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Die Stadt der grauen Gestalten

Typische für die Stadt, in der ich wohne:

Markttag. Man nennt ihn spöttisch auch „Graumarkt“, weil er von vielen grauen Gestalten besucht wird. Die Besucher bewegen sich äußert merkwürdig. Und obgleich die meisten zum Kaufen gekommen sind, ist eigentlich keine der typischen Marktbewegungen erkennbar. Das Volk schleicht über den Markt, aber urplötzlich bilden sich Pulks und Schlangen. Dann muss man warten … und im Hintergrund murmeln alte Männer in ihrem Nuscheldialekt.

Die Gestalten ziehen weiter, und so grau wie die Kleider, in die sie sich hüllen, sind ihre Gesichter. Nein, nicht alle … aber so viele, dass es auffällt. Ein Markthändler zum anderen: „Nischt los los heute. Die ziehen heute wieder alle eine Fresse, es ist zum Jammern.“

Mag sein, dass es mal wieder zu schwül ist. Aber sonst sieht es auch nicht anders aus: Das Lächeln ist einzelnen Marktfrauen aus der Provinz vorbehalten. Menschen in dieser Stadt lächeln nicht.

Oper

Ich habe mal wieder den Fehler gemacht, in eine Oper zu gehen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn Soprane laut in Höhenlagen singen, dann durchbrechen sie bei mir eine Grenze, die einen tiefen, spontanen Schmerz auslöst. Früher dachte ich immer, es läge an Vaters Superhet-Empfänger oder dem Plattenhobel, der dir Rillen durchschrammte.

Seit ich viel mehr „richtige“ Musik in Konzerten erlebe, habe ich manches „neu“ gehört. Doch der Schmerz, den mir die Sopranistinnen zufügen, ist mir geblieben. Er vergeht sofort wieder, wenn die Sängerin leiser wird oder in die Mittellagen zurückfällt.

Ach so ja: Ich habe meine Zeit im Theater vollständig abgesessen, trotz der engen Reihen und der unbequemen Sessel. Immerhin war ich neugierig genug, mir das anzutun.

Bremen ist an allem Schuld - und Oliver Welke spottet

Ach, Herr Oliver Welke – sie spotten in letzter Zeit auf niedrigen Niveau – offenbar braucht das Ihr Publikum. Und die Jubelpresse nimmt dergleichen begeistert auf, wie ich im Stern lesen konnte. Übrigens in der Rubrik „Kultur“.

Grundlage der Satire war die Vermutung, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe in der Außenstelle Bremen zu Unrecht Asyl bewilligt. In der Darstellung wurde dies allerdings so gezeichnet, als sei die Hansestadt inklusive ihrer Bürgerschaft und der dortigen Beamten nicht ganz beieinander. Zu viel (!) SPD, zu viel Schulden … und sowieso. Bremen eben. Ha, ha.

Der Beitrag (Kaffeefahrt für Asylbewerber nach Bremen) war einfach peinlich, egal, welcher politischen Überzeugung man angehört. Und das spielt es wahrhaftig keine Rolle, ob auch andere den Vergleich mit der Kaffeefahrt benutzen.

Bremen diffamieren? Nichts leichter als das. Bremen ist ein kleines Bundesland, umschlossen von Niedersachsen. Nur sollte der Herr Welke vielleicht auch den Rest der Wahrheit wissen, und der steht in der SZ:

Inzwischen wird in zehn Außenstellen des Bamf geprüft, etwa in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hessen. Auch in Schleswig-Holstein sollen ungewöhnlich viele positive Bescheide ausgestellt worden sein.


Gut, gut, Welke macht Satire, und Satire darf ja bekanntlich alles – und dennoch wird sich in den Hirnen dank ständiger Wiederholung in Presse, Fernsehen und Rundfunk einbrennen: Die Bremer sind Schuld an allem.

Klar: machen kann man da nix. Aber lachen muss man auch nicht unbedingt.

Telestar gibt Rätsel auf

Es kommt ja schon manchmal vor, dass ich meinen Telestar digiHD TS5 mehrfach starten muss, bevor er ein einwandfreies Bild zeigt. Aber vor zwei Tagen präsentierte er mir einen so gut wie schwarzen Bildschirm – und behauptete, kein Signal zu empfangen.

Früher bin ich ab und an wirklich auf den Dachboden gerannt, wo das Gegenstück steht, habe die Verbindungen geprüft und was man sonst so tut.

Nun aber bin ich schlauer: wenn er drei Mal gar nicht startet: Netzstecker ziehen. Dann erneut starten. Das nannten wir in der IT die „Norwegische Methode.“ Sie galt als höchst riskant, aber sie wirkte oftmals. Kommt übrigens als Gag in der Fernsehserie „The IT Crowd“ vor.