Skip to content

Victim Blaming - kein Deutsch, und trotzdem allgemein bekannt?

Heute habe ich einen kleinen Eindruck von akademischer Arroganz bekommen, den offensichtlich nicht einmal die Auslöserin bemerkt hat.

Es ging um „Victim Blaming“ - und die Fragestellerin meinte, dieses Wort sei ja nun wirklich „allgemein bekannt“.

Nein, ist es nicht. Ich habe mich „erboten“, morgen beim Einkauf von Brötchen die Bäckereiwarenfachverkäuferin zu fragen, ob sie das Wort kenne. Aber das kann ich mir sparen, denn der größere Teil der Bevölkerung in Thüringen versteht kein Englisch. Und von der englischen Sprache bis zu rechtswissenschaftlichen Begriffen ist es noch einmal ein weiter Weg.

Keine Hexenjagd mehr auf Andersdenkende

Das Buch - bitte beim örtlichen Buchhandel kaufen, wenn möglich
Während sich ernsthafte Menschen in diesem Land über die Zukunft Sorgen machen, haben einige Hassprediger(innen) eine neue Form der Hexenjagd erfunden. Sie heißt „Shitstorm“ und teilt die Menschheit in die „Guten“, die sich das Recht und die Freiheit aneignen, Menschen zu diffamieren. Und die „Schlechten“, die buckeln müssen, um den „Scheißstürmen“ zu entgehen. Oder präventiv schweigen.

Geistige Freiheit statt digitales Lynchen

Das muss aufhören. Möglichst unter Einsatz aller Menschen, die an der Freiheit des Geistes interessiert sind.

Die Feministin Caroline Fourest hat gewagt, dagegen anzugehen. Sie weiß, wo die giftigen Suppen gekocht werden und wer daran beteiligt ist. (Zitat, 1,2):
Das digitale Lynchen ist ihnen zu gleichen Teilen politische Schulung, Partei und politische Bewegung.
Zumindest in Frankreich will sie auch verortet haben, wo der Ursprung der Hexenjagden liegt: an der Uni.

Verdächtigt wird vor allem die Soziologie. Sie sei vom „Klassenkampf zum Rassenkampf“ übergegangen. Wie weit das geht? Zitiert wird ein junger Doktorand, der verständlicherweise vorzog, anonym zu bleiben (1):

Wenn man keine Lust auf die üblichen Themen Gender und Rasse hat, hat man wirklich keine großen Chancen, einen Job zu bekommen.

„Na schön“, werden manche sagen, „was gehen mich die Spinner und Sprachverdreher in der Soziologie an?“

Warum DICH dieser Artikel angeht

Sie gehen euch etwas an, Mitbürger – denn sie haben schon vor Jahren die Definitionsmacht gekapert. Das heißt, sie nehmen sich rotzfrech heraus, den Begriffen neue Etiketten zu verpassen. Und dank mancher Wissenschaftsredakteure, die Kotau vor allem machen, was nach „Universität“ riecht, finden diese Begriffe auch Verbreitung.

(1) Zitate aus „Generation beleidigt“ von Caroline Fourest, Paris 2020, Deutsch Berlin 2021.
(2) Gemeint sind überwiegend angebliche "Intellektuelle" aus der Generation "Y".

Redensarten-Lexikon

Im Gießer Anzeiger fand ich einen Beitrag, der alle humorbegabten Menschen interessieren dürfte, die an der deutschen Sprache interessiert sind. (Notfalls reicht auch ernstes Interesse).

Es handelt sich dabei um eine Sammlung deutscher Redensarten, die auch manchmal hübsch durcheinandergewirbelt werden. Ich erinnere mich beispielsweise, dass irgendjemand einmal geschrieben hat, „Jeder Klafter eine Königin“ statt „Jeder Zoll eine Königin“. Der Trick dabei ist: Merkt es der Leser oder nicht?

Die Sammlung heißt „Redensarten Index“ und ich kann sie nur sehr empfehlen. Und nein, dies ist kein gesponserter Beitrag. Die gibt es nicht bei Sehpferd.
Categories: deutsch | 0 Comments
Vote for articles fresher than 7 days!
[-4]Derzeitige Beurteilung: -4, 9 Stimme(n) 126 hits
Defined tags for this entry: ,

Der ärgerliche Jargon der Soziologen

Die Sprache der Soziologen hat mit der deutschen Sprache gewisse Ähnlichkeiten, dient aber im Wesentlichen dazu, elitär zu wirken. Dieses Machwerk (Rezension) stammt aus der Redaktion Gegenwartskulturen der Universität Duisburg-Essen. Untersucht wird ein Teil der Literatur des Dichtermusikers Ernst Theodor Amadeus Hoffmann.

(Ina Henke) ... untersucht aus der Perspektive der Queer und Gender Studies, was Hoffmann’sches (und romantisches) Erzählen im Wesentlichen charakterisiert: das Oszillieren zwischen Fiktion und Faktizität (...) Die Untersuchung der unzuverlässigen und metafiktionalen Erzählsituationen tangiert diesen Aspekt jedoch oftmals marginal.


Herzlichen Glückwunsch, Uni Duisburg! Glücklicherweise tangiert (berührt) mich das Thema nur marginal (am Rande).

Gender: Welche Fakten sind eigentlich "Fakten"?

Da ist ein neues Buch - es mag nicht perfekt sein, aber es ist ein Versuch, dem Gender-Populismus etwas entgegenzusetzen.

Als ehemaliger Vorreiter der Selbsthilfe-Bewegung weiß ich sehr genau: Man muss die Betroffenen hören. Und dennoch ist das, was sie sagen, nicht „die Wahrheit“. Die Wahrheit ergibt sich erst, wenn Ideologien, Widersprüche und fließende Befindlichkeiten ausgefiltert werden und ein Gesamtbild entstehen kann. Insofern mag der Philosoph Christoph Türcke nicht genau genug recherchiert haben, als er sein Buch „Natur und Gender“ schrieb.

Ansonsten hat Türcke, das muss selbst der Kritiker des „Deutschlandfunks“ zugeben, „alles richtig gemacht“.

Dabei wäre noch die Frage zu stellen, ob das Thema „Gender“ überhaupt philosophisch betrachtet werden kann. Es liegt im Grenzbereich zwischen einer populären Richtung der Soziologie, die allerdings kaum Fakten zu bieten hat und den Naturwissenschaften, die nichts als Fakten anbieten. Hinzu kommt das Jonglieren zwischen Fakten und Beobachtungen, die aus Befindlichkeiten geschaffen wurden. Auch sie werden manchmal als „Fakten“ bezeichnet.

Kann man daraus eine verbindliche „Wirklichkeit“ ziehen? Ich bezweifele es.