Skip to content

Im Intercity 2

Der Intercity 2 ist neu bei der Deutsche Bahn, und ich war naturgemäß sehr neugierig, wie es sich darin fährt. Zuvor schon mal dies: Besser als in der alten D-Zug-Plüschklasse, die sich die Bahn noch vor zwei Jahren leistete, allemal.

Der Zug ist ein Doppeldecker – man hat also im „Oberdeck“ einen sehr hübschen Ausblick. Es gibt reichlich Informationen über die Reise von Bildschirmen, die auch den Streckenverlauf anzeigen. – und dies in deutscher, englischer und französischer Sprache. Eingesetzt wird der Zug vorerst nur auf wenigen, im Fernverkehr überwiegend auf den Strecken Dresden-Köln Leipzig-Bremen.

Das Positive: Der Zug ist ausgesprochen bequem, man hat viel Beinfreiheit, und er fährt überraschend leise. Es gibt sogar Snacks, nur leider weder Zeitungen noch WLAN. Letzteres ist besonders eigenartig, weil jetzt sogar die regionale S-Bahn Gratis-WLAN anbietet.

Pünktlich war die Bahn bisher auf dieser Reise. Ein Ärgernis ist eher der Bahnhof Halle HBF, der über keine moderne Toilettenanlage verfügt. Das ist bei einem solchen, von Kommerz durchzogenen Bahnhof eine Unverschämtheit, zumal dieser Zustand schon über ein Jahr andauert.

Ach nee, Herr Pofalla – die Weichenheizungen haben funktioniert?

Wie schön, dass Herr Pofalla meint, die in Leipzig während der Buchmesse ausgefallenen Weichen seinen NICHT wegen „ausgefallener Weichenheizungen“ eingefroren gewesen. Sondern wegen Eisregen (aha, Eisregen?) und Schneeverwehungen.

Zitat:

Die Weichenheizungen hätten zwar grundsätzlich funktioniert, so Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, Eisregen und Schneeverwehungen seien aber zu massiv gewesen.


Da können wir ja beruhigt sein. Oder?

Keiner dieser Züge fuhr, der Bahnsteig war spiegelglatt - gestrandet in Halle Hauptbahnhof
Lieber Herr Pofalla, ich weiß ja nicht, wo SIE waren, als in Leipzig ein paar Schneeflocken zu viel vom Himmel fielen. Aber das war weder ein Unwetter noch ein naturbedingtes Chaos. Es war eine ungewöhnliche Situation, die ein funktionierendes Krisenmanagement ohne Weiteres in den Griff gekriegt hätte – nur gab es so etwas nicht. Und deshalb gab es dann ein hausgemachtes Chaos, das meiner bescheidenen Meinung von unzureichender Technik, überfordertem Bahnpersonal und einer absolut beschissenen (lässt sich nicht anders ausdrücken) Informationspolitik herrührte. Man kann auch sagen: von einem Totalversagen des Managements in Krisensituationen.

Ach so – ich war jedenfalls an diesem Tag in Halle Hauptbahnhof gestrandet. Weil unter anderem ein Teil der Infrastruktur, die nach meiner Kenntnis SIE verantworten, in einem erbärmlichen Zustand war. Und zwar „massiv“.

Das Bahn-Chaos – wie es der Reisende erlebt

Das Wetter war lange angekündigt – und sowohl die Deutsche Bahn wie auch die Stadt Leipzig erwies sich als unvorbereitet auf eine ganz normale Wintersituation. Es schneite, es war ziemlich, aber nicht extrem kalt und der Wind blies ein bisschen mehr als sonst. Nein, es war kein naturbedingtes Chaos. Das Chaos war von Menschen gemacht. Menschen, die sich offenbar nicht viel dachten. Hauptsächlich waren es wohl die Chefetagen, also die gut bezahlten Manager der Transportbetriebe, die als Mitverursacher dessen infrage kamen, was dann als „Chaos“ bezeichnet wurde. Ach ja, die Natur ... die Natur, ja natürlich.

Was immer die Leipziger Straßenbahn tat – ich weiß es nicht. Sicher sind es nicht die Fahrer und Helfer, die für das Chaos verantwortlich waren. Und ob ein Krisenplan geholfen hätte, kann ich auch nicht beurteilen.

Die Deutsche Bahn - offenbar planlos ins Chaos

Kommen wir also zur Deutschen Bahn, und insbesondere zur „Mitteldeutschen“ Sektion, und hier insbesondere zu den Verhältnissen in Leipzig. Dort hakten die Weichen wegen Vereisung, und angeblich war die (vorhandene) Beheizung nicht in der Lage, diese aufzutauen, weil „alles sofort wieder anfror“. Ja Leute, was denn? Nicht winterfest? Kein Krisenplan? Keine Leute, die sofort handeln? Hat man bei der Bahn in Leipzig überhaupt noch Konzepte für irgendetwas? Was war denn geschehen? Keine ungewöhnliche Kälte, ein bisschen mehr Schneefall als sonst, aber keinesfalls Schneeberge – und die Weichen frieren ein? Und wenn sie abgetaut sind, frieren sie wieder ein? Da können die Pressesprecher der Bahn viel über „eingefrorene Weichen“ erzählen – das Beispiel zeigt doch nur, dass die Deutsche Bahn in Leipzig unfähig ist, solche Situationen zu meistern.

Die Reise - statt ICE erst mal IC, dann RE
Komfortabel war es schon - aber ein RE ist eben kein ICE.
Mein Tag begann mit einem Zugwechsel, weil schon der erste Anschluss nicht geklappt hätte. Die Bahn gab keine Begründung für die Verspätung. Immerhin hätte ich bis Leipzig durchfahren können. Dann die böse Nachricht: Halt in Magdeburg. Umsteigen auf einen Regional-Express, der buchstäblich jedes Dorf in Sachsen-Anhalt bedient. Immerhin reiste ich in einem komfortablen Nahverkehrszug – eine Neuerwerbung der Deutschen Bahn. Dass die Zugangswege zu den Bahnsteigen in Magdeburg total vereist waren – das war an diesem Tag Standard. Immerhin fuhr mein Zug tatsächlich. Fragt sich nur, warum der Regional-Express bis Halle/Saale fahren konnte, der IC aber nicht.

Das Chaos wurde in Halle (Saale) perfekt
Durchgängig Rutschbahnen: ein Wunder, dass neimand ausglitscht
Das Chaos in Halle werde ich nicht wieder vergessen – „verarscht“ ist gar kein Wort für das, was ich dort an „Informationen“ bekam. Und wieder liegt der Verdacht nahe, dass die Bahnmanager und Hauptverantwortlichen sich nichts dabei dachten, dass ständig Fehlinformationen ausgegeben wurden – und zwar eine nach der anderen. Auch hier waren die Zugänge zu den Bahnsteigen nur sehr dürftig geräumt – mit „Normalschuhen“ war man hier verloren.

Bahn ohne Plan

Die Bahn hat gezeigt, wie schlechtes Management, eine katastrophale Informationspolitik und nicht vorhanden Koordination zum Chaos führt. Sie wird wahrscheinlich abermals nichts daran ändern. Denn wieder war es vorgeblich nicht das Eis im Hirn, sondern das Eis auf den Weichen, das zum Bahnchaos führte. Und die Verantwortlichen – ach nee, die Verantwortlichen? Die werden jetzt wahrscheinlich sagen: Was will denn dieser Roese mit seiner Kritik? Die meisten Fahrgäste waren doch ganz verständnisvoll. Ja, das waren sie – weil das vorgeschickte Personal ja nichts daran ändern konnte, dass die „Verantwortlichen“ bei der Bahn im Zweifel niemals zu ihrer Verantwortung stehen.

Zu viel "Verständnis" schadet nur

Möglicherweise ist der Grund für das Wohlverhalten aber auch ein falsch gewichtetes Verständnis für die Pannen-Manager. Und mir schient, wir sind ohnehin alle viel zu verständnisvoll gegenüber dem schlechten Service, dem unerträglichen Krisenmanagement und grundlegenden Fehlern in der Informationspolitik. Und dagegen hilft nur, massiv zu protestieren.

Die Bahn als Geisterbahn ohne Plan

Komplettes Chaos in Halle: Keine der angezeigten Bahnen fuhr fahrplanmäßig - das hätten man in Halle wissen können
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Bahn, heute früh noch von mir mit Lob bedacht, ist in Wahrheit nicht auf besondere Situationen vorbereitet: Vor Ort stehen und sitzen unwissende Menschen, die zwar ihr bestes geben mögen, aber es nicht können, weil ihre eigenen Informationen falsch und unvollständig sind.

Geisterzüge werden angezeigt, verschwinden dann wieder ...


Sie geben deshalb mal diese, mal jene Auskunft und verlassen sich offensichtlich darauf, dass irgendwo und irgendwie schon jemand (eventuell sogar ihr überaus dusseliges Computersystem) etwas weiß.

Ich habe noch nie im Leben innerhalb einer Stunde so viele falsche und irreführende Informationen bekommen wie heute in Halle HBF. Es ist ein Zeugnis des Versagens, wie es schlimmer nicht ausgestellt werden kann.

Die Bahn ist offenbar in einem elenden Zustand – und in diesem Fall deutet alles auf ein durch und durch unfähiges Krisen-Management hin. Und die Verantwortung? Die wird sicher wieder auf Meister Frost geschoben.