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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Regenbogenfahne muss sein

Am 10. Juli - die Regenbogenfahne muss gezeigt werden
Bekanntlich schätze ich die Menschen nicht, die ihre eigene Haltung, ihre eigenen Sexualität oder sonst etwas, das ihnen „eigen“ ist, missionarisch verkünden. Das gilt in meinen Augen für alle, und deswegen auch für die katholische Kirche, den Feminismus oder die Queer-Bewegung.

Doch genau deswegen soll jeder nach seinen Bedürfnissen glücklich werden und alle Farben des Regenbogens sollen gleichwertig existieren können. Und die Regenbogenfahnen sollen wehen und zeigen: dies ist ein liberales Land.

Es wird kompliziert für Annalena Baerbock

Annalena Baerbock hat es gegenwärtig schwer. Offensichtlich wird sie seit langer Zeit falsch beraten, und dies wird immer deutlicher. Zugleich zeigt sie Unsicherheiten, die erneut Zweifel an ihren Fähigkeiten aufkommen lassen. Dabei ist die Kernfrage, wie blauäugig eine Kanzlerkandidatin eigentlich auftreten darf. Die „Sache mit dem Buch“ zeigt es deutlich: Irgendwie muss man sie dazu überredet haben, als Buchautorin aufzutreten. Das war weder nötig noch sinnvoll: Solche Bücher stehen bestenfalls am Ende eines erfüllten Lebens oder einer entsprechenden Karriere, aber nicht am Anfang.

Nun wird sie durch ihr Buch noch stärker angreifbar und sie zeigt Schwächen, wenn sie Journalisten danach fragen. Zitat:

Niemand schreibt ein Buch allein. Es sind nicht nur viele Ideen eingeflossen, ich habe dankenswerterweise auch Unterstützung bekommen.

Was dieser Satz bedeutet, mag jeder selbst entscheiden. Die Öffentlichkeit kann der Abgeordneten Annalena Baerbock diese dürftige Aussage noch durchgehen lassen. Doch was würden wir davon halten, wenn eine Kanzlerin oder auch nur Ministerin Annalena Baerbock sich so „herausreden“ würde?

Noch ist es nicht zu spät für die Grünen. Der Wahlkampf hat gerade erst begonnen - und CDU wie auch FDP sollten sich nicht zu früh freuen. Aber es wird Zeit, jetzt Tacheles zu reden.

Im Osten nichts Neues - jedenfalls am Stammtisch

„Jetzt nach 30 Jahren müssen wir das endlich ändern“, solche Sätze kann man überall in den „neuen Bundesländer“ hören - und nicht nur von AfD-Anhängern, sondern von Besserwissern aller Art. Was dieses „Das“ ist? Irgendetwas, das aus dem Westen kam. Etwas Schlechtes, versteht sich.

Ein einig Volk von Gleichgesinnten

Stammtischbrüder wissen natürlich auch, wie die Fußball-Europameisterschaft hätte gewonnen werden können, und sie wissen natürlich, wie dieser Trainer aus dem Schwabenland alles hätte besser machen können. Und warum alle Politiker sowieso Luschen sind, und die Kandidaten für die Kanzlerschaft im Besonderen. Und warum Umweltschutz ganz schlecht für die Landwirtschaft ist. Von den Corona-Experten unter den Bürgern im Osten ganz zu schweigen. Die Meinungsfreiheit? Sie wird immer dann eingeschränkt, wenn irgendein Verschwörungstheoretiker, Impfgegner oder sonstiger Fanatiker seinen Müll nicht mehr veröffentlicht bekommt. Ansonsten interessieren Meinungs- und Pressefreiheit hier niemanden. Hier kann man ja sagen, was man will. Und wei der Wessie mit am Tisch sitzt und zuhört - ei, da kann man gleich noch ein bisschen in Richtung „Westdeutschland“ austeilen - so durch die Blume.

Manches ist im Osten wie im Westen

Das alles gibt es „im Westen“ auch. Es ist der übliche Stammtischmix: Die Menschen sind keinesfalls ungebildet, leisten auf ihren jeweiligen Fachgebieten möglicherweise sogar Erstaunliches - aber hier werden sie zur Masse. Hören jenen zu, die das große Wort schwingen. Pflichten ihnen bei, weil es bequemer ist, also tatsächlich eine individuelle Meinung zu vertreten.

Für mich nicht schlecht: Ich kann ein wenig in des Volkes Seele hineinsehen. Und am Ende ist alles sowieso klar - nein, niemand am Tisch würde das Risiko eingehen, sich selbst für die Buhmännerjobs anzubieten. Die Eignung als Politiker, Schriftsteller, Redakteur, Sanierer ... nein, sie sind es nicht. Sie warten, bis es andere tun, um sie dann zu kritisieren.

Der medienwirksame Plagiatsvorwurf und die Presse

„Mein Gott – Agathe, die Puppe kotzt. Kind, pass auf den Teppich…“. Wer die Puppe ist, die da kotzt – sie verbirgt sich irgendwo im deutschen Journalismus. Der Urheber hat plötzlich eindeckt, dass jeder Sachbuchschreiber irgendwo abschreibt – weil es nun mal Erkenntnisse gibt, die man nicht selber ermitteln kann. Und daraus wurde jetzt urplötzlich ein "Plagiatsfall". Dabei verschweigen die Damen und Herren Journalisten gerne, dass sie es jeden Tag selber tun. Zumindest ansatzweise. Wer geschickt ist, schreibt die Artikel anderer so um, dass der Ursprung nicht erkennbar ist. Ganz alter Hut.

Und Bücher? Sie werden heute im Expresstempo geschrieben. Eine Seite pro Tag? Das reicht nicht. Gutes Lektorat? Wozu? Das Ding muss raus, egal wie.

Oh nein, ich rede nicht von „Jetzt – wie wir unser Land erneuern“. Ich rede davon, was tagtäglich überall und immer geschieht. Ich habe einmal beruflich eine Diplomarbeit lesen müssen, die von Unkenntnis strotzte, aber dennoch beim Dozenten durchgegangen wäre. Der müde daherschleichende Text wandelte sich plötzlich in engagierte, fachlich exzellent formuliert Sprache. Damals war es noch relativ neu, solche Texte im Internet nachzuverfolgen – doch ich tat es. Fast zwei Seiten wortwörtlich übernommen.

Ein anderes Beispiel: Über eine Agentur wurde mir ein „qualifizierter Text“ für ein Advertorial angeboten. Die Formulierungen kamen mir alle bekannt vor, und ein kurzer Check ergab: Ein ähnlicher Artikel war einmal in einer großen Wochenzeitung erscheinen. Zwar ein bisschen umgeschrieben, aber durchaus nachverfolgbar.

Was ich damit sagen will? Nicht nur ich, jeder andere, halbwegs intelligente Mensch kann Passagen eines Buches im Internet nachverfolgen. Damit muss man sich wirklich nicht rühmen oder ein „Medienwissenschaftler“ sein.

Was soll es also? Da gibt es offenbar eine Art Presse, der „Grün“ missfällt – und sollte das zutreffen, dann ist sicher: Hier wird die Demontage von Annalena Baerbock betrieben. Das mag von der „freien Meinungsäußerung“ noch gedeckt sein – ist aber dennoch unverschämt.

Die Wahrheit findet sich, wie so oft, in der ARD.

Tacheles, gerichtet an die konservativen Verhinderer

Ob ihr es nun wollt oder nicht, Werteunion, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und wer immer sonst gerade ultra-konservative „Lobbyarbeit“ betreibt - niemand wir den Lauf der Welt hindern können.

Und der heißt:

- Die Wirtschaft war in den vergangenen Jahren nicht mehr in der Lage, sich selbst zu regulieren.

- Neue Wirtschaftszweige werden nötig sein, um die notwendigen ökologischen und ökonomischen Veränderungen zu begegnen. Dazu benötigen die Unternehmer in Deutschland Fantasie, Ideenreichtum und Kapital. Wenn sie alle „weiter so“ machen, verpassen sie die Zukunft.

- Die „alten Werte“ kommen nicht wieder. Vor allem, weil sie für die heutige Gesellschaftsordnung völlig unbrauchbar sind.

- Es gibt keine „Rückkehr“ zur „guten alten Zeit“ - nur der Blick nach vorne zum Wohle aller kann Menschen noch begeistern.

- Die neuste Krise zeigt, dass wir alle, besonders aber die Wirtschaft, auf Veränderungen wesentlich schneller und flexibler reagieren müssen.

- Und schließlich: Die Wirtschaft muss sich wirklich verantwortlich für das Wohlergehen der arbeitenden Menschen fühlen. Einige Unternehmen tun das bereits. Andere allerdings ignorieren diese Verantwortung.

Wer jetzt gegen Änderungen polemisiert, wird später die bitteren Früchte ernten. Und vermutlich werden dann alle anderen dafür verantwortlich gemacht - nur diejenigen nicht, die eine Reformblockade erreichen wollen.

Nicht nur die konservativen Extremisten, auch die anderen Abgeordneten der CDU/CSU, und sicher auch der FDP sollte dies bedenken.

Näheres im SPIEGEL.