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Kinder - Biodeutsche, Autochthone, Europäer und Migranten

Jedes Land der Erde freut sich auf Neugeborene, und das hatte auch das Wirtschaftsmedium Bloomberg angenommen.

Bloomberg schrieb begeistert, die Fremden schenkten Deutschland das, was hier am meisten benötigt wird: Babys.

Der Geburtenanstieg ist eine ermutigende Nachricht für Deutschland, das die niedrigste Geburtenrate der Welt hat.


Doch die höchste Geburtenrate seit der Jahrtausendwende wird offenbar nicht von allen positiv gesehen. Dabei wird gerne eine Zahl zitiert, die manchem Nationalisten die Wut in den Bauch treibt:

Jedes fünfte Neugeborene hat demzufolge eine Mutter, die im Ausland geboren wurde, hat das Statistische Bundesamt laut Bloomberg ermittelt.


Die Mutter, die da im Ausland geboren wurde, musste aber nicht zwangsläufig das sein, was heute als „Migrantin“ oder gar „Flüchtling“ bezeichnet wird. Denn rechnet man diejenigen ab, die europäische, australische, asiatische oder amerikanische Wurzeln haben, dann waren es nicht 20 Prozent, sondern acht Prozent, die als mögleiche „Flüchtlingskinder“ übrig blieben.

Und vor allem: Bloomberg hat recht. Die heute geborenen Babys werden, wenn sie als Erwachsene noch in Deutschland sein dürfen, einmal als Arbeitskräfte benötigt. Da können die „nationalbewussten“ Deutschen so viel motzen, wie sie wollen. Übrigens ist in der einschlägigen Presse von rechts inzwischen von „biodeutschen“ Babys die Rede – also Babys von Frauen, die im Sinne der Rechtsaußen als „rein Deutsch“ gelten. Woran mich das erinnert, wage ich gar nicht zu sagen.

Ach ja, noch ein Wort dazu: Die Deutschen sind kein „autochthones Volk“. Autochthonen sind Eingeborene, also Nachkommen einer Urbevölkerung, die sich zuvor niemals mit anderen Völkern vermischt hat. Das ist allerdings bei keinem der europäischen Völker gewährleistet, schon gar nicht bei den zentraleuropäischen Völkern, zu denen auch Deutschland gehört.

Zitat aus Bloomberg.

Zitatenquelle zweites Zitat: Deutsche Wirtschafts-Nachrichten.

Weitere Informationen aus: Corretive Org.

Das Fazit des Duells – dünne Suppe ohne Zukunftsperspektive

Unter einem Duell stellt man sich etwas anders vor. Aber das lag vor allem daran, dass Deutschland die Themen fehlen oder – anders ausgedrückt – die falschen Themen in den Vordergrund gerückt wurden – und weiterhin werden.

Steuerpolitik ist keine Familienpolitik

Da wären zum Beispiel die Steuern – von Entlastungen für alle mittlere Einkommen war kaum noch die Rede. Vor allem nicht davon, dass Leistung sich lohnen muss – egal, ob sie ein Familienvater, eine alleinerziehende Mutter oder ein Lediger erbringt. Wollte man Schulz folgen, so wäre die Entlastung über die Kita zu erbringen – da staunt man schon wenig über die Sozialdemokratie. Also nur für Familien und bei ihnen auch nur für wenige? Und wenn – gibt es überhaupt schon eine Idee, wie wenigstens das vom Bund finanziert werden soll?

Bildung - der Notstand wird nicht erkannt

Dann wäre, da Bildung – alle streben zum Abitur, und lernen im Grund dabei kaum noch etwas. Weder fürs Leben noch für die meisten Berufe. Und nun werden nicht nur die Lehrer knapp – sie bleiben auch knapp, und Lösungen für dies Problem sind nicht mal am fernen Horizont erkennbar. Vom baulichen Zustand vieler Schulen mal ganz zu schweigen. Ja – das ist Ländersache, und die Länder sitzen auf diesem Privileg, bis Deutschland die Ressourcen des Geistes und der Ingenieurkunst ausgehen, oder wie? Warum? Weil dieses Bundesland Bayern (eben einigen anderen Horten der Arroganz) alles besser kann, besser weiß und die lauteren Bierzelte hat? Sicher ist dies Polemik –aber eine nötige Polemik, um die Bayern einmal in ihre Schranken zu weisen, wenn es um das Wohl Deutschlands geht.

Wenn es um Deutschland geht – und darum geht es ja wohl in erster Linie bei Bundestagswahlen – dann muss es Änderungen im Bildungswesen geben.

Themen, die nicht ausreichend oder nicht ehrlich behandlelt wurden

Es gibt viele Menschen, die Themen vermisst haben – zum Beispiel die soziale Gerechtigkeit. Es könnte daran liegen, dass dieses Thema inzwischen völlig abgenutzt ist, weil kaum jemand definieren kann, was „sozial gerecht“ eigentlich sein soll.

Ähnliches gilt für die Rente – die Frage ist nicht, ob jemand getrötet hat, dass wir „bis 70 arbeiten“ sollen, wie Herr Schulz süffisant und ein wenig polemisch anmerkte, sondern wer die Rente in welcher Form finanzieren soll. Eher Arbeitgeber? Eher Arbeitnehmer? Oder andere? Oder vielleicht gar der Steuerzahler? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rente langfristig bald über Steuererhöhungen finanziert werden muss, passt natürlich nicht in den Wahlkampf. Da salbadert man schon eher über den Unfug einer Mehrwertsteuersenkung. Was angeblich sonst fehlte? Digitalisierung und Zukunft der Arbeit – wie denn überhaupt alles, was mit der Zukunft dieses Landes zu tun hat.

Deutschland - viel Vergangenheit, ein bisschen Gegenwart und wenig Zukunft?

Den nahezu alles, was behandelt wurde, bezog sich entweder auf die Vergangenheit, oder es wärmte Querelen der Gegenwart wieder auf. Die Zukunft? Ach so, ja, die kommt sowieso, und Deutschland ist daraus weder in der Bildung, noch bei der Familienpolitik, ja nicht einmal bei Antriebssystemen für Automobile vorbereitet.

Und so bliebt der Verdacht, dass Frau Merkel die Vergangenheit in die Zukunft verlängern will, bis die Suppe zu dünn wird. Und Herr Schulz? Das soll ein Mann der Zukunft mit ehrgeizigen Plänen sein? Da lachen ja die Hühner.

Deutsche Kultur – ohne Leid und Leit

Wir lernen bereits in der Schule, dass unsere deutsche Kultur wichtig und einzigartig ist. Je nachdem, in welche Epoche wir hineingeboren wurden, haben wir dazu unterschiedliche Interpretationen gehört. Indessen herrscht weitgehend Einigkeit über die Sprache, die Philosophie, die Musik und Malerei sowie über weitere Spielarten der Kunst. Hinzu kommen Forschungen und Erfindungen, die man ebenfalls der Kultur zurechnet. Es agb -und gibt - geniale Deutsche, ohne Zweifel.

Strittiger ist hingegen die Herkunft dieser Kultur. Eine bestimmte Form des Germanentums, etwas primitiv, aber im Kern hart und gerecht und von hohem ethischen Wert wurde selbst der Nachkriegsgeneration noch als Wurzelwerke des Deutschtums verkauft. Heute heißt es, die Ursprünge würden weit „bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer“ zurückreichen, was immerhin ein Fortschritt gegenüber der Definition ist, sie würden auf „Germanentum, Christentum und Griechentum“ beruhen, wie ich es noch lernte. Nur sehr zögerlich nehmen Lexika und Politiker auch das Judentum mit auf, und auch der Einfluss andere Migranten wird oft heruntergespielt – was gewisse Ähnlichkeiten mit dem „offiziellen“ Deutschland von heute zeigt.

Kulturmix - woher?

Einstmals wurden Germanentum, Christentum und Griechentum deswegen hochgehalten, weil man glaubte, in diesen Grundlagen beste ethische Qualitäten zu entdecken. Man versuchte insbesondere, die starken Einflüsse der Römer, Levantiner und später der französischen Kultur kleinzureden, weil man in ihnen Elemente des moralischen Verfalls zu entdecken glaubte. Im Nachkriegsdeutschland fürchtete man zunächst den Einfluss der US-amerikanischen Kultur, dann aber auch der englischen Sprache und der skandinavischen Kultur, die mehr sexuelle Freiheit beinhaltete. Später wurden die Einflüsse von Italienern, Griechen und Vietnamesen beklagt, die insbesondere den Handel mit frischen Lebensmitteln revolutionierten. Handel als Kulturphänomen ist für Deutsche, wie es scheint, bereits zu exotisch.

Kultur mischt sich - nicht erst seit heute

Je tiefer wir in die Kultur hineinblicken, umso mehr erkennen wir, dass sie ein Gemisch aus verschieden Einflüssen ist. Der „kühle Teutsche“ lernte viel von der Kultur Italiens, die als einzigartig galt, und man bewunderte die französische Lebensart, die auf vielfache Weise in das Kulturschaffen eingingen.

Deutsch sein kann nicht betoniert werden

Ob es eine „deutsche“ Kultur überhaupt gibt? Nationalisten behaupten, wir müssten „die Errungenschaften unserer Kultur mehr herausarbeiten“ – und dies schon in der Schule. Aber genau das hatten wir schon einmal in Form der Verherrlichung einer angeblichen „deutschen“ Kultur, die schon damals nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Wir lernten auch noch nach dem Kriege, dass die Herren Beethoven, Brahms und Bach göttergleich im Olymp deutscher Musik schwebten, Schiller der edelste Deutsche war die Grimms fast noch ein bisschen deutscher und dass der Herr Goethe ein anbetungswürdiges Genie gewesen sei. Nur bei der Malerei – nun ja, da musste man ein bisschen vor den Ausländern einknicken – die konnten tatsächlich auch malen. Ansonsten aber wurde alles so dick aufgetragen, dass es uns zu den Ohren herauskam.

Ich glaube, die Kultur meiner Heimat zu kennen (1), obgleich nicht mehr dort lebe. Sie ist einzigartig, und sie brachte weder Beethoven noch Schiller noch Kant hervor. Mein Deutschland? Ich wünschte mir, die Menschen, die nationalen Töne von sich geben, sollten sich einmal die Mühe machen, die verschiedenen Arten, „deutsch zu sein“ und „deutsche Kultur zu praktizieren“ hinterfragen würden.

Und das Interesse an „deutscher Philosophie?“ Wollen wir wirklich die Ergüsse verknöcherten Ofenhocker lesen, die nicht einmal verständliches Deutsch schreiben können? Und wer will schon ein Konzert-Abo, zu dem nur deutsche Komponisten von deutschen Interpreten (2) gespielt werden, und zwar in der Version, die der deutsche Bildungsbürger am liebsten hat?

Deutscher Kultur? Ehrfurcht und Gottesfurcht? Großartigkeit und Kölner Karneval? Dirndl und Krachlederne?

Nein, ich habe schon eine Kultur. Und sie ist anders, udn sie gehört zu mir.

(1) Sie lag einst in der amerikanischen Enklave der britischen Besatzungszone.
(2) Das ist wahrscheinlich nicht einmal mehr möglich, denn Musik ist Weltkultur - und auch die deutschen Orchester haben zahllose Interpreten aus der EU und aus Asien.

Gewalt-Demos schaden Hamburg und Deutschland

Das Demonstrationsrecht in Ehren – es muss verteidigt werden, denn es gehört zur Demokratie. Allerdings muss sich auch die Demokratie verteidigen. Denn die legale Staatsmacht nicht mehr anerkannt wird, kann niemand mehr in Frieden leben.

Hilfreiche, kontroverse Standpunkte sind bei Demos gefragt

Nun ist es sicherlich hilfreich, in Massen aufzutreten und zu sagen: „Hey, ihr 20 – Umweltschutz geht vor, egal, was ihr sonst noch glaubt.“ Und es ist erklärlich, dass der Erhalt sozialer Errungenschaften eingefordert wird.

Gegen den Kapitalismus zu sein ist billige Demagogie

„G20“ ist ein Reizwort für viele, insbesondere aber für jene, die vor allem „gegen den Kapitalismus“ sind. Auch das ist erlaubt, obgleich es nicht von Klugheit zeugt, denn vom Kapitalismus profitieren wir alle – sogar die Gegner. Ob dies „Die Linke“, die SPD oder die grüne Partei nun wahrhaben will oder nicht – es ist so.

Reden hilft mehr als zu demonstrieren

Doch „G20“ ist auch gut und sinnreich, denn man redet dort miteinander. Und reden ist immer noch besser als einander zu ignorieren oder zu hassen. Und insoweit leisten die Leute „drinnen“ ganz offenkundig mehr als die Leute, die lautstark demonstrieren. Kritische, kontroverse Gespräche zu führen ist – das dürfen Sie mir glauben – viel schwieriger als bei einer Demo mitzumarschieren.

Schaden für Hamburg und die Bundesrepublik Deutschland

Das Schlimmste aber ist: Selbst wenn die Anliegen der Demonstranten ehrlich und aus innerster Überzeugung vorgetragen wurden – sie hätten wissen müssen, dass sie die gewaltbereiten G20-Gegner anziehen. Und damit haben sie, ohne es vielleicht zu wollen, ihrer eigenen Sache geschadet. Die Bilder, die um die Welt gingen, schaden uns allen, vor allem aber haben sie dem Ansehen der Stadt Hamburg und dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland geschadet - möglicherweise sogar nachhaltig.