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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Pesen

"Ich bin heute in der ganzen Stadt herumgepest" ... das wird in Bremen und an der holländischen Grenze verstanden, aber kaum noch in Hamburg. Jedenfalls kennt es der NDR nicht in seiner bekannten Sammlung niederdeutscher Wörter.

Au das mundartliche „Pesen“ im Sinne von „wägen“ kann man sich schlecht berufen - wiegen ist ja ein behutsamer Prozess.

Das DWDS erkennt das Wort als „salopp“ und gibt die richtige Bedeutung wieder: Schnell laufen. „Laufen“ ist nicht unbedingt richtig, auch der Fahrer eines Autos kann „pesen“.

Die Diskussion um die Herkunft ist im Grund überflüssig: Das Niederdeutsche ist dem Niederländischen sehr ähnlich. Und dort steht das „Pezen“ durchaus für „schnell fahren“ wie auch für „rasen“.

Oder doch aus dem Mittelenglischen?

Die Herkunft aus dem mittelenglischen Wort „pas“ ist ebenfalls möglich und wahrscheinlicher als der Gebrauch des Wortes im modernen Englisch („pace“). Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert "mit schnellem Schritt vorauseilend“ bezeugt möglicherweise, dass der Ausdruck keineswegs aus dem heutigen Pferdesport stammen muss. Der Ursprung des Wortes liegt im „Schritt“, nicht im "Schreiten" und gilt als „anglonormannisches“ Wort.

Ich persönlich halte für möglich, dass die seefahrenden Nationen ihre Sprachen durchaus abgemischt haben, sodass auch das Wort „pesen“ in mehreren Ländern in Gebrauch war.

Im Grund ist es ganz egal, woher das Wort kommt - es bedeutet jedenfalls „rasen“ oder „rennen“, mundartlich auch „düsen“ - und es wird heute nur noch sehr selten benutzt.

Endlich: Friedrich Merz soll die CDU wieder flottmachen

Die CDU hat endlich getan, was nötig war: Der neue CDU-Vorsitzende wird Friedrich Merz sein - und das wurde auch wirklich Zeit.

Nein, ich bin kein CDU-Parteigänger. Aber was die Union Deutschland zugemutet hatte und mit den Namen Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet noch lange negativ verbunden bleiben wird, geht auf keine Kuhhaut.

Nein, ich halte diesen Friedrich Merz nicht für einen idealen Kandidaten. Das muss er auch nicht sein. Es reicht völlig, dass er rational genug denkt, um aus der alten Tante Union wieder mehr zu machen als einen selbstzufriedenen Wahlverein, der sich nicht einmal bemühen muss, um Wahlen zu gewinnen.

Ja, es stimmt: Dieser Friedrich Merz wird vermutlich „daran gemessen werden, ob er die CDU in die Zukunft führen kann.“ Der Satz stammt aus der FAZ und hat damit wohl auch Symbolcharakter.

Probleme lösen – mal ganz einfach erklärt

Eine der wenigen absolut zuverlässigen Methoden, Probleme einer Lösung nahezubringen, besteht darin, sich abweichende Fragen zu stellen.

Wir sind geneigt, bei Lösungen nach dem „Wie“ zu fragen. Beispielsweise fragen viele Partnersuchende: „Wie muss ich auftreten, um Eindruck zu machen?“

Viele Menschen erkennen an diesem Satz nicht einmal den Fehler, der erst durch eine Gegenfrage deutlich wird: „Mit welcher deiner Eigenschaften willst du denn beeindrucken?“

Nun kommt der/die Partnersuchende in Erklärungsnot: Meist stellt sich heraus, dass er/sie diese Eigenschaften weder kennt, noch einordnen kann. Das geht nicht nur Partnersuchenden so, sondern jedem, der seine Eigenschaften nicht kennt … neben viele anderen auch Bewerbern.

All diese Menschen wundern sich, dass sie nichts über ihr Potenzial, also die Sammlung von „Was“ wissen. Und das ist fatal, denn:

1. Wenn ich nicht weiß, was ich in mir trage …
2. … kann ich auch nicht sagen, wie ich es hervorbringe …
3. … und ich kann nicht ermessen, welche Bedeutung es für mein Gegenüber haben könnte.

Letztendlich versagen viele dieser „Potenzial-Analphabeten“. Sie mögen alle die passenden „Bewerber(innen)“ gewesen sein, aber sie verstanden das ABC der Realität nicht: Was ist es, wie wirkt es sich aus und welche Bedeutung hat es?

Ich habe kürzlich das Beispiel einer „negativen Dating-Karriere“ benutzt. Die Protagonistin gerät in einen Teufelskreis, weil sie die falschen Fragen stellt, beispielsweise: „Was kann ich an mir ändern, um …“ „was mache ich falsch, wenn“ oder „warum reagieren die anderen immer so und so auf mich?“

Fragen sind nie „falsch“. Aber sie klingen falsch, wenn jemand nicht weiß, wie er ist (bevor er etwas ändert) oder wie es wirkt, was jemand tut (statt zu fragen „was ist falsch?“).

Oder, mal ganz einfach: Es ist besser, zu wissen, welchen Gesichtsausdruck du hast statt zu fragen, wie du dein Gesicht vorteilhafter schminken kannst.

Es brennt ... in unruhiger Nacht

Das Feuer wütet - riesige Rauchwolken erscheinen am Himmel
In der letzten Nacht weckten mich die Sirenen der Feuerwehr und kurz darauf hielten zwei Einsatzfahrzeuge in meiner unmittelbaren Nähe. Der Brand war allerdings in einem als leer stehend geltenden Mehrfamilienhaus in einer engen Gasse ausgebrochen - schwer zugänglich für die Löschtrupps.
Aufstieg, um durch die Lücke zu löschen

Offenbar wurde das Feuer dann von mehreren Seiten bekämpft. Einmal aus der Nähe, dann aber auch von der Hauptstraße aus durch eine Lücke in der Bebauung. Und so sah es heute morgen aus:
Nach dem Löschen

Gefühle im Bildungsbürger-Deutsch: die Empathie

Heute bin ich - nicht zum ersten Mal - über die „Verwissenschaftlichung“ der Sprache gestolpert. Sie begann, als sich betuchte Bürger aus den (damals sehr teuren) Konversationslexika informierten und dieses Wissen oder Halbwissen dann bei Begegnungen lebhaft verwendeten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts steuern Psychologie und Soziologie zahllose Begriffe bei, deren Bedeutung eher „nebulös“ ist.

Unwort "Empathie"

Nun - mein Wort für heute war „Empathie“. Das Wort steht für eine Fülle von Gefühlen, die mit dem „Verständnis für andere“ zusammenhängen. Wahrscheinlich könnte man Buch über diese Vorgänge schreiben. Es würde von der Entstehung über die Möglichkeiten und Auswirkungen reichen bis zu den Prozessen, die nötig sind, um solche Gefühle zu haben, zu erfühlen oder zu übermitteln.

Das macht aber kaum jemand. Stattdessen wir plakativ behauptet, dies oder jenes sei „Empathie“.

Ei, ei - da ist Widerspruch angebracht - denn das Wort existierte bis weit nach 1900 nicht einmal im Bildungsbürgerdeutsch. Die Tatsache ist leicht, zu beweisen, weil es in den gängigen Konversationslexika fehlt. Bis etwa 1990 (!) kam es auch in der Presse kaum vor - und heute ist es zu einem Modewort geworden.

Ist das Etikett weg, steht der Begriff nackt da

Wenn man das Wort entzaubert und die „Verwissenschaftlichung“ wegnimmt, also das Etikett abzieht, entdeckt man dahinter einen großen Strauß von Gefühlen. Alle basieren mehr oder weniger auf dem Versuch, andere Menschen in ihrem Sein und Fühlen besser zu verstehen.Oder, wie jemand schrieb, die „schwierige und berechnende Aufgabe wahrzunehmen, sich in andere hineinzuversetzen. Das ist eine brauchbare Formulierung, die den üblichen „Gefühlskitsch“ vermeidet.

Erläutern statt Psycho-Geplapper

Der verlinkte Artikel zeigt, dass wir alle verlieren, wenn wir das übliche „Psychogeplapper“ verwenden. Was wirklich nötig ist? Wir müssen uns (auch wenn das sehr rational klingt) über die Prozesse klar werden, die wir benutzen, wenn wir Gefühle verstehen wollen oder von anderen in unseren Gefühlen verstanden werden wollen. Und nur nebenbei: „Verstehen“ ist erlernbar, und ebenfalls erlernbar ist, jemandem das Gefühl zu geben, verstanden zu werden.

Und was sagt uns das?

Je mehr wir Begriffe nachplappern, die wir nicht verstanden haben, umso mehr Schaden richten wir an. Wollen wir hingegen Nutzen stiften, so tun wir gut daran, die Hintergründe menschlicher Gefühlsregungen zu begreifen und unser Verständnis zu vermitteln.

Quellen und zum Weiterlesen:

Ausführliche Beschreibung der Empathie - Gedankenwelt.
Inflation des Begriffs: dwds
Häufigkeit und Verwendung heute: Uni Leipzig
Für Menschen, die sich mit Fremdwörtern schmücken wollen: Bildungssprache
Referenz Konversationslexika: Meyers, Leipzig 1994.