Skip to content

Falsche Problemlöser - schlechte Berater

Ratgeber, Berater, Gurus und Welterklärer haben gerade Konjunktur. Sie alle haben eines Gemeinsam: sie stellen ihr eigenes Denk- und Wertsystem über alle anderen. Damit „lösen“ sie jedes Problem.

Ich verrate euch etwas: die meisten dieser Leute wissen nicht einmal, was ein Problem ist, geschweige denn, wie ihr es lösen könnt.

Die Prinzipien falscher Berater

Das Grundprinzip dieser Menschen ist immer gleich:

Sie geben Antworten, bevor sie das Problem wirklich erfasst haben.

Fall sie „ausgewiesene Fachleute“ sind, taucht oft ein anderes Phänomen auf:

Sie bieten eine bewährte Lösung für den Teil des Problems, den sie kennen – das wird das gesamte Probleme aber nicht lösen.

Die falsche Lösung anzubieten, die eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen, der zu beratenden nicht einzubeziehen, ihn als unfähig zu erklären, das Problem (mit unserer Hilfe) selbst zu lösen – das ist die monströse Arroganz, mit der falsche Berater vorgehen.

Wenn du Berater bist oder sein willst

Du kannst das ändern, wenn du Berater bist.

Die erste Frage, über die du dir klar werden könntest, ist:

Habe ich das Problem wirklich begriffen?

Die zweite Frage:

Wie kann man das Problem so beschreiben, das es wirklich zutreffend (und damit lösbar) ist?

Und die Dritte:

Also hat da jemand ein Problem - aber wo will er hin?

Das Geheimnis guter Berater? Ich persönlich kenne es, und ich sehe mich immer wieder bestätigt. Es heißt: konsequent neugierig zu sein. Denn mit deiner Neugier (hier zitiere ich Michael Bungay Stanier):

Versetzt du die Menschen in die Lage … ihre eigenen Antworten zu finden, und du hilfst ihnen, ihren eigenen Weg einzuschlagen.


Kurz und knapp gesagt: Menschen mit Problemen benötigen nicht deinen Rat, sondern sie benötigen Hilfe, um ihren eigenen Rat zu finden. Sie benötigen auch keine Wegweisung, sondern die nötigen Methoden, um ihren eigenen Weg zu finden.

Professionelle Problemlöser wissen: Wenn sich die Ratsuchenden die richtigen Fragen stellen (lassen), dann verschwinden einige Probleme allein dadurch, dass sie bereits durch die Fragen die Lösung finden. Warum wir diese Regeln nicht häufiger anwenden? Weil es viel bequemer (und oft sehr lukrativ) ist, Lösungen zu vermarkten.

Ein immerwährender Satz zu Liebe, Glück und Erfolg

Ein Satz, der mein gesamtes Bloggerleben, also mindestens die letzten 15 Jahre, begleitete, ist ein Grundsatz, den mir vor vielen Jahren einmal ein Arzt verriet.

Eine Änderung des Zustands kann durch eine Maßnahme, trotz einer Maßnahme oder unabhängig von einer Maßnahme erfolgen.

In der Schule lernen wir es anders, und die einfältigen Menschen glauben ihr ganzes Leben daran: Unsere Maßnahmen werden durchgeführt, um positive Wirkungen zu erzielen. Haben sei diese Wirkung, so rühmen wir uns, sie erzielt zu haben. Haben sie keine Wirkung, sind nicht unsere Maßnahmen dafür verantwortlich.

Nachprüfbar oder nicht?

Nun gibt es ohne jeden Zweifel wirksame medizinisch, emotionale, soziale und technische Maßnahmen, die etwas zum „Positiven“ hin verändern – jeder wird dies schon einmal erfahren haben. Das beruht darauf, dass es viele ähnliche Fälle gibt, in denen sich diese Verfahren bewährt haben. Und eben auch darauf, dass dies nachprüfbar ist.

Zumeist nicht nachprüfbar: Glück und Erfolg

Gerade im esoterischen, psychischen und emotionalen Bereich sind „Erfolge“ oft reine Spekulation. Eine zufällige Begegnung kann ausreichen, um einem Menschen das höchste Glück zu verschaffen oder ihn in tiefes Leid zu stürzen. Oder gar nichts zu bewirken, wie dutzende anderer Begegnungen zuvor.

Fragwürdige und falsche Gründe für Erfolg und Misserfolg

Wer Erfolg hatte, sie es privat oder beruflich, wird oftmals Gründe nennen, warum es so war. Der Erfolglose hingegen glaubt, keinen Anteil daran zu haben. Gerade las ich die Behauptung, Talente würde immer durch andere hervorgebracht – ein völliger Unsinn. Seit ich über die Liebe und die Partnerschaft schreibe, höre ich, dass der Misserfolg immer auf andere zurückzuführen ist – ein gefährlicher Umkehrschluss der Behauptung. Oh nein – der Erfolg erwächst aus uns selbst, auch wenn wir nicht genau wissen, wie wir „die Sache gedeichselt“ haben. Und der Misserfolg kommt ebenfalls aus uns selbst. Er ist nicht ehrenrührig, denn auch erfolgreiche Menschen haben schon einmal versagt. Neben unserem Talent und unserem Willen benötigen wir günstige Zufälle und etwas Glück, das man kaum beeinflussen kann.

Man sagt, das Glück lache am Ende nur dem Tüchtigen. Das ist nicht ganz richtig, aber der Miesepeter bemerkt nicht einmal, wenn der kleine Finger des Glücks in berührt.

Insoweit wünsche ich euch Freude im Mai und ein lustvolles Wochenende, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.

Zuhören ist eine Kunst

Die Kunst des Zuhörens ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Ich bin mir nicht sicher, ob sie in der Schule gelehrt wird – dort ist „menschliche Kommunikation“ ohnehin eher ein untergeordneter Unterrichtsgegenstand.

Sagt man den Menschen, dass sich „zuhören“ erlernen lässt, sind sie oftmals verwirrt. „Zuhören“, so wird mir dann entgegnet, „könne doch jeder, aber nicht jeder sei auch in der Lage, Sätze zu formulieren.“

Das mag stimmen oder nicht, aber es hat mit der Kunst des Zuhörens gar nicht zu tun. Denn „zuhören“ bedeutet, etwas aufzunehmen, um es zu verstehen. Es kann auch bedeuten, dem Gegenüber die Möglichkeit zu schenken, eine Sache, einen anderen Menschen oder sich selbst besser zu verstehen.

Falls ihr das bisher nicht so gesehen habt – versucht es einfach mal. Es hilft euch und den Menschen, mit denen ihr zusammentrefft.

Wen interessiert eigentlich Psychologie?

Nachdem ich mich oft und sehr ernst mit den populären Aussagen der Psychologie auseinandersetzte, frage ich mich vor allem: Wen interessiert das eigentlich?

Um Psychologie überhaupt „auf den Schirm“ zu bekommen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

Man muss klug genug sein, um ein bisschen abstrakt denken zu können, und dumm genug, um die Aussagen nicht zu hinterfragen.


Meine Eltern waren nicht so gebildet, um abstrakt denken zu können - und das war auch nicht nötig. Also haben sie sich, wie die meisten Menschen ihres Jahrgangs, kaum für Psychologie interessiert. Ganz im Gegensatz zu meiner Generation, die ihre Kenntnisse entweder aus Frauenzeitschriften, populärwissenschaftlichen Betrachtungen oder eben auch aus ernsthaften Beiträgen zum Thema gewann. Wer psychologische „Erkenntnisse“ über Jahre verfolgt, bemerkt sofort, wie brüchig ihre Grundlagen sind und wie schnell sie veralten. Um beides zu verschleiern, wird (in der Öffentlichkeit) ein Gewebe aus Mysterien, Ideologien, aber auch Beobachtungen und durchaus auch Tatsachen um sie herumgewoben, sodass man nicht mehr genau erkennen kann, was wahr ist und was drangehäkelt wurde. Das ist die Psychologie, wie ich sie kennengelernt habe. Und um eines vorwegzunehmen: Ich behaupte nicht, dass ein einzelner Psychologe oder Psychotherapeut keine Kompetenzen hat. Meine Kritik setzt erst ein, wenn globale Aussagen über „die Menschen“ in den blauen Äther hinausposaunt werden – manchmal aus Überzeugung, manchmal aus Populismus.

Die Jugend - gibt es einen neuen Psycho-Boom?

Wenn ich nun an die Jugend denke, also alles, was jenseits von „X“ in die Zukunft hineingeboren wurde, so kann ich nicht feststellen, dass sie ihr Leben psychologischen Gedanken unterordnen oder versuchen, ihr Denken und Fühlen psychologisch einzuordnen. Das widerspricht möglicherweise dem Wunsch vieler junger Leute, mehr über sich selbst zu erfahren und deshalb Psychologie zu studieren. Nicht einmal das ist ein Beleg für die Bedeutung der Psychologie, denn am Ende geht es im Studium, darum, oft minimale Abweichungen festzustellen und zu bewerten. Mathematik ist wichtig, um komplizierte statistische Formeln zu nutzen, oder Zahlenwerke (neu) zu bewerten.

Psychologie - eine Frauenwissenschaft?

Es heißt, dass Psychologie zu einer „Frauenwissenschaft“ geworden ist, und viele mögen denken „das war sie doch schon immer, nicht wahr?“ Doch heute ist sie es in einem anderen Sinne. Früher umschwärmten die Frauen ihre männlichen Idole wie Motten das Licht, heute haben sie bereits einen Anteil von mehr als 80 Prozent der Branche, wenn man nur die Studienabgänger berücksichtigt.

Psychologie interessiert also auch junge Menschen, aber die Frage bleibt, was interessiert sie daran und warum? Wollen sie sich selbst verstehen? Wollen sie andere verstehen? Suchen sie Hilfe bei der Lebensführung? Wollen sie wirklich Erbsenzähler werden, um die Signifikanz einer Aussage zu bewerten?

Manchmal frage ich mich, warum die Wissenschaft der Informationsübermittlung- und Verarbeitung, sei sie nun als „Nachrichtentechnik“, „Kybernetik“ oder „menschliche Kommunikation“ bekannt, so wenig in die Psychologie einfließt. Aber vielleicht bin ich einer der wenigen, die sich so etwas (noch) fragen. Oder die es noch interessiert.

Meine positivste Eigenschaft

Manchmal werde ich gefragt, was meine wichtigste positive Eigenschaft ist. Zumeist wollen die Menschen dann ein Persönlichkeitsmerkmal wissen, das sie vielleicht für sich nutzen könnten.

Doch meine wichtigste Eigenschaft ist, zwei Punkte durch eine Linie zu verbinden, wenn andere nicht einmal die Punkte sehen können.

Manche haben diesen Satz abgelacht: „Ey, du Dämelack, woher willst du denn überhaupt wissen, dass da Punkte sind? Die Linien kann doch jeder ziehen, wie er will.

Seht einmal, das ist der Unterschied zwischen Leuten, die andere nicht ernst nehmen wollen, weil sie in kleinen, dunklen Kästchen denken – das ist höflich ausgedrückt und den anderen, die zunächst einmal darüber nachdenken, was jemand sagt.

Denn das kreative Denken funktioniert so:

Du siehst Punkte, die andere nicht sehen. Du schaust danach, wo diese Punkte noch vorkommen und sammelst sie. Dann verbindest du sie auf neue Weise. Schließlich teilst du die Verbindungen anderen mit.

Ich habe mich im letzten Ansatz von der Sängerin und Autorin Armanda Palmer inspirieren lassen.

Die Kernaussage bleibt: Kreativität entsteht dadurch, dass wir Verbindungen erkennen, die anderen verborgen blieben.