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Warum der Verlust der Berührungen schadet oder doch nicht

Was ist, wenn wir einander nicht mehr berühren können, bevor wir – was denn eigentlich? Einander küssen? Übereinander wollüstig herfallen? Einander heiraten?

Die Aussagen von Fachleuten und Laien sind gleichermaßen redundant, und in Wahrheit ist niemand in der Lage, etwas Verbindliches über das zu sagen, was Singles „eigentlich“ wollen: Hautnah zusammenkommen.

Was passiert denn nun mit uns in "Berührungslosen Zeiten"?

Da kommt mir entgegen, wenn Antje Hildebrandt Journalistin bei CICERO, ein Interview mit dem Psychiater Borwin Bandelow führt. Er gilt als Experte für Angststörungen – das passt recht gut in die Zeit der Pandemie. Und so bin ich gespannt, wie er die Welt des Kennlernens in der Jetztzeit sieht.

Einerseits, so lese ich, kommen wir und durch Berührungen näher, und da dies für Psychiater offenbar nicht selbstverständlich ist, muss es ja mal gesagt werden – von einem Psychiater:

Durch Berührungen kommt man sich nahe. Wie wichtig das ist, haben Studien der Psychotherapie gezeigt.

Toll, nicht wahr? Und wie macht sich der „Verlust von Berührungen“ nun eigentlich bemerkbar? Tja, also … da muss ich nochmals zitieren:

Das hat noch nie einer untersucht.

Na ja, außer bei Häftlingen. Schöne Aussichten.

Die Zukunft? Ach so, die Zukunft ...

Und die Zukunft? Wie war das jetzt mit den Begegnung, die ausschließlich über das Internet stattfinden? Erneutes Zitat:

Menschen streben eine Endorphin-Ausschüttung in ihrem Hirn an. Alles, was sie tun, zielt darauf ab, auch soziale Interaktion. Das geht über das Belohnungssystem im Kopf, und das lässt sich aber auch leicht betrügen, weil es nicht gut zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann.


Oh, oh - nützt uns das, wenn wir dauerhaft unser Belohnungssystem betrügen müssen? Da fällt mir doch sofort ein: Wie lange geht das gut? Ich würde auch so gerne noch wissen, wie das alles so in Zukunft wird, wenn die Menschen einander nun so gar nicht mehr begegnen, sondern … ja was eigentlich? Wie ist das mit dem realen Sicherheitsabstand, wird er bleiben?

An dieser Stelle verlasse ich den Artikel in CICERO. Lest selber – aber verzweifelt nicht.

Zitate aus CICERO.

Politiker: Wir wissen nix, und wir machen deshalb fast nix

Der Herr Söder hat gerade gesagt:

Wir wissen nicht, was kommt.

Wenn er das nicht weiß, warum redet er dann darüber?

Wie man sich herausredet - die bayrische Art

Nein, Herr Söder, niemand weiß, was kommt. Aber wir haben alle ein Recht darauf, zu erfahren, was – beispielsweise in der Bildung oder auch nur der Gastronomie - geplant ist. Wir wüssten auch gerne, worauf die Entscheidungen beruhen.

Was wäre gewesen, wenn? Auch das wissen die Politiker nicht

Und auch noch diese Frage von Söder befremdete mich:

Was wäre in unserem Land los gewesen, hätten wir es verschlafen?
Die Frage bezieht sich auf die Vergangenheit, soll der Rechtfertigung der eigenen Position dienen. In Wahrheit weiß niemand, "was gewesen wäre, wenn ...". Es ist die reine Rhetorik. Und zudem bezieht Söder sich auf die Vergangenheit, und die interessiert im Moment nicht die Bohne.

Denn „wir“ leben im Hier und Jetzt und wollen wissen, ob wir als Personen, Familien, Unternehmen und was wir sonst noch darstellen, eine Zukunft habe - und falls ja, wollen wir Perspektiven dafür.

Und insofern: Nicht viel Neues aus Berlin, München und dem „kleinen Rest“ Deutschlands.

Frau Merkel versteckt sich hinter der "Tagesordnung" - die Manager-Art

Ach ja, und Frau Merkel:

Es stünde jetzt nicht auf der Tagesordnung, über die ‚europäischen Reisebewegungen‘ im Sommer zu sprechen.

Liebe Frau Merkel – es mag nicht auf Ihrer Tagesordnung stehen, aber es steht auf der Tagesordnung von Millionen anderer Menschen in Deutschland, die ihren Urlaub bereits geplant haben oder ihn jetzt planen wollen. Das ist weder verwerflich noch ehrenrührig - und dabei können Sie sich auch nicht mit ihrer "Tagesordnung" herausreden. Übrigens erinnert mich dies an manchen Manager, der auf Nachfragen zu seinen Absichten ähnlich reagiert hat. Im Klartext hießt das: "erlauben Sie sich bloß nicht, weiter solche Fragen zu stellen".

Fast nix ist fast etwas zu wenig

Und – so langsam wird es Zeit, dass sich diese Regierung mal in die Puschen kommt und wieder Perspektiven statt Schwarzmalerei und Frust anbietet.

Zitate: DIe ZEIT.

Am Rande der Krise - merkwürdige Zwischenrufe

Nun wissen wir es also aus „berufenem“ Munde (1):

Wenn manche Bürger trotz der Informationsfluten die Lage immer noch nicht ernst (... nähmen, dann sei dies ...) eine Angstverdrängung und die Reaktion darauf (... sei ...) dann die Verharmlosung.

Könnt es vielleicht sein, Frau Diplompsychologin, dass die Menschen von der Informationsflut als solche verunsichert worden sind, insbesondere davon, täglich Meldungen zu hören, die von denen vom Vortag abweichen? Könnte es nicht auch sein dass sie sich nicht wie in einem geordneten Krisenmanagement, sondern in einer Geisterbahn fühlen, in der man nicht weiß, was morgen aus dem Fernseher tönt?

Sorge um die Demokratie

Sagen wir doch mal klipp und klar: Wir haben zuerst Vorschläge gehört, dann Appelle und nun also Verbote. Gelegentlich hört man sogar, dass die Gesetze außer Kraft gesetzt werden sollen und sich mancher wünscht, nun mit einer Notstandsverordnung regieren zu dürfen.

Das Gerede von der Angst und die tatsächliche Furcht

Bliebe noch die Angst, und da spricht die Dame aus der Psychologie gleich mal von „Angstverdrängung“ ohne zu sagen, wovor die Menschen in den Regionen Angst haben: Natürlich davor, infiziert zu werden - aber auch davor, die Grundlage ihrer Existenz zu verlieren. Beides ist eine reale Bedrohung, und sie trifft die Menschen unterschiedlich: Manche sind bedroht, und handeln vernünftig und - hoffentlich - nicht unvernünftig. Andere können jetzt gar nicht „unvernünftig“ oder „vernünftig“ handeln, weil ihnen der Staat das Gesetz des Handelns aus der Hand genommen hat. Und weil der Begriff der „Angst“ gefallen ist: Mancher spricht schon von einer „Coronaphobie“. (2) Das mag übertrieben sein - aber die Politik bleibt uns die Antwort schuldig, was sie außer den Appellen und Verboten noch im Sack hat.

Wir sind gerne vernünftig - auch ohne Psychologie-Lehrbuch

Es kann ja sein, dass all die Einschränkungen notwendig sind. Und das Volk sieht auch gerne ein, dass es manchmal nötig ist, einen unbequemen Weg zu gehen, um am Ende wieder glücklich lachen zu können.

Doch wie hoch muss der Beobachtungsplatz hoch über den Wolken eigentlich sein, um einem Volk zu sagen, es verdränge die Angst, um die Situation zu verharmlosen? Steht das so im Lehrbuch? Hat die Psychologin das anhand der Kontakte, die sie sicher trotz des Virus hat, jüngst beobachten können? Und wenn ja, an wem?

Es ist sicher sinnreich, Menschen zu erklären, was Viren sind, wie sie wirken und wie man sich gegen sie schützen kann. Aber ich denke, mit unserer Angst oder mit der Bewältigung unsere Angst, inklusive der Verdrängung, muss jeder selbst umgehen.

Appelle müssen sein - aber bitte sinnvoll

Halten wir mal fest: „Die Lage“ gibt’s nicht, auch wenn dies aus vielen Mündern herausquillt. Jeder ist in einer anderen Lage, hat andere Befürchtungen und andere Hoffnungen und immer noch hat jeder die Möglichkeit, gewisse Freiheiten zu genießen. Und das, was die Fernsehgesichter und jetzt sagen, sind Appelle und nicht etwas ewige Wahrheiten. Der sinnvollste Appell kam im Übrigen vom Bundespräsidenten (3,4) - also jemandem, der nicht nötig hat, vor der Kamera nach Popularität zu heischen, während andere Politiker dies dieser Tage durchaus tun.

Ich habe diese Appelle gehört - und alle anderen inzwischen wohl auch. Und ich hoffe, dass möglichst viele Menschen sie nach ihren Möglichkeiten befolgen.

Wenn ihr mich persönlich fragen solltet: ja, ich habe schon am Freitag damit begonnen, nachdem ein umsichtiger Mensch die Vernunft besaß, eine Veranstaltung abzusagen.

(1) Zitat aus "Hart aber Fair"
(2) Heise kritisiert Coronaphobie
(3) Der Stern berichtete über die Rede - andere taten nicht einmal das.
(4) Die Rede in Text, Ton und Bild.

SPD-Duo: Was wollen die da vorne eigentlich?

Das erste, was ich gestern Abend nach der Präsentation des „Spitzenduos“ der SPD dachte, war: Wer kennt die eigentlich? Gut, diejenigen, die sie gewählt haben, werden gekannt haben. Und dann habe ich sie mit genau angeguckt: So sieht also Deutschlands Zukunft aus … und dann dachte ich: ja, so sah Deutschlands Vergangenheit mal aus.

Die Menschen, die da auf der Bühne standen, als kämen sie aus Zeiten, an die selbst ich mich kaum noch erinnere, heißen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

Keine Ausstrahlung, keine Ideen, keine Pläne, keine Zukunft

Über ihnen beiden steht, wie man deutlich merken kann: keine Ausstrahlung. Die ZEIT merkte an, dass beide auch keine Ideen für die Zukunft hätten. Aber warum sollte man auch solche Idee haben? Menschen mit Zukunftsideen sind doch in der SPD gar nicht mehr gefragt, es sei denn, es handele sich um sozialistische Traumtänzer.

Keine Ideen, Planlosigkeit, Vergangenheitsorientiertheit: Das ist der typische „linke“ Flügel der SPD. HARZT IV war falsch? Mag ja sein. Aber wo liegen die Alternativen, und wer will sie womit finanzieren? Immer mehr Griffe in die Rentenkasse statt einer Rentenreform?

Personen ohne Mut aus der zweiten Reihe?

Das Hauptproblem sind freilich die Personen. Die Sozialdemokratie hat sich völlig verschätzt mit ihren angeblichen Stars, und dieser Tage entscheiden sich ihre Mitglieder abermals für die zweite (wirklich nur die zweite?) Wahl zur Wahl. Und genau die scheint für die Genossen offenbar die beste Wahl zu sein.

Die FAZ schreibt eine einem Kommentar:

Das langwierige und teure Verfahren, das die Partei damit nach dem Rücktritt von Andrea Nahles gewählt hat, hat den Sozialdemokraten allerdings überhaupt nichts gebracht. Weder haben sich bisher die Wahlergebnisse verbessert, noch ist ein Ruck durch die SPD gegangen.


Flickwerk für die Zukunft trotz der Erfolge in der Groko

Ich denke, der Ruck wird nicht mehr kommen. Die SPD ist als Volkspartei am Ende – und nicht nur wegen der Groko, sondern durchaus auch trotz der Groko. Sie verliert, weil sie kein personelles Profil zeigen will und auch keine Ideen und Pläne vorweisen kann, wohin Deutschlands Zukunft führen soll. Ein bisschen bei den Grünen mausen (Klima) ein bisschen bei der Linkspartei (Mindestlohn) – das ist kein Konzept, sondern Flickwerk.

Die SPD tritt immer noch so auf, als sie sie der Hort der Gerechtigkeit und des Fortschritts. Es wird Zeit, dass diese Wahnvorstellung durch erkennbare Pläne zur Gestaltung der Zukunft ersetzt werden, und von Personen vertreten wird, die diese auch durchsetzen können. Möglicherweise ist es dafür allerdings längst zu spät.

Hessen – am Tag danach

Nein, die Verlierer (CDU und SPD) haben diesmal nicht gesagt: „Wir müssen erst einmal analysieren.“ Dafür haben namhafte Landespolitiker sinngemäß verdeutlicht, was die brutale Wahrheit ist: CSU, CSU und SPD haben unisono geschafft, das Volk gegen die Regierung in Berlin aufzubringen. Oder besser gesagt: gegen das Kaspertheater, das dort veranstaltet wurde. Denn so viel kann man sagen: In den letzten Monaten wurde zügig und effektiv regiert. Aber genau das wurde vom Volk nicht wahrgenommen.

Die AfD gab – trotz des Wahlerfolgs – ein erbärmliches Bild ab. „Man würde nun die Themen besetzen, die seit 40 Jahren nicht behandelt wurden“, habe ich noch im Ohr. Vor 40 Jahren? Da schrieben wir 1978. Es gab zu Anfang des Jahres noch einen „Schah von Persien“, den „honorigen“ Hans Filbinger holt seine Vergangenheit als NS-Marinerichter ein, und Helmut Schmidt lotste das Land so erfolgreich in die neue Zeit, wie kaum jemand vor ihm.

Die Gegenwartskanzlerin verliert und verliert und verliert – und das macht ihr offenbar recht wenig aus. Sie ist nach wie vor nicht geneigt, zuzugeben, dass SIE als Wurzel allen Übels gilt – ob sie’s nun ist oder nicht, ist dabei völlig sekundär. Von Herrn Seehofer rede ich schon gar nicht mehr: Das ist ein Mann von gestern, der sich nicht traut, endlich von der Politbühne zu verschwinden.

Die SPD hat vermutlich endgültig ausgespielt. Zu viele Personalwechsel, ein Programm, das nicht ankommt, auch wenn es brauchbar sein mag, und vor allem die eher hemmende als hilfreiche „Basis“ – das ist die SPD heute. Und damit wird sie untergehen, egal, was Frau Nahles mal wider „plant“.

Ich schrieb vor der Wahl:

Die meisten Abgeordneten wissen, dass der entscheidende Schwachpunkt der … CDU … im Moment die Kanzlerin ist. Ob dies nun „fair“ ist oder nicht – das Volk will ein Ende der Regierung Merkel, gleich in welcher Koalition. Aber das heißt nicht, dass der Wähler keine CDU mehr will, denn diese Partei steht für viele Menschen für Vielfalt einerseits und Werte andererseits. Das ist sichern nicht sensationell – aber es schafft Wähler.


Da gilt auch heute noch. Viele CDU-Wähler driften ab – entweder zur „anderen bürgernahen Volkspartei“, den Grünen oder aber zur „AfD“, die tatsächlich großenteils als Protestpartei gewählt wird. Die Abwanderung zu den Grünen ist vermutlich nicht rückgängig zu machen, die Abwanderung zur AfD schon - zumindest im Westen.

Es bleibt spannend, wie und wann die CDU das Nachfolgeproblem für Frau Merkel lösen will. Und mich erinnert dies deutlich an vergangene CDU-Regierungschefs, die auch viel zu lange selbstgefällig an der Macht klebten.