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Voll dahinter stehen?

Journalisten erkennt man daran, dass sie stets die Distanz zu den Themen wahren, über die sie schreiben, selbst dann, wenn sie sich im Prinzip dafür engagieren könnten.

Diese Distanz ist nötig, spricht aber offenbar die Leserinnen und Leser vieler Neuer Medien nicht an. Gerade hörte ich, dass für ein Magazin Autorinnen und Autoren gesucht werden, die Ihre Themen verinnerlichen oder diese zu ihren Lebensinhalten gemacht haben.

Sicher – der Unterhaltungswert wird dann größer – aber der Informationswert deutlich geringer. Ich muss und kann damit leben, weil ich als Leser solcher Magazine nicht infrage komme.

Aber ich frage mich schon, ob Selbst-Betroffenheit und Lifestyle ausreichen, um Informationen zu transportieren.

Katastrophen und Fernsehen – saugen im Vakuum

Im Grunde ist das "offizielle" Fernsehen inzwischen eine durch und durch verkommene Institution. Statt zu informieren, führt zu uns ein Kaspertheater vor: Der Experte XY weiß nichts Genaues. War aber wohl gerade verfügbar. Der nächste Experte YZ weiß alles besser, was ihn auch nicht gerade auszeichnet. Im Grunde sind es nur Personen, die Hohlsprüche ablassen.

Noch schlimmer sind die „Journalisten vor Ort“. Mal werden sie vor den Orten des Geschehens abgefilmt, wenn sie nichts zu sagen haben, dann wieder vor Bildwände gestellt, wo sie auch nichts zu sagen haben. Und jeder, der noch halbwegs denken kann, wird sich fragen: Wie soll denn der Tollpatsch im Wintermantel wissen, was die Polizei gerade ermittelt? Man saugt im Vakuum, wo es nichts zu saugen gibt. Das ist mieser Journalismus, auch wenn’s die Konkurrenz vormacht.

Man kann, wie es eine Zeitkolumnistin treffen sagte, etwas tun, und zwar dies:

Es war jedenfalls ein interessanter Moment zuzuschauen, wie wenigstens die Regierungsspitzen des Bundes und Landes es einfach taten: rausgehen, sich blicken lassen und einfach mal nichts sagen.

Einfach mal nichts sagen – das hätte diesem Herrn Seehofer gut getan. Und dem Herrn Andreas Scheuer hätte gut angestanden, wenigstens dazu zu schweigen. Aber nicht einmal das brachte er fertig.

Hey, Bayern: Es mag ja sein, dass wir mal über unser Land diskutieren müssen (das übrigens über Bayern hinausreicht). Aber dann bitte nicht im Angesicht des Todes und nicht mit diesen ewigen austauschbaren Sprüchen, sondern bitte mit Fakten und detaillierten Umsetzungsmöglichkeiten der Vorschläge. Und wenn es sein kann: im Parlament. Dort findet Demokratie statt.