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Dumme Fragen

Wer behauptet, es gäbe keine dummen Fragen, war noch nie in einem Forum, auf dem Fragen beantwortet werden. „Dumm“ sind Fragen nämlich immer dann, wenn sie Behauptungen, Antworten oder sinnlose Alternativen enthalten. Sie können natürlich auch so dreist sein, dass sich die Lachmuskeln rühren. Zum Beispiel „was unterscheidet eigentlich Frauen und Männer wirklich?“

Also sagen wir mal kurz: Es gibt naive Fragen und manipulative Fragen. Wer tatsächlich etwas wissen will, fragt nicht „dumm“.

Rein theoretisch lautet die klassische Fragekette: „Was ist es, wie es ist es und was bedeutet dies für (...)“.

Der Befragte hat daraufhin die Möglichkeit, weit auszuholen. Ein Teil der Fragesteller befürchtet dies, ein anderer Teil hat genau diese Absicht. Wer eine Frage im Dialog „betont offen“ stellt, will mehr erfahren, als die Frage beinhaltet. Das ist legitim, denn dann hat er die Möglichkeit, das Gespräch zu lenken. Es ist also sehr einfach, kluge Fragen zu stellen.

Eines der Probleme der Menschen heutzutage: Sie fürchten sogenannte “peinliche“ Gesprächspausen“ und grätschen deshalb frühzeitig in die Antwort hinein.

Das kannst du verhindern, indem du „aktiv zuhörst“. Die Technik ist relativ leicht erlernbar. Und bevor eine Gesprächspause „peinlich“ wird, vergeht wirklich viel Zeit. Und wenn es doch zu einer längeren Pause kommen sollte? Dann beweise, dass du gut zugehört hast. Etwa: „Du sagtest gerade, du würdest gerne ... welche Pläne hast du im Moment dafür?“

Ein anderer wird dir nie gerne antworten, wenn du ihm zeigst, dass es dich im Grunde gar nicht interessiert. Also bleibe interessiert, dann gibt’ es auch kaum Gesprächspausen.

Der Gentleman

Aus der Sicht der meisten Frauen ist ein „Gentleman“ kaum mehr als jemand, der eine Frau hofiert. „Aufmerksamkeitsgesten“ nennen Frauen dieses Verhalten gerne, und sie erwarten, dass ein „echter Gentleman“ zuvorkommend ist.

Mich erinnert dieses Verhalten eher an die mittelalterlichen Filous, die später als „Minnesänger“ verherrlicht wurden. Man tut den Damen schön, singt ihnen ein Lied, versucht, sich ihnen mit Schmeicheln zu nähern. Und sobald die „Luft rein ist“ öffnet sich eben auch die Tür, das Herz und noch viel mehr.

Es war ein Spiel, dass sowohl die Damen von Adel als die nicht ganz so adeligen Sänger (Troubadoure) beherrschten.

Ein Gentleman ist kein Damen-Butler

Ein wahrer Gentleman ist weder ein Butler der Damen noch ein schmeichelnd herumscharwenzelnder Filou.

Das ist auch dann noch so, wenn er Türen aufhält, den Mantel oder den Blazer abnimmt und der Damen wieder herein hilft, Stühle vor- und zurückrückt und – die Rechnung bezahlt.

Ein Gentleman kommuniziert anders

Aber all dies sind buchstäblich „Verhaltensweisen“, die er sich angeeignet hat. Routinen ohne wirklichen Sinn. Seine eigentlichen Eigenschaften liegen in seinem Kommunikationsverhalten. Der Zurückhaltung gegenüber Extremen, dem verhaltenen Argument und dem typischen „Understatement“. Ein Gentleman hört vorrangig zu, statt zu widersprechen, er stellt sinnvoll Fragen und unterstützt sein Gegenüber bei möglichen Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.

Wirkliche Gentlemen triffst du nicht oft, weil sie sich zurückhalten. Sie ähnelnd den sprechenden Blumen bei Alice (1) und reden nur mit einer Dame, wenn sich das Gespräch mit ihr lohnt.

(1) Through The Looking Glas - Ch. 2 The Graden of Flowers. "We can talk, when there's anybody wrth talking to. England 1872.

Fragen, die keine sind - und fragwürdige Wissenschaftler

Äpfel contra Birnen
„Warum“ ist eine Grundfrage, die sich die Menschheit stellt - und die Forscher fragen stets: “Warum“ - aber sie lassen offen, wie die Antwort sein könnte. Und bevor sie überhaupt „Warum?“ fragen, legen sie das Problem offen, nach dem sie fragen wollen, also WAS es ist und WIE sie es beobachten wollen.

Sind Birnen oder Äpfel besser?

Ich wurde gerade gefragt „Warum sind Birnen besser als Äpfel“? Natürlich ging es nicht um Äpfel und Birnen, sondern um Feedback und Rat. Aber es ist eben die Frage nach Äpfeln oder Birnen, nichts mehr.

Auslöser war ein Artikel von Amantha Imber, die ihrerseits eine Beobachtung der Harvard Business School interpretiert. Genau genommen geht es um Personalgespräche und die Frage, ob es besser sei, Feedback anzufordern oder um einen Rat zu bitten.

Birnen contra Äpfel

Fragwürdige Fragen von Wissenschaftlern

Diese Frage ist - trotz des angeblich „wissenschaftlichen“ Hintergrunds - ausgesprochen fragwürdig. Denn „Feedback“ (Rückkoppelung) ist aus der Sicht der Kommunikationstheorie etwas völlig anderes als „Beratung“. Oder kurz: Wer Feedback anfordert, will wissen, wie der andere eine Aussage oder eine Handlung bewertet, wer Rat sucht, will wissen, wie er ein bestehendes Problem lösen kann.

Schreckliche Vereinfacher aus Prinzip?

Wie alle „schrecklichen Vereinfacher“ (Populisten), neigte auch die Autorin zur Vereinfachung: Feedback ist eine Rückschau - die Suche nach Rat hingegen der Weg in die Zukunft.

Berücksichtigen wir dies, wird uns auch klar, warum in manchen Branchen so oft vereinfacht wird: um jede andere Möglichkeit auszuschließen.

Nun sind Karriereberater Menschen besonderer Art - von Natur aus einseitig. Das müssen sie vermutlich sein, denn sie konzentrieren sich auf einen winzigen Bereich menschlichen Daseins - die Karriere. Und sie wenden sich niemals an die Zufriedenen, sondern immer an jene, die mit ihrer Karriere unzufrieden sind.

Den besten Weg zu finden, ist immer hart

Würden wir uns nun fragen: Was bedeutet die Alternative „Feedback oder Rat?“ für unser Alltagsleben, so würde uns zunächst klar, dass es gar keine Alternative ist, sondern zwei Wege bezeichnet. Sie bestehen parallel, und beide führen zu Erkenntnissen. Und wir würden feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, Feedback anzufordern und noch schwieriger, die damit möglicherweise verbundene Kritik hinzunehmen.

Sodann würden wir feststellen, dass wir unter dem Druck ungelöster Probleme stehen müssen, um ernstlich Rat anzufordern. Und wir würden erfahren, dass es auf keinen Fall einfach ist, einen kompetenten Menschen zu finden, der uns einen geeigneten Rat geben kann.

Aufnahmen vom Autor mit einem IQOO Z1X

Zuhören ist eine Kunst

Die Kunst des Zuhörens ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Ich bin mir nicht sicher, ob sie in der Schule gelehrt wird – dort ist „menschliche Kommunikation“ ohnehin eher ein untergeordneter Unterrichtsgegenstand.

Sagt man den Menschen, dass sich „zuhören“ erlernen lässt, sind sie oftmals verwirrt. „Zuhören“, so wird mir dann entgegnet, „könne doch jeder, aber nicht jeder sei auch in der Lage, Sätze zu formulieren.“

Das mag stimmen oder nicht, aber es hat mit der Kunst des Zuhörens gar nicht zu tun. Denn „zuhören“ bedeutet, etwas aufzunehmen, um es zu verstehen. Es kann auch bedeuten, dem Gegenüber die Möglichkeit zu schenken, eine Sache, einen anderen Menschen oder sich selbst besser zu verstehen.

Falls ihr das bisher nicht so gesehen habt – versucht es einfach mal. Es hilft euch und den Menschen, mit denen ihr zusammentrefft.

Digitalisierung, Sprache und Gefühle

Heute berühre ich ein Thema, das für alle Menschen wichtig ist - und das dennoch zumeist ignoriert wird. Es betrifft die Möglichkeiten, über Gefühle zu sprechen und zu schreiben.

Was ist Digitalisierung?

Digitalisierung ist die Umsetzung weitgehend natürlicher Vorgänge und Prozessen in Zeichen, also in „Digits“. Ursprünglich waren mit „Digits“ alleine Ziffernfolgen gemeint, heute wird meist eine Zeichenfolge in dieser Weise bezeichnet. Entsprechend ist eine „Digitalanzeige“ (beispielsweise an der Uhr) eine Umsetzung der (analog zu verstehenden) Zeit in Ziffern, die sich unmittelbar auslesen lassen. Das ist im Grunde immer und überall so: Der Ablauf natürlicher Vorgänge lässt sich am besten „analog“ verstehen, das heißt, in einer gewissen Abfolge, aber ohne Stufen und nicht in vollständigen Zeichen. Ausnahmen bestehen einerseits im Erbgut, das sehr konkrete Informationen enthält, die sich auch genau beschreiben lassen, und anderseits in der menschlichen Sprache und in der daraus abgeleiteten Schrift. Durch sie wird es möglich, ausgesprochen komplexe Informationen auszudrücken und weiterzugeben.

Gefühle und Empfindungen stehen "analog"

Die Schwierigkeiten, die wir mit der Umsetzung von rein analogen Informationen in digitale Informationen haben, zeigen sich, wenn wir Empfindungen in Sprache umsetzen wollen. Empfindungen zwischen Menschen werden üblicherweise, wie bei allen Säugetieren, zunächst analog übermittelt. Der Kybernetiker spricht dann von „analoger Kommunikation“, der Psychologe von „non-verbaler Kommunikation“. Beide Begriffe treffen nicht ganz das, was geschieht. Das Problem non-verbaler Kommunikation besteht darin, dass dem Zivilisationsmenschen ein Teil des Zeichenvorrats abahnden gekommen ist, insbesondere, was das Erkennen von Zeichen betrifft. Das heißt: Ein Pferd oder ein Hund kann noch die Zeichen erkennen, die der Mensch aussendet, Menschen können aber oft nicht mehr erkennen, welche differenzierten Zeichen ein anderer Mensch sendet. Man sagt daher, analoge Kommunikation sei im Grundsatz „redundant“, also mehrdeutig.

Wir kommunizieren weiterhin auch "analog"

Diese Art der Kommunikation muss man so verstehen: Sie ist dauernd vorhanden, aber sie erfordert nicht immer eine bewusste Reaktion. Zwar ist es „unmöglich, nicht zu kommunizieren“, aber es ist möglich, dadurch zu kommunizieren, dass man sich entfernt (den Raum verlässt) und die anderen im Unklare darüber lässt, warum. Die non-verbale Kommunikation hat viel mit Grundsituationen zu tun: Aufmerksamkeit, Interesse, Paarungsbereitschaft, Sozialisierung, aber auch Gefahrenabwehr.

Wie Gefühle, Empfindungen und dergleichen sich überhaupt „digitalisieren“ lassen, wissen offenbar nur wenige Autoren: Indem sie „verbal“ von „nonverbal“ trennen, so als ob es Zustände aus zwei Welten wären, verhindern sie, dass Bücken gebaut werden können.

Die menschliche Sprache wurde nicht erfunden, um Gefühle auszutauschen

Der ursprüngliche Sinn der Sprache, wie auch schon der anderer künstlicher Zeichen (Höhlenmalerei), war vor allem, sich über Vorgehensweisen zu verständigen. Dazu eignet sich die Sprache vorzüglich, denn die Jäger, die Umgebung und die Tiere, die gejagt wurden, konnten genau bezeichnet werden. Auch viel später wurde die Sprache überwiegend dazu benutzt, um Vorgehensweisen zu vermitteln. Wann genau abstrakte Begriffe, Philosophien und Religionen sprachlich übermittelt werden konnten, ist nicht ganz sicher – jedenfalls wurde mit der Ausweitung der Sprache auch versucht, Gefühle zu übermitteln.

Die meisten Forscher sind sich sicher: Je komplexer ein Gefühl ist, umso weniger ist digitalisierbar. Früher sprach man in der Psychoanalyse auch von der Schwierigkeit, Gefühle zu „verwörtern“. Einen Schmerz im Knie mögen wie noch leicht „verwörtern“ können, die inneren Hemmungen beim Absprechen einer Frau aber kaum noch. Solche Gefühle entziehen sich teilweise der Beschreibung – und genau hier beginnt eines der Probleme unserer Sprache.

Warum es ausgesprochen schwierig ist, über Gefühle zu sprechen

Um im traditionellen Sinne Gefühle zu verstehen oder gar Rat zu geben, wenn uns jemand über ungenaue Gefühle berichtet, müssten wir dies tun:

1. Jemand müsste in der Lage sein, seine Gefühle vollständig zu digitalisieren.
2. Wir müssen (als Zuhörer, Berater) die digitalisierten Gefühle sowohl digital wie auch analog nachzuvollziehen. Das ist technisch so gut wie nicht möglich – über die Gründe zu sprechen, würde zu viele Zeilen erfordern.
3. Die Rückkoppelung (also mögliche Antworten) müsste in Sprache erfolgen, aber so, dass die Gefühlsebene getroffen wird. Das ist sehr unwahrscheinlich- in jedem Fall erfordert es viel Übung.

Was ich beschrieben habe, gilt für alle Dialoge, aber auch für das Schreiben oder Lesen von Texten. Dabei zeigt sich, wie schwierig es immer wieder ist, von digitalem Denken (Denken in Sprache) auf analoges Denken (denken in Gefühlen und Empfindungen) „umzuschalten“ und das eine in das andere zu übersetzen.

Dieser Umstand hat Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen. Und ich wundere mich wirklich, warum er in der Öffentlichkeit kaum jemals erwähnt wird. Welche Auswirkungen dies hat , und was wir tun können, um unsere Kommunikation zu verbessern oder aber auch in anderer Weise über Gefühle zu schreiben, wäre weitere Artikel dieser Art wert - vorausgesetzt, sie würden auch gelesen.