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Warum #MeToo nun selbst missbraucht wird

Vor einem Jahr gab es den „Großen Knall“, den die Presse sofort ausweidete: Unter dem Hashtag #MeToo klagten Frauen öffentlich an, die von Männern missbraucht wurden. Und nun folgt die „offizielle Version der Presse:

(Teilten) … Tausende Frauen auf der ganzen Welt unter dem Hashtag #MeToo ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt (…), mit Sexismus und Diskriminierung. Im Büro, in der U-Bahn, beim Date. Ein Jahr ist es her, seit diese geteilten Erfahrungen eine große gesellschaftliche Debatte ausgelöst haben.


Für einige war damit der Krieg der Geschlechter ausgebrochen, für andere wurde er nur auf neue Art geführt, und die weitaus meisten ließ das Thema unberührt, weil ihr Alltag aus anderen Themen bestand. Gewonnen hat vor allem die Presse, die darüber endlos schreiben konnte, gewonnen hat Twitter, weil man dort abermals beweisen konnte, dass ein Tweet genügt, um die Volksseele zum Kochen zu bringen. Wem es sonst genützt hat, ist zweifelhaft.

Kürzlich meldete sich der Geschlechtersoziologe (ja, so etwas gibt es) Rolf Pohl zu Wort – und seine Aussagen wurden in weiten Teilen der eher unkritischen Presse wohlwollend aufgenommen. Nicht untypisch für Soziologen, wusste er wohl viel über „männliche Sexualität“ zu sagen, aber wenig zur Lösung beizutragen.

Das liest sich dann so (2):

Ich denke bloß, dass männliche Sexualität thematisiert werden muss – aber eben nicht als dieses archaische Erbe, das der Mann überwinden muss. Wenn man meinen Thesen folgt, lautet die Antwort: Männer müssen lernen, Abhängigkeiten zu ertragen.


Das wäre also die Lösung?

Männer ertragen Abhängigkeiten. Die meisten Männer sind mehrfach abhängig: von erwünschten und unerwünschten Kameraden, gesellschaftlichen und beruflichen Zwängen, denen sie sich willig unterwerfen, und der Willkür der Frauen, sie zu erwählen oder auch nicht.

Mann, oh Mann … es, ging doch bei #MeToo nicht um Kinkerlitzchen, sondern um massive Übergriffe, die teils als Vergewaltigungen vorkamen. Es ging darum, dass Frauen unter Androhung des Entzugs Ihrer Existenzgrundlagen zum Geschlechtsverkehr gedrängt oder gezwungen wurden. Das hat nichts damit zu tun, dass (heterosexuelle?) Männer keine Abhängigkeiten ertragen können.

Übrigens: „Die große gesellschaftliche Debatte“, die angeblich durch #MeToo ausgelöst wurde, war, ist und bleibt eine elitäre Debatte. Mag sein, dass es die „alten weißen Männer“ waren, die sie auslösten, aber die Diskussion wird gleichfalls unter selbstgefälligen Eliten geführt – nur unter anderen Eliten als zuvor.

Ich hoffe sehr, dass es seither viel weniger Missbrauch der Macht der Männer gab - denn das war ja das Problem, mit dem die Frauen antraten. Doch sobald sich in die Debatte das Wort „Sexismus“ einnistet, wird sie entwertet.

Was wirklich Sinn hat (und das passiert auch) ist der Mut, in einen Dialog einzutreten. Aber das ist erst möglich, wenn wir Begriffe wie „Sexismus“ zur Hölle schicken. Oder mit anderen Worten: Mit Neo-Schlagwörtern zur Abwertung, wie Kapitalismus, Rassismus oder Sexismus erschlägt man alles, was zu diskutieren wäre.

1) Zuerst in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlicht, dann von einigen anderen Zeitungen übernommen.
(2) Der Geschlechtersoziologe Rolf Pohl im bereits genannten Artikel.

Gibt es Chemnitz?

Wie ihr sicher wisst, liebe Kinder, gibt es Bielefeld nicht. Das ist eine Stadt im Westen, die angeblich ungefähr 333.333 Einwohner hat und das Kennzeichen BI – und so etwas kann es nun mal nicht geben.

Und Chemnitz ist eine Stadt im Osten, die der Opa noch als Karl-Marx-Stadt in Erinnerung haben dürfte. Sie hat angeblich etwas weniger Einwohner, nämlich so gut wie 246.246, trägt das Kennzeichen „C“ und existiert ebenfalls nicht.

Dass sie überhaupt Erwähnung findet, ist einem Fehler der bösen, bösen Journalisten zu verdanken, die hier ein ruhiges und beschauliches Sachsenstädtchen zu „Chemnitz“ umfunktioniert haben. Dieses war – wie ich beunruhigt nachlas, einstmals von tropischen Regenwäldern überwachsen, und nichts als ein paar ausländische Jäger und Fischer trauten sich dorthin.

Kürzlich nun behauptete die liederliche West-Presse im Rahmen ihres ständigen Saxony-Bashings, in Chemnitz sei es zu einem merkwürdigen Schauermarsch gekommen.

Und jetzt wissen wir, dass es gar nicht wahr ist. Sagt der Herr Ministerpräsident des Freistaats Sachsen.

Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd und es gab keine Pogrome in dieser Stadt.


Natürlich nicht, weil es Chemnitz gar nicht gibt, warum sonst?

Die bösen Journalisten müssen auf die Couch

Und all die bösen, bösen Journalisten und all die anderen, die nicht wissen, was sie sagen, sollen jetzt auf die Couch. Denn das weiß einer dieser weisen, bärtigen Männer, die man auch als Psychotherapeuten bezeichnet. Und einer davon sagte den „Dresdner Neuesten Nachrichten“

Die Kritiker der Sachsen gehören auf die Couch. Gerade im Westen herrscht überhaupt kein Verständnis gegenüber dem Protest, der aus Sachsen kommt.


Ja, wenn das ein Psychotherapeut sagt – dann muss es wahr sein. „Kein Verständnis gegenüber dem Protest …“ ei, ei … der Mann kennt offenbar "den Westen", so wie es schcon im Lied vom "Alten Häuptpling der Indianer" hieß: "Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff."

Nicht im schönen Sachsen!

Wie gesagt, liebe Kinder, es gibt ja gar kein Chemnitz. Jedenfalls nicht in Sachsen. Und Sachsen gibt es ja auch mehrfach: in Sachsen, in Sachsen-Anhalt, in Niedersachsen und sogar in Angelsachsen. Alles muss ganz woanders passiert sein … aber "nicht hier bei uns im schönen Sachsen!"

Und nun, liebe Kinder, schlaft recht schön. Der Onkel Ministerpräsident und der Onkel Psychotherapeut wissen schon, was gut und richtig für euch ist.

Die Presse: Unterschied zwischen Gegenwart und Zukunft unbekannt?

Dieser Tage lese ich viel über FACEBOOK und das angebliche neue „Dating-Feature.“ Da ich nicht mehr bei FACEBOOK bin und sowieso kein Dating betreibe, könnte es mir wuscht sein. Ist es aber nicht, denn die Presse, macht immer wieder deutlich, dass sie nicht zwischen „es ist“ und „es ist angekündigt“ unterscheiden kann.

Beispiel ELLE. Dort wird behauptet, man wisse „alles zum neuen Dating-Feature von Facebook“. Dazu kommt ein riesiges Bild (2041 Pixel breit) von einer Frau, die auf ein Handy guckt.

Im Text wird klar, dass man so gut wie gar nichts weiß, nämlich genau das Wenige, was FACEBOOK behauptet hat. Und das ist so dürftig, dass nicht einmal Fachleute darauf einen Reim machen können. Irgendeine geheimnisvolle App soll irgendwie in FACEBOOK integriert werden, aber eben doch nicht völlig. Und sie soll „langfristige Beziehungen“ bieten statt schneller ONS.

Und obgleich keiner etwas Genaues weiß, sagt die Kolumnistin von ELLE zur noch nicht gesehenen App: „Ganz klar, Daumen nach oben!“ Wo nach oben? Da, wo der Verstand ist oder in Wolkenkuckucksheim?

Andrea Nahles – die SPD hatte einfach nichts Besseres

Andrea Nahles – die SPD hatte einfach nichts Besseres

Die Presse verhält sich gegenüber der SPD ungefähr so wie eine frustrierte Mittvierzigerin, die den besten Mann sucht, aber mit keinem guten Mann zufrieden ist. Also, da ist Frau Nahles. Nun heißt es, sie sei nicht die beste Wahl, ja, sie würde die Wähler „verschrecken“. Ob sie die beste Wahl ist, wird sich zeigen. Aber was, ihr Clowns von der Bürgerpresse, ist denn die „Beste Wahl“? Lest doch mal nach, was ihr bisher über die SPD und ihre Obermacker geschrieben habt – na? Erst hochgejubelt, dann heruntergeputzt.

Also, was wäre die beste Wahl? Wer kann eine zerstrittene Partei einen, die in Wahrheit gar nicht mehr weiß, wo sie hingehört? Was ist die SPD? Sozialistisch? Sozialdemokratisch? Oder eben nur „sozial“? Oder gar nicht, weil sie Hartz IV verantwortete?

Wenn Frau Nahles gegen die schnatternden Genossen, die immer alles Mögliche wollen und alle etwas anderes, dann muss sie mit einem eisernen Besen kehren und die Partei disziplinieren. Das heißt: intern diskutieren, nach außen mit einer Stimme sprechen. Dabei muss Hartz IV vorläufig ausgespart werden – das Wort benötigt ohnehin keiner. Neue soziale Ziele für die Republik wären ja nicht schlecht. Neue Bildungsziele auch nicht. Nur muss die SPD das mal in eine Form gießen. Was kann die SPD für die Ärmsten der Armen tun? Was kann sie daran tun, dass die Wirtschaft boomt und er Arbeiter davon profitiert? Wie kann sie die Leistungsträger fördern und denjenigen, die jetzt und hier gerade nichts leisten können, mit besseren Ressourcen ausstatten? Wie soll sich Chancengleichheit zeigen, wenn man über „Kinderarmut“ redet, aber nicht über die Förderung kindlicher Talente?

Wer ständig auf den alten Sozi-Themen herumhackt, der darf sich nicht wundern, wenn das Volk sich gelangweilt abwendet. Ob mit oder ohne Frau Nahles.