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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Rundfunkbeitrag

"Informationsfreiheit" Anno 1938
An der Diskussion um den Rundfunkbeitrag beteiligen sich viele: Die AfD sowieso - für sie ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk das, was für den Stier das rote Tuch ist. Aber auch die Rechtsausleger der Christenunion wie auch einige konservativ orientierte deutsche Verleger, darunter recht namhafte, hassen kaum etwas mehr als ARD und ZDF.

Merkwürdigerweise ähneln sich die Argumente. Allüberall auf den Tannenspitzen blitzen jetzt die Gehaltslichtlein. Da werden Jahresgehälter zwischen 245 und 390 tausend Euro in den Ring geworfen, und da denkt sich Lieschen Müller: Boah … die sacken die Kohle ein und ich steh hinter dem Wursttresen.

Werdet doch Intendant ... es beginnt mit einem Volontariat

Das kommt gut an in Neid-Deutschland. Doch auch der Intendant war früher mal Volontär. Und an alle, sie sonst noch neidisch sind: Wer an die Spitze will, dem wird nicht geschenkt. Das gilt für alle - nicht nur für Journalisten.

"Üppige" Altersversorgung und das Rückstellungsproblem

Punkt zwei ist die Altersversorgung. Sie wird zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und und den Gewerkschaften ausgehandelt. Und nein, sie ist nicht willkürlich, sondern Gegenstand von Verhandlungen. Die ARD und das ZDF „leisten“ sich also keine Pensionssysteme. Die Kosten entstehen für Rückstellungen - diese machen vielen zu schaffen, nicht nur ARD und ZDF - auch dem Staat und anderen Organisationen. Vor allem für Staatsbeamte wird eine enorme Summe zurückgelegt, um die Pensionen zu finanzieren.

Regierungshörig? Stellr doch einen anderen Sender ein!

Der Vorwurf der „einseitigen, regierungshörigen Meinungsmache“ wird nahezu ausschließlich von der AfD erhoben. Er ist böswillig und entbehrt jeder Grundlage. Wer die ARD oder das ZDF nicht mag, kann jederzeit auf Nachrichtensender im In- und Ausland zurückgreifen. Andere sprechen (durchaus wie die AfD) von „Zwangsbeiträgen“. Sie mögen ihr Vokabular überprüfen.

Bewusst "schräge Sichtweise" auf ARD und ZDF
Informationen 2020: Eine kleine Auswahl gefällig?
Die Sichtweise auf die Bedeutung von ARD und ZDF ist „schräg“. Es kommt heute nicht mehr darauf an, wie viele Zuschauer ARD oder ZDF sehen, sondern wie viele sich über deren Medien informieren. Für die, die’s immer noch nicht wissen: ARD und ZDF gibt es auch im Internet und auf dem Smartphone.

Dummgeschwätz über die "Grundversorgung mit Nachrichten"

Es ist auch nicht richtig, dass die Grundversorgung der Bevölkerung aus Nachrichten besteht oder aus einem Gemenge von Nachrichten und Kultur. Die oft diffamierte Unterhaltung ist - wie bei den Zeitungen und Zeitschriften auch - ein Teil der Kultur. Im Link findet ihr den Rundfunkstaatsvertrag - er sagt mehr als die Meinung einzelner Redakteure und Kolumnisten.

Geld, Neid, Steuergelder und wenig Alternativen

Eigentlich ist es die Finanzierung, die von den Agitatoren aus Presse und Politik immer wieder in den Vordergrund gedrängt wird. Darin liegt eine gefährliche Meinungsmache: Zweckbindung hat den Vorteil, dass die Gelder nicht anderweitig verhakt werden können. Bei Steuerfinanzierung ist dies nicht gegeben.

Wer zahlt eigentlich bei anderen Modellen?

Werbung, Produktplacements, Gewinnspiele und Sponsoring, Bezahlfernsehen oder spendenfinanzierte Sendeanstalten sind andere Möglichkeiten. Sie werden in anderen Ländern durchaus eingesetzt - und teils eben auch in Deutschland. Teilweise hat dies sogar Sinn - in den USA gibt es zahlreiche Unterhaltungssender, die ihre (allerdings kleinen Etats) allein aus Hörerspenden finanzieren.

Muss so etwas wie das "Traumschiff" sein?

Doch wollen wir das alles? Man kann sich streiten, ob das Traumschiff mit Käpt'n Blaubär oder Käpt’n Silbereisen durch die Welt kreuzen muss - oder überhaupt. Aber: Unterhaltung in irgendeiner Form ist sogar in seriösen Magazinen und Wochenzeitungen enthalten. Und so tief, wie das Niveau in machen Produktionen der „Privatsender“ rutscht - so tief will allerdings kaum jemand sinken.

Die Kosten, ach ... die Kosten

Bleibt die Frage, ob die Kosten insgesamt zu hoch sind - darüber kann man reden. Aber dann muss man auch sagen, wo konkret sinnvoll gespart werden kann. Da reicht weder das Larifari, das uns seitens der „Wutbürger“ aufgetischt wird, noch der Blick nach Wolkenkuckucksheim: „Von den großen Medien- und Techgiganten“. Haben die nicht ihren Firmensitz im Ausland?

Bildquelle (oben): Wikimedia (mitte): Privat

Schweden im Blick der Pandemie-Falschmünzer

Bei der Pandemie ist vor allem wichtig, nicht auf dummdreiste Facebook-Beiträge und andere Ignoranten im Netz hereinzufallen - das hat dieser Tage wieder einmal CORRECTIV festgestellt.

Dabei ist es sehr einfach, sich objektiv zu informieren, nämlich hier. Zudem hat Schweden, grob gerechnet, nur 10 Mio. Einwohner, davon fast 1 Mio. in Stockholm. Und es gibt Landstriche, in denen sich eher Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, als dass sich zwei Nachbarn begegnen.

Was ist eigentlich los mit diesem "Bremer" und seinen "50 Frauen"?

Angeblich hat ein „Bremer“ bei Tinder über 50 Frauen angeschrieben und musste sich dann bei „Jodel“ anhören, was für eine Pflaume er ist.

Was steht dahinter? Eine Mitteilung des „Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. Sie steuert vor allem drei Sätze bei (Zitat):

• Bei Tinder schreibt ein Mann aus Bremen mit über 50 Frauen.
• Das Ergebnis der Partnersuche auf dem Dating-Portal verblüfft.
• Jetzt sucht der Tinder-Nutzer aus Bremen dringend Hilfe bei Jodel.


Mal der Reihe nach: Ob es den „Mann aus Bremen“ wirklich gibt, und ob er sich „mit 50 Frauen geschrieben hat“, ist unsicher. Die Redakteure „wissen“ es nur aus den Eigenaussagen, die dieser auf dem Ratgeberportal „Jodel“ veröffentlicht hat. Der Name Jodel erscheint im Artikel 15 Mal – also viel zu oft für einen Artikel mit ca. 770 Wörtern.

Auf „Tinder“ Bezug zu nehmen, erweist sich immer als publikumswirksam. Der Name der populären Dating-App erscheint insgesamt 21 Mal – diese Häufung eines Markennamens ist ebenfalls ist ausgesprochen merkwürdig.

Sich „mit 50 Frauen zu schreiben“ klingt viel – wir wissen aber nicht so genau, was er jeder der 50 Frauen schrieb. Jedenfalls hatte er keinen Dating-Erfolg damit. Das ist bei einem Großteil der männlichen Tinder-Nutzer nicht ungewöhnlich – und ist schon gar nicht „verblüffend“. Schließlich „sucht der Mann Hilfe“. Und was macht er? Jodelt seinen Misserfolg in die Welt hinaus – bei Jodel. Dabei handelt es sich sich um ein sogenanntes „Soziales Netzwerk“, das nur als App existiert.

Warum braucht er eigentlich „dringend“ Hilfe? Kann er nicht einfach hinnehmen, dass Tinder sich für ihn nicht eignet? Und warum sucht er Hilfe bei „Jodel“? Kann er nicht einen Kumpel fragen, wie er vorgehen soll? Hat er kein Umfeld, in dem man so allgemeine Fragen stellen kann?

Kann er offenbar nicht. Er wird, wie auf Foren oder Netzwerken ja nun mal nicht unüblich, beleidigt und diffamiert. Damit hätte er rechnen müssen.

Ich denke mir da so meinen Teil.

Übrigens muss ich gestehen, dass ich „Jodel“ zuvor nicht kannte. Und ich will es auch nicht kennenlernen.

Journalismus: Erst mal behaupten ist ja so geil

Heute will ich euch von einer wirklich lästigen Tendenz in der Presse berichten, nämlich gewisse spektakuläre Zeiterscheinungen zu verallgemeinern, uns die dann populistisch auszuschlachten.

Das Medium: Süddeutsche Zeitung.
Wo: Im Feuilleton (Kulturteil).
Wer: Marie Schmidt.
Was: Die Journalistin schließt von einem Tinder-Phänomen auf alle beginnenden Beziehungen, und aufgrund einer gewagten Konstruktion von aneinandergereihten Behauptungen wird die Frage behandelt, ob „Liebe heute noch eine Chance habe.“

Zunächst einmal die Überschrift:

Liebesbeziehungen – Gefühle, so peinlich


Wen das interessiert, der darf weiterlesen, und er stößt zunächst auf eine Behauptung: „Lange“ (also wann denn nun?) hätten Beziehungen mit Gefühlen begonnen und sich dann „zur ersten gemeinsamen Nacht“ gesteigert.

Dieses „Lange“ muss schon lange zurückliegen, und aufgrund welcher Erfahrungen diese Sätze geschrieben wurden, bliebt unklar.

Nun wird auf der Basis dieser Behauptung eine zweite Annahme nachgeschoben, nämlich: Heute würde man mit Sex beginnen und die Liebe würde daran scheitern, einander gefühlsmäßig zu begegnen, oder wörtlich:

Heute startet man mit Sex - und scheitert dann daran, sich emotional nahezukommen.


Eine neue Behauptung: Von Tinder ist nicht mehr die Rede, sondern davon, dass „man“, also nahezu alle Partnersuchenden, mit Sex starten. Die nächste Behauptung wird gleich angehängt: das Scheitern als Folge, also die frühzeitige Auflösung der gerade begonnenen Beziehung. Nach dem Text ist das Scheitern obligatorisch. Und warum soll es möglich oder nicht möglich sein, sich dann noch emotional näherzukommen?

Bliebt noch eine kleine Begriffsverwirrung:

- Einander emotional näher kommen ist noch keine Liebe.
- Das Wort „Liebesbeziehung“ ist unscharf, denn in dem Zeitbereich, in dem eine emotionale Bindung beginnt, spielt Verliebtheit eine größere Rolle als die Liebe – ob mit oder ohne Sex.

Und all das macht die Frage „Hat Liebe in Zeiten von Tinder noch eine Chance?“ zu einer Farce.

Natürlich steht es Frau Schmidt frei, zu schreiben, was sie gerne möchte. Die Frage ist nur, ob man anhand eines lächerlichen App-Phänomens gleich auf die Liebeskultur eines Volkes (oder gar aller Menschen?) schließen sollte.

Die erwähnten Zitate lassen sich leider Online nicht vollständig lesen. Die Quelle verweist auf kaum mehr als die Überschriften.

Wer versucht, die Bundestagswahl 2017 zu manipulieren?

Correstive.org und WahlCheck17 informieren vor der Bundestagswahl 2017 über Fake News. Ich habe ich angemeldet, um Ihnen sozusagen aus „erster Hand“ schreiben zu können, wer die Wahl von außen oder innen mit Falschmeldungen zu beeinflussen versucht.