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Mieses Vorbild Bundespolitik – Deutschland ist nicht Bayern

Wie schön, dass wir heute Abend möglicherweise erfahren dürfen, wie der Kampf der Polit-Interessengruppen ausgegangen ist. Wenn ich da mal etwas anmerken darf: Wie kann man den Bürgern solch ein miserables Vorbild sein und streiten wie die Kesselflicker? Wie kann man insbesondere bei der CSU und der FDP, überhaupt auf diese schnodderige und selbstgefällige Art in Szene setzen?

Das Ganze war ein unwürdiges Schmierentheater, was immer heute Abend herauskommen mag. Es erzeugte beim Bürger Verdruss, und es macht die Parteien nicht glaubwürdiger, sondern zerstört das Vertrauen in die Politik.

Zudem muss man sich fragen, warum die CDU, ja, warum Deutschland überhaupt zulässt, dass die Politik von einer bayrischen Regionalpartei maßgeblich mitreagiert wird.

Die CSU wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie überhaupt für Deutschland sprechen kann. Oder ob sie eher eine separatistische Bewegung mit regionaler Eigentümlichkeit darstellt, die gar nicht Deutschland, sondern nahezu ausschließlich Bayern repräsentiert. Soll aus dem Stammtischgerede an bayrischen Biertischen per CSU deutsche Politik werden? Ich finde das geht zu weit – viel zu weit.

Das Diktat des radikalen Feminismus

Feministen versuchen, aus den Elfenbeintürmen heraus unsere Sprache zu zensieren, zu verfremden, zu bagatellisieren und letztendlich Zensur auszuüben.

Der Versuch ist legal, die Durchsetzung allerdings fragwürdig. Man darf ältere Kulturen nicht zerstören, nur weil es nicht in die eigene feministische Ideologie passt. Da könnte man auf die Idee kommen, das sei vergleichbar mir der Zerstörung buddistischer Tempel durch radikale Muslime.

Die Studierenden an der Alice-Salomon-Hochschule täten gut daran, in sich zu gehen und den Kulturkampf, in dem sie sich befinden, zu beenden.

Es geht um das Gedicht „Avenidas“. Der Bewunderer erwähnt, wie er „Alleen, Blumen und Frauen“ bewundert. Alleen und Blumen sind, wie es scheint, tragbar für den Feminismus, Frauen aber dürfen nicht bewundert werden.

Was die Studierenden fordern, ist schlicht, das Gedicht zu ächten und es auszuradieren auf der Fassade der Universität.

„Neugestaltung“ nennt sich so etwas. Ich sage; es ist radikale ideologische Verblendung, die es sonst nur im politischen Extremismus gibt – und da gehört diese „Fassadenabwaschung“ auch hin. Nein, eine Bücherverbrennung ist es nicht. Aber es könnte tendenziell dorthin führen. Vorläufig nennen wir es einfach mal Zensur.

Zum Tag der Einheit: Deutschland – anstrengendes Land

Eigentlich haben wir in Deutschland beste Bedingungen: Wir sind ein Volk, das ein Volk ist. Mögen hier auch Bayern und Sachsen widersprechen, weil sie „Deutsch sein“ nicht begreifen wollen und gerne ihre Extrawürstchen braten, es ist einfach so. Und ja – neben den bereits Genannten glauben auch manche Schwaben und Badener, nicht so recht zum deutschen Volk zu gehören, weil sie hartnäckig ihre merkwürdigen Sprachen verteidigen, die mit Hochdeutsch wenig zu tun haben. Aber abgesehen davon sind wir Deutsche ein einheitlicheres Volk als das des Vereinigten Königreichs, Frankreichs oder Spaniens.

Neidhammel als Störer und Quertreiber

Leider sind wir aber auch ein Land der Neidhammel. Insbesondere wirtschaftlicher Erfolg wird geneidet, weil er als unverdient gilt. Die „hart arbeitenden Menschen“, die neueste Galionsfigur der Sozialdemokratie, begreifen nicht, dass eine Arbeit, die von Erfolg gekrönt ist, nicht unbedingt „hart“ sein muss. Ein Geistesblitz, eine besondere Fähigkeit oder Kunstfertigkeit muss nicht „hart erarbeitet“ werden, sondern sie ist eine Gabe der Natur, der Evolution oder des Zufalls. Klar gibt es „unverdienten Erfolg“. Er ist nicht viel häufiger als „das große Los“ oder der „Sechser im Lotto“.

Deutschland - anstrengendes Land

Deutschland ist ein anstrengendes Land. Wer hier lebt, muss sich dauernd rechtfertigen. Warum dieser, der doch nur Taxifahrer war, eine Karriere in der Politik machen konnte. Und warum jener, der etliche Semester an Universitäten ausgesessen hat, seit Jahren arbeitslos ist. Wer hier sagt „weil ich es kann“, „weil ich darin gut bin“ oder „weil es mir die Menschen abnehmen“ erscheint bei einem erfolgreichen Lebensweg sofort als suspekt. Er muss mit Neidern, Nörglern und Wadenbeißern leben.

Werte schaffen und erhalten

In manchen Landstrichen in Deutschland herrscht eine „Schafferkultur“, die fälschlicherweise den Schwaben nachgesagt wird, aber auch sonst verbreitet ist. Und in der Tat müssen sich Deutsche anstrengen, um die hohen Standards zu halten, die sich das Land und sein Volk seit 1945 erarbeitet hat.

Der Wohlstand dieses Landes beruht nämlich nicht, wie der Kanzlerkandidat der SPD sagte, auf Menschen, die hart arbeiten, sondern auch solche, die sich immer wieder anstrengen, für sich, ihre Familien und ihr Land den Wohlstand zu erhalten. Jüngst sagte dazu Bernhard Vogel:

Wir müssen deutlicher machen, dass Soziale Marktwirtschaft zwar zu Wohlstand führt, aber auch sehr große Anstrengungen von jedem Einzelnen erfordert. (Die Lösung ist …) das Schaffen von Möglichkeiten, dass jeder für sich und die Seinen sorgen kann.


Das Anstrengen ist oft schwer zu ertragen - Umverteilen aber auch

Das Gegenteil dieser Aussage wäre: Die Wirtschaft beruht auf dem Verteilen und Umverteilen von Gütern. Oder brutaler: „Wenn andere mehr bekommen als ich, dann wird mir etwas weggenommen.“ Diesen Unsinn höre ich öfter - es handelt sich um Hypotheken deutschen Unwesens, die schwer zu tilgen sind - nicht nur in den Bundesländern, die ehemals zur DDR gehörten.

Manchmal ist es wirklich scher zu ertragen, dass Deutschland so anstrengend ist. Und ich kann Ihnen absolut versichern, dass es normalerweise um so anstrengender wird, je mehr Erfolg Sie haben.

Die Einheit entsteht durch Begegnungen

Falls Sie den Gedanken der Einheit vermissen: Das ist ein Thema für Sonntagsredner. Je mehr Menschen von Ost nach West, von West nach Ost, von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord wandern, um dort zu arbeiten und zu heiraten, umso schneller werden wir ein Volk. Und die Menschen, die kaum aus ihren Dörfern und Kleinstädten herausgekommen sind, werden wohl immer glauben, ihre Weltsicht sei die einzige richtige. Ich weiß nicht einmal, wie man diesen armen Menschen helfen kann.

Deutsche Kultur – ohne Leid und Leit

Wir lernen bereits in der Schule, dass unsere deutsche Kultur wichtig und einzigartig ist. Je nachdem, in welche Epoche wir hineingeboren wurden, haben wir dazu unterschiedliche Interpretationen gehört. Indessen herrscht weitgehend Einigkeit über die Sprache, die Philosophie, die Musik und Malerei sowie über weitere Spielarten der Kunst. Hinzu kommen Forschungen und Erfindungen, die man ebenfalls der Kultur zurechnet. Es agb -und gibt - geniale Deutsche, ohne Zweifel.

Strittiger ist hingegen die Herkunft dieser Kultur. Eine bestimmte Form des Germanentums, etwas primitiv, aber im Kern hart und gerecht und von hohem ethischen Wert wurde selbst der Nachkriegsgeneration noch als Wurzelwerke des Deutschtums verkauft. Heute heißt es, die Ursprünge würden weit „bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer“ zurückreichen, was immerhin ein Fortschritt gegenüber der Definition ist, sie würden auf „Germanentum, Christentum und Griechentum“ beruhen, wie ich es noch lernte. Nur sehr zögerlich nehmen Lexika und Politiker auch das Judentum mit auf, und auch der Einfluss andere Migranten wird oft heruntergespielt – was gewisse Ähnlichkeiten mit dem „offiziellen“ Deutschland von heute zeigt.

Kulturmix - woher?

Einstmals wurden Germanentum, Christentum und Griechentum deswegen hochgehalten, weil man glaubte, in diesen Grundlagen beste ethische Qualitäten zu entdecken. Man versuchte insbesondere, die starken Einflüsse der Römer, Levantiner und später der französischen Kultur kleinzureden, weil man in ihnen Elemente des moralischen Verfalls zu entdecken glaubte. Im Nachkriegsdeutschland fürchtete man zunächst den Einfluss der US-amerikanischen Kultur, dann aber auch der englischen Sprache und der skandinavischen Kultur, die mehr sexuelle Freiheit beinhaltete. Später wurden die Einflüsse von Italienern, Griechen und Vietnamesen beklagt, die insbesondere den Handel mit frischen Lebensmitteln revolutionierten. Handel als Kulturphänomen ist für Deutsche, wie es scheint, bereits zu exotisch.

Kultur mischt sich - nicht erst seit heute

Je tiefer wir in die Kultur hineinblicken, umso mehr erkennen wir, dass sie ein Gemisch aus verschieden Einflüssen ist. Der „kühle Teutsche“ lernte viel von der Kultur Italiens, die als einzigartig galt, und man bewunderte die französische Lebensart, die auf vielfache Weise in das Kulturschaffen eingingen.

Deutsch sein kann nicht betoniert werden

Ob es eine „deutsche“ Kultur überhaupt gibt? Nationalisten behaupten, wir müssten „die Errungenschaften unserer Kultur mehr herausarbeiten“ – und dies schon in der Schule. Aber genau das hatten wir schon einmal in Form der Verherrlichung einer angeblichen „deutschen“ Kultur, die schon damals nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Wir lernten auch noch nach dem Kriege, dass die Herren Beethoven, Brahms und Bach göttergleich im Olymp deutscher Musik schwebten, Schiller der edelste Deutsche war die Grimms fast noch ein bisschen deutscher und dass der Herr Goethe ein anbetungswürdiges Genie gewesen sei. Nur bei der Malerei – nun ja, da musste man ein bisschen vor den Ausländern einknicken – die konnten tatsächlich auch malen. Ansonsten aber wurde alles so dick aufgetragen, dass es uns zu den Ohren herauskam.

Ich glaube, die Kultur meiner Heimat zu kennen (1), obgleich nicht mehr dort lebe. Sie ist einzigartig, und sie brachte weder Beethoven noch Schiller noch Kant hervor. Mein Deutschland? Ich wünschte mir, die Menschen, die nationalen Töne von sich geben, sollten sich einmal die Mühe machen, die verschiedenen Arten, „deutsch zu sein“ und „deutsche Kultur zu praktizieren“ hinterfragen würden.

Und das Interesse an „deutscher Philosophie?“ Wollen wir wirklich die Ergüsse verknöcherten Ofenhocker lesen, die nicht einmal verständliches Deutsch schreiben können? Und wer will schon ein Konzert-Abo, zu dem nur deutsche Komponisten von deutschen Interpreten (2) gespielt werden, und zwar in der Version, die der deutsche Bildungsbürger am liebsten hat?

Deutscher Kultur? Ehrfurcht und Gottesfurcht? Großartigkeit und Kölner Karneval? Dirndl und Krachlederne?

Nein, ich habe schon eine Kultur. Und sie ist anders, udn sie gehört zu mir.

(1) Sie lag einst in der amerikanischen Enklave der britischen Besatzungszone.
(2) Das ist wahrscheinlich nicht einmal mehr möglich, denn Musik ist Weltkultur - und auch die deutschen Orchester haben zahllose Interpreten aus der EU und aus Asien.

Kess

Einst waren die Mädchen kess. Sie wurden zu „kessen Bienen“, wenn sie umtriebig, hübsch und etwas frech waren. Nachdem „Bienen“ und andere Begriffe aus der Zoologie und Zahnheilkunde („steiler Zahn“)“ nicht mehr populär waren, sank der Stern von „Kess“, früher auch „keß“ geschrieben. Als man noch Polka wie Tante Olga tanzte, legte man auch schon mal eine „Kesse Sohle aufs Parkett“. Nun ja – da muss nicht sein. Angeblich war ein „kesser Onkel“ eine Dame, die onkelhaft lesbisch daherkam – das habe ich aber wirklich selten gehört.

Sexy ist da neue kess

„Kess“ wurde, was Frauen betrifft, durch „sexy“ ersetzt. Dies entspricht auch einer viel benutzten Erklärung, „kess“ habe jung, hübsch und etwas unbekümmert bedeutet. Unbekümmert deshalb, weil es nicht dem Jungmädchenbild der damaligen Zeit entsprach, „kess“ im Sinne von herausfordernd zu sein. In der Folge nannten sich zahlreiche junge Frauen – auch nachdem der Begriff längst „out“ war – noch Kessy oder Kessie.

Noch mehr kesse Begriffe

Die „kesse Lippe“ deutet auf eine andere Bedeutung hin: frech, dreist, unbekümmert in der Wortwahl. Und wer sonst „kess“ war, der stand ganz vorne in Mode, Offenheit und nicht selten auch bewusster erotischer Ausstrahlung.

Schade, dass niemand mehr kess sein will. Und die Herkunft? Vornehme Menschen sagen, es sei „Mittelostdeutsch“, doch es kommt aus einer Vermischung des Jiddischen mit der Sprache der Ganoven, die ja ebenfalls eine gewisse Kessheit benötigten, um ihr Tun zu bewerkstelligen.

„Du bis ziemlich kess“, kann übrigens bewundernd oder auch abwertend gemeint sein. Der eine ist ein bisschen frech und wird dafür geliebt, der andere ist zu frech und wird dafür verachtet.