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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Am Anfang stand die Romantik – das Wort „Empathie“ kritisch betrachtet

Am Anfang stand die deutsche Romantik. Der Kunsthistoriker Robert Vischer hat den Begriff „Einfühlen“ vermutlich als Erster verwendet. Der Psychologe Theodor Lipps (1851 - 1914) hat in ähnlicher Weise eine Einfühlungstheorie auf psychologischer Basis verfasst. Als der britisch-amerikanische Psychologe Edward Bradford Titchener (1867 – 1927) im Jahr 1909 eine plausible Übersetzung für den von Lipps geschaffenen Begriff suchte, hat er das Wort „Empathy“ dafür gefunden und in die englische Wissenschaftssprache eingeführt.

Das Einfühlen - von der deutschen Romantik nach Amerika und wieder zurück

In Deutschland stand der Begriff „Einfühlen“ damals für eine Verbindung zwischen dem Fühlen des Menschen zu dem, was er betrachtet. In der Übersetzung gab es bald eine andere Bedeutung, die mehr dem Begriff „Mitfühlen“ entspricht.

Als das Wort durch die vielen englischsprachigen Wissenschaftstexte wieder zurück nach Deutschland kam, wurde es zur „Empathie“ und damit zum Sammelbegriff für verschiedene emotionale Regungen. (1)

Wenn man den Begriff in seine Eigenschaften zerlegt, dann ergeben sich Fragen:

- Wie weit kann ein Mensch Emotionen rein gefühlsmäßig nachempfinden?
- Reicht das Durchdenken des Gefühls, um sie zu empfinden oder zu verstehen, oder ist mehr dafür nötig?
- Wie viel von den Gefühlen der anderen werden dabei mit eigenen Gefühlen vermischt?


Im Dorsch wird eine bemerkenswerte Definition gebraucht, die von anderen Erklärungen deutlich abweicht:

Empathie ist das affektive … Nachempfinden der vermuteten Emotion eines anderen Lebewesens auf Basis des kognitiven Verstehens dieser Emotion und bei Aufrechterhaltung der Selbst-Andere-Differenzierung.

Diese Beschreibung hebt sich von den vielen „bewertenden“ oder gar moralisierenden Definitionen deutlich ab. Sie trägt auch dazu bei, Empathie als menschliche, naturgegebene Eigenschaft zu verstehen, die in vielen Variationen auftreten kann.

Gelehrtensprache als Verschleierung

In Deutschland ist üblich geworden, bei psychologischen Fragen die „Gelehrtensprache“ zu verwenden, also von nahe liegenden Alltagsbegriffen abzuweichen. Auf diese Weise wird vorgetäuscht, einen Umstand vollständig verstanden zu haben.

Das allerdings ist - mindestens in diesem Fall - ein Trugschluss, denn der Begriff „Empathie“ verschleiert eher das, was wirklich gemeint ist. Worte wie „Mitgefühl", „Anteilnahme“, „Nächstenliebe“ oder „Verständnis“ sagen im Grunde viel mehr aus über die eigene Empfindung als das Kunstwort aus der psychologischen Theorie.

Dieser Artikel ist ein Meinungsbeitrag unseres Autors "sehpferd" zur Diskussion über die heutige Bedeutung des Wortes Empathie. Kritik ist willkommen

(1) Das Online-Lexikon "Wikipedia" verzeichnet 43 unterschiedliche Definitionen des Begriffs "Empathie". Ich denke, wer sich durch den Wust von Definitionen "gewühlt"" hat, wird weiterhin Alltagsbegriffe verwenden, um verstanden zu werden.

Die Psychologisierung des Lebens – ist sie sinnvoll?

Reden wir zunächst vom Positiven: Psychologie hilft uns dabei, die Gründe für unsere Probleme beim Verursacher zu suchen - also bei uns selbst. Ich bin mir persönlich sehr bewusst, dass es Menschen gibt, die schon dies bezweifeln. Für sie variiere ich den Satz noch einmal:

Mach die anderen erst dann für deine Misere verantwortlich, wenn du dir absolut sicher bist, sie nicht selber verursacht zu haben.

Dieser Satz folgt einer ganz einfachen Tatsache: Es ist wesentlich einfacher, dein Verhalten zu ändern als darauf zu hoffen, dass sich die anderen verändern.

Psychologie oder einfach Lebensgestaltung?

Vielleicht fragt ihr euch ja gerade, ob das überhaupt etwas mit „Psychologie“ zu tun hat oder ob es schlicht und einfach um ein Prinzip geht, um das eigene Leben in vielerlei Hinsicht zu verbessern.

Hast du dich das jetzt gefragt?

Ja? Dann bist du auf einem guten Weg, denn mithilfe der Psychologie können durchaus einige Probleme gelöst werden. Vor allem dann, wenn sie vielschichtig sind oder du zur Lösung einige Hürden überspringen musst. Das allerdings dauert meist relativ lange.

Kein Wunder, dass es genügend Lockrufe aus den Winkeln des Internets gibt, die dir zurufen: „Na, komm doch zu mir, bei mir geht es schneller, zügiger und einfacher.“

Barnum-Effekt oder echte Hilfe?

Mich erinnert das immer ein bisschen an den „Barnum-Effekt“ (1) . Wenn jemand einer großen Anzahl von Menschen die gleiche „Lösung“ empfiehlt, dann glaubt ein großer Teil, dass es auf das eigene Problem zutrifft.

Ich habe grade einige Bemerkungen dazu von einer Psychologin gelesen (2), die Kritik an dem Populismus übt, der von manchen psychologischen Schulen oder einzelnen Personen ausgeht. Dem stimme ich weitgehend zu. Allerdings stellt sich für mich die Frage, warum Fragen zur Lebensführung so oft „unter Psychologen“ diskutiert werden und nicht in einem breiten Kreis der Gesellschaft.

Oder um es klarer und schärfer zu sagen: Sind Themen der Lebensführung, Lebensgestaltung und Problemlösung nicht viel zu elementar, um sie ausgerechnet der Psycho-Branche zu überlassen?

Nun bist du dran. Denk einfach mal darüber nach. Oder – lies mal den Text aus „Psychologie Heute“.

(1) Barnum-Effekt.

(2) Aus "Psycholgie Heute"

Dynamiken und Rätselhaftigkeit der Sexualität

Irgendwie bin ich dieser Tage auf „Psychologie Heute“ gestoßen. Was mich sofort befremdete, war die „verkünstelte“ Sprache, so wie hier:

Für die Wirksamkeit solcher Imperative braucht es gar kein strenges Nein, sie funktionieren über das freundliche Ja. Beide Dynamiken verfehlen eklatant die Rätselhaftigkeit der Sexualität.

Selbst, wenn ich einige meiner Minuten meiner wertvollen Zeit für den Satz opfere: Die „Dynamiken“, die „eklatant“ die die „Rätselhaftigkeit“ der Sexualität verfehlen, öffnen sich für mich nicht.

Dennoch konnte ich ermitteln, was der Autor eigentlich meint: Früher wurde die Heterosexualität propagiert, heute eher die Vielfalt. Das mag sein. Allerdings erklärt dies nicht, warum Sexualität generell rätselhaft sein soll.

Quelle: "Psychologie Heute"


Was ist eigentlich los mit „BDSM“?

Zunächst wird euch überraschen, dass „BDSM“ kein fest gefügter Begriff für eine einzige Spielart der Lüste ist. Vielmehr ist es ein lockerer Begriff, der aus vier Teilen besteht, die erst in der jeweiligen Zusammensetzung einen Sinn ergeben - und manchmal nicht mal dann.

B, D, S und M

„B“ steht für „Bondage“ – auf deutsche Fesselungen.
„D“ steht für „Disziplin“, auf Deutsch in diesem Zusammenhang etwa „Erziehung“.
„D“ steht aber auch für Dominanz (Beherrschung).
„S“ steht für Submission (Unterwerfung).
„S“ steht aber auch für Sadismus (Psychologischer Begriff).
„M“ steht für „Masochismus“ (Psychologischer Begriff).

Aus diesen Komponenten werden von den Autoren nun die Begriffe zusammengeschustert, zum Beispiel D/S oder S/M. Was dahintersteht, ist allerdings äußerst unscharf.

Wer hat die Begriffe erfunden?

Die ersten Definitionsversuche wurden von Psychiatern und/oder Psychologen übernommen, denen es im Wesentlichen um die Katalogisierung der dahinterstehenden „Abweichungen“ ging. Beispielsweise wurde der „Sadismus“ an den Schriften des Autors de Sade aufgehängt, für der Begriff „Masochismus“ stand der Autor der „Venus im Pelz“ Pate, also der Schriftsteller Sacher-Masoch. „Sadomasochistisch“ ist demnach, wer Freude an sadistischen und/oder masochistischen Machtspielen hat.

Aus der Dunkelwelt in den heimischen Bücherschrank - S/M-Literatur

Die Kombinationen entstanden, als die Szene aus der „Dunkelwelt“ in die Öffentlichkeit ging, und es gab einige Definitionen, was „BDSM“ nun sein sollte – einige waren durchaus kontrovers.

Es dauerte ziemlich lange, bis der Kunstbegriff im bürgerlichen Milieu bekannt wurde. Der eigentliche Durchbruch gelang mit der Trilogie „Shades of Grey“, die ihrerseits wieder sehr umstritten war. Das Bild, das heute viele Menschen des bürgerlichen Mittelstandes von „BDSM“ haben, entstammt diesen Büchern, der andere Teil wurde (und wird) entsprechenden pornografischen Filmen entnommen. Nur sehr wenige dieser Schriften und Filme haben einen Bezug zur Realität.

Unzufriedenheit mit dem Sexleben - Lösung durch S/M?

In den letzten Jahren haben die Psychologen „BDSM“ wiederentdeckt und sie bemühen sich um neue Definitionen. Was einst in die „unterste Schublade“ menschlicher Neigungen gehörte, wurde nun aufgewertet. Behauptet wird, dass Paare, die mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, durch BDSM neue Seiten aufschlagen können. Das Schlüsselwort dabei heißt „Kommunikation“. In der Lesart der Psychologie heißt das, wer miteinander über sexuelle Vorlieben redet, der kann auch neue Wege einschlagen, die zu Lustgewinn führen.

S/M heute - neue Spiele um die Lust nüchtern betrachtet

Unter jungen Paaren wird neuerdings behauptet, „Soft-SM“ zu praktizieren. Man sagt auch „Light BDSM“ - doch was damit gemeint ist, ist so schwammig wie der Begriff „BDSM“ selbst.

Was ist nun „Light SM” oder eben „Soft-SM“? Im Grunde ist es ein bewusstes Spiel mit der Macht – und damit nicht gerade ungewöhnliche für Paare. Der Unterschied besteht darin, dass nach klaren Regeln gespielt wird, die Zeit für die Spiele begrenzt wird und am Ende beide einen Gewinn davon haben.

Das klingt nüchtern, nicht wahr? Für die beiden Partner ist es natürlich mehr, weil sie dabei in die Gefühlsachterbahn einsteigen – ebenfalls für eine begrenzte Zeit.

Warum ich keine KI verwendet habe, um diesen Artikel zu schreiben

Ich denke, ihr habt bemerkt, dass dieser Artikel nicht mit „KI“ erzeugt wurde. Solltet ihr jemals auf die Idee kommen, dafür KI einzusetzen, so werdet ihr euch wundern. Vielleicht dämmert euch dann auch, warum KI bei so unscharfen Begriffen keine verlässlichen Antworten gibt.

Ist Liebe tatsächlich kein Gefühl? Oder vielleicht doch?

Liebe lernen am Beispiel der Rückkoppelung
Ein Gefühl existiert nicht, solange es sich nicht ausdrückt. Es muss mit einer Handlung verbunden sein.

(Zitiert nach dem Theologen David Wolpe)

Die Oberfläche der Gefühle

Unsere Gefühle lassen sich mit viel Mühe beschreiben, wobei wir auf das Vokabular zurückgreifen, das dafür üblicherweise verwendet wird. Leider entstehen daraus in den meisten Fällen recht oberflächliche Beschreibungen. Oft versuchen die Schreibenden, sich an passende psychologische Definitionen zu halten, was letztlich bedeutet: Wenn von Gefühlen die Rede ist, dann ist auf keinen Fall mehr von Gefühlen die Rede. Im Grunde entspricht dies einem berühmteren Zitat, das dem deutschen Dichterfürsten Goethe zugeschrieben wird: „Redet die Seele, dann redet die Seele nicht mehr.“

Die Liebe – ist sie wirklich ein Gefühl?

Sehen wir uns „die Liebe“ an. Abgesehen von dem ständigen Gelehrtenstreit, um nun die Menschenliebe oder die sinnliche Liebe gemeint wäre, sagt man oft: „Liebe ist ein intensives Gefühl tiefer Zuneigung“. Oder in Kurzform: „Liebe ist das, was du fühlst, wenn du jemanden magst.“

Dieser Satz mag für dich zutreffen - aber noch ist es unmöglich, über deine spezielle Art der Liebe zu sprechen. Wenn du das willst, ist es notwendig, die Liebe nicht mehr als „Gefühl“ zu sehen. Erst dann wird deine Sicht klarer, denn die Liebe zeigt sich nur an dem, was davon erkennbar ist – und Gefühle stehen nicht in lesbaren Zeichen. Wir können also sagen: Liebe ist eine Emotion, die erst dann beschreibbar wird, wenn wir sie inszeniert haben. Wichtig ist also nicht die Frage, „was Liebe ist“, sondern was sie für die Person bedeutet. Ob jemand liebt, erkennt man also daran, ob dieser Mensch liebevoll mit uns umgeht. Und falls du, lieber Leser oder liebe Leserin, dich von jemandem geliebt fühlst, dann hast du die Botschaft aufgenommen, die der oder die andere dir auf diese Weise übermittelt hat.

Eine neue Theorie der Liebe

Ich habe diese neue Theorie nicht erfunden. Sie wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts propagiert. Der Psychoanalytiker Erich Fromm hatte auf der Basis sozialistischer Ideen eine für ihn ideale Definition der Liebe gefunden, die sich an Begriffen aus der Sozialwissenschaft orientierte. Zum damaligen Zeitpunkt war es fast unmöglich, die Theorien der Soziologie oder der Psychoanalyse mit denen der Naturwissenschaften zu kombinieren. Aus diesem Grund fehlen in seinem Hauptwerk „Die Kunst des Liebens“ sämtliche damals bekannten Erkenntnisse der Naturwissenschaften und selbstverständlich auch solche, die erst später entdeckt wurden.

Welche Bedeutung Erich Fromm tatsächlich für die Definition der Liebe hatte, ist umstritten. Tatsache ist aber, dass auch heute noch oft aus seinem Buch zitiert wird, um zu beweisen, dass Liebe im Grund kein Gefühl ist, sondern das Ergebnis eines Lernprozesses.

Verschiedene Autoren haben bereits ähnliche Gedanken veröffentlicht. Der Kern all dieser Theorien: Liebe ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Gefühl, sondern eine menschliche Eigenschaft oder ein Merkmal der Persönlichkeit.

Im zweiten Abschnitt geht es um Gefühl Liebe - Erwarten, Lernen und Zufälle.

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