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IT-Privatiers

Für die einen ist das Berufsleben zu ende, wenn es zu ende ist. Dann tun sie nichts, etwas anderes oder machen in Familie, überwiegend in der Enkelbetreuung. Es gibt jedoch auch jene, die dem Beruf nachtrauern, was ich persönlich wieder sehr schade finde. Es gibt ein Leben ohne rote Augen und nächtelange Fehlersuche.

Ich nehme mir einmal im Jahr die Freiheit, wieder einer von Ihnen zu sein. Es ist interessant, wie emsig und ernsthaft sie arbeiten, mit Begriffen um sich werfen, die ich nicht mehr kenne. Dann und wann beneiden sie mich, weil ich tun und unterlassen kann, was ich will.

Nein, ich möchte nicht „zurück“, damals war jene Zeit und heute ist diese Zeit. Die Menschen in meinem ehemaligen Beruf nehmen nicht nur sich selbst sehr ernst, sondern auch die Dinge, die sie benennen können, die sie beherrschen und denen sie folgen. „Sie müssen so sein“, hörte ich vor vielen, vielen Jahren, als es einmal darum ging, ob man das Leben und die Dinge, mit denen der IT-Mensch umgeht, nicht auch anders sehen könne.

Und ich höre jetzt zu meinem Erstaunen, wie viele Menschen, die damals als „Bitquäler“ galten, seither kein Bit mehr angefasst haben.

Ich fasse übrigens auch kaum noch eine Programmiersprache an, verstehe aber noch halbwegs, was Blog-Software eigentlich „macht“ – und das hilft mir dann und wann doch weiter.

Phänomene der Technik

„Wie weit sind Sie eigentlich mit Ihrem Projekt?“
„Oh, es könnte in Produktion gehen – aber es hat sich ein Phänomen ergeben, das wir noch nicht im Griff haben.“
„Phänomene gibt es in der Datenverarbeitung nicht, das sollten SIE eigentlich wissen.“


Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass dieser Dialog inzwischen gut 20 Jahre alt ist. Das Problem wurde schließlich gelöst – es lag in einer Konstellation, die äußert selten auftritt und deswegen von Softwareentwicklern oft übersehen wird.

Teure Dienstleistungen bei Softwareproblemen

Doch die Phänomene anderwärts bleiben – inkompatibel Software oder Hardware, die sich „verschluckt“, wie man heute so oft hört. Gestern musste ich mir anhören, dass Microsoft ein Problem mit SSD-Platten hat, aber nicht dazu steht – ein Phänomen also. Falls ich meinem PC-Spezialisten trauen kann, kostet mich das fast so viel wie ein Mini-Computer mit Linux-Betriebssystem. Oder ich darf mich fragen, warum sich die bisherige DUDEN-Software angeblich mit Windows 10 inkompatibel ist, obwohl in diesem Fall sogar Microsoft die Umstellung schaffte.

Die „norwegische Lösung“: Zieh mal den Stecker raus

Wahrscheinlich kennen Sie die Hotline-Lösung Nummer eins: „Ach, ziehen Sie doch mal den Netzstecker“ in der IT-Abteilung, der ich einstmals wirkte, war der Tipp als „Norwegische Lösung“ verschrien. Aber jede Hotline rät Ihnen so etwas, und das Merkwürdige ist: Es funktioniert. Früher sagte man immer, da habe sich „ein Bit verklemmt“. Übrigens trifft diese Lösung inzwischen vor allem auf billige SAT- und terrestrische Receiver zu, die sich teils nicht einmal mehr mit dem üblichen Ausschalter vom Netz nehmen lassen.

Das seltsame Wiederbeleben der WiFi-Bridge

Sagte ich Ihnen, dass meine High Performance Wi-Fi Bridge nicht mehr funktioniert?

Ach, ach, ach. Sie geht wieder. Die einzige mögliche Ursache für das Versagen außer „Phänomenen“ ist möglicherweise mein neuer Router. Der wechselt ständig die WLAN-Kanäle – was laut Hersteller die Performance verbessern soll. Inzwischen hatte sich das gute Stück „Kanal 1“ Ausgesucht – den am meisten gestörten Kanal in meiner Gegend überhaupt. Inzwischen bin ich wieder auf einem festen Kanal. Sehen Sie, und das war die einzige Änderung. Kann nach logischem Ermessen den Fehler weder verursacht noch behoben haben. Phänomene eben.

Versagt die Schule an den Anforderungen der Zukunft?

Ich las gerade dies (Zitat):

Arbeitsmarktforscher haben mit Blick auf den bevorstehenden Einzug von Computern und Internet in Fabrikhallen einen flächendeckenden Informatikunterricht an deutschen Schulen gefordert.


Ich wundere mich, dass es dazu eines Anstoßes aus der Wirtschaft bedarf. Und ich amüsiere mich ein klein wenig über das Wort „bevorstehende“. Wenn es unsere demnächst eingeschulten Kids mal geschafft haben, die Schule zu verlassen, sind zwischen 10 und 13 Jahre vergangen. Und eigentlich ist das „Bevorstehende“ heute schon Realität. Und solange sollen wir weiter „muddeln“?

Unser Leben basiert auf Naturwissenschaften und deren Abstraktionen. Und das soziale Leben fußt weitgehend auf Ökonomie.

Und die Schule, besonders das Gymnasium? Hinkt allem hinterher … es ist nicht Informatik allein. Es ist das Denken in klaren logischen Zusammenhängen jenseits von Weltanschauungen. So begreifen wir auch Kultur, Ökonomie und Sozialwesen schneller. Und so können wir sogar die Psychologie begreifen und das herausfiltern, was logisch und sinnvoll daran ist. Sicher können wir versuchen, die Ideale der Bildung des 19. Jahrhunderts zu heiligen. Doch damit nützen wir kaum noch jemandem.

Das jedenfalls ist meine Meinung. Sie dürfen widersprechen.