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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Ach nee, Herr Pofalla – die Weichenheizungen haben funktioniert?

Wie schön, dass Herr Pofalla meint, die in Leipzig während der Buchmesse ausgefallenen Weichen seinen NICHT wegen „ausgefallener Weichenheizungen“ eingefroren gewesen. Sondern wegen Eisregen (aha, Eisregen?) und Schneeverwehungen.

Zitat:

Die Weichenheizungen hätten zwar grundsätzlich funktioniert, so Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Eisregen und Schneeverwehungen seien aber zu massiv gewesen.


Da können wir ja beruhigt sein. Oder?

Keiner dieser Züge fuhr, der Bahnsteig war spiegelglatt - gestrandet in Halle Hauptbahnhof
Lieber Herr Pofalla, ich weiß ja nicht, wo SIE waren, als in Leipzig ein paar Schneeflocken zu viel vom Himmel fielen. Aber das war weder ein Unwetter noch ein naturbedingtes Chaos. Es war eine ungewöhnliche Situation, die ein funktionierendes Krisenmanagement ohne Weiteres in den Griff gekriegt hätte – nur gab es so etwas nicht. Und deshalb gab es dann ein hausgemachtes Chaos, das meiner bescheidenen Meinung von unzureichender Technik, überfordertem Bahnpersonal und einer absolut beschissenen (lässt sich nicht anders ausdrücken) Informationspolitik herrührte. Man kann auch sagen: von einem Totalversagen des Managements in Krisensituationen.

Ach so – ich war jedenfalls an diesem Tag in Halle Hauptbahnhof gestrandet. Weil unter anderem ein Teil der Infrastruktur, die nach meiner Kenntnis SIE verantworten, in einem erbärmlichen Zustand war. Und zwar „massiv“.

Rastatt - deutsche Planungs- und Ingenieurkunst?

Man gräbt einen Tunnel – und über ihm sackt das Erdreich ein, und mit ihm die deutsche Nord-Süd-Verbindung per Bahn. Der Schaden: unermesslich. Das Geld für den Tunnel: vergraben. Eine Baumaschine (Wert 18 Millionen Euro) – vergraben. Die Kosten für die Wiederherstellung der Strecke nach Basel? Und die Unterbrechung des Personen- und besonders des Güterverkehrs von Nord nach Süd?

Es ist ein deutsches Dilemma: Die einzige wirklich durchgängig befahrbare, schnelle Bahnstrecke von Nord nach Süd geht am Rhein entlang – andere gibt es nicht. Man könnte – ja, ja, man könnte die französische Strecke benutzen, auf der anderen Seite des Rheins. Aber dagegen, so hört man, spricht neben dem bekannten nationalen Eigensinn eben auch die Tatsache, dass Europa keine verbindlichen Normen für den Schienenverkehr hat.

Die Verantwortlichen für die Havarie wie auch für das Bahndilemma? Meine Prognose: Niemand wird die Verantwortung übernehmen. Man wird eines Tages sagen, es sei „unvorhersehbar“ und im Übrigen „höhere Gewalt“ gewesen. Ist ja auch viel bequemer.

Die Bahn und die Legitimation

Erste Phase: Verwirrung

Es ist noch nicht so lange her, da legte man eine Kreditkarte als Legitimation dafür vor, höchstselbst berechtigt zu sein, die Fahrt mit der Deutschen Bahn durchführen zu dürfen. Das hat sich geändert, aber der dumme Bahnreisende weiß es natürlich nicht.

Erste Kontrolle: (Regionalbahn, S-Bahn, freundliche Dame) „Kreditkarte benötige ich nicht mehr! Haben Sie ihre Bahncard dabei? Danke schön“.

Zweite Kontrolle (ICE, Zicke): „Dann hätte ich bitte gerne Ihren Personalausweis.“ „Ich denke, Sie benötigen keine Identifizierung mehr?“ „Doch haben Sie die Rückseite nicht gelesen, da steht es doch deutlich!?“ (Beäugt misstrauisch den Personalausweis) „Und ihre Bahncard, bitte!“

Zweite Phase: Bahncard oder schönes Gesicht?

Weitere Kontrollen: Gelegentlich wurde die Bahncard verlangt, manchmal auch gar nichts. Immerhin benutzte ich auf dem Hinweg vier verschiedene Züge, auf dem Rückweg waren es sogar fünf.

Dritte Phase: das Rätsel wird gelöst

Heute habe ich nun die Rückseite meines Tickets gelesen. Ich muss mich mit meiner Bahncard identifizieren. Das reicht normalerweise.