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Nikolaus und Erkenntnis

Wer die Geschichten von der Entstehung des Nikolausfestes für wahr hält, muss erstens Katholik und zweitens wundergläubig sein. Kurz: Es ist eine tränenrührige Legende, die uns erzählt wird, um zu glauben, dass die Gabe von Geld etwas Gutes bewirkt, wenn es nur in die richtigen Hände kommt.

Gutmenschen können Manipulatoren sein - wie alle anderen auch

Wie viele Legenden glauben wir eigentlich? Von was sprechen wir? Alle, blauäugige Gutmenschen wie bösartige Manipulatoren, arbeiten mit Legenden. Man ist dort bereit, alles abzunicken, was zur eigenen Ideologie passt – meist kenntnislos. Sachverstand haben wenige, die meisten labern nach, was ihnen in der Familie oder am Arbeitsplatz eingeflüstert wird. Dabei habe ich einschlägige Rechts- und Linksblätter sowie Boulevardzeitungen noch gar nicht erwähnt.

Rechthaberei und Neidhammelei - zwei gesamtdeutsche Unsitten

Was wollen die Leute eigentlich? Recht haben? Das Geld haben, das andere angeblich verdienen, obwohl sie gar nicht wissen, wie viel sie verdienen und was sie dafür leisten müssen? Rechthaberei und Neidhammelei gibt es im Westen wie im Osten – es muss irgendwie eine gesamtdeutsche Unsitte sein. Und überall hört man Legenden: von unbezahlbare Wohnraum in Deutschland, von entsetzlicher Armut, von fehlenden Zukunftsperspektive. Man ist auch gewohnt, etwas „über“ Menschen zu hören: über Umweltaktivisten, Migranten und Prostituierte … in jedem Kopf scheint eine eigene Welt zu existieren, die nicht durch Tatsachen abgedeckt werden kann – und auch nicht abgedeckt werden soll.

Eine Bloggerkollegin schrieb neulich (1):

Das Problem ist, dass wir von unterschiedlichen Dingen sprechen.
Das Problem ist, dass über gesprochen wird, statt mit.
Das Problem ist, dass wir teilweise in unterschiedlichen Sprachen sprechen.


Und falls du, liebe Leser, mit „verschiedenen Sprachen“ „Ausländer-Sprachen“ meinst: In Deutschland gib es eine erheblich Anzahl von Menschen, die kein Deutsch beherrschen und sich mit Begriffen verständigen, die gar kein differenziertes Denken ermöglichen.

Zu dumm, um in der Grundschule differenziertes Deutsch zu lernen? Oder nur zu faul? Damit kommt man als sogenannter „Bio-Deutscher“ offenbar gut durch. Und auch die angeblich so Klugen sprechen über „Dinge“ so, als wären sie eben auch „Dinge“ – so wie sie in ihren Köpfen existieren, aber nicht in der Realität.

Die Realität ist kompliziert – egal, was sie für dich oder mich ist, sie existiert „wirklich“ nur, indem wir darüber reden und uns über sie einigen. Und auf Legenden könnt ihr wirklich sch… dankend verzichten.

(1) Gemeint ist jemand, der auch bloggt. Ich verlinke in diesem Fall nicht.

Micro-Cheating – wie dumm kann man als Leser sein?

Seit es soziale Netzwerke gibt, versuchen sich die Volks-Verdummer gegenseitig zu übertreffen. Das neuste Produkt einer angeblich auf Twitter begonnen Diskussion ist „Micro-Cheating“. Der Begriff ist schon vorn vornherein Bullshit, weil es keinen Makro-Betrug gibt. Wer seinen Partner „betrügt“, muss dabei schon physisch und heimlich zu Werk gehen, dann ist es „Fremdgehen“.

Über neue Medien an alte Medien - und dann geht alles wie von selbst

Die Wurzel des Wortes lässt sich nachverfolgen: Ein Online-Medium spricht am 15. August 2017 mit der australischen Erfolgstrainerin (1) Mel Schilling. Da das Medium von vielen Zeitungsredakteurinnen gelesen wird, kommt es bald in Kommentarblogs, und landet schließlich im März 2018 über „The Lily“ sogar in der „Washington Post“.

Ab diesem Zeitpunkt geht es dann um die ganze Welt. „Micro Cheating“ wurde geboren, verfestigt und über soziale Netzwerke weiterverbreitet. Dort einmal angekommen, haben es die Redakteurinnen und Redakteure von Frauen- und Männermagazinen zwischen den Fingern gedreht.

Belanglosigkeiten mit Hilfe der Presse aufblasen - offenbar kein Problem

Es ist – etwas völlig Belangloses. Wenn eine verheiratete Frau flirtet, beispielsweise. Oder ein verheirateter Blogger häufig mit einer ledigen Bloggerin kommuniziert, deren Stil er liebt. Natürlich hat Frau Schilling noch mehr gesagt, aber nichts davon geht über den Satz hinaus: „Pass auf, wenn er (sie?) einen Flirt hat, dann kann daraus auch mehr werden.“

Und das reicht heutzutage, um Botschaften in den hintersten Winkel der Welt zu senden und einen Namen populär zu machen? Arme Menschen, die darauf hereinfallen. Und armselige Medien, die es verbreiten.

(1) Ihre Webseite weist aus, dass sie eine Show auf Channel Nine hat, doch bezeichnet sie sich in erster Linie als Psychologin, Organisationsberaterin und Trainerin für Führungskräfte in der Wirtschaft.

Gebenedeite und Vermaledeite

In meiner Jugend hatte ich es nicht so mit dem Latein, weil mir Englisch viel näher stand. Und außerdem war ich der Meinung, dass es nicht unbedingt nötig sei, jeden Blödsinn zu verstehen, den die arroganten Fatzkes vor sich hin blubberten. Ja, wirklich, ich hielt manche Ausdrücke für blödsinnig, weil sie nicht zu meiner Kultur gehörten. Irgendwann (ich war wohl 27 oder so) benutzte jemand das Wort „Gebenedeit“ in einem Vortrag.

Wenn ich so ein Wort hörte, habe ich manchmal nachgefragt und ich bekam die etwas entrüstete Antwort: „Was, das weißt du nicht? Hast du nie vorn der „gebenedeiten unter den Frauen“ gehört? Nein, hatte ich nicht. Ich war nie Katholik und die Marienkultur ist für mich so eine Art Märchenbuch.

Gut, es war auch Luthers Sprache, wie ich las:
gott gebenedeiet dich zeitlich und ewiglich


Woraus ich unschwer ableiten konnte: „Ge“ wird dem (inzwischen erlernten) lateinischen „bene“ kombiniert und das „dicere“ wurde einfach eingedeutscht. Ursprünglich also eine Lobpreisung.

Male und Bene

Wo ein „Bene“ ist, ist auch ein „Male“, und das Wort „vermaledeit“ gilt ohnehin als Gegenteil. „Ge“ als Vorsilbe geht nicht, also muss „Ver“ her, das „Male“ kennt der Kaufmann vom Malus, und schon wird alles mit „dicere“ vermaledeit. Oder um an der Quelle zu bleiben:

so folgen wir dem alten und gewöhnlichen brauch und verbannen und vermaledeyen ... allerley ketzer.


Heutiger Gebrauch der Worte

Also: Gebenedeit auf Deutsch: Gesegnet (ursprünglich auch gelobt, gepriesen). Vermaledeit auf Deutsch: Verflucht.

Der heutige Gebrauch: Gebenedeit nur noch in der Kirchensprache, Vermaledeit nur noch selten in der Umgangssprache, wenn jemand den Fluch mit Humor verbindet.

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