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Nach der Wahl in Sachsen

Nach Sachsen kann ich von hier aus theoretisch zu Fuß gehen. Gestern bin ich aber durchgefahren, und habe die zahllosen Wahlplakate der AfD am Straßenrand hängen sehen. Die Themen, die sie ansprachen, waren nahezu alle weder auf die Landespolitik bezogen, noch waren sie wirklich relevant.

Wenn Opa nicht mehr Diesel fahren darf ...

Ob Opa den Diesel noch fahren kann, bis er irgendwo auf einem sächsischen Feldweg stehen bleibt? Ob der Jäger den Wolf holen darf? Ob sich diese bösen Ausländer (aka Brüssel) in die die angestrebte deutsch-nationalistische Politik einmischen dürfen? Oder: wann endlich Gleichheit zwischen Ost und West hergestellt wird? Nein, nicht zwischen Nord und Süd – bei der AfD geht es zurzeit um die „Ostdeutsche Nationalität“, und nicht um das Grundgesetz. Das wird immer nur erwähnt, wenn irgendein Herr Studienrat (der muss nicht einmal der AfD angehören) dem blöden Wessi zeigen will, dass der Osten alles könnte, wenn ihn nur der Westen, die EU und der Einfluss der „Amerikaner“ dauernd hindern würden. Und, wenn endlich alle gleich werden würden. Wie das aussehen soll? Ach so. Frag nie einen überzeugten Ostdeutschen, was er selbst dafür tun will, dass es dem gesamten Deutschland besser geht.

Nach der Wahl - Themen, zu denen der AfD nichts einfällt?

Kein Zweifel: Seit gestern Abend weiß ich: Noch haben die Bürger Sachsens Vernunft gezeigt und die CDU etwas nach vorne gebracht. Das ist das Positive. Nun müssen Sachsens Einwohner nur noch zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen mit der Demokratie: Es gilt, die Pressefreiheit, den Geist des Liberalismus und die Freiheit von Kunst und Kultur tapfer zu verteidigen. Wenn der Herr Gauland sagt, „Wir bestimmen die Themen im Lande“, dann muss die Presse, aber auch jeder einzelne Bürger dafür sorgen, dass die Themen nicht von der AfD, sondern von der Vernunft bestimmt werden. Das ist möglich, wenn man andere Themen in den Vordergrund bringt – solche, die wirklich über Generationen hinweg zählen.

Oh – es gibt sie, die Mängel in Ostdeutschland. In der Infrastruktur, in Schulen, bei den Arztpraxen. Wo die Patienten wie die Hühner gepfercht sitzen, mehrerer Stunden warten müssen und wo es zugeht wie einst in Lambarene. Das muss nicht sein.

Oh, es gibt keinen Bäcker vor Ort mehr? In den meisten Fällen wird es daran liegen, dass keiner der jungen Leute mehr Bäcker werden will.

Wer eher eine Analyse als eine Meinung sucht, findet sie im Handelsblatt.

Wahl ohne Themen?

In vierzehn Tagen soll Wahl sein? Manchmal kann ich es mir gar nicht vorstellen. Die Presse langweilt mit Trends, die allesamt ohne Bedeutung sind. Die „großen Themen“ gab es nicht – jedenfalls waren sie nicht zukunftsträchtig. Migration und Asyl war das Hauptthema des „Duells“ – und es wurde maßgeblich vom Journalismus ins Zentrum geschoben. Wie einfältig! Die Konflikte sind größtenteils auf einen (oder gar mehrere?) Fehler der Vergangenheit zurückzuführen - wir wählen aber für die Zukunft.

Wem es gut geht, dem soll es auch gut gehen

Das dumme Geschwätz darum, dass „soziale Themen“ oder gar die „soziale Gerechtigkeit“ ausgegrenzt wurde, interessiert bestenfalls noch Kabarettisten (Ja, ich habe die Heute-Show gesehen). Den meisten Deutschen geht’s gut – so gut, dass selbst diejenigen, die „prekär“ beschäftigt sind, frohlocken können.

Prekär - ein Versuch, manche Arbeitsverhältnisse zu diskreditieren

Überhaupt „prekär“. Ein „prekäre“ Beschäftigung ist nicht „prekär“ im üblichen Sinne, sondernd der Begriff wurde umgedeutet, damit er bösartig klingt und sich so negativer darstellen lässt – das spielt den Sozialisten in die Hände.

Dennoch – befristete Arbeitsverhältnisse sind nicht gut, und sie schaden der eigenen Zukunftssicherung. Doch unsere Kasperles und Gretels auf der Politbühne sagen und ja bestenfalls, dass solche Beschäftigungen überhand nähmen, aber nicht, wie wir wieder von diesen Zahlen loskommen könnten. Und deswegen ist das Thema absoluter Müll.

Armut - ein statistischer Wert oder eine ehrliche Debatte?

Bei der Armut schließlich ist nicht einmal klar, wer wirklich arm ist und wer nur „statistisch zu wenig verdient“ – da argumentieren die Sozialisten gerne damit, dass wie ja „so ein reiches Land“ hätten das wenigstens die „Kinderarmut“ beseitigen könnte. Auch hier wird mit Zahlen und angeblichen „Fakten“ herumgeworfen, die nicht immer stichhaltig sind. Zwar werden die Folgen immer grau-in-grau ausgemalt, doch wie und warum Kinder arm bleiben, wird selten publiziert. Auch hier wäre zu fragen: Welche Maßnahmen schlagen die Parteien nun eigentlich konkret vor, um Kinder explizit besserzustellen? Soll die Gießkanne noch einmal hervorgeholt werden, um Geld auszustreuen? Oder sollte es konkretere Maßnahmen geben, um Kinder zu fördern? Bei all dem Gedröhne über Asyl und soziale Gerechtigkeit - wer mag da noch von der Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland reden? Über Bildung, Schulen, Straßen, Brücken und Wirtschaftsunternehmen? Über Innovationen und Ziele, die noch erreicht werden müssen? Über die Zukunft der Arbeit und der Freizeit?

Leute – IHR wollt doch in der Zukunft leben. Und eure „kleine Lili“ wird nicht sagen: „Schön, dass ihr damals AfD gewählt habt“ (1), sondern sie wird fragen: „Wie kann ich am besten meine Karriere planen und dabei glücklich werden?

Die Wahl wird mit Scheinthemen, Halbwahrheiten und Vergangenheitsbewältigung zugepflastert. Wie blöd für alle, die in der Zukunft leben wollen.


(1) Slogan der AfD: „Mit 18 freut sich Lili noch mehr, dass ihre Eltern AFD gewählt haben“ – dahinter steht der Kölner Dom.