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Martinsessen

Ein öffentliches Essen. Eher eine Enttäuschung als eine Bereicherung. Und das nicht nur wegen meiner bekannten Aversion gegen Small Talk. Auch wegen der gebratenen Gänse, deren Brüste tiefdunkel und hart wie Leder waren.

Kardinalfehler

Die Verhütungsmentalität, so der spanische Kardinal Sarah, habe „eine Trennung zwischen der Frau und ihrem Körper möglich gemacht.“

Dieser Robert Kardinal Sarah, ist Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Und mich würde – wirklich – interessieren, wie das gehen soll: die Frau von ihrem Körper zu trennen.

Ich will die katholische Kirche nicht ständig verhöhnen – aber ein Kardinal ist ein Mann, der seinen Körper nicht restlos kennen darf, wenn er seinem Glauben folgt. Es ist eine Unverschämtheit gegenüber Frauen, wenn er nun auch noch behauptet, er wisse, wie sich „eine Frau von ihrem Körper trennt“.

Lieber Herr Kardinal, könnten Sie nicht besser über etwas reden, wovon Sie etwas verstehen? Das wäre wirklich hilfreich.

Machtlos

Ich las gerade: Diejenigen, die keine Macht haben, müssten sich aufs Interpretieren beschränken. Gemeint sind Frauen, die „anhand weniger Zeichen erkennen lernen ob Gefahr, Reichtum oder Irrationalität droht.“

Ob Reichtum für Frauen wirklich bedrohlich ist, weiß ich nicht – man frage den FAZ-Redakteur, der’s so geschrieben hat.

Online-Dating - die schnelle Entscheidung beim ersten Kontakt

Ich denke eher an zweierlei, wenn ich so etwas lese: einmal an das moderne Online-Dating. Dabei muss jeder (egal, ob Frau oder Mann) in wenigen Minuten entscheiden, ob es sich lohnt, den anderen wirklich näher kennenzulernen.

Der machtlose Blogger - er muss interpretieren

Und zum Zweiten fühle ich mich sehr an uns Blogger erinnert. Wir haben keine Macht – weder die der Pressekonzerne noch die der Wirtschaftsverbände und nicht einmal die der in- und ausländischen Beeinflussungsmaschinen, die schreibende Falschmünzer beschäftigen. Wir können bestenfalls noch interpretieren, was sie schreiben. Und dann und wann können wir eine Korrektur anbringen.

Die Lügenpresse der Extremisten

Es geht dabei überhaupt nicht um die „Lügenpresse“, also die normale, freie und unabhängige Presse, die ständig von den Rechtsextremisten diffamiert wird. Die wahre Lügenpresse steht immer extrem rechts oder extrem links und verdreht Nachrichten so, wie sie ihre Anhänger gerne lesen würden.

Das Denkverbot unter Etiketten

Der Ort, das Gebäude im Hintergrund, eine englische Serie ... was hat dies mit dem Thema zu tun?
Ich will euch einen Satz zitieren, den ich gestern gelesen habe und den ich für einen Auswuchs des Zeitgeists halte. Er sagt uns ultimativ, dass wir uns bitte an starre Begriffe halten sollen, was in etwa bedeutet: Etikett drauf – nachfragen oder gar nachdenken verboten. (Zitat)

Der Mensch denkt in Kategorien. Das ist so – und das ist wichtig. Denn Kategorien ordnen die Welt, machen sie übersichtlich und reduzieren sie und das Universum um uns herum auf ein begreifbares Maß.


Na klar: Ein Tisch ist kein Stuhl und eine Kloschüssel keine Tuba. Doch müssen wir uns auch Etiketten aufkleben, wenn es um Präferenzen geht? Um Gefühle, wie beispielsweise die Liebe? Oder um Weltanschauungen wie den Liberalismus? Müssen wir den Doktrinen hinterherlaufen, statt auf die Worte zu hören?

Nein – das müssen wir nicht. Wir sind (jedenfalls hoffe ich das) allesamt in der Lage, „etwas von etwas“ zu sein und doch auch „etwas anderes“. Wer CDU wählt, muss kein Sozialfeind sein. Wer SPD wählt, ist deswegen noch kein Sozialist. Und – um mal ganz herunterzukommen von der hohen Politik – wer zuhause für den ersten FC im Stadion schreit, darf auch die Leistungen anderer Vereine anerkennen. Und letztlich: Wir dürfen durchaus anerkennen, ja sogar bewundern, was andere leisten. Es wäre dumm und dreist, es ihnen zu neiden.

Die vorgeblich Klugen verdummen die Ahnungslosen

Heute ist es so, dass (vorgeblich) kluge Leute bestimmen, welche Etiketten sich (vermutlich ahnungslose) Menschen aus dem Volk aufkleben sollen. Sie sollen Umweltfrevler oder Umweltfreude, entweder heterosexuell oder homosexuell, liberal oder sozial sein.

Das einmal aufgelebte Etikett soll möglichst festsitzen. „Nimm es niemals“ ab heißt die Parole, die und mit Scheuklappen durch die Welt führen soll.

Wir wissen selbst besser, wer wir sind - ohne Etikett

Ich schwöre euch: Die Menschen, die keine Etiketten tragen, wissen besser, wer sie sind, als diejenigen, die ständig irgendwelche Ausrichtungen betonen. Vor vielen Jahren erlebte ich, wie sich einzelne Menschen erst das Etikett „stockkatholisch, gläubig“, aufklebten, dann „marxistisch“ und schließlich „esoterisch“. In Wahrheit waren sie immer nur radikal.

Wer wirklich in der Lage ist, zu denken, kennt Begriffe wie „sowohl als auch“ oder er weiß, was „obgleich“ oder „dennoch“ bedeuten. Was wir tun sollten (und vielleicht tun müssen), ist dies: Die Ungebildeten nicht in ihrer etikettenstrotzenden Schlichtheit verkommen zu lassen.

In einem anderen Zusammenhang habe ich betont:

… das eigentliche Denken beginnt erst, wenn die Kategorien aufgehoben werden können und wenn wir wieder Gemeinsamkeiten finden können in unseren Unterschieden oder eben auch Unterschiede bei unseren Gemeinsamkeiten.


Dazu stehe ich. Also weg mit den Etiketten, den Kategorien, den Zuweisungen. Jeder Mensch steht für sich selbst, und er ist frei, jedem anderen gegenüber seine Meinung zu äußern, zu diskutieren und gegebenenfalls auch zu ändern. Aber dazu gehört mehr als ein neues Etikett über dem alten.

Wer die Antwort auf die Frage weiß, warum das Bild (oben) etwas mit dem Thema zu tun hat, darf gerne kommentieren. Andere natürlich auch.

Tacheles: warum manche Nachrichten und Meinungen unerwünscht sind

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht … aber es wird immer problematischer, an zutreffende, differenzierte Informationen zu kommen. Die Tagespresse? Sie ist, insgesamt gesehen, nicht mutig genug, um Tacheles zu reden. Die Gründe sind vielfältig: Trotz des Etiketts „Überparteilich“ neigt man dazu, die eigene Klientel mit Abnickgeschichten zu versorgen. Und abgenickt wird entweder, was dem Mainstream entspricht oder der Meinung der Abonnenten, also der Leute, die morgens eine Zeitung im Briefkasten haben.

Den Leser nicht verprellen - sondern bestätigen?

Themen mutig anzugehen, ist selten. Man will den Abonnenten nicht verprellen, den Besserwisser nicht korrigieren. Auch wer am Kiosk oder beim Bäcker eine Zeitung kauft, wie etwas ganz Bestimmtes lesen: das, was er ohnehin glaubt, denkt und meint. Glaube nur nicht, dass es beim Bäcker die „Vielfalt“ gibt. Das Volk bildet sich mit BILD.

Asylbewerber - Menschen mit Hoffnungen und zugleich Opfer von Schleppern

Bei den einen stehen Asylbewerber auf der Liste der Horror-Sensationen, bei den anderen werden sie wohlwollend verhätschelt. Eine ausführliche Diskussion ist schon gar nicht mehr möglich, nicht einmal darüber, dass es Verbrecher sind, die diese Menschen unter Lebensgefahr einschleppen.

Hartz IV -das Herauskommen ist wichtiger als das Leben darin

Bei den anderen (inzwischen bei der Mehrheit der Presseorgane) wird sozial etepetete geschrieben. Hartz IV ist dann „viel zu gering“, es reicht nicht mal für eine Kinokarte. Wäre es sso, dann müssten die Kinder der Hartzer nur einen Wunsch haben: Möglichst schnell einen Beruf lernen, der sie dauerhaft ernährt und ihnen mehr als nur „eine Kinokarte“ ermöglicht. Doch das tun sie zu einem großen Teil nicht. Mag man noch Mitleid mit den Erwachsenen Hartz-IV-Empfängern haben, weil sie zur Tafeln gehen müssen. Und man mag man auch noch Verständnis dafür haben, dass für viele von ihnen ein Leben mit Arbeit nur unwesentlich höhere Einkommen bringt als ein Leben ohne Arbeit. Doch wenn Kinder von Hartz-IV-Empfängern danach sterben, einmal so zu leben wie ihre Mütter oder Väter, dann stimmt an der ganzen wehleidigen Berichterstattung irgendetwas nicht.

Falschmünzerei mit der Rente

Das jüngste Beispiel: die Renten. Manche Zeitungen schreiben von der „Staatsrente“ so, als ob der Staat sie zahlen würde. Das tut er aber nicht. Die Rente zahlt nicht der Staat, sondern sie wird aus den Beiträgen der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und freiwillig Versicherten geschöpft. Wenn dies nicht einmal einem Redakteur auffällt, dann ist entweder zu blöd, um seinen Beruf auszuüben oder er manipuliert Nachrichten. Tacheles: Wer nichts einzahlt, hat keinen Anspruch, wer wenig einzahlt, nur einen geringen. Wenn dann einige Zeitgenossen mit ihren Rentenbescheiden über 320 Euro herumwedeln, dann sollten sie auch ihre Biografien hinzufügen. Und selbst wenn sie es tun: Die Versicherungsleistung bleibt eine Versicherungsleistung, keine Leistung des Staates. Wollte der Staat die Rente ganz oder teilweise übernehmen, so müsste er sie aus Staatseinnahmen, also Steuern finanzieren.

Die Freiheit der Information ist gewährleistet -aber nur, wenn man sich informiert

Nein, da wir keine Zensur ausgeübt, wie eine bestimmte Partei derzeit oftmals behauptet. Und ja, es herrscht Meinungsfreiheit. Und darüber hinaus abzuwägen, was in die Zeitung kommt und was nicht, ist gelegentlich schwierig. Aber es ist wirklich nicht sinnvoll, den selbst ernannten Gutmenschen nach dem Mund zu schreiben und die Bösmenschen in den differenzierten Denkern zu vermuten. Warum lesen die Menschen nicht die Zeitungen, die ihnen etwas Verstand abnötigen? Die Magazine der auch nur Kolumnen, die Argumente für „sowohl“ wie „als auch“ enthalten? Ich bin nicht bereit zu glauben, dass alle dafür zu blöd sind. Wirklich nicht.

Zur aktuellen Diskussion: Deutschlandfunk.