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Aktives Zuhören in der Diskussion

Jüngst habe ich eine Frage zum „aktiven Zuhören“ beantwortet. Ich selbst hatte eine andere Auffassung als einige andere Berater. Ich gestehe durchaus, dass mein Können und Wissen nicht mehr ganz taufrisch ist.

Wem nützt das "aktive Zuhören"?

Dennoch ist mir etwas aufgefallen: Überwiegend denken die heutigen Menschen, das „aktive Zuhören“ sei eine Technik, die ihnen nützen würde, etwas zu verstehen. Das passt zum „Optimierungsanspruch“ des heutigen Menschen. Etwas für sich zu tun, damit man „besser“ wird. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn das „Aktiv Zuhören“ ist noch viel mehr. Einerseits ist es eine milde, aber durchaus wirksame Methode der Manipulation, dann ist es eine ausgesprochen einfache und effektive Methode, jemand anderen dabei zu helfen, mentale Schwierigkeiten zu beseitigen.

Carl Rogers schrieb zu den mentalen Problemen:

(… diese Methode ist …) der effektivste uns bekannte Weg zur Veränderung der grundlegenden Persönlichkeitsstruktur … wenn ich zuhören kann, was er mir erzählt; wenn ich verstehen kann, wie ihm dabei zumute ist, wenn ich erkennen kann, was das für ihn persönlich bedeutet … dann setze ich die mächtigen Kräfte der Veränderung in ihm frei.


Teil einer Wissenschaft oder nur eine Methode?

Seit Rogers darüber schrieb und Erfolg mit dieser Methode hatte, wurde sie als „wissenschaftlich“ angesehen und im weiteren Verlauf immer mehr verwissenschaftlicht. In Wahrheit ist es allerdings eine Kommunikationstechnik, und sie findet in der objektiven wie in der manipulativen Beratung ihre Anwendungen. Denn anders als Rogers (der ein Psychotherapeut war) vermutete, ist die „Echtheit“ des Dialogs weniger entscheidend als das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Unter der Lupe: Was genau passiert eigentlich?

Wenn wir die Sache genau nehmen, dann ist diese Form der Beratung, und vor allem das aktive Zuhören, weder eine Beziehungsfrage noch eine Frage der Empathie. Rein theoretisch versuchen Therapeut oder Verkäufer lediglich, den Gedankengängen ihrer jeweiligen „Kundschaft“ zu folgen. Das heißt für den aktiven Zuhörer, ganz dem zu folgen, was der „K“ denkt und auch dessen Widersprüche oder Zweifel zu erkennen.

Keine Energien aufbauen, sondern lenken

Wenn ich dies mit einem Beispiel aus der Kybernetik untermauern darf: Der „K“ (Kunde, Klient, Schüler, Ratsuchende) produziert mehr als genug Energie, um seine Schwierigkeiten zu überwinden. Der „T“ (Verkäufer, Therapeut, Lehrer, Berater) versucht lediglich, diesen Prozess zu lenken. Rogers selber hat in ähnlichem Sinne von einem „selbstaktualisierenden Prozess“ der Persönlichkeitsentwicklung gesprochen.

Diskussion - wie viel Empathie ist sinnvoll?

Man kann, darf und soll anderer Meinung sein. Carl Rogers hatte – dem Zeitgeist entsprechend – eine auf „Empathie“ und „bedingungslose Wertschätzung“ aufbauende Therapie im Auge. Andere hatten eine Werkzeugkiste von Gesprächstechniken im Gepäck, die auch ohne diese Ansprüche auskam.

Der Hintergrund ist einfach: Die Empathie (echtes Mitgefühl) ist ein hohes und rares Gut, welches (wie die Liebe) nicht unerschöpflich ist. Heißt: Das Emotionskonto, auf dem sie liegt, wird nicht „selbsttätig“ wieder aufgefüllt, sondern muss mit aufwendigen Maßnahmen gepflegt werden. Also tun Berater gut daran, das „Mitgefühl“ durch Verständnis zu ersetzen. Ein letztes Beispiel mag erhellen, warum wir „den Ball etwas flacher halten sollten.“

Wenn ein Kunde einen technischen Berater konsultiert, will er auf keinen Fall dessen gesamtes Wissen teilen. Der Berater wird ihm zuhören, versuchen, die Schwierigkeiten zu erfassen und den kleinen Teil dazu beitragen, der den Kunden zur Lösung führt.

Wenn nun ein Ratsuchender in einer persönlichen Frage (beispielsweise einer Beziehung) unschlüssig ist, benötigt er keinesfalls das geballte Verständnis des Beraters. Ihm reicht völlig, den Knoten aufzulösen, der ihn „unschlüssig festhält“. Gelingt es dem Berater also, die Schwierigkeit durch Zuhören zu erfassen und „auf den Punkt zu bringen“, so wird der Ratsuchende die Lösung letztlich aus eigener Kraft finden.

Zitat Rogers: („Die Entwicklung der Persönlichkeit“, 1961)

Karwoche und Ostern

So ist es denn Karfreitag, oder Charfreitag. Wer genau wissen will, was welcher Tag der „Karwoche“ oder der „Heiligen Woche“ bedeutet, muss die Katholische Kirche fragen – die weiß es nicht nur genau, sondern hat auch strenge Regeln dafür aufgestellt, was die gegenwärtigen Feiertage bedeuten. Der Volksmund sagt auch dann und wann „Karwoche“, zählt sie aber ab Montag. Auf diese Weise entstanden neben dem Karfreitag (Charfreitag) auch noch der Charmontag, der Chardienstag und der Charmittwoch … und sogar der „Charsamstag“. Einen „Chardonnerstag“ gibt es allerdings nicht – er heißt allgemein „Gründonnerstag“.

Ostern

Kein Zweifel: Ostern steht an, und die Frage „Hase“ oder „Christ“, wird einmal mehr vom Hasen entschieden werden. Und Hase und Huhn mögen untereinander auswürfeln, wer der Schöpfer des Ostereis ist.

Wahrscheinlich wisst ihr, dass der Ostersonntag nach einer Formel errechnet wird, jedenfalls in katholischen und evangelischen Gegenden. Die Orthodoxe Kirche hat andere Ideen über den Zeitpunkt. Das kann nachlesen, wer will oder mag. Und wer in der Schule fein die Ohren gespitzt hat, weiß auch, dass es beim "Osterfest" eigentlich um den christlichen Religionsstifter geht.

Der Tag heute

Also gut. Es ist Karfreitag, es gab einen moderaten Kälteeinbruch, und neben allen, die sowieso geschlossen haben, blieben auch einige Backstuben kalt. Die IT-Leute sind dafür umso emsiger, weil sie zwischen Karfreitag und Ostermontag Ernstfälle durchspielen oder neue Programmversionen installieren. Dazu gibt’s meistens das Grundnahrungsmittel der Programmierzunft, die Pizza.

Egal, was ihr gerade tut und wo ihr euch befindet – ich wünsche ein vergnügliches Osterfest. Vermutlich am 4. April, falls ihr der Westkirche angehört oder sie den Kalender bestimmt. Ansonsten am 2. Mai.

Identitätspolitik

Einst hatten wir Religionen, an die wir uns klammerten. Zum Beispiel das Christentum. Als seine Attraktivität nachließ, hatten wir Ideologien, zum Beispiel die „Linke Gesinnung“. Ich kann mich ziemlich deutlich erinnern, dass wir nach der Links-Rückdrehung eine Phase der Verblödung durchmachten, die wir „Esoterik“ nennen sollten.

Heute haben wir eine Gesellschaftsordnung, in der dümmliche Phrasen aller Art Konjunktur haben. Menschen fragen nicht mehr: „Welchen Weg soll ich gehen, um mein Glück zu finden?“ Sie fragen vielmehr: „Wie kann ich meine Person optimieren“ oder „wie kann ich den maximalen Erfolg erreichen?“

Und wie ist das mit der Identitätspolitik?

Man ist längst nicht mehr Christ. Nicht mehr Sozialist. Nicht mehr Sannyasin bei den orangen Tanten und Onkels. Nicht mehr Hein oder Inge Doof, die sich einreden lassen, sie könnten Manager(in) eines Weltkonzerns werden, wenn sie nur hart genug daran arbeiten würde.

Immerhin können Frau oder Herr Doof hinterher noch feststellen, dass sie einer Illusion verfallen sind.

Und wie ist das mit der Identitätspolitik?

Nun - wir werden danach einsortiert, ob wir eine dumm-weiße Gesinnung haben (die angeblich nichts mit der Hautfarbe zu tun hat, aber dennoch genau so gesehen wird). Das ist ziemlich leicht, weil die Behauptung ausreicht. Zumindest ist das Teil der Masche, die von den Vertreten der Identitätspolitik geritten wird. Das wir alle Kolonialisten sind (man bedenken das Wort „Kolonialwaren“ das noch an manchen älteren Kaufmannsläden steht) sind wir auch alle Sklavenhalter - na, wenigstens die Söhne, Enkel oder Urenkel derselben. Und wenn wir dann noch dumm-heterosexuell sind, und uns um unser „Gender“ nicht die geringsten Sorgen machen, dann werden wir vorgeführt ... als Unbelehrbare.

Frauen werden ausgeblendet

Vergessen habe ich in diesem Zusammenhang, dass Frauen bei dieser Form von „Neuordnung“ gar nicht vorkommen. Biologische Männer, weiß und „CIS“ schon. Denn klar muss ein: Es waren miese weiße Männer, die Kolonien gegründet und das Patriarchat erfunden haben - das kommt so ziemlich in einem Satz bei den Protagonistinnen der „neuen Bewegung“.

Wie definiere ich einen Menschen?

Ich persönlich bezeichne mich als Mensch. Das ist eine besondere Art der Primaten, aber mit differenzierteren Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften. Das ist übrigens ein sehr guter Weg, um Menschen zu verstehen. Sodann definiere ich mich über meine Herkunft. Die liegt recht verstreut über ganz Deutschland udn manche Gegenden im Ausland. Letztendlich habe ich mich sehr über meinen Beruf und meine damit verbundene Reisetätigkeit definiert. Und sexuell käme ich nicht einmal auf die Idee, mich als irgendetwas zu definieren.

Nicht in Ideen verkrallen - das schadet nur

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Menschen mit der Tendenz, sich in etwas zu „verkrallen“ immer ähnlich denken. Und ihr könnt mir zumindest eines glauben: Ich bin alt genug, um Beispiele dieser Art gesehen und erlebt zu haben.

Oh - noch etwas vergaß ich. Es gibt so etwas wie Vernunft. Ich las etwas darüber in einer Luxemburger Zeitung. Und zum Abschluss zitiere ich, was ich selbst akzeptieren würde:

Die Debatte wäre spannend, wenn man versuchen würde, darüber zu sprechen, wie man eine Gesellschaft gestalten kann, in der Identität sein darf, ohne als fundamentalistisch, homogen und absolut angesehen zu werden. Eine Abkehr von einem unproduktiven, teilweise destruktiven „entweder, oder“ mit dem Ziel, Unrecht abzubauen, wäre ein Anfang.

Und damit, so denke ich jedenfalls, wären wir schon einen Schritt über die aktuelle Situation hinausgegangen.

Der Deutsche und die Angst vor dem Kompromiss

Als Antwortgeber zu kritischen Fragen muss man manche Kröte schlucken: Einmal wird man mit „Alternativfragen“ gefoppt, dann wird eine Behauptung hinter ein „Warum“ gehängt. Jüngstes Beispiel aus meiner Praxis (1):

Warum ist ein Kompromiss nur ein guter Kompromiss, wenn alle leiden?

Ich habe mir lange überlegt, wie „deutsch“ die Frage ist – doch während meiner (theoretischen wie praktischen) Beschäftigung mit der Partnerwahl oder Partnersuche bin ich dem Begriff oft in negativem Zusammenhang begegnet. Dort hieß es dann oftmals, „Kompromisse kommen für mich nicht infrage.“

Wenn kein Kompromiss infrage kommt, gibt es oft auch keine Lösung

Die Sache ist wirklich eigenartig: Wenn für beide keine Kompromisse infrage kommen, werden beide nicht lange zusammenleben können. Was letztlich heißt: Kompromisslosigkeit bedeutet dauerhafte Beziehungslosigkeit. Und bevor ihr fragt: Mein, ich kann das nicht exakt statistisch beweisen. Aber ich höre oft das Lamento jener, die „kompromisslose“ Beziehungen wollten.

Die Abwertung des Kompromisses in Deutschland - erst im 20. Jahrhundert?

Zurück zu anderen Kompromissen und der Frage: Ist es einfach „deutsch“, Kompromisse abzuwerten? Offenbar war das nicht immer so. Das deutsche Kaiserreich bestand zwischen 1871 und 1918. In diese Zeit fallen auch meine ersten Quellen, die nicht darauf hindeuten, dass „Deutsch sein“ auch „Kompromisslos sein“ bedeutet:

So meint Meyers: (1885-1892)( Anm. 2).

(Ein Kompromiss ist) … im Allgemeinen jede Übereinkunft zum Behuf der Beilegung eines Streits.

Brockhaus (1894 – 1896) sieht es kaum anders:
Ein gegenseitiges Versprechen, Vereinbarung … sich unter wechselseitigem Nachgeben über eine Angelegenheit verständigen.


Wann der wichtige und menschenfreundliche Kompromiss in die Schmutzabteilung gekommen ist, kann ich nicht eindeutig sagen. Ich zitiere jedoch Wikipedia. Das Lexikon bleibt hinsichtlich des genauen Zeitpunkts unsicher und verwendet das Wort „früher“:

Der Kompromiss wurde früher als „undeutsch“ gebrandmarkt.

Geben andere mehr Aufschluss)? Ich zitiere (3):

In Kaiserzeit und Weimarer Republik galt der Kompromiss als ‚undeutsch‘. Man setzte sich durch, ganz oder gar nicht: Kompromisse waren etwas für Weicheier. Auch in der Politik.

Man erkennt den Widerspruch zwischen den Lexika des 19. Jahrhunderts und der vorausgegangenen Aussage: Nein, die „Kaiserzeit“ kann es nicht gewesen sein. Wahrscheinlicher, dass der Begriff des Kompromisses erst in der Weimarer Republik gebrandmarkt wurde. Immerhin soll sich dies nach 1945 geändert haben (4):

Deutschland war bis 1945 ein kompromissfeindliches Land; ein politischer Kompromiss galt als Verrat - als Verrat der Ideale, als Produkt ängstlichen Einknickens und als Ergebnis fehlenden Rückgrats.


Was änderte sich wirklich nach 1945? An den Lebensumständen sicherlich sehr viel, doch der Geist meiner Mitmenschen in deutschen Landen haderte weiterhin mit dem Begriff des sinnvollen oder gar segensreichen Kompromisses. Der Begriff des „faulen Kompromisses“ steckt noch tief in manchen Hirnen.

Ein kleiner Lichtblick - der Kompromiss wird heute etwas positiver gesehen

Dafür sprechen auch die Untersuchungen der Uni Leipzig (5): Sie verzeichneten sie als „linken Nachbarn“ des Wortes „Kompromiss“ immer noch in hohem Maße das Negative. Immerhin 2622-mal erwischten sie „faul“ neben dem Kompromiss. Dennoch ergab sich in den letzten Jahren eine Trendwende, denn „rechte Nachbar“ wie „gut“, „vernünftig“ und „tragfähig“ kamen immerhin gemeinsam auf 3171 Erwähnungen.

Hoffen wir, dass sich überall in der deutschen Sprache durchsetzt, den Begriff „Kompromiss“ als das zu sehen, was er ist: Ein Ausgleich der Interessen.
(1) Quora-Anfrage
(2) Retrolib, Brockhaus aus gleicher Quelle.
(3) Demokratiegeschichte.
(4) Süddeutsche Zeitung.
(5) Uni Leipzig.

Die Kanzlerin, ihre Lieblingsmoderatorin und das letzte Gefecht

Heute, beim Frühstück, entfuhr mir ein Lapsus Linguae. Es kann sich natürlich auch um einen Freudschen Versprecher gehandelt haben. Die Zeitung aufschlagend und noch nicht wissend, was die Dame Merkel gestern der Dame Will erzählte, entfuhr mir doch: „Ist die Kaiserin nun völlig ...“ Das letzte Wort schreibe ich nicht, weil es lediglich zum Hausgebrauch geeignet ist.

Nun, es handelte sich um folgende versteckte Drohung an die Adresse der Länder:

Die Kanzlerin deutete an, dass der Bund tätig werden könnte, wenn die Länder nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen sollten. Wenn dies nicht "in sehr absehbarer Zeit" geschehe, müsse sie sich überlegen wie sich das vielleicht auch bundeseinheitlich regeln lasse.


So etwas sagt man seiner Lieblingsmoderatorin (Anne Will, ARD) nicht, falls man es nicht ernst meinen sollte. In der ARD hieß es heute, Merkel habe „wie eine strenge Lehrerin“ gewirkt - was nur bedeuten kann, dass sie die Ministerpräsidenten für renitente Schüler hält. Ob das nun als „letztes Gefecht“ der Kanzlerin angesehen werden darf (oder gar soll)?

Allerdings wäre anzumerken, dass der Kaiserin neue Kleider abermals nicht viel wert sind: „Mehr Einschränkungen gleich weniger Infektionen“ ist deshalb nicht schlüssig, weil ohnehin niemand mehr das Infektionsgeschehen überblickt. Man vermutet die Mehr-Infektionen in den mittleren Jahrgängen - darüber gibt es Zahlenwerke. Aber was folgt daraus?

Vermutlich wird es in den nächsten Tagen mal wieder ein Riesengeballer mit Argumenten geben. Nur eine scheint mir sicher: Je mehr sich die Kanzlerin ein Denkmal als „eiserne Lady“ setzen will, um so schlechter werden die Chancen für die CDU.

Immerhin kann ich mich irren. Und ich weiß nicht einmal, ob ich mir das wünschen soll.