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Das Selbst – geschenkt, verschwendet, missbraucht, vergessen

Das SELBST ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit sich die akademische Psychologie von der menschlichen Wirklichkeit unterscheidet. Ein kurzer Blick auf WIKIPEDIA gibt uns Einblick in die verworrene akademische Welt. Ja, der Begriff wurde von Carl Gustav Jung eingeführt, aber seine Blütezeit erlebte der Begriff in der humanistischen Psychologie.

Wie das SELBST in die Welt kam

Bevor es das SELBST gab, existierte das ICH. Zunächst interessierte es nahezu ausschließlich Philosophen. Das wurde anders, als sich Ärzte damit beschäftigten. Seither ist das ICH der Heilige Gral der Psychologen und eines der Lieblingsthemen in den Zirkeln, die „psychologieaffin“ sind. Begriffen hat die Freud’sche Konstruktion kaum jemand außerhalb der Psychologie, schon gar nicht die Menschen aus dem Volke. Die drei Begriffe „ICH“, „ES“ und „ÜBER ICH“ zu gebrauchen, ist neben den Elfenbeinturm-Bewohnern vor allem den Bildungsbürgern vorbehalten. Irgendwie steht Freud dort neben Mozart und Goethe – als Lichtgestalt.

Etwas im Alltag Verwendbares? Oh Schreck!

Als Eric Berne die Begriffe auf den Alltag herunterbrach (1) , wurde er zunächst verachtet. Seine Lehre „PACH“ entsprach nicht den akademischen Standards. Es ist aber bisher die einzige praktische anwendbare Lehre, die aus der ICH-Verschachtelung entstanden ist.

Das SELBST, das SEIN und die ANDEREN

Das SELBST sollte uns von der unheiligen Dreifaltigkeit erlösen. Der Begriff sorgte dafür, dass wir unsere Emotionen und/oder unser Verhalten in einem Begriff zusammenfassen konnten. Das SELBST wurde zum Zentrum des Bewussten wie des Unbewussten – das leuchtet vielen Menschen ein. Ronald D. Laing erkannte, dass zu unserem inneren „Universum“ auch noch ein „ANDERE“ gehört – und auch er wurde dafür von den Gralshütern der Psychologie verachtet. Und das hat sich bis heute nicht verändert.

Wie das SELBST unter die Räder kam

Das SELBST geriet schnell in schlechte Gesellschaft: Gurus, Esoteriker Geschäftemacher besetzten es in kürzester Zeit. Die Idee, ein SELBST zu besitzen, gebar die Idee, es auch optimieren zu können. Und um es zu optimieren, wurden Seminare, Kurse und Workshops angeboten. Dadurch wurde das SELBST nach und nach entwertet. Sam Ende wusste niemand mehr, was es eigentlich bedeutete. Die ursprüngliche Idee, das Bewusste mit dem Unbewussten zu versöhnen, geriet in Vergessenheit. Es mag auch daran gelegen haben, dass unser „Bewusstes“ recht präzis, unser Unbewusstes aber extrem schwammig definiert wird.

Die Geburt der Persönlichkeitseigenschaften

In der Folge beschäftigte man sich deutlich weniger mit dem ICH, nicht mehr mit der Gruppe von ICHs und nicht mehr mit dem SELBST. Heute sind wir gewohnt, alles, was wir sind und wie wir wirken, „Persönlichkeitseigenschaften“ zu bezeichnen.

Bislang ist dies der letzte Schritt der Umwertung. Nichts ist so beliebig wie die „Persönlichkeit“ und die mit ihr verbundenen „Persönlichkeitsmerkmale“. Psychologen freut dies, weil sie nun alle Eigenschaften katalogisieren und bewerten können. Die Geschäftemacher, Gurus und Esoteriker sind glücklich, weil sie etwas zum „optimieren“ haben, ganz zu schweigen von Online-Dating-Firmen.

Die neue Einseitigkeit

Könnte es wohl sein, dass wir etwas aus den Augen verloren haben? Unsere Herkunft aus der Gruppe der Säugetiere, beispielsweise? Sie gehört gewiss zum SELBST, aber kaum noch zur „Persönlichkeit“. Die Rückkoppelung bei den Begegnungen von Menschen? Das Vordenken bei Begegnungen, das mindestens voraussetzt, dass wir ein rudimentäres „ANDERE“ im Kopf haben? Oder wenigstens, dass es Menschen geben könnte, die nicht in das Raster der etikettierungswütigen „Fachleute“ passen?

Ich hoffe, ich habe wenigsten Einige von euch angesprochen. Und falls ich wenigsten einen Menschen zum Nachdenken gebracht habe: Ich bin mit wenig zufrieden.

(1) Zitat (heute, Wikipedia):

Das Bemühen Eric Bernes, psychische Prozesse und Phänomene mit relativ leicht verständlicher, einfacher Sprache zu beschreiben, hat dazu geführt, dass Menschen die Terminologie der Transaktionsanalyse benutzten, ohne die dahinter liegenden Konzepte zu kennen oder zu beachten.

Irrtümer in der Psychoanalyse?

Kürzlich wurde ich gefragt, welche Erkenntnisse von Sigmund Freud falsch waren. Dabei stellt sich die Grundfrage, ob Freuds Theorien überhaupt etwas mit einer soliden Wissenschaft zu tun haben. Was letztlich heißt: Wir müssen all diese Erkenntnisse hinterfragen, und nicht nur, ob sie „richtig“ oder „falsch“ sind, sondern vor allem, welche Bedeutung sie haben. Denn wenngleich Sigmund Freud für einen Teil der Bevölkerung eine Art Halbgott ist, für Psychotherapeuten vielleicht gar die Grundlage einer Erklärung des Seins – dann ist seine Theorie dennoch nur ein Entwurf, und er darf selbstverständlich hinterfragt werden.

Der Knackpunkt vieler Theorien dieser und ähnlicher Art ist: „Kann ein einzelnes Ereignis während der Kindheit wirklich psychische Schäden auslösen, die mit Eigenmitteln (Selbstheilung, Kommunikation, gute soziale Kontakte) nicht mehr beseitigt werden können, sondern nur noch dadurch, dass sie (oft mühsam) wiederbelebt werden?“

Dabei stellen wir fest, dass die Psychotherapie das Pferd stets vom Schwanz aufzäumt. Hat ein Psychotherapeut festgestellt, dass die von Freud gefundene Methode hilft, dann glaubt er zu wissen, dass es dieses einzigartige Ereignis wirklich gibt und dass es die Ursache für die Störung ist.

Jeder logisch denkende Mensch würde sagen: Im Grunde müssten wir wissen, wie viele Menschen ähnliche Erlebnisse hatten und wie viel diese nicht selbst wieder tilgen konnten. Aber das wissen wir schon deshalb nicht, weil Menschen, die sich selbst wissend oder unwissend geholfen haben, nicht zu Therapeuten gehen.

Sigmund Freud – seine drei ICH-Brüder im Konflikt

Mancher hat auf der Schule etwas von Sigmund Freud gehört. Zeitströmung, Wahrheiten und Mythen wurden und werden dabei oftmals zu einem schier unauflösbaren Puzzle verwoben.

Dieser Artikel soll die Verdienste Freuds nicht schmälern, sondern aufklären, warum psychologische Modelle sinnvoll sein können oder eben auch nicht.

Freuds ICH-Theorien - kaum exakte Daten, aber viele Vorstellungen

Freuds Problem ist leicht zu analysieren: Über die Vorgänge im Fühlen und Denken der Menschen weiß man nichts wirklich Exaktes. Aus Beobachtungen geht jedoch seit Jahrhunderten eindeutig hervor, dass wie uns selbst als Individuum wahrnehmen können – man sagt deshalb heute auch, wir könnten unser „Selbst“ erkennen. In der englischen Ausgabe von Wikipedia finden wir die Komponenten des „Selbst“, in der deutschen Ausgabe fehlen sie. Das ICH, ein Teil des heutigen Selbst, nannte die Philosophen auch das EGO.

Was hat Freud nun getan? Auch er wusste nichts Exaktes, also nichts, was sich messen, wägen und zuverlässig bewerten ließ. Er beobachtete aber, wie das ICH (das EGO) von offenbar schlecht kontrollierbaren Gefühlen durchzogen wurde, und er nannte die Beeinflusser das „ES“ und das „Über-ICH“. Man kann sehr vereinfacht sagen, dass ein „ES“ derjenige Anteil ist ist, der sehr mit den Naturtrieben beeinflusst wird, während ein Über-Ich der Teil ist, der uns zur Ordnung ruft oder sonst wie „einordnet“. Bleibt das ICH, das durch bewusstes Denken beeinflusst wird.

Es dürfte klar sein, dass es solche isolierten „Instanzen“ nicht gibt, sondern dass Geist, Körper und Emotionen (und nicht zu vergessen die körpereigene Chemie) aus allen Komponenten des Seins ihr eigenes Süppchen kochen. Insofern ist das freudsche Modell für das Verständnis des Menschseins ziemlich untauglich.

Eric Berne fand eine Anwendungsmöglichkeit, die bis heute Bestand hat

Nun aber geschah etwas Erstaunliches: Das an sich unbrauchbare Bild der „ICH-Instanzen“ wurde von einem anderen Psychiater, Eric Berne, in ein tragfähiges, praktisch anwendbares Konzept gewandelt, das seither unter dem wissenschaftlichen Namen „Transaktionsanalyse“ weiterentwicklet wurde. Aus ihr gingen auch sehr einfache und verständliche Ansätze der Kommunikationstheorie hervor. Denn wenn man die Begriffe ohne Ehrfurcht und ohne Fremdwörter benutzt, wird schnell klar, wo das Potenzial dieser Methoden liegt.

Ein Beispiel sinnvoller Begriffe (nach Berne) :

Exteropsyche - Eltern-ICH (P)
Neopsyche – Erwachsenen-ICH (A)
Archeopsyche – Kindheits-ICH (CH)


Mit diesen Begriffen kann man relativ einfach lehren, aus welchem ICH-Zustand eine Person spricht und wie man darauf angemessen reagiert.

Auf diese Weise wird der Konflikt der ICH-Brüder im täglichen Leben abgebildet und er kann auch aufgelöst werden.

Und alles ist dennoch nur ein Modell

Trotz alledem beruhen diese Instanzen auch nur auf Modellen. Berne fand eine praktische Anwendung des freudschen Modells, indem er es entmystifizierte. Wie das Dreigestirn der ICHs wirklich funktioniert und ob noch andere Instanzen wirksam sind, kann dadurch jedoch nicht bewiesen werden.