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CDU: Wie sich eine Partei demoliert

Nein, es sind und waren nicht die Flügelkämpfe in der CDU, die von gewissen CDU-nahen Medien immer wieder genüsslich veröffentlicht werden.

Es war die Unverschämtheit der Thüringer CDU-Abgeordneten, mit der AfD zu wählen. Sie können nun sagen, das hätten sie nicht gewusst - na schön. Dann sind sie wahrscheinlich naiv, was sie auch nicht gerade qualifiziert. Seither ist die CDU abgestürzt, wie noch niemals zuvor - jedenfalls in Thüringen. Wer wird schon noch CDU wählen, wenn sie nicht einmal mehr im entferntesten die Rolle einer demokratiebewussten, bürgernahen Partei zu spielen in der Lage ist?

Das ist leider nicht alles: die CDU ließ zunächst ihre instinktlosen Arroganzler im Fernsehen auftreten, mit denen in Thüringen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Man wünscht sich hier eine handlungsfähige Regierung. Und das instinktlose, realitätsferne, ja beinahe dummdreiste Verhalten der Union sprach bisher dagegen, dass dies mit der Union machbar wäre. Als besonders realitätsfern erweise sich dabei die Noch-Vorsitzende der Union, AKK. Ihr Plädoyer für Neuwahlen musste in Thüringen durchfallen - denn wer würde denn zum zweiten Mal Abgeordnete wählen, die schon einmal völlig versagt haben? Klar gibt es verbissene CDU-Stammwähler - aber die Kohl-Euphorie der Nachwendezeit ist inzwischen keinen Pfifferling mehr wert.

Und nun? Man benötigt die CDU im Osten wie im Westen - aber eine Union, die zupacken kann, bei klarem Verstand ist und auf die Zukunft ausgerichtet. Und die muss jetzt erst einmal ihre Köpfe finden. „Union“ bedeutet nach wie vor, die ewig gestrigen Bremser (Werteunion), den Wirtschaftsflügel, die Arbeitnehmerinteressen sowie die religiösen und weltanschaulichen Strömungen innerhalb der Partei zusammenzuhalten. Und genau das fehlt der Union heute.

Warum Hotlines noch dümmer sind als gedacht

Hotlines sind selten mit Personen ausgestattet, die wirklich etwas von Problem verstehen, und die außerdem mit genügend Entscheidungsvollmachten ausgestattet sind, um die nötigen Entscheidungen zu fällen. Warum Hotlines noch dümmer sind als gedacht? Weil sie inzwischen mit "künstlicher Intelligenz" arbeiten - was letztlich bedeutet, dass sie System einsetzten, die zu dumm sind, um komplexe Probleme zu lösen.. Inzwischen arbeiten zahllose Firmen mit Roboter-Helpdesks.

eit Helpdesks und Hotlines mit Bots (antwortenden Robotern) arbeiten oder einfach ein paar Ahnungslose vor eine Datenbank setzten, die mit angeblicher „Künstlicher Intelligenz“ Unsinn zusammenstellt, ist der Kunde der Gelackmeierte.

So ging es mir in letzter Zeit häufiger. Diesmal war es wieder ein renommiertes Unternehmen. Ich dachte an einen problemfernen Hotliner, der das Problem nicht verstand, obgleich es ausführlich geschildert wurde. Die Antwort entsprach dem Schema:

Ich muss es ja nicht verstehen, aber ich sage dem Kunde erst einmal, was er alles falsch gemacht haben könnte und dann, wie das Problem eventuell auf komplizierte Art behoben werden kann.

Hirnloser Hotliner?

Das Problem war (im Vergleich zur Antwort) lapidar, und ich habe es gelöst, nachdem ich einen kleinen Teil der vorm Hersteller angebotenen Software mit einer anderen (ebenfalls vom Hersteller angebotenen) Software ergänzt habe, die zuvor schon einmal recht gut funktioniert hatte.

Ein Roboter am anderen Ende?

Im letzten Moment kam mir dann noch der Gedanke, dass ich eventuell überhaupt nicht von einem Hotliner bedient wurde, sondern von einem Bot. Das habe ich neulich schon einmal erlebt - nur kann man Online-Bots austricksen, indem man ihnen Fragen stellt, die sie nicht beantworten können.

Ja, es war ein Roboter - und es gab eine Entschuldigung

Die meisten Benutzer würden wahrscheinlich all das tun, was in der „Anweisung“ zur Fehlerbehebung stand - es wäre alles vergeblich gewesen. Ich entschloss mich allerdings, mich in diesem Fall zu beschweren.

Heute nun bekam ich einen Nachtrag vom Hersteller. Er entschuldigte sich höflich und gestand, dass ich eine automatisierte Nachricht bekommen hatte.

KI ist nach wie vor eine Form von "künstlicher Dummheit"

Übrigens fällt eine Erkenntnis für die Allgemeinheit ab: KI, also künstliche Intelligenz, ist bei Weitem noch nicht so hoch entwickelt, wie uns dies in Pressemitteilungen dauernd suggeriert wird.

Provinzgrößen und Speichellecker

Einmal muss ich doch noch nachlegen zu Thüringen: Das Peinlichste war, als die willfährigen Gefolgsleute und Speichellecker in der thüringischen Provinz am gestrigen Mittwoch gegenüber Journalisten sagten, dass sie voll hinter der Entscheidung ihrer Partei stünden. Die Sprechblasen, die sie dabei abließen, waren am Donnerstag noch nicht ganz aufgestiegen, da zerplatzten sie bereits.

Herr Kemmerich (FDP) verkündete heute, er wolle nun doch nicht Ministerpräsident sein.

Wie peinlich ist es ihnen eigentlich, meine Herren Provinzgrößen der CDU und FDP, so der Kadaverdisziplin zu verfallen und dabei nicht an Ihre Wähler zu denken? Denn als Wähler fühle ich mich von Ihnen verhöhnt. Punkt.

Ein Nachtrag: Manche CDU-Regionalpolitiker haben durchaus Kritik am Verhalten der CDU-Landtagsabgeordneten geübt. Diejenigen, die mit der AfD gewählt haben, sind die eigentlichen Verursacher der größten Krise der CDU in diesem Jahrhundert.

Unwürdiges Theater von FDP und CDU inThüringen

Ich habe für journalistischen Übermut gehalten, was gestern in der LVZ (1) stand. Und was gestern da stand, waren je die Informationen von vorgestern, also vor der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten.

(Thomas Kemmerich ...) hatte am Montagabend angekündigt, im dritten Wahlgang antreten zu wollen, wenn neben Ramelow noch ein AfD- Bewerber im Rennen ist. Vor einer solchen Kandidatur wolle man sich auch kurzfristig mit der CDU absprechen ... in der Vergangenheit hatte die AfD mehrfach signalisiert dass sie einen Kandidaten von CDU oder FDP mitwählen würden.
Also wusste Thomas Kemmerich genau, welches Spiel am Mittwoch stattfinden würde, und die thüringische CDU wusste es auch.

Die Lüge von der bürgerlichen Mitte

An diesem Tag wurde vielfach der Begriff der „bürgerlichen Mitte“ gebraucht - ein antiquiertes Wort aus dem Sprachgebrauch der Bildungsbürger, das vielleicht noch im letzten Jahrhundert galt. Inzwischen ist die „bürgerliche Mitte“ ein schwammiger Begriff ohne Inhalte geworden.

Zudem sollte man sich wirklich überlegen, wo man gerade in Thüringen und anderen „neuen Bundesländern“ die „bürgerliche“ Mitte einstanden sein soll. Soll sie etwa ererbt worden sein von jenen, die vor 1945 weder Deutschnational noch NSDAP-infiziert waren? Oder von den Standhaften, die in der Ex-DDR heimlich zur Mitte oder zur Liberalität neigten? Oder soll der Begriff gar die Jugend in den neuen Länder ansprechen, die sich für vieles interessieren mag, nur nicht für konservatives Bürgertum?

Schon 1951 gab es Zweifel an der „bürgerlichen Mitte“

Die „bürgerliche Mitte“ existierte schon im Mai 1951 nicht mehr - das kann ich nicht „wissen“, weil ich damals noch zu jung war. Aber ich kann lesen. Damals schrieb Marion Gräfin Dönhoff in der ZEIT:

Es ist also ganz fraglos eine gewisse Unruhe in der Wählerschaft und ein Gefühl des Unbefriedigtseins und der Leere. Und daher löst sich die bürgerliche Mitte immer mehr auf und die großen weltanschaulichen Parteien – mindestens sofern sie an der Regierung sind und ihren Wahlkampf nicht ausschließlich mit Kritik bestreiten können – zerfallen in kleine Interessentengruppen.
Wie schon gesagt - das war 1951, in einer Zeit, als Westdeutschland noch weitgehend im Aufbruch war und man nicht so genau wusste, wohin der Weg einmal gehen würde. Aber Gräfin Dönhoff hatte wenigstens den Mut, den konservativen Kräfte jener Zeit zu sagen, dass sie mit ihren Hohlworten nicht weiterkommen.

Die eigentliche „Mitte“ ist nicht bürgerlich, sondern will ein Leben in Freiheit und Wohlstand. Das reicht ihnen normalerweise völlig aus. Inzwischen gibt es konservative Randgruppen, die sich auch „bürgerlich“ nennen, die aber vor allem jene im Auge haben, die auf Illusionen ansprechbar sind. Im Grunde sind dies alle, die den Menschen versprechen, sie selbst könnten ohne Veränderungen leben, während sie Welt sich weiterdreht. Sie wollen also eine Verlässlichkeit, die ihnen niemand garantieren kann, die aber viele Demagogen versprechen.

Nicht das Bremserhäuschen besetzten, sondern die Lokomotive

Die Wahl in Thüringen zeigte bereits, dass dieses Konzept zunächst aufgeht. Aber es hält nicht, weil sich die Welt auch dann weiterdreht, wenn sich jemand ins Bremserhäuschen setzt.

Die Demokratie wird Mühe haben, die Bremser, die es ja nicht nur in CDU und AfD, sondern auch in der SPD, der FDP, bei den Grünen und - nicht zuletzt - auch bei der Linkspartei gibt, wieder loszuwerden. Und vor allem braucht die Demokratie Menschen mit Mut zur Ehrlichkeit, die nicht ständig Phrasen dreschen wie „die bürgerliche Mitte“.

(1) Printausgabe von Mittwoch, 5. Januar 2020.
(2) Die Zeit": Der Zerfall der bürgerlichen Mitte (historisch)

Kommentare (Auswahl) im Deutschlandfunk - Presseschau.

Promiskuität - ein Unwort der Wissenschaft

Zu den Unarten der Geisteswissenschaften gehört, bestimmte Wörter zu verwenden oder gar zu forcieren, die im Grunde „nichts Genaues“ bezeichnen. Eines dieser Worte ist „Promiskuität“. Was es heute bedeuten soll, kann man natürlich im Internet nachlesen - doch was „die Bedeutung darin bedeutet“, liegt im dichten Nebel.

Doch einen Moment - was sagt denn dieses Wort eigentlich aus?

Meyers Lexikon von ca. 1890 lehrt uns noch:

Promiskuität (lat.), Weibergemeinschaft.

Der Brockhaus aus der gleichen Zeit, sagt uns:

Promiscue (lat.), vermischt; Promiskuität, Vermischung; Gemeinsamkeit (der Frauen).
Erstaunlicherweise haben die Wortjongleure daraus inzwischen wieder einen „hoffähigen“ Ausdruck gemacht, denn Wikipedia will wissen:

Promiskuität ist die Praxis sexueller Kontakte mit relativ häufig wechselnden verschiedenen Partnern oder parallel mit mehreren Partnern.

Daran fällt vor allem auf, wie unscharf der Begriff „relativ häufig“ ist. Kann er in irgendeiner Weise plausibel mit Inhalt gefüllt werden?

Nein, das kann er nicht. Junge Menschen (ledig oder verheiratet) „haben“ durchschnittlich zwei Mal pro Woche Sex, und sind damit die Spitzenreiter.

Wenn wir dies als „Norm“ nehmen, müsste also jeder junge Mensch, der einen höheren Durchsatz an sexuellen Einzelerfahrungen hat, als „promisk“ gelten, und wie würde man dann jene Bezeichnen, die nicht einmal in die Gegend der „zwei Mal“ kommen?

Ein Wort, das von Bildung zeugen soll

Und warum „darf“ jemand, der sich „Wissenschaftler“ nennt, solche Worte überhaupt in diesem Maß verändern? Was wird damit beabsichtigt? Die Antwort ist verblüffend: Das Wort klingt einfach „gebildet“ - und sonst gar nichts. Und es bedeutet wirklich nicht mehr, dass ein Mensch entweder „zu viele“ Sexualkontakte nacheinander oder eben auch parallel pflegt. „Zu viele“ ist - wie man unschwer feststellen kann - abermals ein dehnbarer Begriff. In traditionell monogamen Beziehungen ist eine Parallelbeziehung zwar bereits zu viel, aber kein Anlass, von „Promiskuität“ zu sprechen. Und eine junge Frau, die mit 25 Jahren bereits sieben sexuelle Beziehungen hatte? War sie „promiskuitiv“ oder war sie nur dabei, herauszufinden, wer der „Richtige“ ist?

In einem Beitrag der Zeitschrift „Der Allgemeinarzt“ wird deutlich, dass „Promiskuität“, für sich genommen, gar keine Bedeutung hat. Der Autor gibt sich Mühe, das Wort zu ergänzen, damit herauskommt, was wirklich gemeint ist:

Das dritte Kernmerkmal exzessiven Sexualverhaltens bezieht sich auf einen Komplex aus Promiskuität, notorischem Fremdgehen und Sex mit multiplen Sexualpartnern.

Das bedeutet nun aber, dass selbst die Ärzteschaft im Begriff „Promiskuität“ keine präzise Definition erkennt, denn um die sexuelle Abhängigkeit zu definieren, muss das Wort mit „notorischem (ständigem) Fremdgehen“ und „multiplen“ (vielfältigen) Sexpartnern angereichert werden. Der Text bezieht sich insgesamt auf die Frage, wie der Arzt erkennen kann, ob ein Patient abhängig ist.

Das Wort existiert in der heutigen Form erst seit 1975 in Deutschland

Das Wort selbst existiert in der heutigen Bedeutung erst seit 1975, und es wurde sofort von Hinz und Kunz verwendet, um zu zeigen, wie „gebildet“ man ist“. Insbesondere Journalisten, die für betont bildungssprachliche Medien schreiben, haben dazu beigetragen, dieses Hohlwort publik zu machen. Heute wird es ausgestreut wie Gänseblümchen - und genießt das Privileg der meisten Hohlworte: Niemand weiß wirklich, was gemeint ist, aber das Wort macht sich gut in jedem Mund, dessen Eigentümer sich mit Bildung brüsten will.

Andere Definitionen von Promiskuität

Gelegentlich wird „Promiskuität“ auch als „sexuelle Freizügigkeit“ oder „sexuelle Bereitschaft" bezeichnet. Und manchmal wird der Begriff gar als Synonym für „Nymphomanie“ („Mannstollheit“) verwendet.
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