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Warum ich keine Appelle an Frauen und Männer richte

In den letzten Wochen las ich ziemlich viele Sätze über Gewalt gegen Frauen, zum Beispiel den, „Wir alle müssen jetzt ein Zeichen setzen.“

Zeichensetzung, das wissen alle Schriftsteller, ist ein bisschen Auffassungssache. Und so lese ich etwas verwirrt weiter und frage mich, wie ich ein Zeichen setzen kann. Wirklich, ich hätte es getan.

Nachdem ich mich durch wörtliche Zitate und zitierte Zahlen gequält hatte, entdeckte ich einen der wenigen authentischen Sätze (1):

Und auch wir müssen mehr Verantwortung füreinander übernehmen. Wir müssen uns einmischen, wenn wir das Gefühl haben, es wird jemandem Unrecht getan. Wir müssen aufmerksam sein und auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. Und ganz besonders müssen wir Hilfe leisten. Wir alle. Auch du.


So etwas nennt man einen Appell. Doch an wen richtete er sich, wenn „wir“ das alles tun müssen? Und wann und wo sollten wir etwas tun oder schreiben, was wirklich sinnvoll ist?

Klischees und Wahrheiten

An anderer Stelle konnte ich lesen (2):

Demnach gilt der Mann seit Jahrhunderten als machtloses Opfer seiner Triebe, weswegen den Frauen die Verantwortung für den sexuellen Kontakt aufgebürdet wird.


Ich habe daraufhin ein Interview mit der Autorin gelesen, das sehr aufschlussreich war. Diesen Satz würde ich jedem zum Bedenken geben (3):

Der Hauptteil der Vergewaltigungen findet allerdings nach wie vor in der eigenen Familie, im Freundeskreis oder bei Dates statt.


Sollte ich doch Zeichen setzen?

Welche Zeichen sollte ich also setzen? Ebenfalls an Menschen appellieren, mehr auf sich zu achten? Oder mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen? Weder sich selbst noch andere zu gefährden?

Nun gut, ich könnte schreiben: „Männer sollten bitteschön ihre Triebe besser kontrollieren.“ Oder „Frauen sollen sich bitte schön nicht grundsätzlich als machtlose Opfer präsentieren.“

Und ich könnte dieses Zeichen setzen: „Frauen, die blöd angemacht werden, genötigt oder gar vergewaltigt werden, tragen nicht die Verantwortung für dieses Geschehen.“

Aber diese Sätze sind bereits in Tausenden ähnlicher Appelle enthalten. Und sie werden eben auch auf andere Situationen erweitert. Etwa, wenn mir hundertfach entgegendröhnt, „die Männer“ seien an „allem“ schuld, zum Beispiel, weil sie Schweine sind. Oder wenn ich auf fragwürdigen Beraterseiten lese: „Lass dir nicht einreden, dass du die Verantwortung dafür trägst, wenn du keinen Erfolg bei der Partnersuche hast.“

Dann denke ich: Selbstverständlich bis du, Frau, nicht Schuld, wenn du ein Opfer wirst. Aber nachdem das einmal geklärt ist – es bedeutet nicht, dass du niemals dafür verantwortlich bist, wenn dein Leben schief läuft.

Ich setze kein Zeichen, und das ist gut so

Und also setze ich mal kein Zeichen, sondern sage: Es wird Zeit, einmal von den Gegensätzen und Anfeindungen herunterzukommen. Eine Frau soll so denken, fühlen und handeln können, wie sie mag. Und ein Mann selbstverständlich auch. Das ist eigentlich alles. Klar, dass es dabei auch Konflikte gibt, und über die müssen wir sprechen.

(1) GoFeminin.
(2) Süddeutsche Zeitung.
(3) Süddeutsche, Interview mit Mithu Sanyal.

Der Alpha-Softie geistert wieder durch die Presse

Er hat unzweifelhaft Alpha-Qualitäten
Ich hatte ja gehofft, nie wieder den Begriff „Alpha-Softie 2.0“ zu lesen. Der ist inzwischen sein „2.0“ los, bleibt aber ein Alpha-Mann und zugleich ein Softie, und das liest sich dann so: Zitat shz:

(Frauen wollen) … einen gutaussehenden Mann mit Status, mit dem man - auch wegen seiner Bildung und Empathie - tiefergreifende Unterhaltungen führen kann, der Wünsche erkennt, ein „Versorgertyp“ ist und zugleich leidenschaftlicher Liebhaber.


Frisch aufgewärmt anhand von Daten des Statistischen Bundesamts

Die Geschichte wurde wieder aufgewärmt, nachdem das Statistische Bundesamt Zahlen vorgelegt hat, nach denen höher qualifizierte Frauen durchaus minder qualifizierte Männer heiraten. Wobei sich die „Qualifikation“ allerdings lediglich auf die Bildung bezieht. So ein Pech aber auch. Übrigens wurde die Behauptung, die Kombination von "Alpha" und "Softie" 2017 nur wiederholt - im Ursprung stammte sie sinngemäß aus dem Jahr 2012 und las sich so: (Zitat)

Der Alpha-Softie: Zwischen Kinderliebe und Karriere ... Frauen wünschen sich mehrheitlich das Beste aus zwei Welten - den karriereorientierten Versorger, der sich zu Hause in die Kindererziehung einbringt.



Für mich ist erstaunlich, wieso Frau Fischbach, die Hauspsychologin von ElitePartner, nun ihr altes Modell vom Alpha-Softie wieder aus der Grabbelkiste holt. Es war schon mehr als fragwürdig, als sie dies 2012 der Presse vorstellte. Denn eigentlich sind sogenannte „Alpha-Männer“ nicht unbedingt Koryphäen des Geistes, sondern eben nur „Alpha“ also „Führer“ ihres jeweiligen Rudels. Und die Frage, was ein „Alpha-Mann“ überhaupt ist, beantwortet Elite Partner selbst - freilich ziemlich aufgehübscht, indem diesem Mann allerlei positive Eigenschaften zugeschrieben werden, die ein Alpha-Tier nicht notwendigerweise braucht.

Der aufgewärmte Alpha-Softie

Und ein Alpha-Softie? Da verlassen wir endgültig die Gesellschaftsordnung von Primaten ebenso wie die der Menschen (die auch zu den Primaten gehören). Denn Alpha-Softies sind eine sozusagen „an der Schreibmaschine“ konstruierte Männergattung, die man oft spöttisch als „eierlegende Wollmichsäue“ bezeichnet.

Wie die „shz“ (Schleswig-Holsteinischer Zeitung) nun auf die Idee kam, sich des Themas anzunehmen? Ich lächele an solchen Stellen immer ein wenig. Man muss die Zeitung ja irgendwie vollkriegen, oder?

Oh, der Mann um 45 wird sexuell entdeckt

Ich bin über meine „mittleren Jahre“ ja schon etwas hinaus. Aber ehrlich: Ich war wirklich mal Kind, mal Jugendlicher, mal Twen, mal „trau keinem über 30“ und mal – gegen 45. Und ich erinnere ich erstaunlicherweise daran. Wohl auch, weil ich damals gerade geschieden wurde und ein neues Universum eröffnen musste: das des Mannes in mittleren Jahren.

Dieser Mann wurde damals (ja, damals) von entheirateten Frauen nach der populären „Entfesslungsscheidung“ gesucht. Ideologisierte Feministinnen hatten den Frauen eingeredet, sie müssten nur die „Fesseln der Ehe“ abwerfen, und schon würde sich das Himmelreich der Befreiung öffnen. Satt dessen öffnete sich das Höllenreich der Einsamkeit und des Frustes. Denn bei Frauen um 40 standen die Männer schon damals nicht Schlange, um in die Fußtapfen des Ex-Gatten zu treten.

Ja, ja … und Sex. Der Gentleman schweigt besser über Details. Ab 45 werden Männern Anträge aller Art gemacht. Jedenfalls stand schon damals für gewisse Frauen fest: Ein Date führt unweigerlich zu Sex – „schließlich habe ich mir so viel Mühe gegeben, mir den Abend freizumachen.“ Klingt nicht sehr positiv, denn irgendwie fühlte man sich missbraucht, ob man diese „Angebote“ nun annahm oder nicht.

Es gab zwei andere Gruppen, die typisch waren für jene Zeit: diejenigen, die sich ihre Zukunft längst zusammenbastelt hatten und nun nur noch das Puzzlesteinchen suchten, das darein passte. Nee, nee, liebe Frauen – Prinzgemahl war nicht meine Rolle. Am nervigsten aber waren diejenigen, die sich partout schnellstens Sperma abholen wollten, um ihr Kind zu kriegen – in der Beziehung natürlich, aber bitte dann innerhalb eines Jahres und ohne zu zögern.

Wer’s nicht glaubt, bitte schön. Glaube ist Privatsache.

Und die Wissenschaft?

Also – und was hat nun die Wissenschaft festgestellt? Was bewegt den Mann im „mittleren Alter?“ Klar wird dabei: Sex ist nicht nur eine Funktion. Sehr hübsch formuliert. Also sagen wir das mal so: Der Mann um 45 definiert sich als heterosexuell (95 Prozent) und hatte auch deshalb die erste Erfahrung mit einer Frau (96 Prozent). Um diese Erkenntnis reicher interessierte ich mich nun dafür, wie viel Sexualpartner die Männer denn nun gehabt hatten. Und siehe: etwa 70 Prozent der heterosexuellen Männer um 45 „brachten es auf 0 – 10 Sexualpartner“, also insgesamt in der Spitze auf etwas weniger als einen alle zwei Jahre.

Und: „Etwa jeder vierte Mann kam gruppenunabhängig im Durchschnitt auf 11–30 Sexualpartner im Leben.“ Und darüber? „Bei den heterosexuellen Männern zeigten jedoch nur knapp 6 Prozent ein solches "intensives" Sexualverhalten.“

Wie schön. Und was weiß ich nun über das Sexualverhalten der Männer um 45?

Nichts. Zum Beispiel, ob die Männer ledig oder verheiratet waren. Und ob Huren oder ONS als „Sexualkontakte“ gewertet wurden. Und lustigerweise soll das Ganze den Ärzten „Aufschluss“ darüber geben, ob mehr als 30 Sexkontakte im Alter von 45 Jahren nun eine „hypersexuelle Störung bis hin zur Sexsucht“ entsprächen.

Aber, nun ja … die Wissenschaft. Sie weiß nun, wie sich der Mann um 45 verhält. Wie tröstlich.

Quelle: DocCheck