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Echte Trauer und Schweineblut

Das Globale verschlägt mir zwar nicht die Sprache, und doch bin ich einen Moment sprachlos: Da fährt also in Charlottesville, (Virginia, USA) ein Mann deutlich sichtbar in eine Menschenmenge, doch niemand nennt ihn einen rechtsextremistischen Terroristen.

Und dann, ein paar Tage später, Barcelona, Spanien. Viele Tote, noch mehr Verletzte, Trauer und Entsetzen überall. Das Entsetzen frisst sich in die Psyche, will gar nicht mehr weichen.

Und Mr. Trump? Er bietet Hilfe an. Hilfe für wen? Und wie? Mit Schweineblut? Das ist kein Mitfühlen, das ist einfach widerlich.

Vielleicht sollte Herr Trump einmal daran denken …


Wer’s nicht versteht: Es geht um die Lynchjustiz in den Südstaaten.

Dazu schrieb Die Zeit 2013:

Jede Wahl, jede einzelne politische Versammlung begleitete der Klan fortan mit Massakern an Schwarzen und deren Verbündeten. In North und South Carolina gab es gleich in den ersten zwei Jahren nach dem Bürgerkrieg 197 Lynchmorde.


Sicher, das ist lange her – aber erst neulich las ich wieder, dass dunkelhäutige Künstler in den USA auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv behindert wurden, wenn sie sich für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzten.

Unvergessen ist als musikalischer Protest – neben „Strange Fruit“ auch „Fables of Faubus“ von Charles Mingus – weniger dramatisch formuliert, aber eines der wenigen musikalischen Werke, die dem weißen Amerika jener Zeit (1957) den Spiegel vorhielten.

Und dann ändert sich das Gehirn, oder es bleibt, wie es ist

Ein Zitat, das mehr sagt als tausend Worte:

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Videospiele vorteilhaft oder nachteilig für das System des Hippocampus sein können, abhängig von der verwendeten Navigationsstrategie und dem Genre des Spiels.


Sehr aufschlussreich, nicht wahr? Zumal, wenn man in der Überschrift dichtet:

Diese Videospiele vernichten wichtige Gehirn-Masse im Hippocampus-Areal

Quelle (unter anderem): Nature.
Heilpraxis (Der Text wird im Quelltext lesbar)
Hippocampus (Wikipedia)

CDU-Politiker mokiert sich über englischsprachige Kellner

Das Sommerloch macht’s möglich: Ein gewisser Jens Spahn , seines Zeichens Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und CDU-Politiker, mokiert sich über „englischsprachige Kellner“.

Da hätte ich drei Tipps:

1. In Lokale gehen, in denen die Kellner deutsch sprechen.
2. Selber englisch lernen.
3. Die Ursachen feststellen.

Und vor allem: Mal wieder abregen. Jemand, der in Deutschland einen guten Job tut, tut auch dann einen guten Job, wenn er (noch nicht) so gut deutsch spricht.

Hier und Jetzt – bedeutend und gleichwohl abgedroschen

Hier und Jetzt – bedeutend und gleichwohl abgedroschen

Manche Ausdrücke sind so schön griffig, dass sie nach und nach in aller Munde sind. Wenn sie sich dann auch noch nach Geistesbildung anhören und dem Sprecher etwas intellektuelle Tünche geben – umso besser.

Einer dieser Begriffe ist „das Hier und Jetzt“ es ist griffig, und es klingt intellektuell. Jedenfalls klingt wesentlich eleganter, zu sagen „ich lebe im Hier und Jetzt“ als zu sagen „Ich lebe in der Gegenwart“ oder „mich interessiert am meisten, was in diesem Moment um mich herum geschieht.“

Das "Hier udn Jetzt" und die Zukunft

Der Begriff kommt aus der Gestalttherapie und hat dort einen tieferen Sinn: Wer im Hier und Jetzt lebt, empfindet die Gegenwart als einen erstrebenswerten Zustand, in dem es sich zu leben lohnt. Probleme aller Art werden nicht in der Vergangenheit gesucht, weil sie bis in die Gegenwart existieren und dort wirksam werden. Für den Mutigen ist die Zukunft nichts weiter als eine verlängerte Gegenwart – deswegen sorgt er sich nicht, sondern tut heute das, von dem er glaubt, dass es auch gut für morgen ist.

Hadern mit der Suche nach den Ursachen

Der Philosoph wie auch der klassische Psychotherapeut will sich damit allerdings nicht befreunden. Beide stellen sich nicht die Frage: „Wie ist das Leben für mich jetzt?“ Sondern „warum ist das Leben für mich jetzt so?“ Bis zu einem gewissen Grad ahnen, wissen und beweisen wir, dass wir lernen und verlernen können, und dass wir durch unsere Lebenserfahrung mal zögerlicher, dann aber auch mutiger wurden. Es ist ein schönes Thema für Gespräche bei einem Glas Rotwein am Kamin – aber es ist müßig, dieses Thema zu strapazieren. Am Ende steht immer, dass es irgendwann und irgendwie einmal Gabelungen auf dem Lebensweg gab, und da wir nur einen Weg von beiden wählen konnten, sind wir eben hierher und nicht dorthin gekommen.

Das "Hier und Jetzt" den Therapeuten überlassen

Überlassen wir das „Hier und Jetzt“ bitte mal den Therapeuten. Es handelt sich ja um nichts als eine Methode der Wahrnehmung, die der gesunde Mensch wählen oder abwählen kann. Wenn Sie ein Haus bauen, eine Hypothek aufnehmen, ein Schiff kalkulieren oder eine Ehe planen, können Sie nicht einfach „im Hier und Jetzt“ leben.