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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Wozu ein Nussknacker nötig ist

Was hilft? Eine feste Hand, der Rentneröffner oder der Nussknacker?
Wann hast du deine letzte Nuss geknackt? Falls jemand „unartige Gedanken“ dabei hätte, was heute immerhin möglich wäre – nein, das meine ich nicht. Und ich denke auch nicht an das schwierige Rätsel, das eine wirklich harte Nuss war.

In den letzten Monaten kreisten meine Gedanken gar nicht um Nüsse. Aber um Nussknacker. Denn seit sich die ehrwürdige Getränkeindustrie darum bemüht, die Verschlüsse von Wasserflaschen mit immer weniger Material auszustatten, werden diese offenbar immer fester verschlossen. Oder einfacher: Sie lassen sich kaum noch öffnen.

Führt nun das Öffnen mit der Umklammerung durch die linke Hand nicht zum Ziel, versuche ich es mit der rechten Hand. Bei beiden Versuchen habe ich mich selbstverständlich darauf konzentriert, die Kraft genau auf den Punkt zu bringen. Geht es weder links noch rechts, versuche ich ein Wundergerät, das ich vor dreißig Jahren in der Schweiz gekauft habe. Es funktioniert nicht gut, weil die Zähne nicht recht in den Kunststoff greifen wollen.

Hatten wir nicht noch einen Nussknacker? Wenn er sich eignet, die Schale einer Walnuss zu zerstören, bevor sie den Kern freigibt, muss er ja einen festen Griff auf die Schale ausüben. Und in der Tat – die feste Umklammerung, die Hebelwirkung – der Deckel beginnt sich zu drehen, platzt ab von der Halterung, und das Wasser kann heraus.

Eigentlich

Über das „Eigentliche“ wurde eigentlich schon viel zu viel geschrieben. Adorno, den manche Deutsche für unendlich wichtig halten und der für andere längst vergessen ist, schrieb den „Jargon der Eigentlichkeit“. Wer will ihn noch lesen? Ich sicher nicht.

Warum sagen wir „eigentlich“? Wir sagen es, wenn wir auf den Grund zurückkommen wollen. Viele Wissenschaften, Forscher als Personen und selbst gewöhnliche Zeitgenossen bauen ein Gebüsch um die Wirklichkeit herum auf. Das Zweitrangige steht dann im Mittelpunkt, der Kern bleibt unberührt. In der überaus geschwätzigen Zeit, in der wir leben, ist das üblich geworden.

Wir reden über die Deko - nicht über die Grundlagen

Ein Beispiel aus dem Bereich der Paarbildung mag dies verdeutlichen: Paare kommen zusammen, um eine gemeinsame Basis für die Zukunft zu schaffen. Oder einfach, um miteinander zu vögeln. Das ist das „Eigentliche“. Alle andere ist Dekoration – sozial, psychisch, physisch. Der Unfug, der über diese „Deko“ geredet wird, füllt viele Zeilen – und ist dennoch völlig sinnlos.

Eigentlich müssten die Paare nur prüfen, was sie von der Gegenwart oder der Zukunft wollen – mehr nicht. Ich will hier gar nichts davon schreiben, worüber sie stattdessen reden.

Das Eigentliche ist das, worum es geht, wenn wir das Beiwerk wegnehmen. Wenn wir der Sache auf den Grund gehen oder Tacheles reden. Oder wenn wir unsere verletzliche Psyche offenlegen.

Und ja – eigentlich tun wir das nicht. Ihr merkt schon – es ist nicht nur ein philosophisches Thema, dieses „Eigentliche“. Und wir? Wir sollten wissen, was die Grundlage für uns ist – nicht, was sie „eigentlich“ sein sollte.

Dating – von einer Psychologin für Nicht-Psychologen

Eine Psychotherapeutin oder auch nur eine Psychologin zu treffen, auf neudeutsch zu „daten“, kann ein Erlebnis besonderer Art sein. Aber es kann auch wirklich „ganz normal“ sein. Der Unterschied liegt darin, was du in ihr siehst und was sie in dir sieht. Das ist zwar bei jedem Date so, aber drauf achten wir normalerweise nicht. Der Psychiater Ronald D. Laing schrieb einmal,

„Wenn (der wissenschaftliche Blick) … in Aktion ist, muss er die lebendige Gegenwart der anderen Person aufheben. Wenn man den anderen als Objekt betrachtet, verwandelt man nicht nur den Menschen in eine Sache, sondern man schneidet gleichzeitig … jede persönliche Beziehung zwischen sich selbst und dem anderen ab.


Wenn du als Nicht-Psychologe dies liest, dann erschrickst du. Und du denkst vielleicht, dass du „solch einen Menschen“ nie treffen willst.

Keine Angst vordem privaten Kontakt mit Psychologinnen (Psychologen)

Während meines Lebens hatte ich Gelegenheit, recht viele Psychologinnen und Psychologen zu treffen, weil ich eine Weile „im gleichen Klub“ war. Und mir ging es wie anderen auch: Zum Teil verhielten sie sich nicht ungewöhnlich, hörten interessiert zu und argumentierten sparsam. Und zum anderen Teil merkte ich, wie sie jeden Satz auf die Goldwaage legten, wie der kritische, analytische Blick mich zu durchdringen versuchte.

Ein Buch, das jeder Single lesen sollte - und du auch

Da richtige Buch für den Single

Ich schicke dies alles voraus, weil ich euch das Buch einer Ärztin, Psychologin und Psychiaterin ans Herz legen will. Es soll da bitte nicht liegen bleiben, sondern es will gelesen werden.

Das Buch wendet sich an Singles auf Partnersuche. Interessant ist es allerdings für uns alle, auch wenn wir jetzt nicht auf Partnersuche sind. Das Buch heißt „Date Education“, was manchen befremden mag. Aber der Untertitel ist sehr hilfreich: „Durchschaue dein Date“. Der Satz trifft wirklich zu: Du lernst, deine Partner(innen) zu durchschauen und dich selbst dabei richtig einzuordnen.

Geschrieben hat das Buch Dr. Nasanin Kamani, und sie schreibt so, dass du jedes Wort verstehen wirst, ohne lange nachzusehen, was es heißen könnte. Es ist deshalb ungewöhnlich, weil sich die Autorin selbst einbringt, und du erkennst dich deshalb sofort wieder. Ihre Erlebnisse werden, was mich sehr erfreut, teilweise in Dialogen geschildert. Das ist aufschlussreicher als ständig über die Gefühle zu reden, die jemand hatte oder nicht hatte oder gerne gehabt hätte.

Und nun kommt etwas, das ich wirklich sehr selten tue: Ich empfehle euch dieses Buch und sage: Es ist das einzige Buch über Dating, das du je brauchen wirst. Der Hauptgrund ist, dass es kaum von dem abstrakten Begriff „Dating“ handelt, sondern von den Menschen, die Partner(innen) suchen. So wie vielleicht auch du. Und falls du nicht suchst: Du kannst dieses Buch, ohne nachzudenken, jemandem schenken der gerade jemanden sucht.

Hinweis: Dieser Artikel ist weder gesponsert noch wurde mir das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt.
Das Buch von Dr. Nasanin Kamani ist 2022 in Igling erschienen (emf-verlag) ISBN 978-3-7459-1181-7. es ist jeden Cent wert, den du dafür ausgibst.
Das Zitat von Ronald D.Laing wurde seinem Buch "Die Stimme der Erfahrung" entnommen. Es erschien 1982 in Köln.

Etwas über meinen Musikgeschmack – heute und vor 60 Jahren

Selten persönlich - aber heute schon
Heute will ich euch etwas wirklich Persönliches sagen. Als junger Jazzfan war ich begeistert von einem Bassisten: Charles Mingus. Ich habe ihn zunächst wirklich nur als Bassisten und Bandleader gekannt. Doch bald stellte ich fest, dass dieser Mann ein einzigartiges Genie war – vor allem wegen seiner Kompositionen.

Wer glaubt schon einem jungen Mann? Damals war ich wahrhaftig 60 Jahre jünger, und die Freunde im örtlichen Jazzklub waren eher geneigt, das MJQ (1) zu hören. Ein Senior in „meinem“ Jazzklub behauptete sogar, er könne in den Stücken von Mingus „gar keine richtige Melodie“ erkennen.

Ich mach einen Sprung in die Jetztzeit. Überall, wo moderne Jazz gespielt oder gesendet wird, steht Mingus hoch im Kurs. In den internationalen Jazz Charts aller Zeiten steht sein frühes Album „Mingus Ah Um“ (1959) an herausragender Stelle. Auch das zunächst sehr umstrittene Album „Money Jungle“ mit Duke Ellington und Max Roach (1962) genießt heute höchstes Ansehen.

Das Verblüffende – und der Grund, warum mir dies 50 Jahre später wieder einfiel, sind neue Interpretationen der Mingus-Kompositionen durch Sängerinnen. Und siehe: Diese Kompositionen haben nicht nur „richtige Melodien“, sie sind auch vorzüglich geeignet, um gesungen zu werden.

Ich höre übrigens gerne KCSM. Die Station bringt den ganze Tag Jazz – und du kannst sie auch hören - über das Internet.

(1) "Modern Jazz Quartett"

Irrtümer über die Identität

Heute ist es mal wieder geschehen: Da fragt eine Person (vorgeblich ernsthaft, versteht sich), wie es denn alte Menschen schaffen können, sich selbst zu verändern, ohne ihre Identität aufzugeben.

Da ist es, dieses Wort: „Identität“. Mein altes Psychologielexikon, das ich immer noch aufbewahre, kennt das Stichwort nicht. Ganz anders als das deutsche Wikipedia. Der fleißige Student, der es möglicherweise verfasste, nutzte rund 5.200 Wörter, um es zu erklären, hat eine nahezu unendliche Liste von Literatur aufgeführt und nennt 18 Quellen für sein Elaborat.

Wie so oft, mag sich dies alles für einen Psychologiestudenten eignen, doch der Informationsgehalt bleibt dennoch dürftig. Denn die Menschen der Jetztzeit wollen ja wissen, wie ein Begriff heute definiert werden kann. Da bleibt er (oder sie) nach dem Genuss von Wikipedia hilflos zurück.

Immer noch hilflos, was Identität für euch bedeutet?

Es ist etwas schwierig, den aktuellen Begriff zu definieren. Etwas Hilfe zeichnet sich ab, wenn wir den Dorsch (2) zu Hilfe nehmen. Wen die etwas geschraubten Definitionen nicht stören, wird dies lesen:

Um eine bestimmte Identität für sich beanspruchen zu können, muss der Mensch sie in sozialen Interaktionen aushandeln. (…) Dies bedeutet auch, dass Identität unter wechselnden Lebensbedingungen immer wieder neu angepasst werden muss und Identitätskonstitution eine lebenslange Aufgabe ist.

Was letztlich heißt: Identität ist veränderbar. Und wenn man es genau nimmt, so verändert sie sich ein Leben lang durch Kommunikation.

Jeder kann sich verändern, ohne seine Identität zu verlieren

Und mit dieser einfachen Erkenntnis kann ich euch für heute verlassen, nicht ohne die Frage auch hier noch einmal zu beantworten: Jeder kann es schaffen, die Sicht auf sich selbst zu verändern und Veränderungen an sich selbst vorzunehmen. Die Mehrzahl der Veränderungen erfolgt durch die notwendige Anpassung so gut wie automatisch. Im Alter kann dies eine geringere Rolle spielen als in den mittleren Jahren – aber selbstverständlich verliert auch ein alter Mensch seien Identität nicht durch Veränderungen.

Quellen:
(1) Wikipedia deutsch
(2) Dorsch.