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Das Virus – ein Auftrag an die Welt?

Nicht nur die Extremisten, auch die Gutmenschen und Esoteriker versuchen, aus der gegenwärtigen Situation eine Aufbruchstimmung in eine „ganz andere Richtung“ zu erzeugen.

Die Apokalypse, die „selbstgebaute Weltuntergangsmaschinerie“ – es fehlt nicht an mächtigen Wörtern. Und „Normalität“ wird in den Augen mancher Autoren zu einem Schimpfwort:

Nichts könnte schlimmer sein als eine Rückkehr zur Normalität.

Die Autorin der „Financial Times” zum Beispiel, Arundhati Roy, setzt diesem Satz noch einen drauf:

Historisch gesehen haben Pandemien die Menschen gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen und sich ihre Welt neu vorzustellen. Diesmal ist es nicht anders. Es ist ein Portal, ein Tor zwischen einer Welt und der nächsten.

Abgesehen von der historischen und kulturellen Fragwürdigkeit, der aus diesem Satz hervorquillt, kling alles wie die Standardsprüche von Esoterikern, Ideologen, Revolutionären und Despoten. Alle haben uns etwas „versprochen“, aber niemals wirklich ausgeführt, wohin der Weg gehen soll.

Wahrscheinlich könnte sich jeder Mensch eine gerechtere Zukunft vorstellen, eine, die nicht so schwer zu verstehen wäre und eine, in der die Ressourcen sinnvoller und nicht so verschwenderisch genutzt würden.

Extremistin oder Prophetin?

Aber diejenigen, die uns an der Nase in eine ungewisse Zukunft führen wollen, sollten wissen, dass wir ihnen misstrauen – und dies durchaus aus Erfahrung. Selbst dann, wenn die Feuilletons die Autorin vergöttern und sie Preise aller Art erhalten hat.

Hinweis: Der Beitrag soll ähnlich auch in der ZEIT erschienen sein - ich fand den kompletten Artikel jedoch nicht.

Probleme durch Isolation? Nö, wir haben da einfache Lösungen

Erstaunlich, dass derzeit alle „Experten“ aus ihrer Versenkung auftauchen, die Lösungen für uns haben.

Bei Schulen und Kitas sprechen inzwischen alle mit. Es gibt Ärzte, die dafür sind, und Ärzte, die jetzt lauthals die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eltern, die inständig darauf hoffen, dass beides endlich wieder in den „Normalbetrieb“ übergeht, während andere „die Wiederaufnahme des Schulbetriebs“ für verfrüht oder gar gefährlich halten.

Wer sich nicht in dieses Fettnäpfchen begeben will, der hat immer einen Trumpf in der Hand: Er muss auf die Wirtschaft schielen und ihre Öffnung verteufeln, zum Beispiel, wenn „die Regierung ... ausschließlich aus ökonomischen Gründen (handelt).

So gesprochen von Herrn Montgomery, seines Zeichens Weltärztepräsident, und weiter:

Die deutschen Grenzen sollten angesichts der fortdauernden Corona-Pandemie in beide Richtungen für Urlauber geschlossen bleiben.

Das war sogar dem ZDF und der „Deutschen Welle“ eine Meldung wert. Und was befürchtet Herr Montgomery?

Wenn jetzt wieder Touristen nach Deutschland kommen, steigt auch die Infektionsgefahr.

Wie gut, dass alle immer so tolle Lösungen haben - nur dass es immer die gleiche Leier ist: Am besten, wir verkommen daheim. Da verkommen wir wenigstens kontrolliert.

Aber ach, wir könnten ja nach Bayern fahren - das meinte jedenfalls Herr Söder. Der sagte das natürlich ganz uneigennützig - schließlich lebt ein Teil seiner Wirtschaft auch vom Tourismus. Und in Bayern ist es ja gänzlich unmöglich, sich mit irgendetwas anzustecken. Es sei denn, mit Arroganz.

Rechts: wo die Saat aufgeht ...

Die Saat der Rechtsextremisten geht auf. Jahrelang haben sie „Lügenpresse“ skandiert, wohlwissend, dass die Medien, die sie gemeint haben gar nicht dazugehören. Es war - und ist - schlicht eine Methode, Einfluss zu gewinnen. Die Bürger, die dies geglaubt haben, suchten nach einem anderen Medium, insbesondere im Osten. Dankenswerterweise sind auch hier die Tageszeitungen immun gegen die Stimmungsmache - Gratiszeitungen aber nicht unbedingt. Die zweite mögliche Informationsquelle wurde schnell entdeckt: Soziale Medien, in denen ohnehin der Redemüll von Hinz und Kunz landet. Hauptsache, „alternativ“ - den rechtsextremistischen Hintergrund erkennt man ja nicht sofort.

Nicht "rechtsextrem" - aber fern sinnvoller Information

Diese Menschen sind nicht „Rechtsextrem“. Sie wissen nur nicht viel und können mit ungewöhnlichen Umständen nicht recht umgehen. Zudem: Das Internet und seine Teilnehmer sind ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Ja, die meisten von Ihnen, wenn über 50, sprechen so gut wie kein Englisch - womit ihnen die wichtigsten wissenschaftlichen und ökonomischen Quellen entgehen. Eine Quelle verifizieren können sie ohnehin nicht - das fällt selbst dem Präsidenten der USA schwer.

Wer nichts weiß, sollte schweigen - das hilft

Was bleibt ihnen also? Sie könnten - zum Beispiel - schweigen. Sie könnte zum Beispiel einmal über den Segen von Impfungen nachdenken und sich nicht von falschen Gurus beeinflussen lassen, die darin eine Gefahr sehen. Denn ein Teil von ihnen lebt nur deshalb, weil andere sich impfen ließen.

Gegner, Hasser und Söldner der Ideologen

Jeder hat seine Gegner – das muss so sein, denn wir können nicht alle der gleichen Meinung sein, solange wir Demokraten sind.

Dummheit mit hohem IQ - kein Widerspruch

Vielen Menschen ist das nicht klar. Im Osten nicht, im Westen nicht, und insbesondere in den Schichten nicht, in denen der liberale Geist Teufelswerk ist. Sie versuchen immer mehr, uns zu beeinflussen. Seien sie nun Kommunisten, Rechtsextremisten, Religionsfanatiker oder einfach nur verklemmte Ideologen. Ihr Bildungsgrad oder IQ reich über das gesamte Spektrum: „Dumm mit hohem IQ“ heißt vornehmer: ideologisch verblendet.

Sollten wir sie hassen?

Vermutlich nicht. Zu einem Teil gehören sie zu den Soldaten der Systeme, denen sie dienen – Söldner ohne Sold, aber mit viel Fanatismus gehören ebenso dazu wie bezahlte Systemstörer. Ist es wirklich so chic, Soldat in einer Armee Gleichgesinnter zu sein? Das sollte sich jeder überlegen, der an den Wurzeln der Demokratie oder an den Menschenrechten herumnagt.

Hasser sind nicht wert, sie zu hassen

Doch um sie zu hassen, müssten wir in Hass investieren. Das ist jedoch genau das, was diese Leute beabsichtigen: der Hass gegen sie macht sie populärer, als sie es verdienen.

Abgrenzung: Wer predigt, darf nicht Hass predigen

Manchmal habe ich dies auch getan, insbesondere, wenn die Hasspredigten von jenen ausgingen, die auch sonst predigen: Bischöfe, Pfarrer und andere Religionseiferer. Ihnen kann man gewiss vorwerfen, ihre Stellung zu missbrauchen, gleich, wie klangvoll ihre Titel sind.

Am besten wäre es jedoch, wenn jeder die Meinung des anderen solange akzeptiert, wie die Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte nicht mit Füßen getreten werden.

Dieter Nuhr - Pressefreiheit und Kunstfreiheit

Die Gegner von Dieter Nuhr mögen ja „massenhaft“ im Internet zu suchen sein - aber der MERKUR ist eindeutig auf Kollisonskurs zum Kabarettisten. Zitat:

Unter dem Deckmantel der künstlerisch-ironischen Übertreibung äußert sich Nuhr über die Zusammenarbeit zwischen Kanzlerin Merkel und dem in Deutschland hoch angesehenen Virologen und Sars-CoV-2-Experten Christian Drosten ....

Liebe Damen und Herren vom Merkur: Der Herr Nuhr nutzt nur seien künstlerische Freiheit, so wie ihr eure Pressefreiheit nutzt,um Herrn Nuhr anzugreifen. Denn die Frage ist nicht, ob Herr Droste nun ein „angesehener Virologe“ ist, sondern wie das Konzept der Expertokratie zur Demokratie passt - nämlich nur sehr bedingt.

Zuschauer als Bauern im Schach um Dieter Nuhr

Und „die Meinung „der Zuschauer“ würde ich auf keinen Fall überbewerten. Satire muss Kontroversen auslösen, sonst wäre es keine. Könnte es etwa sein, dass der MERKUR gar nicht Dieter Nuhr angreift, sondern die ARD? Dazu nutzt der MERKUR sogar Nerd-Sprüche (offenbar aus Twitter),wie:

Warum bietet ihr solch einem verwirrten Wirrkopf Überhaupt eine Plattform?


Sieht man genau hin, dann versuchen auch andere Konservative und deren Presseorgane, ausgerechnet die Formen des Kabaretts schlechtzureden, die nicht sozialistisch gewerkschaftsnah oder SPD-orientiert sind. Vielfach wurde sogar schon Lisa Eckhart diffamiert, weil sie nicht „werteorientiert“ genug ist und einfach mit lässiger Ironie über Gott und die Welt witzelt. Dabei wird nicht mit „Shitstorms“ gearbeitet, sondern mit Gutmenschentum. Denn „so etwas“ Ordinäres tut man nicht und sagt man nicht - es sei denn, es gäbe eine Kunst- und Pressefreiheit.