Skip to content

Was ist eigentlich los mit diesem "Bremer" und seinen "50 Frauen"?

Angeblich hat ein „Bremer“ bei Tinder über 50 Frauen angeschrieben und musste sich dann bei „Jodel“ anhören, was für eine Pflaume er ist.

Was steht dahinter? Eine Mitteilung des „Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. Sie steuert vor allem drei Sätze bei (Zitat):

• Bei Tinder schreibt ein Mann aus Bremen mit über 50 Frauen.
• Das Ergebnis der Partnersuche auf dem Dating-Portal verblüfft.
• Jetzt sucht der Tinder-Nutzer aus Bremen dringend Hilfe bei Jodel.


Mal der Reihe nach: Ob es den „Mann aus Bremen“ wirklich gibt, und ob er sich „mit 50 Frauen geschrieben hat“, ist unsicher. Die Redakteure „wissen“ es nur aus den Eigenaussagen, die dieser auf dem Ratgeberportal „Jodel“ veröffentlicht hat. Der Name Jodel erscheint im Artikel 15 Mal – also viel zu oft für einen Artikel mit ca. 770 Wörtern.

Auf „Tinder“ Bezug zu nehmen, erweist sich immer als publikumswirksam. Der Name der populären Dating-App erscheint insgesamt 21 Mal – diese Häufung eines Markennamens ist ebenfalls ist ausgesprochen merkwürdig.

Sich „mit 50 Frauen zu schreiben“ klingt viel – wir wissen aber nicht so genau, was er jeder der 50 Frauen schrieb. Jedenfalls hatte er keinen Dating-Erfolg damit. Das ist bei einem Großteil der männlichen Tinder-Nutzer nicht ungewöhnlich – und ist schon gar nicht „verblüffend“. Schließlich „sucht der Mann Hilfe“. Und was macht er? Jodelt seinen Misserfolg in die Welt hinaus – bei Jodel. Dabei handelt es sich sich um ein sogenanntes „Soziales Netzwerk“, das nur als App existiert.

Warum braucht er eigentlich „dringend“ Hilfe? Kann er nicht einfach hinnehmen, dass Tinder sich für ihn nicht eignet? Und warum sucht er Hilfe bei „Jodel“? Kann er nicht einen Kumpel fragen, wie er vorgehen soll? Hat er kein Umfeld, in dem man so allgemeine Fragen stellen kann?

Kann er offenbar nicht. Er wird, wie auf Foren oder Netzwerken ja nun mal nicht unüblich, beleidigt und diffamiert. Damit hätte er rechnen müssen.

Ich denke mir da so meinen Teil.

Übrigens muss ich gestehen, dass ich „Jodel“ zuvor nicht kannte. Und ich will es auch nicht kennenlernen.

Kommunikation, Realität und Liebe

Was bedeuten Illusionen in der Liebe?
Themen, von denen ich wirklich etwas verstehe, behandle ich am liebsten. Für einen Schreiner oder Physiker mag dieser Satz selbstverständlich klingen, aber für Journalisten und Blogger ist er es nicht. Journalisten schreiben über viel Dinge, von denen sie gar nichts wissen – das gehört zu ihrem Beruf.

Von Kommunikation und Realität verstehe ich mehr als viele andere Menschen. Wer mal in der Schule gehört hat, dass es zwei Arten von Kommunikation (verbal und nonverbal) geben soll, weiß ungefähr so viel wie jemand, der gelernt hat, dass es auf der Erde Wasser und Festland gibt. Das liegt in erheblichem Maße daran, dass es nicht zum Bildungsauftrag der Schulen gehört, die Strukturen der Kommunikation zu ergründen. „Kommunikative Kompetenzen“ zu erwerben ist etwas anderes, möglicherweise gar Wichtigeres, weil es interessanter für den Umgang miteinander ist.

Kommunikation, Betrachtungsweisen und Realitäten sind Themen, die dem Lehrenden wie dem Lernenden viel Abstraktionsvermögen abverlangen, obgleich der Hintergrund sehr konkret ist.

Dieser Tage habe ich mich sowohl an das Thema „Liebe und Kommunikation“ wie auch an das ungleich schwierigere Thema „Liebe und Illusion“ herangemacht. Ich habe versucht. Mich kurzzufassen und mich verständlich auszudrücken.

Falls du dich dafür interessierst, warum du selbst bei der Liebe in Illusionen verfällst, kann es sehr sinnvoll sein, diesen Artikel zu lesen.

Journalismus: Erst mal behaupten ist ja so geil

Heute will ich euch von einer wirklich lästigen Tendenz in der Presse berichten, nämlich gewisse spektakuläre Zeiterscheinungen zu verallgemeinern, uns die dann populistisch auszuschlachten.

Das Medium: Süddeutsche Zeitung.
Wo: Im Feuilleton (Kulturteil).
Wer: Marie Schmidt.
Was: Die Journalistin schließt von einem Tinder-Phänomen auf alle beginnenden Beziehungen, und aufgrund einer gewagten Konstruktion von aneinandergereihten Behauptungen wird die Frage behandelt, ob „Liebe heute noch eine Chance habe.“

Zunächst einmal die Überschrift:

Liebesbeziehungen – Gefühle, so peinlich


Wen das interessiert, der darf weiterlesen, und er stößt zunächst auf eine Behauptung: „Lange“ (also wann denn nun?) hätten Beziehungen mit Gefühlen begonnen und sich dann „zur ersten gemeinsamen Nacht“ gesteigert.

Dieses „Lange“ muss schon lange zurückliegen, und aufgrund welcher Erfahrungen diese Sätze geschrieben wurden, bliebt unklar.

Nun wird auf der Basis dieser Behauptung eine zweite Annahme nachgeschoben, nämlich: Heute würde man mit Sex beginnen und die Liebe würde daran scheitern, einander gefühlsmäßig zu begegnen, oder wörtlich:

Heute startet man mit Sex - und scheitert dann daran, sich emotional nahezukommen.


Eine neue Behauptung: Von Tinder ist nicht mehr die Rede, sondern davon, dass „man“, also nahezu alle Partnersuchenden, mit Sex starten. Die nächste Behauptung wird gleich angehängt: das Scheitern als Folge, also die frühzeitige Auflösung der gerade begonnenen Beziehung. Nach dem Text ist das Scheitern obligatorisch. Und warum soll es möglich oder nicht möglich sein, sich dann noch emotional näherzukommen?

Bliebt noch eine kleine Begriffsverwirrung:

- Einander emotional näher kommen ist noch keine Liebe.
- Das Wort „Liebesbeziehung“ ist unscharf, denn in dem Zeitbereich, in dem eine emotionale Bindung beginnt, spielt Verliebtheit eine größere Rolle als die Liebe – ob mit oder ohne Sex.

Und all das macht die Frage „Hat Liebe in Zeiten von Tinder noch eine Chance?“ zu einer Farce.

Natürlich steht es Frau Schmidt frei, zu schreiben, was sie gerne möchte. Die Frage ist nur, ob man anhand eines lächerlichen App-Phänomens gleich auf die Liebeskultur eines Volkes (oder gar aller Menschen?) schließen sollte.

Die erwähnten Zitate lassen sich leider Online nicht vollständig lesen. Die Quelle verweist auf kaum mehr als die Überschriften.

Autor, Blogger und Kritiker – die Suche nach der Wahrheit

Autor eines Blogs zu sein, ist wirklich schwer. Wenn wir die Wahrheit sagen, liest uns niemand. Also feilen wir so lange an der Wahrheit herum, bis irgendeine spektakuläre Spitze hervorsticht. Dann haben wir eine Chance, gelesen zu werden. Wir wissen, dass dieser Aspekt im Grunde nicht den Kern der Wahrheit abbildet, aber wir haben wenigstens versucht, ein bisschen Wahrheit unters Volk zu schmuggeln. Das gilt zumindest für viele "klassische" Blogger.

Einfacher ist es, nicht die Wahrheit zu sagen, sondern das, was das Volk gerne für die Wahrheit halten würde. Denn trotz des angeblichen „Bildungsbooms“ sitzt da draußen ein Volk, das auf Illusionen, Falschmeldungen, Sensationsberichte und Nebensächlichkeiten abfährt.

Ich kann dies zum Teil verstehen. Wer eine Grundschulbildung hat und nie etwas dazulernen wollte, nie ernsthaft an einen Berufs-, Orts- oder Arbeitsplatzwechsel gedacht hat und immer im gleichen Milieu gelebt hat, bleibt eben gedanklich stehen. Statt die Dinge selbst beurteilen zu können, lässt er sie sich von Boulevard-Journalisten oder Populisten vorbeten, die sich ein Vergnügen daraus machen, das Volk weiterhin zu verdummen.

Bedauerlicherweise trifft dies aber ist es nicht nur der Grundschüler aus einfachen sozialen Verhältnissen zu, der nichts dazu gelernt hat. Auch Intellektuelle, Adlige und gestandene Professoren können oder wollen weder „nachlernen“, noch sind sie flexibel genug, ihr Denken und Wissen aufzufrischen oder ihren Geist ab und an in die Mauser zu schicken. Wir sollten sie beobachten. Sie sind zumeist rechtskonservativ, oft aber auch linkskonservativ ausgerichtet, Sie bezeichnen das, was sie sagen und denken (können) als ihre Überzeugung, während sie in Wahrheit nur einseitig und verkrustet sind.

Wisst ihr, ich, mag „echte“ konservative Grundhaltungen – aber die kann man nur haben, wenn man sie jeden Tag mit der Realität abgleicht. Und genau das können die meisten Rechtskonservativen und Linksextremisten nicht. Und je „intellektueller“ sie zu sein glauben, umso mehr schweben sie über den Dingen.

Wollen wir das? Ich will es nicht. Und deswegen bleibe ich dabei, zeitnah Veränderungen aufzuspüren und die Wahrheit freizulegen.

Das Negativste im alten Jahr – und 2019?

Das Negativste am alten Jahr war für mich der Frust mit den „modernen“ Suchmaschinen. Der Marktführer hat sich in eine Mischung aus pseudo-aktueller Datenschleuder, Literaturvermarkter und wirtschaftskonformen Dienstleister verstrickt. Wer ältere Informationen sucht, gleich zu welchem Thema, muss lange graben. Wobei das Internet ohnehin keine in sich stimmige Informationsquelle ist – bei aktuellen Themen dominieren die Schwätzer, bei historischen Themen zählt kaum etwas anderes als die abgeschriebene und nachträglich leicht frisierte Mehrheitsmeinung. Überhaupt haben es die Meinungsmanipulatoren (nicht zwangsweise die Schuld der Suchmaschinenbetreiber selbst) geschafft, ihre Vampirzähne fest in das Fell der Suchmaschinen zu verbeißen udn dort Schrott zu hinterlegen. Der Marktführer der Suchmaschinen bringt oftmals erst nach vielen gesetzten Filtern zum Kern einer abgefragten Information, wenn überhaupt. Ich gestehe, in letzter Zeit oftmals die Suchmaschine zu wechseln, meist mit eher dürftigen Erfolg, aber mindestens ohne ständig auf lästige und bedeutungslose Bücher aufmerksam gemacht zu werden.

Leeres Stroh von "Autoritäten"

Das Netz hat Autoritäten geschaffen, die man den Hasen geben kann. Ich lese häufiger Interviews mit Menschen, die Beratungsunternehmen führen oder im theoretischen akademischen Bereich tätig sind. Trotz ihrer unterschiedlichen Motive erkennt man im Hintergrund den Satz: „Eigentlich verstehe ich die Realität nicht wirklich, aber ich habe eine Menge darüber zu sagen.“ Und die Damen und Herren Redakteure machen Kotau vor der „Autorität“.

Beschämender Journalismus

Journalismus wird immer beschämender. Heute hat nahezu jede „seriöse“ Zeitung ihre Tricks, mit Sensationsmeldungen im Internet auf die besten Positionen in Suchmaschinen zu kommen. Das liest sich ungefähr so: „Huhn hüpfte auf die Straße – dann legte es sein letztes Ei“. Kommt man dann auf die Seite, wird man aufgefordert, irgendwelchen Blödsinn zu beantworten oder – sinnvoller – die Seite gleich wegzudrücken. Übrigen schneiden sich die Penner von Verlegern damit ins eigene Fleisch: Wer keine Artikel lesen darf, klickt auch keine Anzeigen an. Und wie dösig ist es eigentlich, erstmal ein Abonnement kaufen zu müssen, um in einer Zeitung zu blättern, die lediglich regionale Bedeutung hat? Und an die Verleger gerichtet: Wer in einem Regionalblatt überregionalen Themen mit einem „Leseverbot“ belegt, denkt nicht nach. Oder krasser: Hey, wer abonniert schon eure Hinterwäldlerzeitungen? Ja, es gibt auch Überregionale, die so etwas tun. Dabei handelt es sich dann allerdings zumeist um aufwendig recherchierte, längere Artikel. Das kann man getrost akzeptieren. Habt ihr davon gelesen, dass immer mehr Verleger angeblich ins Online-Dating-Geschäft einstiegen? Ja? Dann überprüft doch bitte noch mal, was und wer wirklich dahintersteht.

Datenkraken, Datensauger, Medien und Zensur

Zum Negativsten gehört, dass es mittlerweile kaum noch einen Schutz vor Datenkraken gibt – das betrifft zwar überwiegend die Nutzer von sozialen Netzwerken, aber es trifft leider auch andere. Merkwürdigerweise loben aber nahezu alle Medien die Verursacher und rühmen sich, dort präsent zu sein. Schon merkwürdig, wenn man auf der einen Seite sagt: „Ey, dieses Netzwerk nutzt jede Möglichkeit, um Daten abzusaugen“, und sich andererseits stets rühmt, dort „präsent“ zu sein.

Zuletzt noch ein Wort zur Zensur. Sie wird wieder populär, einmal durch die „innere Zensur“, gewisse Dinge gar nicht erst zu erwähnen, geschweige denn, sie zu schreiben. Und dann durch die äußere Zensur, weil den Betreibern die Hosen schlottern. „Ach, es könnte ja sein, dass einem Unternehmen manche unserer Inhalte nicht gefallen, da üben wir lieber mal ein bisschen Zensur aus.“

Ach, machen wir es doch 2019 einfach besser – aber viel Hoffnung habe ich bei den „Etablierten“ nicht. Sie hatten ihre Chance, und sie haben sie vergeigt. Ohne überheblich zu sein, glaube ich, auch 2019 etwas dazu beitragen zu dürfen, dass mehr Wissen in die Welt kommt und der Freiheit mehr Raum gegeben wird.

Und: Happ New Year, Folks!