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Der Wille, willig sein und zu Willen sein

Mit dem Willen ist es so eine Sache. Währen die Philosophen immer noch wacker darüber streiten, ob wir nun einen „freien Willen“ haben oder nicht, wird der Wille auch ohne ihr Zutun immer populärer.

Einst war das anders, vor allem bei den Kindern. Hatten sie einen Willen, so bekamen sie etwas auf die Brillen – so wusste es der Volksmund.

Seine Ergebenheit zu versichern, war einst die Bedeutung des Wortes „willig“. Und stünde es nicht in der Bibel, so wüssten wir wohl kaum noch etwas damit anzufangen. Erinnert ihr euch? Der Geist ist es, der willig ist, das Fleisch ist hingegen schwach. Noch heute lebt das Wort weiter in „bereitwillig“, das im Grunde bedeutet „ich bin sowohl bereit als auch Willens“. Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille, wie uns die Leipziger Sprachforscher sagen. Die andere Seite spricht den Gehorsam an, der bis zur Unterwerfung reichen kann: Dann sind wir willfährig. Und was, wenn wir nicht „willig“ sind. Der Erlkönig weiß es: „ … und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Warum das Gedicht so wichtig ist, dass es überall in der Schule gelehrt wird? Ich weiß es wirklich nicht. Aber daher kennen wir es eben, auch wenn uns die Zeile schreckt.

Sich dem Willen eines Menschen zu unterwerfen, gilt in der liberalen und demokratischen Gesellschaftsordnung als Frevel.

Doch „jemandem zu Willen sein“ war – in der Literatur und auch im Alltag – durchaus gebräuchlich als Umschreibung für die Ausübung des Koitus. Dabei war nicht wirklich klar, ob es sich nur um eine Verschleierung des Wortes „Geschlechtsverkehr“ handelte oder ob der starke Wille des anderen dazu führte, diesen zu gewähren. Der bürgerlichen Gesellschaft der damaligen Zeit war das auch ziemlich gleichgültig. Denn in ihr, davon war man fest überzeugt, kam „so etwas nicht vor“ – jedenfalls nicht bei den eignen Töchtern. Man war sich hingehen absolut sicher, dass eine Frau, die „anderen zu Willen war“ entweder eine morallose Frau aus der „Barackensiedlung“ oder eine Hure war.

Wenn wir heute über die „Bereitwilligkeit“ reden, steckt dahinter zumeist eine tatsächliche Bereitschaft und ein ausgeprägter Wille. Und die Gesellschaftsordnung hat sich eben doch deutlich von den Klischees entfernt, die sie Frauen und Männer noch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusprachen.

Gedanken und Strom

Mir wurde berichtet, dass Gedanken Strom erzeugen. Ob das nun stimmt oder nicht – Strom ist nicht Energie. Und weil Strom nicht gleich Energie ist, sondern sie höchstens transportiert, ist jede weitere Erklärung dazu „Fake News“.

Was ich dazu las, war wirklich haarsträubend. Da war beispielsweise von der „Sendeleistung“ des Stroms die Rede. Strom hat aber keine Sendeleistung. Die Informationen, um etwas „senden“ zu können, müssen dem „Strom“ erst mitgeteilt werden, damit er sie auf den Weg bringen kann. Vom Rest der Kommunikation zwischen Sender und Empfänger will ich hier schweigen – das überfordert schon manchen heutigen Gymnasiasten.

Ich werde derzeit mit vielen „krausen“ Gedanken konfrontiert. Und ich denke mir dabei recht oft: Wenn ein Schüler nicht lernt, dass man mithilfe des elektrischen Stroms Energie transportieren kann und/oder Informationen, dann weiß er nicht viel. Und was wissen unsere Schüler über Steuerungstechnik? Was über Rückkoppelung? Was über Kommunikationsprozesse?

Möglicherweise sehr wenig. So wenig, dass demnächst ein Elektromeister einem Psychologieprofessor erklären muss, was Strom ist?

Impfen gehen

Fangen wir mal von vorne an: Du willst geimpft werden, und sieh mal an, es gibt Termine. Du trägst dich ein, bekommst eine Bestätigung. Nun aber kommt das, was jeder Deutsche kennt: Es muss Papier erzeugt werden - ohne Papier geht es gar nicht. Nun ja, geht vielleicht doch - aber dann behinderst du den Ablauf.

Wer will schon den Ablauf all der netten Menschen behindern, die sich freiwillig gemeldet haben, um diesen Dienst an uns zu verrichten?

Formulare, Papier und Fehldrucke

Also druckst du Formulare und Erklärungen aus, liest sie, füllst sie aus ... und ... das war doch noch ein letztes Formular? Irgendwie kommt da nur der Text rüber, aber nicht die Grafik - und ohne die weiß niemand, was das Dokument soll. Irgendwann fällt mir auf, dass unter der Maus ein Hinweis auf den Druck erscheint: Ich müsse erst das Formular des Instituts in den Handeinzug einlegen, bevor ich es drucken könne. Nur habe ich kein Formular, finde es auch nicht. Der Ausdruck von einer anderen (offiziellen) Webseite kommt nicht im richtigen Format: Kein A-4, irgendetwas Undefinierbares. Nach etwas einer halben Stunde war das Formular neu formatiert, konnte benutzt werden und zeigte tatsächlich alles, was zuvor auf dem Bildschirm zu sehen war.

Der Clou: Ich habe es nicht benötigt. Und ein anderes Formular, das ich auch schon unterschrieben dabei hatte, musste ich dennoch vor Ort unterschreiben. Und ich bekam einen Laufzettel ... also noch mehr Papier.

Gute Organisation, höfliches Personal

Ansonsten - Chapeau, meine Damen und Herren - es war alles außerordentlich gut organisiert. Mit Papier anmelden, dann nochmals anmelden, wobei nun endlich ein Computer zum Einsatz kam. Durch ein Zahlensystem aufgerufen werden, ein Arztgespräch (sehr angenehm) - und dort durfte ich dann sogar eine elektronische Signatur hinterlassen. Kurzes Gespräch mit demjenigen, der impfte, eine Wartezeit überbrücken, dann wieder zu einem Schalter gehen und sich abmelden - so ähnlich wie auf dem Flughafen.

Und nochmals: Alles klappte ganz vorzüglich - mit Dank und Anerkennung an das Personal. Nur die Sache mit dem vielen Papier - die hat mich doch etwas verwundert.

Gebhard Roese: zu mir – aktuell im Jahr 2021

Bin ich euch zu jung? Das bin ich wirklich nicht ...
Ich kann nun auf viele Jahre zurückblicken. Nein - nicht mehr auf den schrecklichen Krieg. Aber durchaus noch auf seine Folgen und das, was damals aus Deutschland geworden war. Hunger, Kälte, Trostlosigkeit und Ruinen. Aber auch Hoffnung.

Deutschland? Ich wurde nicht in „Deutschland“ geboren, sondern in der Britischen Besatzungszone, die später zur „Amerikanischen Enklave der Britischen Besatzungszone“ wurde, Kraftfahrzeugkennzeichen „AE“.

Das Gedankengut der Nazis hatte sich noch nicht so recht verflüchtigt, aber das habe ich erst viel später bemerkt, denn zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, was „Nazis“ waren. Wahrscheinlich hätte ich es nie erfahren, denn sowohl in der Grundschule wie auch auf dem Gymnasium hörte ich nichts davon. Und ich kann euch versichern: Ein junger Mann jener Tage aus einfachen Verhältnissen war an allem interessiert, aber bestimmt nicht an konservativem oder rechtsgerichtetem Gedankengut.

Mir reichten schon die Bürgersöhnchen, die sich für die neuen Eliten hielten. Ein schrecklich arrogantes Pack, das aber bereits auf seine Privilegien pochte. Es gab, das erfuhr ich bald, durchaus Tugenden in dieser Stadt. Aber eben auch Widersprüche und Verschleierungen.

Die Geschichte, in die ich hineingeboren wurde, der Staat, in dem ich aufwuchs, wurde mir erst wirklich deutlich, als ich in ein anderes Bundesland zog.

Und ich durfte ein anderes Leben kennenlernen, das zunächst nur anders war, aber nicht besser. Doch nach und nach wurde es auch besser. In den letzten Jahren in meiner Geburtsstadt hatte ich bereits ein technisches Wissen erworben, das mir weiterhalf. In der neuen Stadt begann dann auch ein neues Denken. Die üblichen Stellschrauben waren für mich Beruf, Wohnung und Beziehung, und ich bemerkte, dass ich all dies verändern konnte, wenn ich nur wollte.

Das Bewusstsein, Deutsch zu sein, wurde erst durch meine zahllosen Auslandsaufenthalte geprägt. Denn ob ich wollte oder nicht: Geschäftspartner und Privatleute sahen in mir „den Deutschen“, der dort, wo er sich befindet, eben auch Deutschland repräsentiert und nicht nur seine Heimatstadt oder gar „nur sich selbst“.

Seither sind viele Jahre vergangen, und ich bin nach zahlreichen Stationen wie Stuttgart, Südbaden, Kopenhagen, Manchester, Wien, Budapest, Johannesburg und anderen Städten in Thüringen angekommen.

Nun kann ich den Menschen all das zurückgeben, was ich einst bekommen habe. Den geschärften Verstand des kritischen liberalen Geistes meiner „eigentlichen“ Heimat, die Gelassenheit badischer Lebensweise, die Fähigkeit abzuwägen und zu differenzieren …

… und bevor ich mich jetzt verplaudere …

Kannst du etwas davon gebrauchen? Dann schreib mir.

P.S: Sehpferd feiert gerade "20 Jahre Sehpferd". Dazu demnächst mehr ... oder gleich hier.