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Die Sensationspresse, die Zahlen und das RKI

Die neueste Masche der Sensationspresse: Man bezweifelt Zahlen - und neuerdings auch das RKI, das zuvor noch hoch gelobt wurde.

Ich weiß ja nicht, ihr Pressefuzzis von der Radaupresse, wie oft ihr euch eine „Aktualisierung“ der Zahlen wünscht ... mal eben kurz vor der Mittagspause raufgucken und danach wieder? Was soll der Schwachsinn?

Journallistenkrankheit Zahlenfetischismus?

Angeblich „hochaktuell“: die unterschiedlichen Zahlen zwischen dem RKI und der „ renommierten JHU in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland“, die solche Daten in „Echtzeit“ auswertet.

Hallo? Echtzeit? Das klingt so echt, als ob der Klapperstorch die Kinder bringt. Nein, ich zweifele nicht an der JHU - nur daran, ob man in einem fahrenden Zug Passagiere zählen kann, wenn man nicht drin sitzt. Denn will man vergleichen, so wertet man besser, bis der Zug hält: Genau das macht das RKI.

Gerade höre ich aus der Sensationsschleuder, das RKI habe sich „mehrfach geirrt“. Hallo, bitte Gehirn einschalten, bevor ihr so etwas behauptet: Auch Virologen sind tatsächlich Menschen, und Menschen sind keine Hellseher. Was Menschen vielleicht könnten, wäre auf Zahlen und Fakten einer ehemaligen Epidemie oder Pandemie zurückgreifen. Aber die gibt es erstens kaum, und zweitens sind sie nicht vergleichbar.

Und ja ... es gibt vermutlich mehr Fälle, als diejenigen, die dem RKI gemeldet werden, weil manche Infizierte einfach unter dem Radar abtauchen. Aber das Phänomen der „Dunkelziffern“ sollte eigentlich jeder kennen, der sich jemals mit irgendwelchen Statistiken beschäftigt hat.

Neue Blüte

Die ersten im März
Pünktlich zum Frühlingsbeginn, wenngleich noch in der Wohnung: Passiflora-Blüte.

Etwas mehr Zuversicht wäre nicht schlecht

Wenn’s um Leben und Tod geht, dann geht’s um Leben und Tod - und da sollen Journalisten gar nicht erst nachfragen dürfen, ob es wirklich um Leben und Tod geht oder darum, sich politisch zu profilieren.

Zitat des Herrn Söder (1):

Frau Will, ... finden Sie diesen Maßstab, den wir jetzt da anlegen, wirklich der Sache, wenn's um Leben und Tod geht, angemessen?

Klar, der Herr Söder weiß besser als alle anderen, was „angemessen“ ist - schließlich versucht er, die Maßstäbe zu setzen. Und möglicherweise will er noch ein bisschen punkten, um bald als bayrischer Strahlemann und Retter der Nation dazustehen. Das glaubt übrigens auch der Herr Ramelow. Der sieht sich ebenfalls als Vorbild und behauptet, dass die übrigen Bundesländer Thüringens Corona-Schutzmaßnahmen „übernommen“ hätten. Eines muss man ihm lassen: der Mann hat wenigstens Augenmaß.

Überhaupt wurde in den letzten Tagen recht viel mit dem Sargdeckel geklappert. Nachdem die alte Gilde der Versicherungsvertreter dies inzwischen aufgegeben hat, fühlen sich nun Politiker und Journalisten nun dafür zuständig. Muss die Tagesschau (von anderen Medien mal ganz abgesehen) wirklich ausführlich über Armee-LKWs zeigen, die Verstorbene transportieren? Ist das die richtige Art, mit der Angst in der Bevölkerung umzugehen? Und was hat die Pandemie bitte mit der Katastrophe von Lissabon anno 1755 zu tun, bei der man 60.000 Opfer zählte? Lissabon? Ja, das liegt in Europa, aber die größte Naturkatastrophe dieser Art liegt mal gerade 15 Jahre zurück, und die Anzahl der Toten überstieg 200.000. Aber bitte, dies ist kein Wer-bietet-mehr-Spiel.

Was wir im Moment benötigen, ist erstens die Wahrheit, die übrigens gar nicht leicht zu ermitteln ist, und zweitens die Zuversicht, dass wir die kommende Krise tatsächlich schultern.

Denn eine der wenigen Aussagen, die im Fernsehen bei Anne Will gesagt wurden, drückt aus, was uns allen noch blüht - und das ist keine Panikmache, sondern drückt die Hoffnung aus, dass wir uns darauf vorbereiten (Tobias Hans,1):

Die Entscheidungen, die wir heute treffen, um gesundheitliche Gefahren abzuwehren, die werden wiederum auf der anderen Seite Löcher reißen und uns neue Probleme schaffen.

Das halte ich für die Wahrheit. Und wir werden uns schon bald darauf einstellen müssen.

Und bis dahin, liebe Politiker und Journalisten - lasst uns mal unsere Zuversicht, den ersten Teil der Krise zu meistern. Und seht mal aus dem Fenster, wenn sie Sonne scheint. Es wird Frühling, wirklich.

(1) Die beiden farblich abgesetzten Zitate wurden der Süddeutschen entnommen.

Promis und Medien hetzen weiter - für Ausgangssperren

Promis und Medien hetzen weiter - für Ausgangssperren.

Nicht jeder, der prominent ist, hat deswegen auch recht. Vor allem dann nicht, wenn er damit seinen Status als B-Promi zu verbessern sucht. Auch manche Medien setzen zu sehr auf Abschottungseffekte und spannen ihre Leser ein, um „eindringlich“ für ihre Meinung zu werben. (1)

Besser schätzt ein Krisenmanager die Situation ein, nachzulesen in der Online-Ausgabe der Tageschau.

Überhaupt sollte man den manchem vorlauten Politiker, Pressemenschen und Promi einmal dies erklären: Sollte die „vollständige und flächendeckende“ Ausgangssperre auch keinen deutlichen, positiven Effekt bringen, dann hat die Politik ihr Pulver verschossen.

Fakten contra Besserwisser? Lest Faktencheks!

Was werden uns die Besserwisser und Scharfmacher dann raten?

(1) Ich nennen weder die Name der Promis noch die der Medien, aber ich verabscheue sie in jeder Hinsicht.