas über die "toxische Persönlichkeit"
Das dwds zeigt, seit wann der Begriff "toxisch" benutzt wird und wie oft.
Die Uni Leipzig zeigt die Verbindung zwischen "toxisch" und "Beziehung" in Zahlen.
Das Zitat findet ihr im Magazin "Myself"
Das Lexikon Wikipedia informiert in einem langen Beitrag über "toxische Männlichkeit" - ich war am Ende so schlau wie zuvor.
Das Psycho-Magazin Emotion schreibt über "toxische Weiblichkeit"

Das Normale kehrt zurück ...

Was uns wirklich antreibt, ist nicht die Normalität, sondern das Verlangen, den Weg des Zusammenlebens einzuschlagen, der uns mit Glück und Zuversicht erfüllt. Solche Sätze sind liberal und demokratisch und vor allem berücksichtigen sie unser Menschsein.

Derzeit ist viel die Rede von Normen - geradezu so als wolle man das Wort neu erfinden. Und aus der Norm entstehen dann Wörter wie „heteronormativ“ und ähnliche aus der Soziologie übernommene Unwörter.

Meine Norm, deine Norm und das Normale

Wir hatten die Diskussion schon oft: In Deutschland gibt es einen „rechten Weg“, den wir als „normal“ bezeichnen. Und wir meinen in unserer Selbstherrlichkeit, dass wie sie als „das Normale“ oder als „die Norm“ bezeichnen dürfen. Auf diese Weise manchen wir uns allerdings auch Feinde. Denn wenn wir „die Norm“ sind oder „das Normale“ zu repräsentieren glauben, dann treten sofort ein paar einfältige Menschen auf, die „das andere“ als „unnormal“ etikettieren.

Nun ist der Moment gekommen, in dem die Minderheiten zurückschlagen. Sie geben denjenigen, die sich als „normal“ ansehen, nun ihrerseits Etiketten und freuen sich wie die Schneekönige, wenn sie damit zur Presse durchdringen. Die wiederum glaubt, damit den Minderheiten Dienste zu erweisen. In Wahrheit wird dabei Unverständnis gesät, und etwas wird vergessen: Es gibt keine Norm für das Dasein, und also gibt es auch keine Normalität. Viele vergessen das heute.

Vieles gilt als Norm - und keinesfalls "geht alles"

Ich lese immer wieder, auch aus der Feder ansonsten vernünftiger Menschen, wir hätten eine Kultur, in der „alles geht“. Das ist Polemik. Alles geht keinesfalls, aber es gibt Nomen, die für alle gelten und Normen, die für Gruppen gelten. Sogenannte „Heterosexuelle“ sind nicht etwa „normal“, sondern sie folgen anderen Normen als Homosexuelle. Anders sein heißt nicht, unnormal zu sein. Und im Mainstream zu sein, heißt ebenfalls nicht, normal zu sein.

Freiheit ist Normalität

Demnächst gehen wir zum Alltag zurück. Wir werden in unseren Entscheidungen wieder frei sein, und damit sind wir wieder in einem „normalen Zustand“. Und normal zu sein, wird für uns wieder bedeuten: Wir machen „unser Ding“ und lassen die anderen „ihr Ding“ machen. Das ist Normalität.

Wartest du auf einen Zufall?

Wahrscheinlich hast du schon mal den Satz gehört: „Der Zufall kam uns zu Hilfe.

Das heißt: Wir waren fast sicher, dass unsere Unternehmung (unser Projekt, unsere berufliche oder private Entwicklung) gelingen würde. Aber wir mussten nicht so viel Eigenleistung einbringen, wie wir vermutet (oder befürchtet) hatten.

Was ist der Zufall?

Das Beispiel erläutert den Zufall recht gut. Denn der Zufall als positives Ereignis kann überhaupt nur eintreten, wenn wir aktiv und nach außen gewandt sind. Deshalb ist es sinnlos, im Mauseloch zu sitzen und auf Zufälle zu hoffen.

Ich weiß, dass es viele von euch dennoch tun. Ihnen muss ich sagen: Der Zufall kann jede Form annehmen. Er ist im Grunde weder positiv noch negativ, sondern immer nur ein Ereignis, und damit es überhaupt eine Auswirkung hat, müssen wir es wahrnehmen.

Je mehr wir die „Nase in den Wind“ stecken, können, dürfen oder müssen wir mit Zufällen rechnen. Sie können uns beflügeln oder zurückwerfen – das müssen wir hinnehmen.

Und du? Du solltest nicht auf den Zufall hoffen und ihn nicht befürchten. Sondern darauf vorbereitet sein, wenn er dich trifft.