Skip to content
Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Je mehr Vorschläge und "passende" Personen, umso erfolgreicher die Begegnungen?

Vom Vorschlag eines Partners bis zur Beziehung (ausführliche Betrachtung). Zum ersten Teil geht es hier.

2. Teil – Je mehr Vorschläge und "passende" Personen, umso erfolgreicher die Begegnungen?

Im Ersten Teil habe ich festgestellt, dass „Matches“ im Sinne der Dating-Anbieter keinerlei Garantie für eine „wirkliche“ Übereinstimmung bieten. Dennoch sind sie wichtig, weil einige Systeme sogenannte „Matches“ verwenden, um die Kontaktaufnahme zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Die erste Frage, die sich in diesem Zusammenhang ergibt, wäre: Wie viele Anfragen führen eigentlich zu einem Kontakt?

Eine Antwort aus dem Jahr 1985 - offline

Gegen 1985 (1) bekam ich folgende Information – es betrifft „Kontakte über Zeitungsanzeigen“ (Online-Dating gab es damals noch nicht):

„Eine eigene Anzeige ... (lohnt sich eher) für jüngere Frauen ... als für Männer. Hundert und mehr Zuschriften sind bei Frauen keine Seltenheit. Die meisten Männer zwischen 20 und 50 müssen sich hingegen mit etwa einem Dutzend Antworten zufriedengeben.“

Sieht man dies aus der Sicht der Männer, so liegt die Chance auf eine Antwort auf eine Anzeige statistisch bei einem Prozent. Das heißt, Männer mussten damals im Extremfall etwa 100 Briefe schreiben, um eine einzige Antwort zu bekommen. Sie konnten natürlich auch eine eigene Anzeige aufgeben („Er sucht Sie“) – doch der Erfolg wird schon von den Autoren als „mäßig“ angesehen.

Diese Werte konnten nach Region und Medium (Frauenzeitschrift, Wochenzeitung, Tageszeitung oder Werbeblatt) für Männer noch wesentlich dürftiger ausfallen. Teils beklagten Männer, weniger als fünf Zuschriften auf ihre Anzeigen zu bekommen.

40 Jahre später – und online

Vergleichbare Zahlen standen für 40 Jahre später wieder zur Verfügung – diesmal aus „Dating-Apps“ - zunächst nach einer KI-Übersicht, die sich ausdrücklich auf Rechts-Wische und die App Tinder bezog. Zuerst habe ich nach der allgemeinen Wahrscheinlichkeit gefragt und erhielt folgende Antwort:

Die allgemeine Erfolgsquote für Matches bei Tinder kann je nach Region variieren, aber viele Nutzer berichten von einer Wahrscheinlichkeit von etwa 10-20 %, basierend auf der Anzahl der Wischbewegungen.

Das überraschte mich, denn ich hatte von wesentlich schlechteren Ergebnissen erfahren. Im zweiten Anlauf habe ich nach den prozentualen Chancen für Frauen und Männer gefragt, und erhielt die Antwort (gekürzt) (Mit Duck-KI und ähnlich auch mit anderen Programmen):

Männer erhalten im Durchschnitt 1 Match bei 140 Swipes nach rechts. Das bedeutet, sie müssen ca. 140 Profile liken, um ein Match zu erzielen.
Frauen ... haben eine Match-Rate von 10 %, was bedeutet, dass sie in der Regel 1 Match bei 10 Swipes erhalten.

Die KI war so freundlich, mir noch die Gründe zu erklären – doch das könnt ihr auch selbst versuchen.

Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, ob ein Mann durch mehr Aktivität seine „Matches“ bei Tinder und ähnlich gelagerten Apps verbessen kann.

Die Antwort: Auf keinen Fall durch mehr Rechts-Wischen, denn um seine Chancen zu verdoppeln, müsste er 280 „Swipes“ (1) einsetzen. Täte er dies unter Anwendung einer etwas fragwürdigen Faustregel, so würden ihm erst 700 „Swipes“ knapp zum Erfolg führen.

Was sind Zahlen wirklich wert?

Wird dir gerade ganz schummerig vor Augen vor lauter Zahlen? Wenn dies noch nicht der Fall ist, lies bitte im Anhang nach, welche merkwürdigen „Chancen“ unterschiedliche Forscher, Kenner der Materie und Journalisten „ermittelt“ haben wollen.

Der falsche Weg

Mehr Angebote (Matches, Vorschläge) ergeben nur dann einen Sinn, wenn sie sich exponentiell steigern lassen, also beispielsweise von 2 auf 4, 4 auf 8, oder 8 auf 16 zu erweitern. Dies wäre im Beispiel für Frauen durchaus möglich, für Männer jedoch so gut wie gar nicht.

Für alle anderen gilt, das eigene Profil zu verändern, was normalerweise bedeutet, Profile zu verwenden, die mehr Aufmerksamkeit erregen. Auch die eigene Vorgehensweise lässt sich relativ leicht verändern.

Das gilt für alle Apps, nicht nur für Tinder. Jede Stellschraube am Profil zieht eine Veränderung der Popularität nach sich – in beiden Richtungen.

Dazu gibt es eine „goldene Regel“, die inzwischen jedem bekannt sein sollte:

Matches (oder auch Anfragen, je nach Plattform) in Dates zu verwandeln ist keine Frage der Anzahl ... sondern, der Art, wie du dabei vorgehst.

Sollte dies wirklich zutreffen? Kommt es im Wesentlichen auf uns selbst an? Und falls ja, was können wir dann tun? Was bleibt von all den „Matches“, den Testverfahren, den Persönlichkeitsmerkmalen und all den anderen „wissenschaftlichen“ Matching-Methoden?

Das behandle ich im dritten Teil dieser Betrachtung. Und ich verrate euch, wie die merkwürdige Zahl von „291 Matches“ und die anderen Annahmen zustande kommt, von der wir immer wieder in der Presse lesen.

Einige Zahlen für all jene, die sich gerne verwirren lassen, findest du im Anhang zu diesem Artikel.

(1) Aktive Partnersuche per Inserat , die übrigen Quellen im erweiterten Artikel.
Continue reading "Je mehr Vorschläge und "passende" Personen, umso erfolgreicher die Begegnungen? "

Kommunikation verstehen – ein Werkzeugkasten hilft

Ich habe vor langer Zeit Kommunikation unterrichtet. Einfach, transparent und klar. Ich gebe zu, nicht perfekt gewesen zu sein, aber ich hielt mich an die Grundsätze einer damals recht unbekannten Wissenschaft, der Kybernetik.

Drei Hauptquellen, um Kommunikation zu begreifen

Die Theorie dazu kennt nur drei Quellen, die wirklich verlässlich sind: Aus der Kybernetik ist es die Grundlage des Nachrichtenaustausches. Darüber wissen wir wirklich eine Menge – und jeder Satz kann bewiesen werden. Ein Nachteil besteht darin, dass sie durch und durch logisch ist und wenig Rücksicht auf unsere Gefühlswelt nimmt.

Wir könnten selbstverständlichen auch bei Paul Watzlawick ansetzen, der die gesamte Theorie menschlicher Kommunikation veröffentlichte. Leider hat er nur eine Skizze abgeliefert, sodass jeder für sich selbst herausfinden muss, wie er die Theorie in die Praxis umsetzt.

Schließlich gab es wirklich eine Theorie, die leicht anwendbar war – die von Eric Berne. Sie orientiert sich am tatsächlichen Gesprächsverlauf. Die Idee: Wir kommunizieren auf verschiedenen Ebenen miteinander. Auf gleicher Ebene oder schräg. Leider auch über Kreuz - dann gibt es Ärger und wir müssen die Situation auffieseln.

Das ist wirklich alles. Jede dieser Methoden hat bestimmte Anhänger, und mit allen können wir etwas erreichen.

Kommunikation ist kein Zauberstab

Allerdings können wir kaum etwas erreichen, wenn ständig behauptet wird, dass wir unsere Schwierigkeiten „irgendwie“ durch Kommunikation lösen könnten. Dabei wird das Thema oft so behandelt wie im Märchen: Der passende Zauberspruch, und schon öffnen sich die Tore zur Glückseligkeit. Du willst in kurzer Zeit Führungskraft werden? Lerne Kommunikation! Du willst deine Gefühle mitteilen? Das kannst du durch „authentische“ Kommunikation.

Das alles ist ein ziemlicher Unsinn. Kommunikation beruht auf Prozessen, nicht auf dem bloßen Willen, irgendetwas „zu kommunizieren“.

Mit einem Hammer und einem Nagel kann man die Voraussetzungen schaffen, ein Bild aufzuhängen. Und mithilfe einer Wasserwaage kann man es auch an zwei Nägeln aufhängen. Wenn du das gelegentlich tust – dann weißt du, dass es nicht reicht, sie im Werkzeugschrank zu haben. In Wahrheit geht es darum, wie du die Werkzeuge nutzt.

Kommunikation benötigt einen Werkzeugkasten

Und Kommunikation? Wir brauchen einen „Werkzeugkasten“, um durch Kommunikation verständliche Bilder zu übermitteln. Wenn wir kommunizieren, dann wollen wir zumindest, dass der andere das versteht, was wir gemeint haben. In erster Linie geht es darum, dies zu begreifen. Dazu benötigen wir den geistigen Werkzeugkasten, den wir an unsere eigenen Möglichkeiten anpassen können.

Wäre das ein geeigneter Vorschlag für Lehrende? Ich meine, es sei immer noch der richtige Weg.

Ist Liebe tatsächlich kein Gefühl? Oder vielleicht doch?

Liebe lernen am Beispiel der Rückkoppelung
Ein Gefühl existiert nicht, solange es sich nicht ausdrückt. Es muss mit einer Handlung verbunden sein.

(Zitiert nach dem Theologen David Wolpe)

Die Oberfläche der Gefühle

Unsere Gefühle lassen sich mit viel Mühe beschreiben, wobei wir auf das Vokabular zurückgreifen, das dafür üblicherweise verwendet wird. Leider entstehen daraus in den meisten Fällen recht oberflächliche Beschreibungen. Oft versuchen die Schreibenden, sich an passende psychologische Definitionen zu halten, was letztlich bedeutet: Wenn von Gefühlen die Rede ist, dann ist auf keinen Fall mehr von Gefühlen die Rede. Im Grunde entspricht dies einem berühmteren Zitat, das dem deutschen Dichterfürsten Goethe zugeschrieben wird: „Redet die Seele, dann redet die Seele nicht mehr.“

Die Liebe – ist sie wirklich ein Gefühl?

Sehen wir uns „die Liebe“ an. Abgesehen von dem ständigen Gelehrtenstreit, um nun die Menschenliebe oder die sinnliche Liebe gemeint wäre, sagt man oft: „Liebe ist ein intensives Gefühl tiefer Zuneigung“. Oder in Kurzform: „Liebe ist das, was du fühlst, wenn du jemanden magst.“

Dieser Satz mag für dich zutreffen - aber noch ist es unmöglich, über deine spezielle Art der Liebe zu sprechen. Wenn du das willst, ist es notwendig, die Liebe nicht mehr als „Gefühl“ zu sehen. Erst dann wird deine Sicht klarer, denn die Liebe zeigt sich nur an dem, was davon erkennbar ist – und Gefühle stehen nicht in lesbaren Zeichen. Wir können also sagen: Liebe ist eine Emotion, die erst dann beschreibbar wird, wenn wir sie inszeniert haben. Wichtig ist also nicht die Frage, „was Liebe ist“, sondern was sie für die Person bedeutet. Ob jemand liebt, erkennt man also daran, ob dieser Mensch liebevoll mit uns umgeht. Und falls du, lieber Leser oder liebe Leserin, dich von jemandem geliebt fühlst, dann hast du die Botschaft aufgenommen, die der oder die andere dir auf diese Weise übermittelt hat.

Eine neue Theorie der Liebe

Ich habe diese neue Theorie nicht erfunden. Sie wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts propagiert. Der Psychoanalytiker Erich Fromm hatte auf der Basis sozialistischer Ideen eine für ihn ideale Definition der Liebe gefunden, die sich an Begriffen aus der Sozialwissenschaft orientierte. Zum damaligen Zeitpunkt war es fast unmöglich, die Theorien der Soziologie oder der Psychoanalyse mit denen der Naturwissenschaften zu kombinieren. Aus diesem Grund fehlen in seinem Hauptwerk „Die Kunst des Liebens“ sämtliche damals bekannten Erkenntnisse der Naturwissenschaften und selbstverständlich auch solche, die erst später entdeckt wurden.

Welche Bedeutung Erich Fromm tatsächlich für die Definition der Liebe hatte, ist umstritten. Tatsache ist aber, dass auch heute noch oft aus seinem Buch zitiert wird, um zu beweisen, dass Liebe im Grund kein Gefühl ist, sondern das Ergebnis eines Lernprozesses.

Verschiedene Autoren haben bereits ähnliche Gedanken veröffentlicht. Der Kern all dieser Theorien: Liebe ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Gefühl, sondern eine menschliche Eigenschaft oder ein Merkmal der Persönlichkeit.

Im zweiten Abschnitt geht es um Gefühl Liebe - Erwarten, Lernen und Zufälle.

Continue reading "Ist Liebe tatsächlich kein Gefühl? Oder vielleicht doch? "

Warum zwei Begriffe keine Gegenteile sein müssen – über "Nehmer", "Geber", Ökonomie und Psychologie

Seit der Schweizer Arzt C.G. Jung die Menschen in „Introvertierte“ und „Extravertierte“ geteilt hat, wird darüber diskutiert, was denn eigentlich mit all jenen ist, die nicht eindeutig in die erste oder zweite Kategorie fallen. Dafür hat man neuerdings den Begriff „Ambivertiert“ gefunden.

Allerdings wird dadurch alles noch komplizierter. Denn fast jeder Mensch hat seine „introvertierte“ (nachdenkliche, nach innen gekehrte) Seite und eine „extravertierte“ (aufgeschlossene, gesellige) Seite.

Neuste Forschungen gehen sogar davon aus, dass unsere Persönlichkeitsmerkmale in einem weiten Rahmen schwanken. Sie sind eben nicht „in Beton gegossen“, sondern abhängig von der Rolle, die wir gerade einnehmen und/oder von der sozialen Umgebung, in der wir uns befinden.

Ein Beispiel: Frau X ist Programmiererin, aber sie hält auch launige Vorträge über ihren Beruf, die sehr beleibt sind. Für jede dieser Aufgaben nimmt sie eine Rolle ein, die dazu passt. Dadurch wirkt sie mal introvertiert, dann aber wieder extravertiert.

Nehmen wir an, Frau X würde sich sehr gut kennen, dann könnte sie ihre introvertierte Seite sogar von ihrer extravertierten Seite trennen und beide beschreiben.

Nehmer und Geber in der Realität

Bei einem neuen Projekt trenne ich Menschen, die ihre Ziele verwirklichen wollen, in „Nehmer“ und „Geber“. Die Grundlagen entnehme ich der Ökonomie, nicht der Psychologie. Damit setze ich zwei Pole, weiß aber wohl, dass die Menschen nicht an einem dieser beiden Pole festgefroren sind, sondern in der Realität leben. Dort nutzen sie mal die eine, mal die andere Möglichkeit – und wieder ist es sehr von den Rollen abhängig, die sie im Leben spielen.

Weil Wissenschaftler dazu neigen, auch noch die letzte Person auf Erden einzuordnen, haben sie den Begriff des „Matchers“ erfunden. Auf Deutsch könnte man ihn „Ausgleicher“ nennen.

Wenn wir nun die Realität anschauen, dann finden wir immer mehr Menschen, die etwas „nehmen“ wollen oder glauben, Ansprüche zu haben, die ihnen andere erfüllen sollen. Diese Personen sind also Nehmer. Erst, wenn sie dies nicht erreichen, versuchen sie, einen Ausgleich zwischen Wünschen und Möglichkeiten zu finden. Auf der anderen Seite gibt es recht wenige Personen, die etwas geben wollen und können. Sie neigen dazu, viel zu geben, wenn sie etwas im Überfluss haben, und abzuwägen, wenn sie nur sehr wenig davon entbehren können. Sie verhandeln dann, wenn die Forderungen nicht mit ihren Möglichkeiten übereinstimmen oder ihre Ressourcen dadurch zu schnell erschöpft werden. Letztlich sagen sie auch oft „Nein“.

Ob es „Ausgleicher“ gibt? Wahrscheinlich kaum. Allerdings gibt es einen „Ausgleich“ wenn sich Nehmen darüber einigen, zu welchen Bedingungen sie miteinander leben oder arbeiten wollen.

In diesem Sinne werde ich demnächst über das Thema „Geber und Nehmer“ schreiben. Als Zeitrahmen habe ich die Zeit zwischen Juli und November 2025 abgesteckt. Wenn du ein Gespräch darüber suchst – bitte schön. Schreib mir einfach.

email an den chef

Was einmal nur Kino war, wird durch KI gefährliche Realität

Ki-Verführerin
Die Liebe zu künstlichen Menschen wurde nicht erst gestern erfunden. Eine lange Spur von Erzählungen führt von Pygmalion bis zur Jetztzeit, in der sich Menschen in Kunstgestalten verlieben.

Untote als Verführer(innen)

In der Welt der bewegten Bilder sahen wir zunächst einige durchaus charmante männliche „Untote“, die sich zumeist Damen näherten, um sie ins Verderben zu führen. Nicht immer stand Vlad Dracul Pate für den verführerischen Blutsauger – auch die Gräfin Bathory wurde als Vorbild genommen, wie der Film „Les lèvres rouges“ zeigt.

Vom Untoten zum Maschinenmenschen – im Kino

Bald sahen wir die Verfilmung der „Frauen von Stepford“, bei denen biologische Frauen durch maschinelle Stellvertreterinnen ersetzt wurden. In „Westworld“ wurden sogar weibliche Roboter als Prostituierte gezeigt. In neuester Zeit entspringen diese Figuren in Filmen allerdings dem Internet. Zunächst ist die künstliche Geliebte sie nur als Stimme vorhanden, etwa in „Her“, ein Film, in dem sich ein Schriftsteller in die Stimme des Avatars „Samantha“ verliebt (2012). In anderen Produktionen, die ebenfalls von der KI und ihren Möglichkeiten beeinflusst wurden, treten sie tatsächlich in das „reale Leben“ hinein. Selbst im „Tatortreiniger“ gab es eine solche Folge (2020) mit dem weiblichen Roboter „Emma 206“.

Emotionale Bindungen mithilfe von KI

Und heute? Ich zitiere:

„KI-Begleiter, die darauf programmiert sind, emotionale Bindungen zu knüpfen, sind nicht mehr auf Filmdrehbücher beschränkt. Sie sind hier und agieren in einer Umgebung, die den Gesetzen des ‚Wilden Westens‘ entspricht.“

Möglicherweise beruhigt es dich, dass diese Gestalten nur virtuell existieren – sie kommen also nicht plötzlich in voller Lebensgröße aus dem Bildschirm heraus und fragen, wo dein Schlafzimmer ist.

Gefährliche Schnittstelle - Chat-Bots und naive Internetbenutzer(innen)

Und doch sind sie eine Gefahr. Denn im Internet ist es nicht unüblich, Beziehungen zunächst „online“ zu knüpfen. Kritische Internet-Benutzer wissen dies und lassen sich nicht auf „Online-Intimitäten“ mit Chat-Bots und Avataren ein. Andere Nutzer sind jedoch naiv. Sie glauben, auf einem Dating- oder Flirt-Portal ausschließlich auf Menschen zu treffen. Manche Benutzer(innen) fühlen sich sogar „unwohl“, wenn sie zu „zu direkt“ angesprochen werden oder die Gefühlslage der anderen Person von der eigenen abweicht. Nun kommt der Chat-Bot ins Spiel: Ob der Roboter einen „Er“ oder eine „Sie“ spielt, ist gleichgültig. Sein Programm erzeugt passende Emotionen. Und er gibt „positives Feedback“ bei den Gefühlen, die ein naiver User oder eine naive Userin mit „ihm“ teilen möchte.

Kunstmenschen zum Verlieben und für virtuelle Sexspiele

Inzwischen gibt es solche Bots überall – manche dienen nur dazu, die Userin oder der User immer wieder auf das entsprechende Portal zu locken. Um dort sinnliche Gefühle zu erleben. Andere versuchen, den Usern und Userinnen vertrauliche Daten zu entlocken. In jüngster Zeit wurden solche Bots sogar darauf programmiert, als sexuelle Verführerinnen zu agieren. Zwar verführen sie nur „virtuell“, aber die entsprechenden Dialoge können mit der Person verbunden und in Datenbanken gespeichert werden. Aus solchen Daten lassen sich jederzeit Persönlichkeitsprofil erstellen – und in gewissen Portalen eben auch mit allen sexuellen Bedürfnissen, die dort eingesammelt wurden.

Quellen: Soweit das Kino betroffen ist - "Immoral Tales - Sex and Horror Cinema", London 1995.
Weitere Quellen: Online Personal Watch, im Original bei Bloomberg und ausführlicher (alles in englischer Sprache) bei technologyreview. Weitere Medien, z.B. Liebeszeitung.