Skip to content

Milchmädchens Ratgeber

Nein, die Presse ist gegenwärtig nicht zu beneiden, besonders, wenn sie willfährig nachplappert, was „jetzt“ angeblich getan werden muss.

Gerade las ich sinngemäß „lasst uns handeln, bevor es zu spät ist“. Das kling wie aus Muttis Zitatenschatz – und ist deshalb sehr eingängig, nämlich:

Das Virus sucht sich seine Wirte, jeder Mensch, der nicht immun ist, kommt infrage.

Klar ist das so. aber das ist schon seit März so. Und eigentlich nicht wert, gedruckt zu werden.

Zitat: Süddeutsche Zeitung

Sehpferd – das etwas andere Magazin mit Sinn

Dieses Magazin hat einen neuen Namen: Statt „sehpferd all in one“ greife ich auf den früheren Namen zurück und nenne die Seite „Sehpferd“ nun

Ein sinniges Meinungsmagazin


Es folgt damit „Sehpferds Sinnigen Seiten“, die ich längst aufgegeben hatte.

In der heutigen Presselandschaft fehlen Blogger als Gegengewicht. Unabhängige Meinungen sind rar geworden – die Presse verbreitet überwiegend Kolumnen, die sich elitär-konservativ geben, andererseits aber solche, die mehr oder weniger linkslastig sind.

Kultur und Wissenschaft muss kritischer beleuchtet werden
Sinninges lesen - bei SEHPFERD
Soweit die Politik – noch erbarmungsloser freilich schlägt die Kulturkritik zu, die im Kern nur die konservativen Pseudo-Eliten bedient. Dazu gehören nicht nur Bücher, Filme und Musikdarbietungen, sondern auch die Wissenschaft. Die vorgeblichen Kultureliten in den Redaktionen reden die Forschungsergebnisse ihrer Schwestern und Brüder im Geiste schön, ohne auch nur die Grundlagen zu überprüfen. Der Bodensatz dieser Branche sind dann die Produkttester, die für sich ein ebensolches Maß an Ernsthaftigkeit und Objektivität in Anspruch nehmen – beides aber sehr selten liefern.

Herumferkeln mit Waren und Dienstleistungen

Drittens – nicht zu vergessen, die kommerziellen Dienstleistungen und Waren, die unkritisch präsentiert werden – vor allem Internet, weniger in der Tagespresse. Vielen Lesern ist es heute schon nicht mehr möglich, online zwischen der reißerischen Werbung und dem redaktionellen Teil zu unterscheiden. Hier sind viele Blogger leider unter den "Bösen Buben und Mägdelein" - zumal, wenn sie sich selbst "Influencer" nennen.

Soziale Netzwerke - warum die großen Haufen stinken

Vergaß ich die sogenannten „Sozialen Netzwerke“, auf die immer ein Auge der heutigen Redakteure schielt? Ich sollte sie nennen, denn ein großer Teil der Flöhe, die man Lesern, Hörern und Sehern heute ins Fell setzt, wird hier vorgebrütet. Auf diese Weise können nicht nur Politiker, sondern eben auch Radikalinskis jeder Couleur darauf hoffen, dass die Presse das ihr Thema aufgreift. Hauptsache, viele Menschen sind der gleichen „Meinung“.

Fresst Scheiße – Millionen Fliegen können nicht irren? Nein, nicht ganz. Viele Meldungen aus der Kultur, der Wissenschaft und aus den sozialen Medien enthalten einen wahren Kern – aber er wird nicht dadurch wahrer oder falscher, dass sich Millionen von Fliegen darauf stürzen.

Und damit haben wir den Punkt: Wenn der Mob des Internets mal ein Thema zwischen den Zähnen hat, dann fällt es schwer, die Sache wenigstens mal von mehreren Seiten anzusehen. Und – ganz nebenbei – dann gibt es noch ein paar Dummköpfe, die in den hirnlosen Massen „Schwarmintelligenz“ vermuten.

Nun gut - es gibt SEHPFERD

Ein Sinniges Meinungsmagazin tut not. Eines, das liberal, aber nicht beliebig ist, eines, das den Pseudo-Eliten Paroli bietet und das auch dem „ganz gewöhnlichen“ Bürger einen Nutzen verspricht. SEHPFERDs SINNIGES MEINUNSGMAGAZIN eben. Und möglichst viele andere auch. Denn ein SEHPFERD ist nicht genug.

Hinweis für Leser(innen)

Oh - wenn du bis hierher gelesen hast - ich motze nicht nur. Du kannst mit mir reden, diskutieren oder mir einfach widersprechen. Ein Leben ohne Widersprüche wäre öde. Und ich kann eine Menge mehr tun, als nur etwas zu beklagen. Frage mich einfach.

Das Mittelalter und warum #MeToo einfach nicht dahinpasst.

Auch dies waren Frauen im Mittelalter: Bademägde, ein Paar im Zuber bedienend
Ich musste mir heute die Augen reiben. Da war die Rede von Alexander Graf von Schönburg-Glauchau in einem Gespräch mit der „Westfälischen Rundschau“. Der weiß, warum wir „warum wir eine neue sexuelle Revolution brauchen“ und er schrieb auch ein Buch darüber. Darüber? Nun, es heißt „Die Kunst des lässigen Anstands“ und handelt nicht nur davon, ob der Mann im Büro eine Krawatte tragen muss oder nicht.

Und das hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun, dass man ja bei der Suche nach dem Guten und Edlen unwillkürlich bei den „Rittern, den Gründungsvätern der europäischen Zivilisation“ lande. So jedenfalls will es Herr von Schönburg.

Kultur und Zivilisation - alles Ritter oder was?

Werbung
Na ja, geht vielleicht so gerade noch. Die Kultur hat ja schon viele Väter, von den Arabern über die Griechen bis zu den Römern – von Moses und Christus mal ganz zu schweigen. Und nun kommt die Zivilisation, die noch etwas weiter zurückreicht. Nö, es waren nicht die eher namenlose Frauen und Männer der Jungsteinzeit, die sie schufen, sondern – die Ritter.

Wer genau nachliest, wird schnell fündig: Die Ritter waren ein niedriger Adelsstand, der sich wegen fehlender Einkünfte nicht lange halten konnte. Ein Aufguss der angeblichen oder tatsächlichen Geisteshaltung war der „Tugendadel“, und da kommen wir der Sache schon viel näher. Man schuf Tugenden, und sie konnte jeder erwerben, der guten Willens war – nicht nur der Adel. Ob das etwas mit Zivilisation zu tun hat? Ansichtssachen, denke ich.

Die einflussreichen Frauen - wie heute bei #MeToo?

Ja und nun? Wie war das mit den Frauen? Dazu sagt der Buch-Autor (1):

Im Hochmittelalter gewannen die Frauen immer mehr an Einfluss und veränderten die Regeln. Das war eine Zäsur, genauso wie die #MeToo-Bewegung heute eine Zäsur unseres Zusammenlebens markiert.


Interessanter Vergleich. Und ein bisschen an der Grenze von Fake News. Denn anderwärts können wir durchaus lesen, dass dieser Zustand nicht wirklich akzeptiert wurde (2):

Frauen wurden im Laufe der Zeit immer selbstständiger, was den Männern zur damaligen Zeit überhaupt nicht gefiel. ….Mit der wachsenden Selbstständigkeit wurde der Hass auf die weibliche Bevölkerung immer größer. Man argumentierte mit in erster Linie mit christlichen Themen. Dies nutzte man zur Generalausrede, um Gewalt gegen das weibliche Geschlecht auszuüben.


Oh, sollte der Herr Graf die falschen Bücher gelesen haben? Eine mögliche Erklärung finden wir mal wieder auf einer Pädagogenseite. Dort wird glaubwürdig beschrieben, worin die tatsächlich oder vorgebliche Macht der Frauen im Mittelalter bestand, und wie sie zustande kam.

Demnach konnten sie nur ein sehr begrenztes selbstständiges Frauenleben führen, und es hatte nicht mit den edlen Rittern zu tun, sondern mit der Erwerbstätigkeit (3):

Im Früh- und frühen Hochmittelalter konnten unverheiratete Frauen sich durchaus als Händlerin oder Handwerkerin den Lebensunterhalt selbst verdienen und Mitglied in den Gilden und Zünften werden. Davon wurden sie jedoch ab dem 16. Jahrhundert nach und nach ausgeschlossen.


Wobei wir mal wieder bei der schwierigen Suche nach der Wahrheit wären, die mit dem Vergleich von #MeToo und dem Hochmittelalter offenbar nicht so ganz präzis gelungen ist. Doch es gibt Hoffnung: Der Mensch ist lernfähig, denn der Buchautor sagte im Interview auch (1):

Zur Klugheit gehört auch, sich belehren zu lassen und nicht immer alles besser wissen zu wollen.


Guter Vorsatz, nicht wahr?

(1) Interview "Westfälische Rundschau".
(2) Leben der Frauen im Mittelalter.
(3) Planet Schule

Für Katholiken ist die Freiheit nach wie vor eine Gefahr

Die Freiheit ist höchst gefährlich – für alle, die damit nicht umgehen können. Da Jugendliche mit der Freiheit nicht umgehen können, muss der Begriff der Freiheit für sie umdefiniert werden. Das jedenfalls meinen ultrakonservative Kreise, und sie bekamen jetzt ihr Buch zum Thema. Die extrem-katholische Presse bejubelte das Buch bereits.

Werbung
Wer so etwas wirklich glaubt, will die Freiheit des Seins konditionieren, das heißt, er will der Freiheit neue Fesseln anlegen, die nichts mehr mit liberalem Denken zu tu haben. Mir scheint, ein neues Buch der belgischstämmigen Autorin Therese Hargot verfolgt dieses Ziel. Ich sage: Wehret den Anfängen. Heute wir versucht, den freien Zugang zu sexuellen Informationen beschneiden– und morgen ist es vielleicht die Gedankenfreiheit selbst, die als gefährlich angesehen wird. Die Katholiken und andere Konservative klatschen erst einmal Beifall. Ihnen passt die ganze Chose nicht – und sie wollen tatsächlich den Begriff der Freiheit umdefinieren.

Der Autor dieser Zeilen weiß (wie auch all die anderen, die mit dem Thema umgehen), dass Freiheit erlernt werden muss. Wer Freiheit mit Beliebigkeit verwechselt, ist einfach dumm – das betrifft leider auch manche Akademiker, die’s besser wissen sollten.

Tatsache ist: Wer frei entscheiden will, muss nicht nur (wie Konservative meinen) in der Lage sein, zwischen „ungünstig“ und „günstig“ zu entscheiden. Doch weitaus schwieriger ist die Entscheidung zwischen „günstig“ und „günstig“. Werde ich Buchhalter oder Ingenieur? Fotograf oder freier Schriftsteller? Das sind einige der Entscheidungen, und nicht alles kann man vielfach erproben. Doch die Sexualität kann jede Frau und jeder Mann für sich frei definieren – für einige Zeit oder lebenslang – und es ist nicht falsch, zu erproben, welcher Weg zum Glück führt. Und ebenso frei sind wir all darin, den Stellenwert der Emotionen, die mit der Sexualität einhergehen, hoch oder niedrig anzusetzen. Klar entstehen dabei auch Konflikte – und auch mit denen müssen wir umgehen lernen.

Dies alles bedeutet nichts mehr als „erwachsen zu werden“. Eine neue Definition von Freiheit ist dazu nicht nötig.