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Rückkehr sexueller Tabus – durch den Islam?

Ich muss wirklich mal höhnisch grinsen. Man sagt mir, die sexuellen Tabus kämen zurück. Wegen der Islamisierung, und an der sei die „Linksgrüne Meinungselite“ schuld. Erstaunlich, dass sich so viele Menschen Gedanken um „Frauen im Islam“ machen, die überhaupt niemanden kennen, der dem Islam anhängt. Ich selbst habe neulich hautnah eine solche Diskussion erlebt, ja, ich war gewissermaßen an ihr beteiligt. Ich will meine Argumente gar nicht wiederholen, aber ich darf wohl fragen: Warum fangen wir nicht an, vor der eigenen Tür zu kehren? Warum greifen wir nicht zuerst die Abwertungen und Erniedrigungen auf, die Deutsche anderen Deutschen antun?

Kulturen lassen sich nicht wegschnipsen

Natürlich können und dürfen wir darüber reden, dass uns Burkas und Burkinis, Schwimmverbote, Kopftücher und Verlobungen unter Minderjährigen nicht gefallen. Nettes Partythema, nicht wahr? Und wir können auch sagen, dass wir die Entwicklung von Subkulturen hemmen müssen. Doch zwischen „etwa fordern“ und „etwas durchsetzen“ liegen Welten. Und wir integrieren andere Kulturen nicht mit einem Fingerschnipsen. Schließlich lassen wir uns selbst ja auch nicht einfach integrieren.

Anders leben? Das muss erlaubt sein

Und vor allem können wir etwas nicht: Verhindern, dass andere Menschen anders leben wollen als dies „so üblich“ ist - und dies auch durchzusetzen versuchen. Und man denke: Auch Heiden, Christen und Juden tun das.

Die Moralinsäure kommt von Rechts

Mit den sexuellen Tabus hat das gar nichts zu tun. Sie kommen aus rechtskonservativen, antiliberalen und christlich-konservativen Kreisen, denen die ganze Chose des Liberalismus nicht passt. Und das nervt wirklich, weil es uns Übrige unmittelbar betrifft.

Soros-Stiftung hat die Nase voll von Ungarn

Die Soros-Stiftung zieht sich aus Ungarn zurück und geht nach Deutschland, weil sie um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter fürchtet.

Die Nicht-Regierungs-Organisation (NGO), die sich für die Menschenrechte einsetzt und in Budapest eine Universität betreibt, wurde von der Regierung Orbán mehrfach verbal attackiert.

Mehr in DIE WELT

Evangelikaler als Präsident abgeschmettert

Ein Trost am heutigen Ostermontag: Der ideologisch motivierte und entsprechend extremistische evangelikale und rechtskonservative Bewerber Fabricio Alvarado Muñoz hat die Stichwahl in Costa Rica verloren.

Der Gewinner, Carlos Alvarado Quesada, mag kein strahlender Sieger sein, und das Land hat Probleme in Hülle und Fülle. Doch wichtig ist zunächst einmal, dass die evangelikale Bewegung ihre Ideologien nicht mithilfe der Politik durchsetzen kann. In Costa Rica nicht und hoffentlich sonst auch nirgendwo auf dieser Welt.

Wirtschaftsliberal allein ist nicht liberal

Wirtschaftsliberal allein ist ein schlechter Witz - nur, wer liberal im Herzen ist, kann wahrhaftig ein Vertreter der Gedankenfreiheit sein.

Sie sieht sich als „wirtschaftsliberal“ und gewisse klammheimliche Anhänger der AfD, die sich für intellektuell halten, finden das ja richtig toll. Wie dumm doch angeblich kluge Menschen sein können. Alice Weidel nennt sich wirtschaftsliberal. Allerdings ist „wirtschaftsliberal“ keine Einstellung zur Freiheit, sondern eine eher eine ideologische Ausrichtung, die man während eines Studiums annehmen kann oder auch nicht.

Nur, wer durch und durch liberal ist, vertritt die Freiheit andersdenkender – also das Gegenteil von dem, was die AfD predigt. Hoffentlich weiß Frau Weidel, was sie sich damit antut, denn liberaler wird diese Partei damit nicht für fünf Cent – Pardon, fünf Pfennig.