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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Deutschland - wer entzweit, wer eint?

Deutschland - wer entzweit, wer eint? - Mein Artikel zum heutigen Tag der Einheit beginnt kritisch und endet versöhnlich. Die Grundfrage ist, ob wir überhaupt von „Ostdeutschland" und „Westdeutschland“ sprechen sollten.

Immer, wenn das Wort „Ostdeutschland“ fällt, spreizen sich meine Zehennägel. Es beginnt bei den Schmierereien an den Wänden. Und es endet nicht, wenn behauptet wird, „Meinungen“ aus Ostdeutschland würden „nicht ernst genommen“.

Dein Staat heißt weder „Westdeutschland“ noch „Ostdeutschland“

Vielleicht werden Meinungen aus Bayern immer etwas zu ernst genommen, obgleich man in Bayern häufig völlig abweichend vom sogenannten „Westdeutschland“ denkt. Und in Deutschlands „echtem Westen“, dem bevölkerungsreichsten Bundesland“ findet man durchaus kulturelle Unterschiede zum Norden - ich denke da durchaus mal an sogenannte „Pappnasen“ .

Das alles muss der föderale Staat aushalten und auch seine Kultur.

„Westdeutsch“ ist völlig irreführend

Wer „Westdeutschland“ sagt, meint im Osten überhaupt nicht Westdeutschland, sondern er (oder sie) folgt einer ideologieschwangeren Vorstellung über „westliche Überheblichkeit“. Doch was „der Westen“ wirklich ist, heißt eigentlich „Einheit, Freiheit, Brüderlichkeit“, also die Werte des Humanismus, gefolgt vom demokratischen und liberalen Staat. Für manche Deutsche in Ost und West ist dies ein Rosinenkuchen, in dem man sich die süßen Rosinen herausklaubt und den Teig verabscheut. Für andere ist es die Verwirklichung der Menschenrechte. Daran werde ich nichts ändern können. Es ist eben so.

Meinungen und ihr Wert

Und die Meinungen? Ist es eine gute Idee, sich von „Meinungen“ leiten zu lassen? Das Staatswesen, die Gesellschaft und die Wirtschaft interessieren „Meinungen“ nur dann, wenn in ihnen der Gedanke an nachhaltige Verbesserungen wohnt. Aber auch, wenn dies nicht der Fall ist, gelten Meinungen - nur eben nicht für alle. Und wir müssen - wirklich - ein wenig unterscheiden, zu welchem Zweck die Meinungen geäußert werden.

Wer etwas meint, solle auch etwas wissen

Von verantwortlichen Menschen dürfen wir eine minimale Einsicht in die Menschenrechte, die Demokratie, den Liberalismus und andere Essenzen der Freiheit erwarten. Wer nichts davon versteht, darf auch Meinungen haben - aber wir müssen ihm oder ihr nicht folgen.

Einigkeit, Recht, Freiheit und Menschenwürde

Tausende Menschen in Ost und West praktizieren die Deutsche Einheit - in Beziehungen, Ehen, Freundschaften und Nachbarschaften. Sie fragen sich nicht, was an den Menschen bayrisch, sächsisch oder holsteinisch ist. Und sie schmieren auch keine Parolen an die Wand, radikalisieren sich nicht und beklagen sich nicht. Denken wir heute, am Tag der Deutschen Einheit, daran, dass es sie gibt. Und freuen wir uns, dass die Wiedervereinigung uns ermöglicht hat, einander in Freiheit und Rechtssicherheit zu begegnen und miteinander Deutschland zu repräsentieren.

Fake-News, Deutsche und Menschenrechte

Wenn Nachrichten aus einem Land verbreitet werden, in dem es keine Presse- und Informationsfreiheit mehr gibt, dann hat dieses Land Gründe, so zu handeln. Das können wir als liberale Journalisten nicht verhindern. Doch wenn diese Nachrichten dann von Deutschen aufgenommen und weiterverbreitet werden, muss man hellhörig werden. Und ich denke, dass es sich dabei nicht ausschließlich um ein paar „naive“ Menschen handelt, sondern um solche, die genau wissen, wessen Spiel sie betreiben.

Ich schreibe nicht über den Krieg - aus guten Grund. Aber ich würde mich freuen, wenn sich meine Mitbürger(innen) aus der freien, weitgehend auch liberalen Presse informieren würden. Die Freiheit zu verteidigen, beginnt damit, zu wissen, was Freiheit bedeutet. Und zwar nicht „so wie ich sie verstehe“, sondern so, wie sie in der Charta der Menschenrechte festgelegt ist.

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Wie diese Freiheiten nicht verteidigt, sondern bezweifelt, stellt sich gegen die Grundlagen des Rechts. Das ist alles, was ich heute sagen will.

Ostdeutsche und Demokratie

Heute titelte die Leipziger Volkszeitung, nur noch 39 Prozent der „Ostdeutschen“ seien mit der Demokratie zufrieden. Und Redakteur Markus Decker legt im Leitartikel noch eine Schippe drauf: „Westdeutsche müssen begreifen, dass ihre Dominanz ein Problem ist.“

So, so ... da muss jemand etwas begreifen - eine anonyme Masse, nämlich Westdeutsche. Die moralische Keule herausholen - Schuldige finden - das zieht immer.

Der Westdeutsche als Fremdling und ewiger Buhmann

Nein, ich spreche sogenannten „Westdeutsche“ nicht frei von Überheblichkeit. Aber in jeder Diskussion mit ebenfalls so genannten „Ostdeutschen“ fällt das Wort von westlicher Arroganz gegenüber ostdeutscher Gutherzigkeit. Mich erinnert das stark an meinen langjährigen Aufenthalt im Schwabenland. Da sind auch alle „brave Glasmännlein“, während der schreckliche Kaufmann mit dem „kalten Herzen“ aus dem Norden kommt. Solche Zuweisungen kennt jeder Norddeutsche, jeder Kaufmann, jeder Autor und mancher andere, der mit Innovationen in ein anderes Land oder eine andere Region kommt.

Demokratie lernen - ach, das geht auch?

Weil von der Demokratie die Rede ist: Der liberale Staat, der demokratische Staat und die Gesellschaftsordnung, die darin gewachsen ist - das sind die Themen, die in den Regionen, die sich so gerne mit dem Etikett „Ostdeutschland“ schmücken, noch nicht recht bewusst geworden ist. Ja, es kann stimmen, was der Ostbeauftragte sagt: „Demütigungserfahrungen der 1990-er Jahre sind immer noch Teile des Bewusstseins.“ Ich glaube, dass dieser Satz fällt, weil er einem ständig um die Ohren gehauen wird, wenn man als „Westdeutscher“ eingestuft wird. Aber: Wäre es dann nicht Zeit, am Bewusstsein zu arbeiten? Am demokratischen, liberalen und offen Verständnis für die Werte, die es zu verteidigen gilt? Wer steht denn ein für eine wehrhafte Demokratie, wer lehrt Demokratie?

Es gibt zu viele Fragen, und zu wenig Antworten. Und die Unzufriedenheit? Ist sie ein Argument, die eigenen Hände in den Schoss zu legen und über andere zu meckern?

Nein - ich erwarte gar keine Antwort. Mir reicht schon, wenn mehr Menschen nachdenken würden.

Zitat aus: LVZ, Printausgabe, Donnerstag, 29. September 2022.

Spalten Presseerzeugnisse die Gesellschaft?

Was soll ich von einer Presse halten, die versucht, die Gesellschaft zu spalten? Was von „seriösen“ Redakteurinnen und Redakteuren, die Ideologien unter Wahrheiten mischen?

Politisch klar - erzkonservativ oder links-sozialistisch

Klar – die linke Presse ist bekannt dafür, einen Keil zwischen „Arm“ und „Reich“ zu treiben. Das gehört sozusagen zu „ihrer DNA“. Und auch klar, dass es nicht die Armen sind, die ihnen nachlaufen, sondern die Unzufriedenen, die Systemkritiker und die übrig gebliebenen Kommunisten. Nicht besser ist die rechtskonservative Presse, die am liebsten sehen würde, wenn „das Deutsche Wesen“ wieder in die Gesellschaft einziehen würde. Klar, dass solche Presseerzeugnisse sich „hart am rechten Rand“ entlangarbeiten.

Neue Ideologien aus der Soziologie schöpfen?

Doch was bringt Redakteurinnen (und manche Redakteure) dazu, sich in Wort, geistiger Haltung und emotionaler Ausrichtung ganz im Sinne der „Genderideologie“ zu äußern? Und warum werden dabei häufig Keile zwischen „Frauen und Männer“ getrieben? Und nicht zuletzt: Warum weisen diese Leute den Männern die Schuld an allen Miseren zu?

Ich las gerade, dass immer mehr Männer ungewollt single bleiben und „selber schuld daran sind“. (1) Diese „Zuweisung der Schuld“ an einem ungewollten sozialen und emotionalen Zustand entspringt nicht nur einer Ideologie, sondern ist – mit Verlaub – ein rotzfrecher Übergriff. Ich bin ganz sicher, dass sich die entsprechenden Schreiber(innen) dabei voller Empörung auf „Wissenschaftler“ berufen werden. Das ist ja die „neue Masche“ – ideologisierte Thesen als „wissenschaftliche Wahrheiten“ zu vermarkten. Und zwar immer gerade so, dass man den Hintergrund nicht erkennen kann.

Manchmal entlarven sie sich, zum Beispiel, wenn Wörter verwendet werden, die nur im Sozilogenjargon existiere, wie etwa die Umwertung der Misogynie als allgemeines Kulturphänomen. Zitat:

(Das Wort zielt heute auf …) die tiefe gesellschaftliche Verankerung von Frauenfeindlichkeit, die oft durch individuelles Verhalten verdeckt wird. Dieses Begriffsverständnis mein die strukturelle Benachteiligung von Frauen, die Nicht-Beachtung von Frauen, fehlende Empathie für Frauen oder die geringe Anerkennung der Arbeit von Frauen. Auch internalisierte Misogynie, also die Geringschätzung von Frauen durch Frauen, ist eine Erscheinungsform.

Schreiben im Soziologen-"Neusprech"?

Wenn eine Autorin oder ein Autor den Begriff „das soziale Geschlecht“ verwendet, wo jeder andere Mensch an das biologische Geschlecht denken würde, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Diese Leute benutzen den Begriff ja nicht „zufällig“ so, sondern in der Absicht, „Neusprech“ aus dem Soziologen-Jargon durchzusetzen.

Wie das alles kommt? Ich denke, traditionell neigen sogenannte „Intellektuelle“ dazu, das mathematisch-naturwissenschaftliche Denken oder gar das logische Denken generell als „minderwertig“ zu bezeichnen. Stattdessen wird ein stark koloriertes Meinungswissen aus der Geisteswissenschaft vertreten, das dem „Deutschen Intellektuellen“ als höherwertig gilt.

(1)Auf den Beitrag der NOZ kann ich nicht verlinken, da er vom Verleger für Eigenwerbung genutzt wird, die Inhalte aber unterdrückt werden.

Die NZZ und Deutschland

Seit langer Zeit verfolge ich die Berichterstattung der NZZ. Sie war und ist für mich eine der besten Informationsquellen, wenn es um eine neutrale Sichtweise der Welt geht. Oder sagen wir mal: Sie war es einmal. Denn ein Land hat es der NZZ in letzter Zeit angetan: Deutschland. Dort, so kann man fast täglich in Kommentaren lesen, läuft alles schief.

Und natürlich weiß man es in den Alpen besser. Wie so oft. Nein, nichts gegen die Schweiz. Aber die Deutschschweiz weiß nach der Meinung gewisser Kommentatoren offenbar genau, dass sie das bessere Deutschland repräsentiert. Wenn man es als „ultrakonservativ“ bezeichnet, wäre das zu viel, obgleich die Sichtweise der NZZ-Kommentatoren in der Beurteilung Deutschlands dahin tendiert. Was die Kommentatoren befürchten? Wir wissen es nicht. Glauben sie, dass Tendenzen über die Grenze schwappen könnten? Und sind sie überheblich genug, diese zumindest für die Schweiz noch zu stoppen?

Was besonders schwerwiegt, sind die ständigen Vorwürfe gegen die deutsche Politik oder die Gesellschaftsordnung in Deutschland. Sie ist nun mal anders. Anders als in der Schweiz, anders als in Österreich und sogar anders als im ländlichen Bayern.