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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Das Wahre

Etwas geschenkt zu bekommen oder schon „zu haben“ scheint vielen Menschen nicht genug zu sein. Sie fragen sich, ob das, was ihnen geschenkt wurde oder was sie sich irgendwie erworben haben, schon das „Wahre“ ist?

Die wahre Liebe

Bei der „wahren Liebe“ wird dies besonders deutlich. Ich erinnere mich noch, als die „Ware Liebe“ neben der „wahren Liebe“ stand. Liebe als Ware dürfte bekannt sein: Sie hat einen kalkulierbaren Preis. „Wahre Liebe“ hingegen har gar keinen Preis, und trotzdem wünschen sich viele Menschen ein „Echtheitszertifikat“ für die Liebe, die sie empfangen. Dabei bedenken sie nicht, dass sie selber auch kein Zertifikat für die Liebe auszustellen, die sie schenken.

Das wahre Selbst

Dieser Tage fragte mich jemand, was denn das „wahre Selbst“ sei.

Nun ist der Begriff „das Selbst“ nicht mehr so populär wie zu Zeiten des „Psycho-Booms“. Für Freudianer ist das „Selbst“ das „Ich“ mit seinen beiden Spielkameraden „Es“ und „Über-Ich“, aber danach kräht auch kaum noch ein Hahn. Und für den Rest? Das ist es jetzt die Persönlichkeit als „Gesamtkunstwerk“.

Die „Ware Selbst“ ist zwar nicht mehr so wohlfeil, aber dennoch wird sie im Internet angeboten wie Sauerbier. Erstaunlich, was alles versprochen wird: Erfolg, Aufstieg, Glück und Geld. Wenn nur das „Selbst“ modifiziert wird.

Und wenn ihr jetzt fragt: Und was ist der „wahre Jacob“, der sprichwörtlich immer wieder auftaucht, zumal, wenn er es gerade nicht ist? Das war eine Sozialdemokratische Spottschrift.

Der Bahnstreik und der "Arbeiterführer"

Streiks mögen ein Recht der Arbeitnehmerschaft sein. Juristen wissen das besser als ich und sie nehmen dazu Stellung im Internet (wer will und mag, darf dort gerne recherchieren).

Doch Streiks im öffentlichen Dienst und im ÖPNV wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens sind kritischer zu sehen. So mögen den die „Lokführer“, die der Herr Weselsky so „engagiert“ vertritt, denn doch noch mal selbst nachdenken, ob es einen Sinn hat, jetzt in den Streik zu treten und damit selbstverständlich auch viel Porzellan zu zerschlagen. Und es gibt sicher auch noch eine Ethik, die über dem Streikrecht steht. Und ja, ich erinnere mich noch an die letzte Aktion dieses „Arbeiterführers“. DIE ZEIT hat dokumentiert, wie der Streik verlief.

Die Dunkeldenker und die Medien

Was haben sogenannte „Querdenker“, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker gemeinsam? Angeblich gehören zu einer psychisch vereinsamten, verbohrten Minderheit, die auf dem Weg zur Mehrheit ist. Das soll jedenfalls aus Forschungen in den USA hervorgehen, wo es angeblich nur noch 51 Prozent Realisten gibt. In Deutschland haben die „Querdenker“ noch nicht geschafft, die Gesellschaft in 50:50 zu spalten - und ich hoffe, es möge ihnen niemals gelingen.

Querdenker sind eigentlich gar keine, sondern Dunkeldenker

Im Grunde sind es gar keine Querdenker, die mit Transparenten durch die Straßen ziehen - sondern Dunkeldenker. Querdenker sind Wissenschaftler und Autoren, die Resultate aus mehreren Fakultäten vergleichen und daraus neue Erkenntnisse gewinnen. Und die Dunkelquellen sind eindeutig Teile der sozialen Netzwerke, in denen jeder behauptet, was ihm (oder ihr) gerade einfällt. Sie operieren also im Dunkel fragwürdiger „unterirdischer“ Kanäle, in denen Informationen beliebig „nachbehandelt“ werden können – deswegen mein Ausdruck „Dunkeldenker“.

Objektive Medien gibt es wirklich

Welche Rolle spielen nun eigentlich die Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Man wird kaum gegen die Institution sein, wenn man auf verlässliche, im Rahmen der journalistischen Möglichkeiten objektive Berichte, Reportagen und fundierte Meinungen angewiesen ist. Freilich gibt es noch andere äußerst objektive Medien, zu denen ich vor allem DIE ZEIT und die NZZ rechne, und sicher auch noch die BBC. Und es gibt in Deutschland durchaus andere Zeitungsverleger, die einen liberalen, demokratischen und halbwegs seriösen Weg einschlagen.

Nicht alle Zeitungen sind offen und liberal

Doch immer wieder werden „Tendenzen“ deutlich, die nicht gerade im Impressum stehen. Dazu gehört das Spektrum der im Kern konservativen Tageszeitungen, aber auch durchaus die „Linkspresse“. Hinzu kommen all die populistischen Blätter, die „auf Empörung machen“, und versuchen, einzelne Institutionen oder Personen so zu diffamieren, dass es nicht weiter auffällt, wenn sie es tun.

Warum wir verlässliche Informationen benötigen

Was wäre eine Welt ohne verlässliche Informationen? Ein Spielplatz der Spinner aller Schattierungen. Mühsam müssten wir uns aus dem Wust der vielen Teilnehmer an "sozialen" Netzwerken jene heraussuchen, die über genügend Weitblick verfügen, um Nachrichten, Meinung und Informationen zu ordnen. Und es ginge dabei auch noch darum, jene auszuflöhen, die im Namen von Einzelpersonen, Gruppen, Institutionen oder gar fremden Mächten fragwürdige oder bewusst gefälschte Meldungen verbreiten.

Wer es schafft: Chapeau. Aber reicht die Medienkompetenz der meisten von uns aus? Welcher dieser Dunkeldenker da draußen weiß schon, wie eine Rundfunk- oder Fernsehnachricht entsteht? Oder wie entschieden wird, was überhaupt in die Zeitung kommt und wie Nachrichten gewichtet werden? Und letztlich: wer von den „Normalbürgern“ weiß es?

Nein, ich will keine Antworten und Kommentare. Ich wünsche mir, dass jeder darüber nachdenkt. Das scheint mir sinnvoller zu sein.

Influencer

Influencer sind Leute, die unter dem Vorwand der Information oder wohlwollenden Empfehlung fremde Waren oder Dienstleistungen anbieten, weil sie für die daraus resultierenden Verkäufe eine Provision beziehen. Günstigstenfalls könnte man sie als „Propagandisten“ bezeichnen. Das ist ohne Zweifel eine Tätigkeit, aber eigentlich kein Beruf.

Schon merkwürdig, dass „Influencer“ angeblich ein Beruf ist. Es mag ja sein, dass ein Hausierer, Sekten-Missionar oder Jahrmarktsschreier ebenfalls zu den Berufen zählt. Was mich an den Witzbold erinnert, der neulich schrieb, ein „Influencer“ sei so etwas wie eine Mischung aus „Hausierer und Zeuge Jehovas“.

Heute las ich, es sei doch ein Beruf, weil „zahlreiche Qualifikationen“ erforderlich sind. Und da dachte ich natürlich an manche Berufe, für die es ebenfalls keine Ausbildung gibt, für die aber „zahlreiche Qualifikationen“ erforderlich sind. Nein, ich mag die Berufe hier nicht auflisten, und nenne nach Ringelnatz’scher Manier nur die „Abortfrau“.

Wisst ihr, eigentlich interessiert mich nicht, was „Influencer“ tun. Es gibt diejenigen, die „ordentlich Kohle“ machen wollen - das können einige von ihnen zweifellos. Und es gibt jene, von denen Gefahren ausgehen: Nämlich diejenigen, die in sogenannten „Sozialen Medien“ Scheißstürme (Shitstorms) entfachen, weil sie gerade mal das Fell juckt. Und mehr noch natürlich alle, die Staat und Gesellschaft spalten wollen - sei es im Sinne ihrer Ideologien oder im Auftrag einer fremden Macht.

Das Unterbewusste

Keine Frage - als ein gewisser Herr Freud uns gesagt hat, dass unser Denken und Handeln nicht vom Verstand allein gesteuert wird, brach eine mühsame Konstruktion des Menschseins zusammen. Sie wurden in einen Zusammenhang mit Kopernikus und Darwin gestellt, weil sie die dritte menschliche Illusion raubte. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums, der Mensch ist keine eigenständige Schöpfung und unser Denken kann nicht alle Handlungen erklären.

Der Geburtsfehler einer Theorie

Die Sache hat allerdings einen Geburtsfehler: „Das Unbewusste“ drückt aus, dass dieser Zustand wirklich existiert, das heißt, dass er irgendwie „fassbar ist“. Zudem verlockt der Begriff dazu, das Unterbewusstsein „woanders“ zu verorten als in unserem Gehirn. Dies zeigt sich vor allem daran, dass wie nicht von „unterbewussten Anteilen“ oder „unterbewussten Beeinflussungen“ sprechen, sondern oftmals von „dem Unterbewusstsein“.

Die Fangemeinde des Herrn Freud

Das wäre noch erträglich, wenn dieser Begriff nicht von einer begeisterten Fangemeinde aufgegriffen worden wäre. Nachdem sie sich zu Experten aufgeschwungen hatten, ließen sie ihre Erklär-Bärinnen und Erklär-Bären los, um die Welt zu belehren. Dabei wurde behauptet, unser Dasein (unsere Kommunikation, unser Handeln) würde nur zu zehn bis 20 Prozent vom „sichtbaren Bewusstsein“ bestimmt, aber zum „größten Teil“ von unserem „Unbewussten“.

Was charmant klingt, muss nicht wahr sein

Das kling charmant, vor allem für Esoteriker. Doch die Zuordnungen sind rein willkürlich und stimmen auch theoretisch nur dann, wenn man Freud‘schen Definitionen folgt. Demnach wird das „Es“ unter der Oberfläche vermutet, während das Über-Ich teils oberhalb, teils unterhalb der Bewusstseinsebene herumspukt. Das bewusste “Ich“ ist demnach immer erkennbar, zumindest im Handel.

Die Evolution als Schlüssel für die Wahrheit

Wer die Sache von der menschlichen Evolution aus betrachtet, wird das Modell eher belächeln. Warum sollten uns unsere vitalen Impulse bewusst werden? Sie laufen „automatisch im Hintergrund“ ab, und es ist unser Primaten-Erbe. Selbstverständlich überprüft unser Verstand oftmals, ob es solche Impulse „durchlassen“ soll. Das gilt vor allem für Impulse wie die Gewalt oder die Lust an der Fortpflanzung. Wir lernen im Grunde in unserem ganzen Leben, welche Impulse wir zulassen sollen, dürfen und müssen und welche nicht. Und wir machen dann und wann Fehler dabei. Rechtfertigt dies die Theorien der Freud-Populisten? Müssen wir „Bewusstes“ und „Unbewusstes“ wirklich separieren? Und benötigen wir solche unscharfen Begriffe wie „das Vorbewusste“? Ist die „innere Kommunikation“ nicht viel mehr ein dynamischer Prozess, der nur dann bedeutsam wird, wenn er lebensentscheidend ist?

In einem älteren Werk über das Gehirn heißt es sinngemäß: Je mehr Antworten wir finden, umso mehr Fragen werfen wir auf. Das ist gut und richtig, weil wir später dann ein genaueres Bild bekommen.

Auf ins 21. Jahrhundert!

Indessen: Wenn wir uns an die Freud‘sche Theorie klammern, dann bleiben wir im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert stecken. Und wenn ich sehe, wie oft das „Eisberg-Modell“ heute kommerziell genutzt wird, dann beginne ich, auch am Inhalt er übrigen Aussagen zu zweifeln. Was muss ich eigentlich von Menschen halten, die mit den Mitteln des späten 19. Jahrhunderts Erfolge im 21. Jahrhundert versprechen?