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Wählen Deutsche konservativ, weil sie verunsichert sind?

Eine Studie macht derzeit die Runde: die „Rheingold-Studie“. Sie zeichnet sich durch extrem wenig Teilnehmer und einen hohen psychologischen Anspruch aus. Ob er gerechtfertigt ist, kann uns allerdings niemand sagen – die Presse jedenfalls verbreitet die Meinung des Instituts überall.

Doch was sagt uns die Studie? Im Grunde dies: Deutsche wollen keine Experimente, sndern noch einige Jahre in vollen Zügen genießen, dass alles so „schön“ bleibt, wie es ist. Oder in den eigenen Worten des Studienleiters:


(Deutsche) …. haben ihre Welt aufgespalten in ein privates Auenland, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen, und in ein äußeres Grauenland: eine komplexe und furchterregende Welt.


Wer diese Welt erhalten will, also „alles genießen, wie es ist, bevor der Ärger losgeht“, der wählt – konservativ. Das taten die Deutschen schon 1957, als die Welt sich mitten im Kalten Krieg befand. An den Litfaßsäulen hing das strenge Gesicht des greisen Konrad Adenauer, der von den meisten Bürgern der damaligen Zeit als Garant für den nach und nach aufkommenden Wohlstand angesehen wurde, von dem damals übrigens viel weniger Menschen profitierten als heute. Neben dem Kernspruch „Keine Experimente“, mit dem die CDU offiziell warb, lief im Hintergrund eine Hetzkampagne gegen die Sozialdemokratie. Adenauer sagte beispielsweise.

Wir sind fest entschlossen, dass die SPD niemals an die Macht kommt … nicht aus parteipolitischem Hass, sondern weil wir glauben, dass mit einem Sieg der Sozialdemokratischen Partei der Untergang Deutschlands verknüpft ist.“


Die SPD hingegen wies auf die Risiken adenauerscher Politik hin und zeigte die Furcht vor der Atombombe auf Plakaten. Der Kampf zwischen dem einlullenden „Alles ist gut“ der CDU und dem reißerischen „Alles ist falsch“ der SPD ging übrigens zugunsten von Adenauer aus.

Heute ist die Situation etwas anders: CDU und SPD gleichen sich in vielen Fragen, der Sieg der SPD wäre nicht der Untergang Deutschlands und die internationalen Bedrohungen sind zwar erneut vorhanden, aber nicht aktuell relevant.

Und dennoch – wenn das Volk verängstigt ist, dann wählen die im Herzen konservativen Bürger eben die CDU, die Hassbürger die neue Rechte und die Übrigen die Partei, die ihnen irgendwie nahesteht oder schon immer nahestand.

(Die CDU/CSU erhielt damals 50,2 Prozent, die SPD 31.8 Prozent und die FDP 7,7 Prozent. Ins Parlament zog durch Direktmandate auch noch die DP).

Die Auto-Republik und der Beitrag von CDU/CSU, SPD und Grünen

Die Auto-Republik zeigt normalerweise ihr freundliches Gesicht und schmeichelt uns, weil alle davon profitieren. Dis ist vor alle, auf die CDU/CSU zurückzuführen, die von der Autolobby ständig politisch „beraten“ wird. Doch auch die andere Partei, die an die Regierung will (und in der Koalition noch dort ist), hat Interesse an der Auto-Republik. Bei der SPD sind es die Gewerkschaften, die um Arbeitsplätze fürchten und deshalb ebenfalls darauf drängen, dass alles in der deutschen Automobilindustrie so bleibt, wie es immer war: erst das Auto, dann der Mensch.

Ach, und die Grünen? Wer regiert denn im Autoland Baden-Württemberg? Corrective Org spricht von den "Baden-Württemberg-Connection" - auch als "Spätzle-Connection" bekannt.

Wie es scheint, ist es aussichtslos, in Deutschland vernünftig über Autos zu reden. Die traurige Wahrheit könnte sein: Wir wählen alle Automobilkonzerne, egal, was wir wählen. Und das ist ziemlich schade. Es macht alle wütend, die sich ohnmächtig fühlen, es bestärkt jene, die ohnehin an die teuflische Wirkung des Kapitalismus glauben und es ist einfach frustrierend für alle, die optimistisch in die Zukunft Deutschland schauen wollen.

Frau Merkel und die Pfiffe im Osten

Wie es scheint, reisen Anti-Merkel-Touristen in der Verkleidung der Biedermänner der Kanzlerin nach, um Veranstaltungen zu stören. Das ist nicht nur unfein, sondern schadet auch der Demokratie. Wie ergeht es den Menschen, die hören wollen, was Frau Merkel zu sagen hat? Lesen Sie dazu einen Bericht in der ZEIT.

Wie Wirtschaftsverbände Öl ins Feuer gießen

Die Wirtschaftsverbände gießen Öl in das Feuer des ohnehin kritischen Sozialklimas der Bundesrepublik Deutschland, dass ansonsten eher durch die SPD und „Die Linke“ mit Sozialneid befeuert wird.

Es geht um die Rente mit 70, und zumindest die Chefs zweier Institute sind daran beteiligt, den Zorn vieler Bürger auf sich zu ziehen und sie möglicherweise dadurch ins „Linke Lager“ zu treiben.

Nun ist die Diskussion über die Rente ja legal und auch nötig – aber wenn, dann bitte nicht so aufgeplustert populistisch und instinktlos. Und wo wir gerade bei politischer Instinktlosigkeit sind: auch namhafte CDU-Mitglieder zeigten in der Debatte ihr wahres Gesicht sozialer Instinktlosigkeit. Da fragt man sich wirklich, ob die CDU eine Volkspartei sein will und sein kann.

Was geschehen war? Frau Merkel hatte sich im Fernsehduell klar dazu bekannt, keine „Rente mit 70“ einzuführen. Daraufhin fühlten sich Michael Hüther (IW) und Marcel Fratzscher (DIW) veranlasst, gegenzuhalten und gegenüber verschiedenen Zeitungen ihr Missfallen zu der Äußerung auszudrücken. Das wäre wahrscheinlich regional vertröpfelt, wenn es nicht die dpa überall verbreitet hätte.

Dieser Satz von Fratscher machte vor allem die Runde:

Die demografische Entwicklung, die verlängerte Lebenszeit, machen ein späteres Renteneintrittsalter notwendig. Anders kann das System nicht finanziert werden.


Solche Sätze sollte niemand sagen, der Verantwortung trägt und wenigstes gelegentlich in Betriebe hineinhorcht, sei es in die mittleren Führungsetagen oder in die Arbeitnehmervertretungen. Denn schon das, was dort gedacht, gefühlt und erlebt wird, sieht ganz anders aus. Möglicherweise weiß dies der Ökonomieprofessor nicht, was seinen Satz aber nicht entschuldigt.

Grundlage für alle Überlegungen, gleich, ob richtig oder falsch, ist die Annahme, dass die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland mindestens konstant bleibt. Um die Prognose zu bekommen, stellt man die gegenwärtigen Beitragszahler den heute Geborenen gegenüber. Mit diesen Zahlen und der „demografischen Entwicklung“ wird dann begründet, warum die "Rente ab 70" kommen „muss“.

Der SPIEGEL schreibt, wie die statistische Milchmädchenrechnung aussieht:

Die Zahl der Rentner von morgen ist schon bekannt: Es sind die Beitragszahler von heute. Und aus der heutigen Zahl der Kinder ergibt sich im Wesentlichen das Arbeitskräftepotenzial von morgen.


Da stimmt, aber eben nicht ganz, und das „nicht ganz“ liegt in jedem Wort des zweiten Satzes. Kinder zahlen keine Versicherungsbeiträge, sondern nur versicherungspflichtig Beschäftigte, also beispielsweise keine Arbeitslosen, Beamten, Selbstständigen und andere Personen, die nicht unter die Versicherungspflicht fallen, oder die nicht im Inland arbeiten werden. Es kommt also darauf an, wie viele Menschen im Inland versicherungspflichtig beschäftigt werden können. Man muss nicht sonderlich intelligent sein, um festzustellen, dass damit die Rentenkassen sowohl besser gefüllt als auch schneller entleert werden können.

Natürlich könnte man – mal ganz sozial gedacht – den Unternehmeranteil an den Rentenbeiträgen erhöhen, doch dann wird die „Wettbewerbskarte“ gespielt – die Lohnnebenkosten, so heißt es dann, seien jetzt schon unerträglich hoch.

Eine Frage, die ganz offenbar im Selbstdarstellungskampf der Ökonomen untergegangen ist, kann ohnehin noch nicht beantwortet werden, nämlich wie sich die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre tatsächlich auswirkt. Für die nächste Legislaturperiode ist jedenfalls klar: Wir brauchen weder die Rente ab 70 noch ungebetene Rüffel aus den Elfenbeintürmen. Aber wir haben in Ruhe Zeit, eine vernünftige Diskussion über die Rente zu führen.

CDU-Politiker mokiert sich über englischsprachige Kellner

Das Sommerloch macht’s möglich: Ein gewisser Jens Spahn , seines Zeichens Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und CDU-Politiker, mokiert sich über „englischsprachige Kellner“.

Da hätte ich drei Tipps:

1. In Lokale gehen, in denen die Kellner deutsch sprechen.
2. Selber englisch lernen.
3. Die Ursachen feststellen.

Und vor allem: Mal wieder abregen. Jemand, der in Deutschland einen guten Job tut, tut auch dann einen guten Job, wenn er (noch nicht) so gut deutsch spricht.