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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Die Lebedame

Jüngst fragte der Rätselonkel der Tageszeitung, wie man denn wohl eine Frau nennt, die dem Genuss huldigt. Da musste ich schon auf das Repertoire an Worten zurückgreifen, das man in den 1950-er Jahren benutzte. Da war es eine Umschreibung für eine Frau, die ihr Sexualleben sozusagen a la carte einrichtete.

Aus heutiger Sicht kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie frivol so etwas war. Damals nahm eine Frau bestenfalls an der Seite ihres Gatten am öffentlichen Leben teil. Falls sie ledig war und ein eigenes Liebesleben für sich beanspruchte, galt sie bereits als Schlampe.

Hatte sie allerdings Vermögen und verhielt sie sich zurückhaltend bei der Auswahl ihrer Lover, so verzieh man ihr. Sie konnten jünger oder deutlich älter sein, ledig, verheiratet oder geschieden - die Hauptsache war, dass sie ebenfalls schweigen konnten.

Der gegensätzliche männliche Part hieß in Deutschland Lebemann, und obgleich er ähnlich „sündhaft“ lebte, verzieh man ihm seine Affären. In Frankreich nannte man die Herren Roués, (durchtriebene Gesellen), in Deutschland auch „Stutzer“ und in England „Lions“ (Salonlöwen).

Lebedame - ein anzügliches Wort

Für die Damen gab es wenig „vornehme“ Ausdrücke. „Lebedame“ war an sich schon anzüglich, weil die Hinwendung zu irdischen Genüssen als Frevel galt. Da man unterschwellig auch immer „sexuelle Ausschweifungen“ bei der Lebedame vermutete, versuchte man zu umschreiben, was sie tat. Üblich war, von ihr zu sagen „sie nehme es nicht so genau“ oder sie sei „dem Schönen zugewandt.“

Damit allerdings wurde der Bogen sehr weit geschlagen: Frauen mit „finanziellen Interessen“, sogenannte Nymphomaninnen und Damen, die sich einfach ein eigenständiges Leben gönnten, fielen plötzlich unter diesen Begriff.

Ich habe das Wort „Lebedame“ schon lange nicht mehr gehört, und ich denke, das ist auch gut so. Denn nach eigenen Vorstellungen zu leben ist zwar immer noch riskant, aber deutlich angesehener als vor 50 oder gar 100 Jahren.

Die deutsche Presse - auf wen hört sie im Ukraine-Krieg?

Die deutschen Kommentatoren üben weiterhin eine „begleitende Kriegsberichterstattung“ zur Ukraine ein. Doch was auch immer sie sagen: Wolodimir Selenski ist allenthalben durchzuhören, solange es nicht um eine Beendigung des Krieges geht. Die Tatsache, dass es jetzt und in einer absehbaren Zeit keine Pläne für einen realistischen Friedensschluss gibt, ist offenkundig.

Die deutsche Presse hat eine merkwürdige Meinung, die kaum noch von jemandem in der Bevölkerung geteilt wird. Vor allem die Kolumnisten schreiben munter drauflos, geradezu so, als seinen sie nicht ferne Beobachter, sondern Feldherren vor Ort. Vor allem deshalb kritisiert die NZZ (Benedict Neff) über deutsche Kolumnisten:

Die Ukraine könne den Krieg gegen die russische Invasionsarmee gewinnen, liest man in den Zeitungen. Nach über drei Monaten Krieg haben sich die russischen Soldaten allerdings im Osten des Landes festgesetzt. Ist die Berichterstattung westlicher Medien zu stark von Wunschdenken geprägt?

Eine Lösung hat niemand: nicht Selenski (Zelensky), nicht der Westen, nicht die USA und nicht die EU. Viel zu früh wird über die „Zeit danach“ geredet - weil noch niemand weiß, wie diese Zeit aussehen wird. Die Hektik, mit der über eine Aufnahme der Ukraine in die EU gefordert und betrieben wird, befremdet. Wie wird das Land aussehen, falls es tatsächlich zu einem dauerhaften Friedensschluss kommen sollte? Was, wenn die Ukraine eine Krisenregion bleibt? Haben wir nicht gerade genug Probleme in der EU?

Drei Tatsachen sind weitgehend unumstritten:

1. Wir sollen und müssen humanitäre Hilfe leisten.
2. Wir müssen jede Möglichkeit, einen Frieden herzustellen aufgreifen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt.
3. Die NATO muss gestärkt werden, um ihre heutigen Außengrenzen zu schützen.


Alles andere kann, darf und soll diskutiert werden. Der Kommentator der NZZ weiß so gut wie jeder andere, dass die Ukraine jetzt Rückhalt benötigt, bezweifelt aber, dass dort vorrangig „westliche Werte verteidigt“ werden. Doch er mahnt an, dass unsere (deutschen) Medien deshalb noch lange nicht „die ukrainische Kommunikationsstrategie mittragen müssten.“ Genau die ist es nämlich, die mittlerweile verwirrt und selbst sehr gutwillige Menschen ermüdet und befremdet.

Habe ich den Tag der Pressefreiheit vergessen?

Habe ich den Tag der Pressefreiheit vergessen? Auf keinen Fall ... und heute wurde eich sogar daran erinnert.

Heute hat mich jemand gefragt, ob ich die Berichterstattung in der Presse hier in Deutschland nicht doch für „gelenkt“ halte. Und ich habe geantwortet, was ich schon oft gesagt habe: Im liberalen, demokratischen Staat, in dem man die Wahl hat, welche Medien man nutzt, sollte man auch von der Vielfalt Gebrauch machen.

Verrohte Presse - welche Rolle spielt das Internet?

In den letzten Jahren hat das Internet die Presse verroht - auch in der Demokratie. Meldungen werden danach bemessen, wie oft sie gelesen werden. Als Folge davon spielen viele Medien „Jahrmarkt“: Die lautesten Schreier mit den spektakulärsten Überschriften scharen die Massen um sich. Und nein, es sind nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, die beim Bäcker auf dem Tresen liegen. Mittlerweile sind es bestimmte Presseimperien und einzelne Verleger, die ganz bewusst marktschreierisch auftreten.

Warum lest ihr sie? Weil sie die „Größen“ des Sports, des Fernsehens oder der Filmbranche herausstellen? Gibt es für euch keine anderen Themen? Oder wollt ihr ständig eure Vorurteile bestätigt bekommen? Zum Beispiel durch Redakteure, die in den Ritzen zwischen den Pflastersteinen herumkratzen, um eine angebliche Sensation auszugraben?

Stolperstein "soziale Medien"

Und eure „geliebten“ sozialen Medien? Sind sie nicht die Transporteure jeglichen Drecks, der von irgendwo eingeschwemmt wird? Und wollt ihr wirklich den Menschen „glauben“, die dort nichts als ihre Eigeninteressen vermarkten? Menschen, die daran verdienen, euch etwas einzureden oder aufzuschwatzen?

Die Vielfalt ist gegeben - doch verantwortlich bist DU selbst

Hallo? Ihr seid für die Pressefreiheit verantwortlich, so wie ich und Tausende anderer „kleiner“ Journalisten. Ihr könnt BBC und „Deutsche Welle“ hören, wenn ihr es ein paar Nummern größer wollt. Und zur Pressefreiheit gehört auch die Meinungsfreiheit, ganz sicher. Aber seid ihr euch auch bewusst, dass gerade die Meinungsfreiheit von den Feinden der Demokratie und des Liberalismus durch falsche Behauptungen unterwandert wird?

Auch Europa genießt nicht durchgehend Pressefreiheit

Machen wir den Rest kurz: Deutschland liegt im Rang der Pressefreiheit zwischen Island und Osttimor auf Platz 15. Sowohl Frankreich wie auch das Vereinigte Königreich schneiden schlechter ab. Unter den europäischen Ländern fällt auf, wie schlecht es mit der Pressefreiheit in Italien aussieht, von Polen und Ungarn ganz zu schweigen.

Blogger kämpfen seit der Erfindung des Blogs um die Pressefreiheit – jedenfalls die meisten. Der Rest betreibt kommerzielle Propaganda aus Eigennutz. Wie man es auch sehen mag – ethisch korrekt ist das nicht.

Die Hätten-Journalisten wissen alles besser

Jetzt werden sie wieder wach, die Besserwisser unter den Journalisten. Einige entpuppen sich als Feldherren und wirken in dieser Rolle eher lächerlich.

Andere aber wussten es schon immer: Zum Beispiel, dass Deutschland alles falsch gemacht hat. Töne dieser Art kommen nicht nur aus dem eigenen Land, sondern auch aus der Schweiz, wo man bekanntlich alles richtig macht, weil man stets versucht, wegzugucken, wenn es brenzlig wird.

Was steht hinter den "Man-hätte-Kolumnen?"

Erstens: Unkenntnis (oder jedenfalls Verdrängung) . Das Geschäft mit dem Gas zwischen der damaligen Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion wurde 1970 geschlossen. In Deutschland war Willy Brandt Kanzler, und in der Sowjetunion war Leonid Breschnew Generalsekretär des Zentralkomitees. Ich gebe zu, dies nachgesehen zu haben. Was man da alles anders „hätte“ machen können, liegt also 50 Jahre zurück. Da lagen die meisten der heutigen Heißsporne noch in den Windeln.

Zweitens: Überheblichkeit. Es war und ist unmöglich, politische Änderungen, Abweichungen und Auswüchse über 50 Jahre hinweg vorauszusehen. In der Rückschau ist es einfach - so verdammt einfach, dass wir den Menschen, die dies versuchen, niemals trauen sollten. Rückwärtsprognosen sind etwas für Blender, die ihre Fähigkeiten bei Weitem überschätzen.

Drittens: Kapitalismuskritik. Viele politische Journalisten glauben, Intellektuelle zu sein und sich deshalb links einordnen zu müssen. Und dort, wo sie sich dann befinden, herrscht die Ideologie. Sie sagt: Kapitalismus funktioniert niemals, Handel mit „Fremden“ ist sowieso ganz schlecht. Und sie schreiben, als seien sie selbst von der „kapitalistischen“ Wirtschaftsordnung nicht betroffen.

Der Wunsch

Umsicht, Weitsicht, Einsicht … das wären Eigenschaften guter Kolumnisten. Und ich hoffe inständig, dass es sie noch irgendwo gibt.

Spaziergänger und Menschen auf der Flucht

Es ist schon eine merkwürdige Welt: Jeden Montag versammeln sich Menschen, die als „Spaziergänger“ getarnt sind, um ihre „Freiheitsrechte“ zu verteidigen. Zugleich fliehen in der Ukraine Menschen vor den Bomben und Einkesselungen, um tatsächlich ihr Leben und ihre Freiheit zu erhalten. Allein dies ist schon befremdend genug.

Vergaß ich zu erwähnen, dass sich die Spaziergänger gegen jede Form einer Impfpflicht wehren?

Dann muss ich wohl auch erwähnen, dass wir mit heutigem Datum in Thüringen 8.152 Corona-Neuinfektionen hatten - die höchste Anzahl, die es in Thüringen jemals gab. Und sie stieg in den vergangenen Tagen so erheblich an, dass Sorgen durchaus angebracht sind.

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