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Promiskuität - ein Unwort der Wissenschaft

Zu den Unarten der Geisteswissenschaften gehört, bestimmte Wörter zu verwenden oder gar zu forcieren, die im Grunde „nichts Genaues“ bezeichnen. Eines dieser Worte ist „Promiskuität“. Was es heute bedeuten soll, kann man natürlich im Internet nachlesen - doch was „die Bedeutung darin bedeutet“, liegt im dichten Nebel.

Doch einen Moment - was sagt denn dieses Wort eigentlich aus?

Meyers Lexikon von ca. 1890 lehrt uns noch:

Promiskuität (lat.), Weibergemeinschaft.

Der Brockhaus aus der gleichen Zeit, sagt uns:

Promiscue (lat.), vermischt; Promiskuität, Vermischung; Gemeinsamkeit (der Frauen).
Erstaunlicherweise haben die Wortjongleure daraus inzwischen wieder einen „hoffähigen“ Ausdruck gemacht, denn Wikipedia will wissen:

Promiskuität ist die Praxis sexueller Kontakte mit relativ häufig wechselnden verschiedenen Partnern oder parallel mit mehreren Partnern.

Daran fällt vor allem auf, wie unscharf der Begriff „relativ häufig“ ist. Kann er in irgendeiner Weise plausibel mit Inhalt gefüllt werden?

Nein, das kann er nicht. Junge Menschen (ledig oder verheiratet) „haben“ durchschnittlich zwei Mal pro Woche Sex, und sind damit die Spitzenreiter.

Wenn wir dies als „Norm“ nehmen, müsste also jeder junge Mensch, der einen höheren Durchsatz an sexuellen Einzelerfahrungen hat, als „promisk“ gelten, und wie würde man dann jene Bezeichnen, die nicht einmal in die Gegend der „zwei Mal“ kommen?

Ein Wort, das von Bildung zeugen soll

Und warum „darf“ jemand, der sich „Wissenschaftler“ nennt, solche Worte überhaupt in diesem Maß verändern? Was wird damit beabsichtigt? Die Antwort ist verblüffend: Das Wort klingt einfach „gebildet“ - und sonst gar nichts. Und es bedeutet wirklich nicht mehr, dass ein Mensch entweder „zu viele“ Sexualkontakte nacheinander oder eben auch parallel pflegt. „Zu viele“ ist - wie man unschwer feststellen kann - abermals ein dehnbarer Begriff. In traditionell monogamen Beziehungen ist eine Parallelbeziehung zwar bereits zu viel, aber kein Anlass, von „Promiskuität“ zu sprechen. Und eine junge Frau, die mit 25 Jahren bereits sieben sexuelle Beziehungen hatte? War sie „promiskuitiv“ oder war sie nur dabei, herauszufinden, wer der „Richtige“ ist?

In einem Beitrag der Zeitschrift „Der Allgemeinarzt“ wird deutlich, dass „Promiskuität“, für sich genommen, gar keine Bedeutung hat. Der Autor gibt sich Mühe, das Wort zu ergänzen, damit herauskommt, was wirklich gemeint ist:

Das dritte Kernmerkmal exzessiven Sexualverhaltens bezieht sich auf einen Komplex aus Promiskuität, notorischem Fremdgehen und Sex mit multiplen Sexualpartnern.

Das bedeutet nun aber, dass selbst die Ärzteschaft im Begriff „Promiskuität“ keine präzise Definition erkennt, denn um die sexuelle Abhängigkeit zu definieren, muss das Wort mit „notorischem (ständigem) Fremdgehen“ und „multiplen“ (vielfältigen) Sexpartnern angereichert werden. Der Text bezieht sich insgesamt auf die Frage, wie der Arzt erkennen kann, ob ein Patient abhängig ist.

Das Wort existiert in der heutigen Form erst seit 1975 in Deutschland

Das Wort selbst existiert in der heutigen Bedeutung erst seit 1975, und es wurde sofort von Hinz und Kunz verwendet, um zu zeigen, wie „gebildet“ man ist“. Insbesondere Journalisten, die für betont bildungssprachliche Medien schreiben, haben dazu beigetragen, dieses Hohlwort publik zu machen. Heute wird es ausgestreut wie Gänseblümchen - und genießt das Privileg der meisten Hohlworte: Niemand weiß wirklich, was gemeint ist, aber das Wort macht sich gut in jedem Mund, dessen Eigentümer sich mit Bildung brüsten will.

Andere Definitionen von Promiskuität

Gelegentlich wird „Promiskuität“ auch als „sexuelle Freizügigkeit“ oder „sexuelle Bereitschaft" bezeichnet. Und manchmal wird der Begriff gar als Synonym für „Nymphomanie“ („Mannstollheit“) verwendet.
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Thüringen: FDP-Mann wird Regierungschef

Vorläufig wird er ein Kapitän ohne Mannschaft sein: Thomas Kemmerich heißt der Mann, der durch einen äußerst knappen Sprung über die Fünf-prozent-Hürde in den Thüringer Landtag eingezogen ist.

Solange nicht klar ist, welche Absprachen zur Wahl es zwischen FDP, CDU und AfD gab, oder wie man sonst auf den eher unbekannten FDP-Mann kommen konnte, enthalte ich mich jedes Kommentars.