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DDR-Identität

Ich schaue verblüfft in die Runde: Ich habe keine DDR-Identität, und genau das befremdet die Menschen in den neuen Bundesländern noch immer. Dass ich von Jugend an Demokratie erlernt habe und zusätzlich liberales Denken, gilt hier nichts.

Nein, ich habe keine DDR-Identität. Ich könnte drauf hinweisen, dass meine Familie wahrscheinlich länger in Thüringen gelebt hat als meine Gesprächspartner - nämlich seit dem 17. Jahrhundert. Ich könnte sagen, dass ich dem Adenauer-Staat kritisch gegenüberstand und deshalb die 1968er Revolution befürwortete. Und natürlich könnte ich auf die Probleme hinweisen, die ich als Liberaler überall dort habe, wo ich auf verkrustete Denkweisen stoße - in Bayern wie in Thüringen.

Doch all das wäre aussichtslos. Denn ich habe eben keine DDR-Identität. Mir fehlt das „Gütesiegel Ost“.

Die Werte der „Werteunion“ – noch tragfähig?

Mit der CDU und den Grünen würde sich eine Koalition der Wertkonservativen bilden: Die Bewahrung dessen, was Christen „die Schöpfung“ nennen und die Grünen die „Umwelt“. Zudem sprächen beide Parteien durchaus die Bildung von Familien und Wertschöpfungen durch Agrarwirtschaft, Handel und Gewerbe an. Da mag man im Einzelnen bei der Energiewirtschaft unterschiedlicher Meinung sein und auch die Großindustrie unterschiedlich bewerten – es würde dennoch passen. Auch vom liberalen Standpunkt aus bieten die Grünen mehr als sie uns fortnehmen wollen. Das ist allemal besser als das, was die SPD oder die LINKE zu bieten hat, von der AfD mal ganz zu schweigen.

Was sind eigentlich Werte bei den Ultra-Konservativen?

Wenn jetzt die „Partei in der Partei“, also die Werteunion in der CDU, gegen diese Koalition pestet, dann muss man ihr sagen, dass sie ihren Namen schnellstens ändern sollte. Die Frage ist nämlich nicht, ob es dieser Gruppierung um „Werte“ geht, sondern um welche Vorstellungen von Werten es ihr geht. Und da bietet die Webseite zunächst mal nichts als Zitate mehr oder weniger namhafter Menschen vergangener Jahrhunderte.

Besser als ewige Werte: ewige Bedürfnisse als konservative Grundlage

Es ist extrem billig, mit der Masche zu kommen, es ginge um „ewige Werte“ oder um solche, „die immer gelten“. Dann hätte man es gleich beim Kaiserreich lassen können. Die einzigen „Werte“, die wirklich immer gelten, sind die Basissicherung, also Essen, Trinken, Wohnen, Schlafen, Arbeiten, Kleiden und sich fortzupflanzen. Und dies in einer sozialen Umgebung, die in sich tragfähig ist und dem Einzelnen die Freiheit persönlicher Entfaltung lässt. Schließlich noch alles möglichst so, dass ein vollständiges körperliches, seelisches und sozialen Wohlergehen erreichbar ist. Das ist pragmatisches, konservative Denken ohne Ideologiefilter.

Konservative Werte sind meist aufgesetzte Werte

Was an „konservativen Werten“ herbeigeredet wird, ist nicht „konservativ“, es ist schlicht angejahrt – und alle angejahrten Werte gehören auf den Prüfstand. Ob das Neue immer besser ist als das Überkommene, kann niemals garantiert werden. Neue wie auch überkommene Ideen müssen sich täglich neu bewähren, und sollte sie das nicht tun, vergeht sie aufgrund von Selbstregulierungsprozessen automatisch - es sei denn, sie würde von Interessengruppen künstlich am Leben erhalten.

Konservativ sein – täglich prüfen, ob die Regel noch gelten

Was bedeutet dabei, „konservativ“ zu sein? Es bedeutet, täglich zu prüfen, ob die Regeln, die man sich selbst setzt, noch sinnvoll und zukunftsweisend sein. In ihren Überschriften ist die Werteunion immer auf der Seite des Fortschritts – und in der Praxis denken die vermeintlich konservativen erst einmal darüber nach, wie weit sie eigentlich denken dürfen. Klar kann man, wie die Werteunion sagt, „kritisch über alle Folgen von Veränderung nachdenken“ um dann „sicherzustellen, dass sie tatsächliche Verbesserung bringt.“

Dem fahrenden Zug nachwinken – ultrakonservativ sein

Ohne Spott, sondern aus der Praxis: Wenn sie diese Gedanken dann genügend ventiliert haben, ist der Zug längst abgefahren.

Liebe Ultra-Konservative: Die Welt bewegt sich ohne euer Zutun, und bevor ihr überhaupt noch nachgedacht habt, hat sie sich schon soweit bewegt, dass ihr den Veränderungen nur noch nachlaufen könnt.

Gedankenpuzzle zum Artikel: Die konservativen Basis-Bedürfnisse wurden der Maslowschen Bedürfnispyramide entnommen, die Basis-Werte den Vorstellungen der Weltgesundheitsorganisation. Die Grundlage, dass sich die erfolgreichsten Ideen durchsetzen, stammt aus der Evolutionslehre, die Selbstregulierungsprozesse sind Teil der der lebendigen Natur, sie werden ebenfalls in der Kybernetik beschrieben.

Rückkehr sexueller Tabus – durch den Islam?

Ich muss wirklich mal höhnisch grinsen. Man sagt mir, die sexuellen Tabus kämen zurück. Wegen der Islamisierung, und an der sei die „Linksgrüne Meinungselite“ schuld. Erstaunlich, dass sich so viele Menschen Gedanken um „Frauen im Islam“ machen, die überhaupt niemanden kennen, der dem Islam anhängt. Ich selbst habe neulich hautnah eine solche Diskussion erlebt, ja, ich war gewissermaßen an ihr beteiligt. Ich will meine Argumente gar nicht wiederholen, aber ich darf wohl fragen: Warum fangen wir nicht an, vor der eigenen Tür zu kehren? Warum greifen wir nicht zuerst die Abwertungen und Erniedrigungen auf, die Deutsche anderen Deutschen antun?

Kulturen lassen sich nicht wegschnipsen

Natürlich können und dürfen wir darüber reden, dass uns Burkas und Burkinis, Schwimmverbote, Kopftücher und Verlobungen unter Minderjährigen nicht gefallen. Nettes Partythema, nicht wahr? Und wir können auch sagen, dass wir die Entwicklung von Subkulturen hemmen müssen. Doch zwischen „etwa fordern“ und „etwas durchsetzen“ liegen Welten. Und wir integrieren andere Kulturen nicht mit einem Fingerschnipsen. Schließlich lassen wir uns selbst ja auch nicht einfach integrieren.

Anders leben? Das muss erlaubt sein

Und vor allem können wir etwas nicht: Verhindern, dass andere Menschen anders leben wollen als dies „so üblich“ ist - und dies auch durchzusetzen versuchen. Und man denke: Auch Heiden, Christen und Juden tun das.

Die Moralinsäure kommt von Rechts

Mit den sexuellen Tabus hat das gar nichts zu tun. Sie kommen aus rechtskonservativen, antiliberalen und christlich-konservativen Kreisen, denen die ganze Chose des Liberalismus nicht passt. Und das nervt wirklich, weil es uns Übrige unmittelbar betrifft.

Soros-Stiftung hat die Nase voll von Ungarn

Die Soros-Stiftung zieht sich aus Ungarn zurück und geht nach Deutschland, weil sie um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter fürchtet.

Die Nicht-Regierungs-Organisation (NGO), die sich für die Menschenrechte einsetzt und in Budapest eine Universität betreibt, wurde von der Regierung Orbán mehrfach verbal attackiert.

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