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Die Judenhasser sind Menschenhasser

In meine Stille, die ja so still leider gar nicht ist, dringt unaufhörlich die Diskussion um Antisemitismus. Warum sagen wir nicht gleich: Um Judenhass? Denn genau das ist es: Hass gegen Juden, aber auch gegen alle anderen, die „anders“ sind.

Nun sind Juden gar nicht so schrecklich anders. Ihre Religion ist sogar der Urvater der Religion, die angeblich „zum Abendland“ gehört: zum Christentum.

Vom Religionsstifter ausgehend, ist das „Christentum“ kaum mehr als ein „Reformjudentum“. Der Religionsstifter predigte zu Juden, und Juden waren seine Anhänger (und einige möglicherweise auch seine erbitterten Feinde).

Das alles heißt eigentlich: Judentum ist ganz normal. Wer Juden hasst, hasst eigentlich Menschen, die nicht so sind wie er selbst.

Übrigens ist auch ganz normal, dass nicht jeder Deutsche dem Religionsstifter gleichkommt, nur weil er sich buchhalterisch als „Christ“ bezeichnet. Und wie viel „Abendland“ in einem „Abendländer“ steckt, wie viel Germane in einem Deutschen ist - wahrscheinlich werdet ihr euch wundern, wie wenig.

Ach – und es ist ebenso normal, dass es Menschen gibt, die ganz anders denken. Die weder von der Herkunft noch von der Religion ausgehen, sondern davon, was jemand kann und weiß. Und die den Menschen als das ansehen, was er ist: Ein Mensch, der anders ist, der aber dadurch keinesfalls befremdlich wird.

Scheinanglizismus oder gar kein Englisch?

In mehreren deutschen Tageszeitungen erschien heute ein Artikel über „Anglizismen“, der deutschen Sprache.

Ich darf mal zitieren:

Parshippen“ ist der Inbegriff der modernen Form der Partnersuche geworden. Nicht nur in der Werbung für die Dating-App Parship, sondern auch in ganz normalen Texten tritt das Verb jetzt in Erscheinung. Die vom englischen Nomen „parship“ (Partnerschaft) abgeleitete Kreation …


Ach ja?

Nur, dass es im Englischen gar nicht „parship“ heißt, sondern „Partnership“. Das Wort „Parship“ existiert im Englischen nicht – auf "Parse" folgt hier Parsee (Parsi), darauf Parsimonious, Parsley, „Parsnip“ und „Parson“. (1)

Nein, das „Nomen“ (Substantiv) existiert nicht. Das hätte man wissen können, denn zuvor hieß es

Im Englischen selbst existiert die Verbform - also „to parship“ - nicht.


Wer den Unsinn mit dem Nomen verzapft hat? Vermutlich die dpa.

(1) Logmans Dictionary of Contemporary Englisch

Die Krone beschimpft die Jugend – und wirft ein Unwort in den Ring

„Wie es scheint“, ist die einzige Anmerkung, dass es sich um eine Möglichkeit handeln könnte. Ansonsten ist die Art, wie eine Journalistin der Wiener Boulevardzeitung "Krone" in einem namentlich gezeichneten Beitrag die Jugend diffamiert, kaum erträglich.

Da wird „das Verhalten der nicht-beziehungsfähigen Generation immer schlimmer“. Das ist an sich schon eine böswillige Unterstellung über Menschen, die einmal unsere Zukunft sichern sollen. Und in Österreich ja wohl auch die Zukunft der Österreicher.

Und so geht es gerade weiter: Die Generation „Y oder Z von 2019“ (1) sei „zu feige zu sein, um jemandem die Meinung zu sagen?“ Die Autorin geht noch weiter und rotzt die Jugendlichen noch einmal an:

In der Blüte des Lebens stehend, haben sie ja offenbar nichts zu verlieren und Anstand findet man in Sachen Ehrlichkeit und Zwischenmenschlichkeit beim Dating selten.


Ich habe keine Ahnung, wie alt die Autorin Vanessa Licht ist und woher sie ihre „wertvollen Informationen“ bezieht. Sie selbst meint, so etwas höre sie „in der U-Bahn“.

Worum geht es? Heiße Luft, der für Wirbel sorgen soll

Es geht übrigens um fast gar nichts. Der Begriff, den Frau Licht „erläutert“, heißt „Soft Ghosting“ und er ist kein Trend, sondern einer der vielen Wortbegriffe, die heute erfunden werden, um in der Presse zu landen – mal von Bloggern, mal von anderen Journalisten.

In diesem Fall kommen (nach Pressemeinungen) möglicherweise ein Dating-App-Betreiber, Instagram (Overheard LA, Humormagazin, 23. Juli 2019) und für die weltweite Verbreitung die „Huffington Post“ infrage, die einen Artikel über das Thema etwa zeitgleich mit „Fox News“ veröffentlichte. Dem schloss sich alsbald das Frauenmagazin „Glamour“ an, sowohl die deutsche wie die englische Ausgabe. Die meisten Zeitungen veröffentlichen den vermeintlichen „Trend“ zwischen dem 13. und 20. September 2019, unter anderem auch bekannte österreichische Medien. Die älteste Quelle, die ich finden konnte, ist in der Tat „Instagram“.

Nach einer der Hauptquellen, die für die Verbreitung sorgten, wird allerdings behauptet:

Nach Aussagen von Louise Troen von Bumble, sei 'soft ghosting' die letzte Entwicklung in einer langen Reihe von Dating-Begriffen.


Hat die Dating-App Bumble nun den „Trend erfunden“ wie wie wir in der britische Boulevard-Zeitung „Metro“ lesen können? „Metro“, glaubt dies, wie es scheint, sagt aber zugleich, „Bumble“ sei nicht „verantwortlich für dieses schreckliche Handeln.“ Immerhin kam der Name „Bumble“ dadurch mal wieder in die Presse.

Dating-Trends - Behauptungen, um die Auflage zu steigern

„Das schreckliche Handeln“ indessen hat sehr viel Ähnlichkeit mit anderen sogenannten "Informationen" über „Dating-Trends“, die am Schreibtisch erfunden werden, um sich dann ausführlich darüber auslassen zu können und die Auflagen zu steigern – und wie man sieht, funktioniert es auch. Nur die Beschimpfung der Jugend ist neu.

Weitere Quellen, Recherche und Fakten-Check:

(1) Generation Y – geboren 1981 bis 1996
Generation Z – geboren 1997 bis 2012

Beide Angaben lassen sich nicht ganz genau abgrenzen. Es betrifft also die Menschen, die heute zwischen sieben und 38 Jahre alt sind, und falls wirklich nur „ab Teenageralter“, dann die 13 – 38jährigen. Da wundert man sich schon, wenn eine Journalistin so etwas zusammenschreibt.


Artikel über Soft-Ghosting in Österreich:

Wienerin und Miss.at

Deutschland: Glamour.

Lexikon (global, englische Sprache): Urban Dictionary

Verdammte Heilslehrer, naive Opfer

Wenn mir jemand sagt, er „umarme jetzt sein spirituelles Wesen“, dann denke ich einerseits, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Und andererseits denke ich: Wem ist denn dieser Mensch zum Opfer gefallen? Einem Guru, einem Heilslehrer, einem Geschäftemacher?

Nahezu alle Schilderungen haben einen gemeinsamen Kern: Zunächst hilft die „Geborgenheit“ im Spirituellen, eine gewisse Erleichterung von den Alltagssorgen zu verspüren.

Doch das täuscht – denn die Ursachen für die Alltagsprobleme entfallen damit nicht. Sie kommen zurück, weil sie einfach vorhanden sind und weil ihre Lösung vernachlässigt wurde.

Manche Menschen versuchen, sich dann tiefer und tiefer in die Spiritualität zu stürzen – sehr zur Freude ihrer Heilslehrer. Doch … inzwischen wurden die unbehandelten, realen Probleme größer, was nicht verwundert – sie wurden ja nicht angegangen.

Schließlich kommen sie zurück … und nun versuchen Opfer wie auch Heilslehrer die Sache auf den Kopf zu stellen: Sie kommen zurück, weil sich das Opfer noch nicht genügend in die eigene Spiritualität vertieft hat, sondern sich ablenken ließ.

Und die Heilslehrer? Niemand von ihnen übernimmt wirklich Verantwortung. Schuld sind immer die „Opfer“.

Ada

Ada wie sie ein Maler sah
Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, inzwischen bekannt als Ada Lovelace, einfach Ada oder Lady Lovelace, war die einzige legitime Tochter von Lord Byron und Anne Isabella Noel-Byron, ist ein Fall von geschichtlicher Verdrängung.

Denn während Musikerinnen und Malerinnen, die angeblich immer „im Schatten ihrer berühmten Männer“ standen, inzwischen als Ikonen des Feminismus gelten, trifft diese Behauptung auf Ada nicht zu. Sie stand und steht immer noch für die autonome Frau, die ihr Genie den Eltern, insbesondere aber der Mutter zu verdanken hatte.

Ada lebte ihr kurzes und kreatives Leben zwischen 1815 und 1852 – sie starb also jung. Doch in dieser Zeit eignete sie sich – unterstützt durch ihre Mutter so viel mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen an, wie kaum eine andere Frau jener Zeit.

Die erste Abwertung - sie "gilt als" erste Programmiererin

Es hießt, sie „galt“ als erste Programmiererin – die Autoren scheuen den Satz „war die erste Programmiererin“ oder den noch besseren Satz: „Ada schuf die Grundlagen der Programmierung schlechthin.“ Denn genau das tat sie. Aus ihren Aufzeichnungen weiß man, dass sie theoretisch wie praktisch in der Lage gewesen wäre, Programme zu schreiben, die auch auf modernen Computern noch „gelaufen“ wären. Allerdings war die „Hardware“, die aus nichts als Räderwerken bestand, damals noch nicht dafür bereit.

Die zweite Abwertung - eigentlich war Ada gar keine Programmiererin

Erst 1980 wurde Ada sozusagen „wiederentdeckt“ – und zugleich diffamiert. Historiker berühmten sich, nachzuweisen, dass nicht Ada, sondern d er Konstrukteur einer neuen Rechenmaschine, Charles Babbage die ersten Programme geschrieben habe. Und angeblich „kundige“ Computerhistoriker behaupteten, Zitat (nach Wikipedia)

Ihr „Programm“ habe keine Aspekte späterer Programmiersprachen wie Unterprogramme oder Verzweigungen vorweggenommen.


Typische Besserwisserei. Ein Programm ist nicht als ein Skript, das einmal durchläuft, dann in einer Schleife zum Anfang zurückgeführt wird und dann eventuell mit einer neuen Variablen noch einmal gestartet wird. Klar arbeiten „modernere“ Programmiersprachen anders. Aber die Kritiker dürfen sich gerne mal in die Zeit zurückversetzen, in der Ada Lovelace lebte und sich dabei einmal die Maschine anschauen, auf der diese Programme laufen sollten.

Bekannter als Adas Beitrag zur Computerprogrammierung ist allerdings „Lady Lovelaces Einwand“( Lady Lovelace’s Objection). Sie schrieb:

The Analytical Engine has no pretensions whatever to originate anything. It can do whatever we know how to order it to perform. It can follow analysis; but it has no power of anticipating any analytical relations or truths.


Hat Bestand: Lady Lovelace’s Objection

Damals war diese Ansicht eine der typischen Diskussionen der Zeit: „Können wir Maschinen dazu bringen, schöpferisch zu sein?“ war nur eine davon - und im Haus Byron gab es eine Menge anderer Gedanken über menschliche Möglichkeiten. Man darf sich erinnern, dass in dieser Zeit sogar über die Schaffung künstlicher Menschen nachgedacht wurde – woraus beispielsweise Shelleys „Frankenstein“ entstand.

Fragwürdige Umdeutung heute - Ada und der Computer als Monster

Heute wird Ada wieder als Motiv verwendet – für die Diskussion um den Segen oder den Fluch der künstlichen Intelligenz, der auf „Lady Lovelace’s Objection“ beruht. Kürzlich hat das Theater zu Leipzig sie wiederentdeckt: Als „Frau Ada denkt Unerhörtes“. Es ist freilich nur Theater – denn Autoren, Regisseure und Kritiker neigend dazu, ihre heutigen Fragen und Meinungen auf historische Figuren zu projizieren. Das ist ihr gutes Recht als Künstler(innen), würdigt Ada Lovelcas Bedeutung aber keinesfalls.

Würdigungen

Das taten längst andere – es gibt den Ada Lovelace Day, den Ada Lovelace Award und die fast vergessen Programmiersprache „Ada“, die eigentlich ihren Ruhm in die Neuzeit tragen sollte, aber nicht den Erfolg anderer moderner Programmiersprachen hatte. Der nächste Ada Lovelace Day ist übrigens am 8. Oktober 2019.

Hinweis: Die Zitate wurde nach Wikipedia wiedergegeben. Es gibt weitere Quellen im Internet und in der Literatur.