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Am Rande der Krise - merkwürdige Zwischenrufe

Nun wissen wir es also aus „berufenem“ Munde (1):

Wenn manche Bürger trotz der Informationsfluten die Lage immer noch nicht ernst (... nähmen, dann sei dies ...) eine Angstverdrängung und die Reaktion darauf (... sei ...) dann die Verharmlosung.

Könnt es vielleicht sein, Frau Diplompsychologin, dass die Menschen von der Informationsflut als solche verunsichert worden sind, insbesondere davon, täglich Meldungen zu hören, die von denen vom Vortag abweichen? Könnte es nicht auch sein dass sie sich nicht wie in einem geordneten Krisenmanagement, sondern in einer Geisterbahn fühlen, in der man nicht weiß, was morgen aus dem Fernseher tönt?

Sorge um die Demokratie

Sagen wir doch mal klipp und klar: Wir haben zuerst Vorschläge gehört, dann Appelle und nun also Verbote. Gelegentlich hört man sogar, dass die Gesetze außer Kraft gesetzt werden sollen und sich mancher wünscht, nun mit einer Notstandsverordnung regieren zu dürfen.

Das Gerede von der Angst und die tatsächliche Furcht

Bliebe noch die Angst, und da spricht die Dame aus der Psychologie gleich mal von „Angstverdrängung“ ohne zu sagen, wovor die Menschen in den Regionen Angst haben: Natürlich davor, infiziert zu werden - aber auch davor, die Grundlage ihrer Existenz zu verlieren. Beides ist eine reale Bedrohung, und sie trifft die Menschen unterschiedlich: Manche sind bedroht, und handeln vernünftig und - hoffentlich - nicht unvernünftig. Andere können jetzt gar nicht „unvernünftig“ oder „vernünftig“ handeln, weil ihnen der Staat das Gesetz des Handelns aus der Hand genommen hat. Und weil der Begriff der „Angst“ gefallen ist: Mancher spricht schon von einer „Coronaphobie“. (2) Das mag übertrieben sein - aber die Politik bleibt uns die Antwort schuldig, was sie außer den Appellen und Verboten noch im Sack hat.

Wir sind gerne vernünftig - auch ohne Psychologie-Lehrbuch

Es kann ja sein, dass all die Einschränkungen notwendig sind. Und das Volk sieht auch gerne ein, dass es manchmal nötig ist, einen unbequemen Weg zu gehen, um am Ende wieder glücklich lachen zu können.

Doch wie hoch muss der Beobachtungsplatz hoch über den Wolken eigentlich sein, um einem Volk zu sagen, es verdränge die Angst, um die Situation zu verharmlosen? Steht das so im Lehrbuch? Hat die Psychologin das anhand der Kontakte, die sie sicher trotz des Virus hat, jüngst beobachten können? Und wenn ja, an wem?

Es ist sicher sinnreich, Menschen zu erklären, was Viren sind, wie sie wirken und wie man sich gegen sie schützen kann. Aber ich denke, mit unserer Angst oder mit der Bewältigung unsere Angst, inklusive der Verdrängung, muss jeder selbst umgehen.

Appelle müssen sein - aber bitte sinnvoll

Halten wir mal fest: „Die Lage“ gibt’s nicht, auch wenn dies aus vielen Mündern herausquillt. Jeder ist in einer anderen Lage, hat andere Befürchtungen und andere Hoffnungen und immer noch hat jeder die Möglichkeit, gewisse Freiheiten zu genießen. Und das, was die Fernsehgesichter und jetzt sagen, sind Appelle und nicht etwas ewige Wahrheiten. Der sinnvollste Appell kam im Übrigen vom Bundespräsidenten (3,4) - also jemandem, der nicht nötig hat, vor der Kamera nach Popularität zu heischen, während andere Politiker dies dieser Tage durchaus tun.

Ich habe diese Appelle gehört - und alle anderen inzwischen wohl auch. Und ich hoffe, dass möglichst viele Menschen sie nach ihren Möglichkeiten befolgen.

Wenn ihr mich persönlich fragen solltet: ja, ich habe schon am Freitag damit begonnen, nachdem ein umsichtiger Mensch die Vernunft besaß, eine Veranstaltung abzusagen.

(1) Zitat aus "Hart aber Fair"
(2) Heise kritisiert Coronaphobie
(3) Der Stern berichtete über die Rede - andere taten nicht einmal das.
(4) Die Rede in Text, Ton und Bild.

Noch einmal Hi-Fi - ich hoffe zum letzten Mal

Anfang März sah ich mich veranlasst, mich (mal wieder) mit Hi-Fi zu beschäftigen. Eigentlich ist das kein Thema mehr, weil jedes Handy mit Bluetooth oder Ohrhörern hübsche Resultate liefert. Aber ausgerechnet, als die Liebste eine CD (ja, eine CD, die gibt es noch!) abhören wollte, versagte der CD-Spieler, TEAC aus der Serie 300. Da es schon der Zweite war, der innerhalb von 10 Jahren den Geist aufgab, dachte ich mir: Auch andere Mütter haben hübsche Kinder. Und weil ich mit Hi-Fi wirklich nicht angeben muss wie zehn hüllenlose tanzende Schwarzafrikaner (man bemerke das positive Neusprech!), suchte ich nach Alternativen.

Wann immer ich suche, trifft ein erstes Blick auf „What Hi-Fi“. Die Zeitschrift hatte schon das Protzen mit „Boliden“ aufgegeben, als andere noch Geräte für 5.000 Euro empfahlen. (Tun sie es heute nicht mehr?) Separat natürlich, weil das zur Orientierung „technisch versierter“ Enthusiasten gehört.

Nun gut - gut ist, wenn das Richtige drin ist - und deshalb hatte ich mich bald für Cambridge entschieden, jene britische Nobelmarke, die nahezu überall hoch gelobt wird - allerdings fast ausschließlich im Vereinigten Königreich. Und weil ich immer schon für „Downsizing“ war, wurde es der Zwerg von Cambridge Audio. Das Baby von Cambridge wurde zwar nicht unmittelbar empfohlen, aber es hatte alles, was ich wollte.

Macht sich gut auf einem Flötotto-Schrank, kostet nicht alle Welt und erfüllt die Bedürfnisse. Harmoniert prächtig mit den etwas angejahrten Wharfedale-Boxen und überhaupt - weniger ist heute mehr. Zu meiner Überraschung funktioniert jetzt auch DAB bei mir - das ist auch mit an Bord.

Bei deutschen Testern kommen tauchen britische Produkte entweder gar nicht auf oder sie werden armselig bewertet - was ich sehr wundert. Denn als in Deutschland aus den teuren Miniboxen noch spitziger Taunus-Sound kam, waren Firmen wie KEF und Wharfedale längst mit Super-Regalboxen im Geschäft. Ja ... gut, ich selber habe in einem anderen Raum deutsche HECO-Boxen, die erstens uralt sind und zweitens aus Platzgründen „falsch“ aufgestellt wurden - und die dennoch immer noch einen halbwegs perfekten Sound liefern.

Ich verlinke zu What-Hifi (Verstärker) aus der Zuversicht, dass es sich um ein hervorragendes Testmagazin handelt, nicht aus kommerziellen Gründen.

Kulturmonat Februar

Ach, glaubt nur nicht, ich stehe jeden Tag auf, um mir was zum Motzen an der Christdemokratie zu zu suchen. In der Zeit, als die CDU Thüringen und halb Deutschland auf den Kopf gestellt hat, war ich immerhin einmal im Theater, ein Mal auf einer Beerdigung und zwei Mal in einem Klassik-Konzert.

Die Beerdigung war wenig beeindruckend. Der Trauerredner verlas eine Rede, bei der offenkundig nur den Namen austauschen musste, so banal klang sie. Aber dennoch sind Beerdigungen immer ein Anlass, sich selbst im Spiegel des Lebens zu sehen.

Highlight war Mendelssohns Konzert für Violine, Klavier und Orchester d-Moll in einer Bearbeitung für Mandoline, Klavier und Orchester. Ebenfalls sehr beeindruckend: der ewige Fremde, ein Monodrama für einen Schauspieler und Orchester nach einem Text von Joshua Sobol mit der Musik von Ella Milch-Sheriff, die nahtlos in Beethovens vierte Symphonie überging. Fals ihr mich nach Beethoven fragt: Warum soll ich über etwas jemanden oder etwas reden, zu dem alle gesagt ist?

Dem Kritiker hatte es nicht gefallen, aber das Feuilleton ist ohnehin ein Problem: Ach, der Herr Sowieso hat es nicht so perfekt gekonnt wie der Herr Anderwärts. Mich nervt so etwas - das kann man meinetwegen von Tonträgern sagen, aber von Konzerten? Zählt da nicht der Moment des Kunstgenusses, jetzt und hier?

Das Theater? Man muss Gerhard Hauptmann mögen und der Berliner Dialekt tolerieren, wenn man „Die Ratten“ sieht, und beides fiel mir schwer.

Soweit also mein Februar. Mal sehen, was der März bringt.

Meine positivste Eigenschaft

Manchmal werde ich gefragt, was meine wichtigste positive Eigenschaft ist. Zumeist wollen die Menschen dann ein Persönlichkeitsmerkmal wissen, das sie vielleicht für sich nutzen könnten.

Doch meine wichtigste Eigenschaft ist, zwei Punkte durch eine Linie zu verbinden, wenn andere nicht einmal die Punkte sehen können.

Manche haben diesen Satz abgelacht: „Ey, du Dämelack, woher willst du denn überhaupt wissen, dass da Punkte sind? Die Linien kann doch jeder ziehen, wie er will.

Seht einmal, das ist der Unterschied zwischen Leuten, die andere nicht ernst nehmen wollen, weil sie in kleinen, dunklen Kästchen denken – das ist höflich ausgedrückt und den anderen, die zunächst einmal darüber nachdenken, was jemand sagt.

Denn das kreative Denken funktioniert so:

Du siehst Punkte, die andere nicht sehen. Du schaust danach, wo diese Punkte noch vorkommen und sammelst sie. Dann verbindest du sie auf neue Weise. Schließlich teilst du die Verbindungen anderen mit.

Ich habe mich im letzten Ansatz von der Sängerin und Autorin Armanda Palmer inspirieren lassen.

Die Kernaussage bleibt: Kreativität entsteht dadurch, dass wir Verbindungen erkennen, die anderen verborgen blieben.

Ballett

Gestern war ich im Theaterzelt und habe das großartige Thüringer Staatsballett tanzen gesehen – und dies fast 110 Minuten lang ohne Unterbrechungen.

Vor derartigen Leistungen kann man schon wegen der gewaltigen körperlichen Anstrengung den Hut ziehen, ohne die Leistungen zu erwähnen. Kurz gesagt: Sie war beeindruckend.

Man zeigte „Forever Lennon“ von Silvana Schröder, ein atemberaubendes Ballett-Abenteuer, bei dem große Gruppen von Tänzerinnen und Tänzern in schnell wechselnden Szenen auf die Bühne gebracht wurden. Dazu spielte und sang Johnny Silver live, der persönlich ebenso begeisterte wie seine Band.

Nein, dies soll keine feuilletonistische Kritik werden. Es machte einfach Freude, dabei zuzusehen, wie sich die Tänzerinnen und Tänzer ihrer Kunst hingaben. Das Publikum dankt am Schluss mit „Standing Ovations.“