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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Die Denkflucht der Eiferer

Indem man den Namen auslöscht, wiegt man sich im falschen Bewusstsein, das Gedankengut hinter dem Namen auch beseitigt zu haben.. Cancel-Culture ist eine Form von Denkflucht.

Eduard Kaeser in der NZZ

Ich empfehle jedem, diesen Artikel zu lesen. Er zeigt überdeutlich, wie schnell wir uns auf Menschen einlassen, die mit rechthaberischer Gewalt argumentieren, sich aber selbst als überaus edel, hilfreich und gut bezeichnen.

Dem Autor sei Dank. Meinungen gegen die „Cancel Culture“ zu veröffentlichen erfordert inzwischen Mut. Insofern geht der Dank auch an die NZZ, die es dennoch tut.

Kandidaten, Karawanen und bellende Hunde

Mir war eines klar: Kurz nachdem Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert wurde, würde das Gebell in den „sozialen“ Medien beginnen.

Die „weißen CIS-Männer“, wie der Modeausdruck heißt, machten ihrem Titel dabei alle Ehre. Selbst, wer diesen Ausdruck nicht mag (wie ich), sieht nun, welche Auswirkungen alleine die Ankündigung hatte. Mit Schaum an den Lefzen tauchte das neidische Männervolk geiferend aus dem Sumpf auf. Sogar das Verbot der Fellnasen-Haltung wurde ihr unterstellt.

Dabei wurden andere Fragen in den Hintergrund gedrängt. Zum Beispiel, welche Wahl die CDU hatte, als sie ihren Kandidaten präsentierte. Ich las Umfangen, die „klar für Söder“ waren. Darf ich bitte zurückfragen, wann ein bayrischer Kandidat (also ein CSU-Mann) mal Kanzler wurde?

F.-J. Strauß (CSU) trat 1980 an und verlor damals die Wahl gegen Helmut Schmidt (SPD). Mit-Gewinner war die CDU - und Helmut Kohl wurde Kanzler. Trickreich wurde 2002 ein anderer CSU-Kanzlerkandidat aufgestellt: Edmund Stoiber (CSU). Er verlor die Wahl gegen Gerhard Schröder (SPD).

„Das muss nicht so bleiben“, werden nun die Besonnenen sagen - aber wer wird sich auf das Abenteuer einlassen? Und wo sind eigentlich die Leute im Hintergrund, denen man in der CDU/CSU überhaupt noch ein Ministeramt zutraut? Dem Ankündigungsminister Spahn? Dem blassen Wirtschaftsminister Altmaier? Oder gar dem amtierenden Verkehrsminister? Es ist doch keine Frage, dass die CDU versäumt hat, geeignete Personen nachzuziehen, die wirklich die Kraft und das Verständnis für einen Ministerposten haben.

Und aus dieser Sicht: Warum eigentlich nicht Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin, als Kanzlerin oder Vizekanzlerin?

Man sagt wohl, „die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“ Was letztlich heißt: Der Fortschritt steckt in der Karawane, die weiterzieht, und nicht in den Hunden, die jetzt bellen.

Macht Oliver Welke eigentlich noch Satire?

Schon mehrfach fiel mir auf, dass Oliver Welke in der Show, die immer noch unter dem Namen „Satire-Show“ vermarktet wird, besserwisserische und schulmeisterliche Sprüche klopft. Wenn dieser Mann „nicht mehr zusehen“ kann, wie die Regierung alles falsch macht und wie er als Satiriker alles besser machen würde, dann ist das äußerst peinlich für die Satire, aber auch für das ZDF.

Das mit dem „nicht mehr zusehen“ habe ich mir gemerkt. Es wäre eine Möglichkeit, mit der Heute-Show umzugehen.

Brücken-Lockdown - weiß die Regierung noch, was sie sagt?

Vor allem die Spitzen der CDU sind gerade dabei, das Volk erneut an der Nase herumzuführen. Offiziell hat die Kanzlerin den Begriff „Brücken-Lockdown“ von diesem Herr Laschet übernommen, der ihr geprägt hatte. Die Presse hatte ihn deswegen teils gelobt, teils verlacht. Das Verlachen war mit Abstand die bessere Lösung: Der Vorschlag kam zeitlich nicht hin mit der „Brücke über das tosende Wasser“. Das Wasser tost weiter, die Brücke ist Bluff.

Warum Merkel und Laschet nun unisono verkünden, was nicht haltbar ist? Weil das mittlerweile so üblich ist, etwas anzukündigen, aber auf keinen Fall halten zu können. Schon verkündet die Regierung in Person des Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), man habe "in einer Besprechung mit den Ländern am Sonntag deutlich gemacht, dass die Bundesregierung von einer verschärften Infektionslage ausgeht, die noch sechs bis acht Wochen dauern werde." Im Klartext: Bis Mitte Juni ab Verkündigung.

Zwei- bis drei Wochen sind nicht sechs bis acht Wochen - das rechnet euch jeder Grundschüler vor, und irgendwie dürfen wir als Bürger erwarten, dass die Regierungen keine Versprechungen machen, die sie von vorn herein selber anzweifeln.

Psychoanalyse und Therapie

Künstlerdarstellung des Kampfes mit Dämonen (Südafrika)
Psychoanalyse und Therapie - aus der Sicht des Beobachters im 21. Jahrhundert

Die meisten Menschen, die man nach der Psychoanalyse fragt, sehen den Fragesteller entweder befremdet oder bewundernd an. Zumeist haben zumindest Abiturienten ein rudimentäres Wissen: „Aha, Freud …“ oder „da war doch die Sache mit dem Unbewussten, nicht wahr?“ Manche gar können die ICH-Zustände benennen oder wissen, dass die Angelegenheit etwas mit Kindheitserfahrungen zu tun haben soll.

So weit, so gut. Freud, der Wiener Arzt und Erfinder der neuen Wissenschaft, wird nach wie vor vergöttert, und seine Lehre wird für das Evangelium gehalten. Wer sie nicht heiligt, begeht so eine Art Gotteslästerung. Dabei werden die Verdienste des Sigmund Freud nicht geschmälert, wenn man nicht so schrecklich dick aufträgt. Denn wenn jemand genau hinschaut, wird er immer finden: Der Klient ist derjenige, der sein eigenes Problem lösen muss. Der Therapeut ist sozusagen ein Helfer dabei, ohne den es oft nicht möglich ist, den „Knoten“ zu lösen.

Würde jeder so denken, dann hätten wir alle wesentlich weniger Vorbehalte gegen die Psychoanalyse oder auch gegen die Therapieschulen.

Reden wir mal von Letzterem. Die „Inflation der Therapieformen“ ist - zumindest für Deutschland - zusammengeschrumpft. Wir hören, dass es noch drei Formen gibt, die den Segen der Mediziner erhalten haben:

Psychodynamische Verfahren

Das Ziel ist, die Lebensgeschichte aufzuhellen und dort die „Knoten“ zu finden. Naturgemäß kann dies recht lange dauern. Die Therapie beruft sich im Wesentlichen auch heute noch auf Sigmund Freud.

Verhaltenspsychologische Verfahren

Wie der Name sagt, geht es dabei um jenes Verhalten, das den Klienten stört. Versucht wird, dieses Verhalten zu verändern und die Selbstregulation wiederherzustellen. Die Methode gilt als relativ verlässlich. Als Entdecker wird oft Frederic Skinner genannt.

Systematische Verfahren

Im Grunde ist damit die Familientherapie gemeint, aber auch alle sonstigen Verfahren, die das soziale Umfeld mit einbeziehen. Die Therapie ist relativ neu und hatte viele Mütter und Väter. Sie ist die einzige bislang bekannte Therapie, die sich im theoretischen Teil auf die Kybernetik beruft.

Deutsche Ansichten: Gesprächstherapie zweitrangig

Es gab und gibt andere aussichtsreiche Verfahren, die aber nicht den Segen der Gremien bekam, die in Deutschland entscheiden, was gut und sinnvoll ist. Besonders die Gesprächspsychotherapie, entdeckt und beschrieben von Carl Rogers, geriet in die Mühlen der Gutachter. Sie wurde mal anerkannt, dann aber auch wieder nicht.

In den USA und den meisten anderen Ländern existiert eine solche Diskussion nicht, im Gegenteil:

Sie ist eine der einflussreichsten und grundlegendsten Behandlungsmethoden in der modernen psychologischen Praxis und wird in der modernen Psychotherapie fast universell angewendet. Sie wird jedoch selten als alleinige Therapieform verwendet, sondern typischerweise wird sie mit anderen Therapieformen kombiniert.

(Englische Wikipedia)

Würden wir die Sache einmal auf das Wesentliche reduzieren, nämlich innere Konflikte aufzulösen, die nahezu jeden betreffen, dann wären wir einen Schritt weiter. Nahezu jeder Mensch hat diese Konflikte, und bevor daraus „Neurosen“ entstehen, haben die meisten Menschen Gelegenheit und Mittel, darauf einzuwirken.

Wäre diese Sichtweise ein erster Schritt, die Dinge auf die Erde zurückzuholen? Immerhin finden die Konflikte ja im Hier und Jetzt statt.
Foto: © 2021 by Liebesverlag.de

Zitate und zum Weiterlesen:

DVP (differenziert) Was ist Psychoanalyse?
Psychoanalytische Erläuterung als Kontrast zum Vorgenannten.
Hervorgehobenes Zitat: Wikipedia, englisch.