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Tatort? Nein, danke!

Es ist nun schon das zweite Mal, dass ich den Tatort nach weniger als 15 Minuten Laufzeit abgeschaltet habe – ich muss ihn nicht sehen, und ich muss wirklich nicht mehr darüber schreiben.

Diesmal ist es offenbar um die Moralinvasion gegangen. Selbst wehrhafte Frauen werden zusammengeschlagen und misshandelt. Da kann man mal wieder so richtig sehen, was für Dreckschweine Männer sind. Oh ja, und die Kritk war begesitert - habe ich zur Kenntnis genommen. Die ZEIT ging am Weitesten. Sie sah in dem Machwerk „einen neuen Klassiker der Tatort-Reihe“. Zum größten Teil, weil die Kommissarin diesmal nicht erstrahlt, sondern von den Umständen zerbrochen am Boden liegt und weint. Das Leben ist eins der Schwersten, das wissen wir mittlerweile. Wie traurig.

Meinetwegen kann die ARD senden, was sie will und sich dabei von Kritikern belobhudeln lassen.

Und ich? Ich will auch vom Krimi unterhalten, überrascht und begeistert werden. Und all diese Volks-Belehrungen können sich die Drehbuchschreiber nötigenfalls in … ja, genau dorthin stecken. Und satt nach 15 Minuten abzuschalten, kann ich nötigenfalls auch ganz auf auf den Tatort verzichten.

Es lebe der Tod – überzeugender TATORT

Wenn zwei wirklich gute Schauspieler zusammenkommen und nicht die Klamottenhelden spielen müssen, wie sonst im ARD-Tatort, dann wird daraus beinahe ein Kammerspiel.

So geschah es gestern Abend. (Ich sah den Tatort erst spät auf „one“). Gutes Drehbuch, sanfte Regie, und zwei Menschen, die einen emotionalen Kampf eingehen, aus der Nähe gefilmt und absolut glaubwürdig gespielt. Felix Murot, gespielt von Ulrich Tukor, und der zunächst namenlose Massenmörder, den Jens Harzer verkörpert, spielen sich vehement in die Tiefen ihrer schwierigen Rollen hinein. Hier der Kommissar, den das Leben plagt und der dennoch den nächsten Tag erleben will, dort der entsetzliche Psychopath mit seiner verbissenen, unerträglichen Moral, der nach eigenen Gesetzen von Gut und Böse lebt.

Zum Schluss leisteten sich Drehbuch und Regie einen teuflischen Gag: Würde der Kommissar seine freiwillig inszenierte, so weit möglich verzögerte Selbsttötung überleben? Traumsequenzen weisen in viele falsche Richtungen, und nur ganz am Schluss wird klar: Murot überlebt, seine Hand ist verbunden, und er betritt ein Café, indem sich die beiden Personen befinden, die er mit seinem Suizid körperlich und emotional retten wollte. Da hätten noch zwei Sätze gut getan.

Tatort: wenn der Klischee-Penner Sicherheitsdienst spielt

Das Fernsehen (ARD) ließ den Tatort „Der König der Gosse“ heraus – und wie so oft, war das Ganze eine Zumutung. Hier das Volk, dargestellt durch drei klischeebehaftete Obdachlose aka Penner, dort der kapitalistische Ausbeuter mit dem feinen Anzug und der Luxuswohnung. Wie so oft wird Hass gegen das frei Unternehmertum geschürt, was gewissen rechten und linken Kreisen ganz gut in den Kram passen dürfte. Und natürlich steckt darin jenes Körnchen Wahrheit und Aufklärungsarbeit, das sich der „Tatort“ schuldig zu sein glaubt. Nur kommt es leider zu häufig vor, dass Unternehmer im „Tatort“ als Bösewichte dastehen.

Kurz und gut: Der Unternehmer stellt drei der Herren Obdachlosen als „Security“ ein – warum auch immer. Die werden bei einem Edelitaliener außer Gefecht gesetzt, und dennoch sehen sie wenig später, wie ihr Gönner über ein Brückegeländer geschmissen wird. Danach wird ein bisschen Katz-und-Maus damit gespielt, wer wem was zutrauen kann. Das war es eigentlich schon.

So richtig kann man sich mit dem, was da als Krimi vermarktet wurde, nicht zufriedengeben. Die Nebenhandlungen nehmen inzwischen zu viel Raum ein und wirken völlig absurd und letztendlich ebenso klischeehaft. Der Chef macht einer anderen Kriminalistin den Hof, die allerdings verheiratet ist. Das dient leider nur als Gag und Füller, denn wirkliche Konflikte entstehen daraus nicht. Ach ja – der Sohn einer Kriminalistin klaut Farbe im Baumarkt – das arme Kind wollte doch nur die Wand neu streichen. Die andere setzt aus unerklärlichen Gründen ihre Partnerschaft aufs Spiel – und verliert. Dabei gewinnt sie allerdings ein Ermittlungsergebnis und beweist, dass Obdachlose ganz nett sein können. Womit die Klamotte komplett wäre – nur dass man nicht so richtig lachen kann.

Es sei denn, mal wollte zeigen, dass Kriminalisten weder über wirksame Wertsysteme verfügen noch ihr Leben in den Griff bekommen – ebenso wie die drei Obdachlosen. Dann allerdings wäre der Moralin-Schuss nach hinten losgegangen.

Der SPIEGEL brachte es auf den Punkt.

ARD-Streit: die Verleger haben gewonnen - verloren hat der Bürger

Es geht um Apps - sie sind heute oft wichtiger als Zeitung und Fernsehen
Was juristisch in Ordnung ist, muss nicht unbedingt der Informationsfreiheit dienen. Die Verleger, die im Internet gegenüber ARD und ZDF längst die absolute Macht erobert haben haben, fühlen sich durch ein Urteil des OLG Köln im Aufwind – doch der Bürger hat dabei zunächst verloren.

Denn wer die Tagesschau-App nutzt, wird schnell, kostenlos und ausführlich informiert – das ist für viele Menschen, die sich jeden Tag in kurzer Form informieren wollen, ein unschätzbarer Vorteil. Wer dies ohne App direkt auf der Seite mancher Verleger versucht, wird hingegen immer häufiger mit unzumutbar schlechter, verwirrender und aggressiver Werbung zugeschüttet.

Und ich bin froh, dass die ARD nun Wege sucht, das Angebot aufrechtzuerhalten. Möglichkeiten dazu, so meinen die Medienexperten, gäbe es genug. Denn im Prinzip geht es darum, wie viel Audio- und Videomaterial verwendet wird und welchen Raum dabei Texte einnehmen.

Man wird sehen, wie sich die Sache entwickelt- und sie betrifft nicht nur das Gemeinschaftsprogramm der ARD, sondern auch viele Sendeanstalten der Länder, die ähnliche Informationsmedien in Form von Apps anbieten.

ttps://www.heise.de/newsticker/meldung/Gericht-urteilt-im-Streit-ueber-Tagesschau-App-zugunsten-der-Verlage-3339074.html